Bereits seit dem Frühjahr 2016 verschönert der Infiniti QX30 das deutsche Straßenbild. Der zunächst nur mit Dieselaggregat erhältliche Crossover lässt sich seit Anfang 2017 auch mit einem 211 PS starken Benziner bestellen.
Grund genug, den kraftvollen Antrieb einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ob das bildhübsche Crossover-SUV aus Japan dem Premiumanspruch der Marke gerecht wird, zeigt dieser Fahrbericht.
Exterieur – Exotisches Antlitz
Dass der Infiniti QX30 auf der gleichen Plattform basiert wie der Mercedes-Benz GLA, zeigt sich dem geneigten Betrachter erst auf den zweiten Blick. Zu viel wurde hier optimiert, sodass das Antlitz aus Sicht der Redaktion durchaus als eigenständig bezeichnet werden kann.
Die Front zeigt grimmig dreinblickende Scheinwerfer mit markanter Tagfahrlicht-Signatur, während der üppig dimensionierte Kühlergrill mit Stolz das Infiniti-Logo trägt. Dazu gesellen sich kleine Einbuchtungen für angedeutete Lufteinlässe sowie ein silberfarbener Unterfahrschutz. Dieser dezent zerklüftete Eindruck generiert ein dynamisches Grundrauschen und steht dem Japaner außerordentlich gut zu Gesicht.
Betrachtet man den QX30 von der Seite, zeigt sich eine sehr geschwungene, fast schon leidenschaftlich gezeichnete Linienführung. Um auch dem „X“ im Namen gerecht zu werden, sorgen beplankte Radkästen für einen Hauch Offroad-Ästhetik.
Das Heck des Infiniti QX30 polarisiert gar noch stärker als die Frontansicht. Ein herrlicher Kontrast aus geschwungenen Linien und markanten Abschlüssen pointiert die Sonderstellung des kompakten Crossover und sollte jedem Individualisten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dafür sorgen ein weit nach oben gezogener Unterfahrschutz samt integrierten, rechteckigen Endrohrblenden, weit in die Seite gezogene LED-Heckleuchten sowie ein markanter, aber keinesfalls protziger Dachkantenspoiler.
Fortwährende Abwechslung versprechen derweil die nach oben geschobene Heckklappe und die daraus resultierende, schmale Heckscheibe.
Interieur – Basics und Loungecharakter
Im Innenraum wird der Verweis auf die Herkunft nun doch etwas deutlicher. Die Tachoeinheit samt farbigem Info-Display wurde hier ebenso vom Daimler übernommen wie weite Teile der Mittelkonsole. Doch sei´s drum. Nach kurzer Eingewöhnung erleben wir im Infiniti QX30 eine überraschend superiore Note, die vor allem in kleinen Details immer wieder auf´s Neue erlebt werden kann. Ob ein Blick auf die Hochtöner der Bose-Anlage oder die loungeartig geformten Ledersitze – der Crossover weiß, wie er seine Insassen zu verzücken hat.
Gleiches gilt für das angenehm dick gepolsterte Lenkrad, welches jedoch aus Sicht der Redaktion eine Größe kleiner hätte ausfallen können.
In puncto Platzangebot gibt es ebenfalls wenig zu beanstanden. Mit vier Personen lässt es sich entspannt reisen, Platz Nummer fünf ist – wie bei vielen Fahrzeugen – eher eine Notlösung und sollte möglichst nur auf kurzen Strecken genutzt werden. Was wir beim Q30 noch kritisierten, ist beim QX30 folglich gut gelöst worden.
Die höhere Sitzposition ist aus vielen SUVs bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass auch der QX30 gegenüber dem klassischen Q30 diesen Vorteil ausspielen kann.
Das Kofferraumvolumen beträgt 430 Liter, was dem Klassenstandard entspricht und auch für den Wocheneinkauf genügend Platz bietet. Wem dies nicht reicht, der kann mit wenigen Handgriffen die geteilte Rückbank umklappen. Einzig negativ ist die hohe Ladekante, sodass Wasserkästen oder andere schwere Güter erst über diese gewuchtet werden müssen.
Insgesamt wirken alle im Innenraum verarbeiteten Materialien hochwertig und sind passgenau verarbeitet. Nirgendwo gibt es Ecken oder Kanten, die auf unsachgemäße Verarbeitung hinweisen. Dies unterstreicht abermals den Premiumanspruch von Infiniti – selbst in den kleineren Klassen.
Technik & Assistenz – Rundum sorglos
Der Infiniti QX30 verfügt auf Wunsch über jede Menge Sicherheits- und Assistenzsysteme, die jedoch nicht alle im Testwagen zur Verfügung standen.
Der Notbremsassistent warnt bei drohender Kollision zunächst über eine nicht zu übersehende Anzeige im Kombiinstrument, um kurz darauf bei Unterlassen des Fahrers eine autonome Notbremsung einzuleiten. Wir haben es im Test soweit nie kommen lassen, die Warnung wurde jedoch gelegentlich angezeigt.
Die Spurhaltewarnung macht mit starken Vibrationen im Lenkrad auf sich aufmerksam, was im Test mit einer sehr hohen Trefferquote funktionierte. Die gleiche Quote konnte die Verkehrszeichenerkennung im Test erreichen, hier wurden stets alle Tempolimits unmittelbar im Kombiinstrument angezeigt.
Darüber hinaus gibt es einen Totwinkel-Warner, einen Abstandsregeltempomaten sowie eine Ultraschall-Alarmanlage.
Das Navigationssystem im Infiniti QX30 wartet mit einem 7-Zoll-Touchscreen und einer übersichtlichen Kartendarstellung auf. Auch die Routenführung ließ im gesamten Testzeitraum keinen Grund zur Beanstandung zu und navigierte uns stets zuverlässig zum gewünschten Ziel. Für Technik-Fans dürfte allenfalls der Bildschirm etwas klein ausfallen, wenn man ihn direkt mit aktuellen Konkurrenzmodellen aus Deutschland vergleicht.
Dafür verfügte unser Testwagen über das Digitalradio DAB sowie das optionale Soundsystem aus dem Hause Bose. Der rauchig satte Klang aus zehn Lautsprechern lässt etwaige Zweifel an eventuell zu mickrigen Displays in Sekunden verpuffen, sodass man sich gerne und lange dem Klang der Musik widmet. Dass selbst bei höheren Geschwindigkeiten keine Unruhe im Innenraum entsteht, ist derweil nicht alleine dem Bose-Soundsystem geschuldet.
Dank Active Noise Cancelling – einer aktiven Geräuschunterdrückung – wird je nach Lautstärkepegel im Inneren Gegenschall über die Hochtöner aus der A-Säule erzeugt, was wiederum sehr angenehm für Fahrer und Passagiere ist und abermals den Anspruch von Infiniti untermauert.
Im Übrigen erfolgte die Kopplung des Smartphones in wenigen Sekunden, die Verbindung riss im Folgenden nie ab. Die Klangqualität gestreamter Musik kann sich ebenfalls hören lassen und erwies sich im Test als sogar einen Tick besser als die des DAB-Radios.
Der von uns getestete QX30 verfügte über konventionelles Halogenlicht. Im Rahmen unserer Testszenarien erwies dieses sich als durchschnittlich und für den täglichen Gebrauch ausreichend. Wir raten jedoch zu den optionalen LED-Scheinwerfern, da diese bereits im Infiniti Q30 für eine superbe Ausleuchtung der Fahrbahn sorgten und den markanten Blick des Kompakten abermals unterstreichen. Wird das sogenannte Sensory-Paket konfiguriert, so erhält der Kunde neben den LED-Leuchten auch das adaptive Kurvenlicht sowie den Fernlichtassistenten Smart Beam.
Die dreistufige Sitzheizung verrichtet einen hervorragenden Job und hat mit der Stoffpolsterung leichtes Spiel. Binnen einer Minute werden Sitzfläche und -lehne gleichmäßig aufgeheizt, was dem Komfort überaus zuträglich ist.
Das schlüssellose Zugangssystem I-Key offeriert dezent integrierte Sensortasten in den vorderen Türen und einen Startknopf im Innenraum. Beides funktionierte im Test einwandfrei, beim Verriegeln klappt der Infiniti auf Wunsch auch die Spiegel an.
Motorisierung & Fahreigenschaften – AWD only
Wir fuhren den Infiniti QX30 mit 2.0-Liter-Turbobenziner und 211 PS – ein alter Bekannter, den wir bereits im Infiniti Q60 testen konnten. Auch hier stemmt der Vierzylinder maximal 350 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, welche die Kraft dank AWD auf alle vier Räder verteilt. Diese Verteilung erfolgt im Falle des großen Benziners immer über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Im Übrigen ist der kompakte Crossover ausschließlich mit Allradantrieb zu bekommen.
Nach dem Anlassen fällt bereits der kultivierte Motorlauf des zwei Liter großen Vierzylinders auf. Die ersten Kilometer führen durch die City – dichter Berufsverkehr inklusive. Die schnell agierende Start-Stopp-Automatik erweist sich hier als besonders effektiv und schaltet den Motor immer erst dann ab, wenn das Fahrzeug mindestens eine Sekunde lang stillsteht.
Das Fahrwerk ist sehr neutral abgestimmt und besticht durch eine straffe Federung, die den Begriff „schwammig“ noch nie gehört zu haben scheint. Kanaldeckel und Fahrbahnbelagwechsel werden zwar deutlich wahrgenommen, doch dringen sie nie bis in den Innenraum vor. Übrigens: Im Vergleich zu vielen anderen Doppelkupplungsgetrieben, gibt es beim 7-Gang-DKG des QX30 keinerlei Rucken beim Anfahren, was uns überaus positiv aufgefallen ist.
Der Parkassistent arbeitete im Test übrigens sehr akkurat, jedoch benötigt es hierfür eine Parklücke, in die auch ohne Probleme ein QX70 passen würde. Derart abgesichert, manövriert der Assistent den kompakten Crossover sanft und vorsichtig in die gewünschte Position. Das dauert zwar seine Zeit, dafür steht der QX30 dann aber auch wie mit dem Lineal abgemessen.
Abseits urbaner Gefilde können wir dem 211 PS starken Kompakten dann die Sporen geben. Der Motor dreht herrlich frei hoch, ein Turboloch ist hier nicht zu detektieren. Auf der Landstraße fühlt sich der Infiniti QX30 sichtlich wohl und generiert ein hohes Maß an Fahrspaß. Über eine kleine Taste neben der zierlichen Schaltkulisse kann der Fahrer zwischen „Eco“, „Sport“ und „Manuell“ wählen. Bei jedem Neustart ist automatisch „Eco“ voreingestellt. Wir wählen „Sport“ und der Kompakte zeigt sich hier sogar richtig bissig. Überholmanöver werden problemlos ausgeführt und Traktionsverluste sind dank Allradantrieb so gut wie ausgeschlossen.
Dem Wechsel auf „Manuell“ folgen ein paar scharfe Kurven und wir sind erstaunt, wie souverän das Fahrzeug auf die engen Kehren und die leicht feuchte Fahrbahn reagiert. Kein Winseln der Reifen, kein Ausbrechen. Mit fast stoischem Gemüt vollzieht der Infiniti QX30 jedes ihm abverlangte Manöver.
Zurück im Modus „Eco“ nehmen wir Kurs auf die Autobahn. Hier hinterlässt der Crossover bereits nach einigen Kilometern einen vernünftigen Endruck, der sich im weiteren Verlauf des Tests manifestiert. Der Infiniti QX30 besitzt nicht zu verachtende Langstrecken-Qualitäten, was etwaige Zweifel an seinem Einsatzzweck schnell relativiert. Auch nach gut 350 Kilometern am Stück kommt keine Müdigkeit auf. Spurtreue und Contenance sind bemerkenswert und auch höhere Geschwindigkeiten über eine längere Zeit strapazieren mit dem bis zu 230 km/h schnellen QX30 nicht das Nervenkostüm des Fahrers.
Am Ende bleibt das Kapitel „Verbrauch“. Hier pendelte sich der Crossover bei 7,1 Litern pro 100 Kilometer ein, was rund 0,4 Liter überhalb der Werksangabe liegt. Lässt man den 211 Pferden freien Lauf, so muss man am Ende mit einer Zehn vor dem Komma leben. Dafür belohnt der Infiniti QX30 eine defensive Fahrweise mit Werten um sechseinhalb Liter. Hier zeigt sich auch der Vorteil des Tankvolumens von 56 Litern in Form von recht seltenen Besuchen an der Tankstelle.
Fazit – Never ordinary!
Der Infiniti QX30 positioniert sich mit Stil und Charisma im hart umkämpften Segment der kompakten Crossover. Durch seine bildhübsche Formgebung und den souveränen Antrieb hebt er sich aus der Masse ab und weiß seine Eigenschaften gekonnt einzusetzen. Weniger SUV-affine Interessenten sollten derweil einen Blick auf den ebenfalls leidenschaftlich gezeichneten, klassischen Q30 werfen.
Die umfangreiche Ausstattung sowie der sicherheitsversprechende Allradantrieb prädestinieren den QX30 zudem auch für eine Klientel, die bisweilen eher ein Auge auf deutsche Premium-Marken geworfen hat. Zu Recht? Ja, der Infiniti ist kein Trendsetter, sondern eine stylische Konstante mit Mut zum Anderssein. Man mag sein Design oder man mag es nicht. Aber eins möchte der QX30 niemals sein – gewöhnlich.
Der künftige Besitzer genießt den Exotenstatus seines Fahrzeugs, was im Falle des QX30 ein echtes Statement ist. Mit mindestens 38.000 Euro ist der QX30 sicher kein Schnäppchen erster Klasse. Wohl aber eines der Fahrzeuge, die seinen Besitzer für die nächsten Jahre wunschlos glücklich macht – auch unter Zuhilfenahme einer Prise Noblesse.
Text / Fotos: NewCarz
Kamera: Canon EOS 6D
Audi Q2, BMW X2, Mercedes-Benz GLA, VW T-Roc, Volvo XC40, Range Rover Evoque
Technische Daten: Infiniti QX30 2.0t DCT AWD
Länge x Breite x Höhe (m): 4,43 x 1,82 x 1,53
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor mit Turboaufladung
Leistung: 155 kW (211 PS)
Hubraum: 1.991 ccm
Max. Drehmoment: 350 Nm
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allradantrieb
Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 6,7 L/100 km
Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 7,1 L/100 km
CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 155 g/km
Abgasnorm: Euro 6d-TEMP
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,3 Sekunden
Leergewicht: 1.542 kg
Laderaumvolumen: 430 Liter (1.589 Liter bei umgeklappten Rückenlehnen)
Kraftstofftank: 56 Liter
Neupreis des Testwagens inklusive Sonderausstattung: ca. 42.940 Euro (Infiniti QX30 ab 37.260 Euro)
Sorgt seit 2015 stets für den „Nachschub“ an automobilen Neuigkeiten, ob als Modellpremieren, Modellpflege oder strategische Neuausrichtung von Herstellern – um nur einige zu nennen. Sein enger Draht zu den Herstellern ist ein Garant für brandneue Informationen und Autonews aus erster Hand. Seine automobile Vorliebe gehört vor allem den gut motorisierten Cabrios und Coupés dieser Welt.
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