Modellpflege für den Elektro-Familienwagen: Renault erweitert für den Scenic E-Tech elektrisch 2027 die Batterieauswahl, beschleunigt das Laden und bringt neue digitale Funktionen.
Die wichtigste Neuerung steckt in diesem Fall dort, wo man sie nicht sieht: im Unterboden. Renault bietet den Scenic künftig mit einer 89 kWh großen NMC-Batterie für die Long-Range-Version an. Damit sind laut WLTP bis zu 632 Kilometer möglich. Gleichzeitig kommt zu einem späteren Zeitpunkt eine 67 kWh große LFP-Batterie hinzu, die in der Comfort-Range-Ausführung bis zu 459 Kilometer Reichweite ermöglichen soll.
Beide Varianten werden mit dem 160 kW (218 PS) starken Elektromotor kombiniert. Damit dürfte der Scenic seine Rolle als Familienfahrzeug nicht nur im Stadtverkehr, sondern auch auf längeren Strecken überzeugender ausfüllen.
Kein Ladedruck durch mehr Ladeleistung
Das klingt paradox? Vielleicht für einen Verbrenner mit Turbolader, aber nicht im Fall eines Elektroantriebes. Doch der Reihe nach.
Mehr Reichweite ist die eine Seite der Medaille, möglichst kurze Ladepausen die andere. Renault hat deshalb auch die Ladeperformance überarbeitet. Die 89-kWh-Batterie kann an Gleichstrom-Schnellladestationen mit bis zu 150 kW geladen werden. Der Sprung von 15 auf 80 Prozent soll dabei 28 Minuten dauern. Gegenüber dem bisherigen Modell entspricht das einer Verkürzung der Ladezeit um rund ein Viertel.
Die später verfügbare 67-kWh-LFP-Batterie legt beim Ladetempo sogar noch etwas zu. Sie akzeptiert bis zu 165 kW und soll den Ladezustand an einer entsprechenden DC-Säule innerhalb von 24 Minuten von 15 auf 80 Prozent bringen.

Interessant ist dabei die Wahl der Zellchemie. Renault setzt bei der kleineren Batterie auf Lithium-Eisen-Phosphat, kurz LFP. Die Technologie gilt als robuste und kostengünstige Alternative zur NMC-Batterie. Eine besondere technische Lösung ist die Cell-to-Pack-Architektur mit 232 dicht gepackten Zellen. Renault spricht von einer Packing-Effizienz von 53 Prozent. Viel Batterie auf vergleichsweise wenig Bauraum ist schließlich auch im Elektroauto eine ziemlich praktische Angelegenheit.
Innenraum des Renault Scenic E-Tech elektrisch 2027
Auch optisch und beim Interieur legt Renault nach. In der Ausstattung Techno erhalten Sitze und vorderer Innenraum neue Bezüge. Der verwendete PET-Stoff besteht zu mehr als 95 Prozent aus recyceltem Garn. Ergänzt wird er durch einen strukturierten, beschichteten Stoff mit mindestens zwölf Prozent Recyclinganteil.
Die Sitze sollen zugleich mehr Unterstützung und Komfort bieten. Das Armaturenbrett präsentiert sich in Carbon-Schwarz und wird durch Ziernähte im Blitz-Design akzentuiert. Eine passende Reminiszenz an den elektrischen Charakter des Scenic.


Auch Esprit Alpine und Iconic erhalten Veränderungen. Bei Esprit Alpine kommen Verkleidungen mit Titanspektral-Effekt zum Einsatz, deren Anteil an recyceltem ABS-PC mindestens 75 Prozent beträgt. Die Iconic-Ausführung bietet weiterhin zwei Interieurvarianten, darunter ein Titanschwarz mit neuer kubischer Verkleidung sowie eine hellgraue Ausführung mit Dekorelementen in Holzoptik.
Für die Außenhaut stehen insgesamt sieben Lackierungen zur Verfügung. Neu sind Schiefer-Blau Satiniert und Mineral-Grau. Ergänzt wird das Angebot durch zwei neue Räder in 19 und 20 Zoll.
Assistenzsysteme mit intellektuellem Zuwachs
Auch bei den Fahrerassistenzsystemen hat Renault Hand angelegt. Die serienmäßige adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie der je nach Ausstattung verfügbare Active Driver Assist analysieren Verkehr und Fahrzeugumgebung nun detaillierter.
Eine neue Multi-Target-Funktion kann mehrere Fahrzeuge gleichzeitig verfolgen. Dadurch soll das System beispielsweise besser erkennen, wenn andere Verkehrsteilnehmer in die eigene Spur einscheren, abbiegen oder langsamer werden. Gerade im dichten Verkehr kann das zu einer gleichmäßigeren Arbeitsweise der Assistenzsysteme beitragen.
Der Active Driver Assist erhält darüber hinaus eine verbesserte Realistic View, eine schnellere Erkennung vorübergehender Spurabweichungen bis 70 km/h sowie einen Nothalteassistenten, der das Fahrzeug bei ausbleibender Reaktion bis zum Stillstand abbremst.
Interessant für die Reichweitenoptimierung ist der Predictive Eco Driving Assistant. Er nutzt Kartendaten, um beispielsweise bevorstehende Kurven, Kreisverkehre oder Kreuzungen zu berücksichtigen und entsprechende Empfehlungen für eine effizientere Fahrweise zu geben. Renault nennt dabei ein Einsparpotenzial von bis zu sechs Prozent.
Wachsames Auge kontrolliert den Fahrer
Eine Innenraumkamera übernimmt beim aktualisierten Scenic zudem die Fahrerüberwachung. Sie soll Anzeichen von Müdigkeit und Ablenkung erkennen und wird gleichzeitig für die Fahrererkennung genutzt. Je nach Ausstattung kann das Fahrzeug dadurch beim Einsteigen automatisch persönliche Einstellungen wie Sitzposition, Navigation, Multimedia und Ambientebeleuchtung aktivieren.
Auch Safety Score und Safety Coach wurden erweitert. Beim Safety Score wird nun zusätzlich die Aufmerksamkeit des Fahrers berücksichtigt. Ein neuer Safety Monitor stellt während der Fahrt entsprechende Hinweise in Echtzeit auf dem Display dar.
Renault Scenic E-Tech elektrisch 2027 trifft Gemini
Beim Infotainment setzt Renault weiterhin auf OpenR Link mit Google-Diensten. Google Maps bietet inzwischen zusätzliche Möglichkeiten bei der Ladeplanung. Ladestationen entlang der Route können beispielsweise nach Betreiber, Ladeleistung oder Zahlungsmethode gefiltert werden.
Neu hinzu kommt Google Gemini. Der KI-Assistent soll komplexere Fragen verstehen und kontextbezogene Antworten liefern. Die Interaktion erfolgt in natürlicher Sprache. Ob Reiseplanung, Informationen unterwegs oder andere Aufgaben: Der Anspruch lautet, dass der Fahrer weniger mit Menüs und mehr mit dem eigentlichen Verkehrsgeschehen beschäftigt ist.

Für die Online-Dienste sind außerdem drei Jahre lang monatlich 2 GB Datenvolumen im Fahrzeug enthalten. Renault beziffert dies auf ungefähr 40 Stunden Audio- oder bis zu drei Stunden Video-Streaming pro Monat.
Smartphones lassen sich nach dem Qi2-Standard kabellos laden, bei kompatiblen iPhones über MagSafe. Damit verschwindet zumindest ein weiteres Kabel aus dem ohnehin gut gefüllten Familienfußraum.
Praktikabilität bis ins Detail
Beim Zubehör zeigt sich der Scenic ebenfalls auf Familienbetrieb eingestellt. Ein neues Ablagefach, ein doppelter Kofferraumboden mit zusätzlichem Stauraum sowie eine große zusammenklappbare Box für die zweite Sitzreihe sollen Ordnung schaffen.
Für die Kaffeepause beim Laden bietet Renault sogar eine neue Handpresso-Maschine an. Noch interessanter für reisefreudige Familien dürfte die Aero Cargo Box sein. Sie wird an der Anhängerkupplung montiert und erweitert den 545 Liter großen Kofferraum um weitere 310 Liter. Laut Renault soll dies die Reichweite dabei nicht nennenswert beeinflussen.
Auch Haustierbesitzer werden bedacht: Zum Zubehör gehören ein Autositz und eine Sicherheitsleine für Tiere.
Renault Scenic E-Tech elektrisch 2027: Made in France
Der Scenic E-Tech wird weiterhin in Frankreich produziert. Die Fertigung erfolgt im Werk Douai, das Teil des Renault-Produktionsverbunds ElectriCity ist. Auch die Batterie wird dort montiert, während die Zellen aus Polen stammen. Der Elektromotor kommt aus dem Renault-Werk im normannischen Cléon. Das Fahrzeug ist zudem für das europäische Batterie-Bonusprogramm qualifiziert.
Was kostet der Renault Scenic E-Tech elektrisch 2027?
Der aktualisierte Renault Scenic E-Tech startet bei 37.590 Euro. Damit bleibt der Stromer preislich unterhalb mancher Premium-Konkurrenten und bietet zugleich eine technische Aufrüstung, die vor allem bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit spürbare Fortschritte bringt.
NewCarz meint dazu:
Renault entwickelt den Scenic E-Tech mit bemerkenswerter Konsequenz weiter, ohne das Grundkonzept auf den Kopf zu stellen. Vor allem die Kombination aus bis zu 632 Kilometern Reichweite und deutlich verkürzten Ladezeiten macht den Elektro-Van für lange Strecken interessanter. Die neue LFP-Batterie erweitert das Angebot zudem um eine technisch anders ausgelegte und potenziell preislich attraktive Alternative. Dass Renault dabei Komfort, Assistenzsysteme und Alltagstauglichkeit gleichermaßen weiterentwickelt, passt hervorragend zum Charakter des Scenic. Familien mit Mobilitätsanspruch sollten hier einmal genauer hinschauen.
Quelle & Fotos: Renault / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
