Der Ferrari Purosangue ist das erste SUV der Marke, ein Gran Turismo mit erhaben erhöhter Sitzposition, ein Viertürer mit dem Herzen eines Operntenors und der Körpersprache eines Sprinters.
Seit Einführung dieses Berserkers läuft der Italiener so manchem Wettbewerber den Rekord ab. Nun hat Ferrari diesem Ausnahmeathleten ein neues Trainingsprogramm verpasst, das auf den klangvollen Namen „Handling Speciale“ hört und weniger nach Option als nach Manifest klingt.
Feinschliff für Ferrari Purosangue mit chirurgischer Präzision
Was in Maranello ersonnen wurde, ist eine stolze Haltung: Die neue, auf Anfrage erhältliche Konfiguration richtet sich an jene Fahrer, denen das Adrenalin im Blut nicht genügt, sondern die bereits beim Abschließen ihres Ferrari erste Entzugserscheinungen verspüren möchten – und dies auf fast masochistische Art genießen. Mechanik und Elektronik wurden mit der Sorgfalt eines Uhrmachermeisters neu abgestimmt, sodass jede Lenkbewegung wie ein präzise gesetzter Pinselstrich wirkt.

Herzstück der Verwandlung ist die neu kalibrierte aktive Fahrwerksregelung. Das Resultat: bis zu zehn Prozent weniger Karosseriebewegung. Eine Zahl, die trocken nach Theorie klingen mag, sich auf der Straße jedoch wie eine plötzliche Verdichtung der Realität anfühlt. Kurven werden nicht mehr durchfahren, sondern filetiert. Jeder Richtungswechsel wird zu einem Dialog zwischen Fahrer und Maschine, flüsternd, unmittelbar, kompromisslos.
Ein Dirigent mit zwölf Zylindern
Unter der langen Haube bleibt das Prunkstück unangetastet: ein frei atmender V12 mit 725 PS, vorne mittig platziert, der seine Kraft über ein Transaxle-Layout nach hinten verteilt. Doch auch hier hat die Handling-Speciale-Philosophie ihre Finger im Spiel. Neue Schaltstrategien lassen den Purosangue bei mittleren und hohen Drehzahlen nicht nur bissiger reagieren, sondern verleihen dem akustischen Erlebnis zusätzliche Tiefe. Da geht es nicht um Lautstärke, sondern um Tiefe, die auch ohne absolutes Gehör wahrgenommen werden kann.

Ferrari Purosangue mit „Handling Speciale“: Alltag trifft Ausnahmezustand
Bemerkenswert ist dabei die Weigerung, sich dem klassischen Dilemma hinzugeben: mehr Sport gleich weniger Komfort. Der Purosangue bleibt, was er war – ein viertüriger Viersitzer mit erstaunlicher Alltagstauglichkeit. Vier vollwertige Plätze, erhöhte Sitzposition, intuitive Bedienbarkeit. Nur dass der Gentleman nun Boxhandschuhe trägt.
Abgerundet wird das Gesamtbild durch exklusive Personalisierungsoptionen, die dem Fahrzeug eine noch individuellere Handschrift verleihen. Es ist, als hätte man einem ohnehin makellos sitzenden Anzug eine zusätzliche Lage Seide eingearbeitet – sichtbar nur für jene, die genau hinsehen, spürbar für jeden, der ihn trägt.
Und was kostet dieses Paket? Dazu macht Ferrari noch keine genauen Angaben, doch in Italien ist bereits die Rede von wohl über 40.000 Euro. Ohne Paket startet der Ferrari Purosangue bei rund 380.000 Euro und soll mit dem „Handling Speciale“ bei ungefähr 430.000 Euro liegen.
NewCarz meint dazu:
Man könnte ja zynisch fragen, ob ein Ferrari Purosangue wirklich noch mehr Schärfe braucht. Ein V12, vier Türen, vier Sitze und bereits ein Fahrverhalten, das viele klassische Sportwagen in Erklärungsnot bringt – ist das nicht schon das automobil gewordene Paradox? Und doch: Die „Handling Speciale“-Konfiguration wirkt weniger wie ein Übermaß als vielmehr wie eine logische Zuspitzung. Ferrari betreibt hier keine Effekthascherei, sondern Feinarbeit auf sehr hohem Niveau. Es ist die Art von Detailversessenheit, die man sonst eher aus der Haute Horlogerie kennt als aus der Welt der Hochleistungsfahrzeuge. Die Reduktion von Karosseriebewegungen um zehn Prozent mag auf dem Papier nüchtern erscheinen, auf der Straße jedoch dürfte sie den Unterschied zwischen „sehr gut“ und „elektrisierend“ markieren. Der Aufpreis ist allerdings kräftig. Doch auch im Werterhalt beziehungsweise in der Wertsteigerung dürfte diese Option ein bedeutendes Kriterium sein.
Quelle & Fotos: Ferrari / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
