Neue Long-Range-Plug-in-Hybride für Volvo XC60 und XC90 bringen deutlich mehr elektrische Reichweite, mehr Leistung und ein umfangreiches Technik-Update.
Volvo will zukünftig vollständig elektrisch werden. Nur hat die Realität bekanntlich die unangenehme Eigenschaft, sich nicht immer an Unternehmensstrategien zu halten. Deshalb setzt der schwedische Hersteller neben seinen batterieelektrischen Modellen weiterhin auf Plug-in-Hybride. Allerdings auf eine ziemlich konsequente Art. Der elektrische Anteil soll bei XC60 und XC90 künftig nicht mehr nur für die kurze Fahrt zum Bäcker oder die Pendelstrecke reichen.
Mit den neuen Long-Range-Plug-in-Hybriden spendiert Volvo seinen beiden großen SUV deutlich größere Akkus und kräftigere Elektromotoren. Die Batteriekapazität wächst von bislang 18,8 auf satte 41,2 kWh. Das entspricht einem Zuwachs von rund 119 Prozent. Gleichzeitig steigt die Leistung des Elektromotors von 115 kW (156 PS) auf 130 kW (177 PS). Das Ergebnis: eine elektrische Reichweite, die mehr als zweieinhalbmal so hoch ausfällt wie bei den bisherigen Plug-in-Hybridvarianten.
Damit verändert sich auch die Rolle des Plug-in-Hybrids. War er bislang häufig ein Fahrzeug, das elektrisch aus der heimischen Garage rollte und spätestens auf längeren Strecken den Verbrenner um Hilfe bat, soll er nun einen erheblichen Teil des Alltags rein elektrisch bewältigen. Für viele Fahrer dürfte der Benzinmotor damit tatsächlich zum gelegentlichen Mitarbeiter statt zum Hauptakteur werden.
Volvo XC60 und XC90 – mehr Akku, weniger Verbrenner
Das Grundprinzip bleibt dabei vertraut. Der Elektromotor übernimmt den Antrieb, der Benziner springt bei Bedarf ein. Der große Akku ist in den Fahrzeugboden integriert und lässt sich extern laden. Wer regelmäßig zu Hause oder am Arbeitsplatz Strom nachfüllt, kann entsprechend viele Alltagskilometer elektrisch zurücklegen.
Volvo verfolgt damit einen pragmatischen Ansatz. Während die vollelektrischen Modelle den Weg in die Zukunft markieren, sollen die neuen Plug-in-Hybride jene Kunden abholen, die noch nicht vollständig auf einen Verbrennungsmotor verzichten möchten oder können. Das ist weniger romantisch als die große Elektrovision, dürfte wirtschaftlich aber durchaus vernünftig sein.
Volvo-Chef Håkan Samuelsson bezeichnet die neuen Plug-in-Hybride gemeinsam mit dem vollelektrischen EX60 als besonders starkes elektrifiziertes Angebot im Segment der mittelgroßen SUV. Der XC60 spielt dabei ohnehin eine Hauptrolle, denn er ist das meistverkaufte Modell in der Geschichte der Marke. Der XC90 wiederum gilt als jenes Fahrzeug, mit dem Volvo seinen Anspruch im Premium-Segment nachhaltig etabliert hat.
XC60 bekommt ein neues Gesicht
Beim XC60 bleibt es allerdings nicht beim Antriebs-Update. Volvo nutzt die Gelegenheit für eine umfassende Überarbeitung von Design und Technik. Kühlergrill, Stoßfänger, Motorhaube und vordere Kotflügel wurden neu gezeichnet, dazu kommen neue Räder. Auch am Heck gibt es Veränderungen an Heckklappe, LED-Rückleuchten und Stoßfänger.


Am auffälligsten dürfte jedoch der Blick in die Augen des XC60 ausfallen. Die charakteristische „Thors Hammer“-Lichtsignatur wurde weiter reduziert und wirkt dadurch klarer und technischer. Gleichzeitig hält Matrix-LED-Technik Einzug. Volvo bleibt seiner nordischen Gestaltungslinie damit treu: weniger dekoratives Spektakel, mehr skandinavische Sachlichkeit. Wer nachts trotzdem Eindruck schinden möchte, muss eben hoffen, dass die Nachbarn die neuen Scheinwerfer bemerken.

Auch der Innenraum erhält eine Auffrischung. Armaturentafel und Türverkleidungen wurden neu gestaltet, neue Holzdekore sollen für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Optional gibt es belüftete Nappaleder-Sitze in Kardamom. Dazu kommt Ambientebeleuchtung. Volvo bleibt damit seiner Vorstellung von Luxus treu: möglichst wenig blinkendes Jahrmarktszubehör, dafür nachhaltige, wertig erscheinende Materialien, Licht und Ruhe.
Digitale Sicherheit im Volvo XC60
Noch umfangreicher fällt das Technik-Update aus. Volvo integriert beim XC60 eine neue Software- und Sensorplattform, die den Blick des Fahrzeugs auf seine Umgebung verbessern soll. Dass ausgerechnet Volvo dabei besonders gründlich hinschaut, überrascht niemanden.
Neu ist unter anderem der Door Opening Alert. Er warnt vor Radfahrern oder Fahrzeugen, die sich von hinten nähern, wenn jemand die Tür öffnen möchte. Hinzu kommen ein Kreuzungs-Bremsassistent sowie ein Notlenkassistent, der im Ernstfall selbstständig ein Ausweichmanöver einleiten kann.

Auch das Fahrerassistenzsystem Pilot Assist wird erweitert. Ein neuer Spurwechselassistent unterstützt beim Wechsel der Fahrspur, während die 360-Grad-Kamera künftig eine 3D-Ansicht liefert. Die Technik soll dabei möglichst unauffällig im Hintergrund arbeiten. Das ist durchaus sinnvoll, denn ein Assistenzsystem, das ständig um Aufmerksamkeit bettelt, ist ungefähr so entspannend wie ein Rauchmelder mit Lampenfieber.
Infotainment mit KI
Im Cockpit sitzt künftig ein 11,2 Zoll großer Bildschirm. Darauf läuft das aktuelle Volvo-Infotainmentsystem inklusive Google Gemini. Der KI-Assistent soll sich in natürlicher Sprache ansprechen lassen und beispielsweise bei der Reiseplanung helfen, Zwischenstopps suchen oder Nachrichten verwalten.

Interessant wird es, wenn die Systeme tatsächlich sinnvoll miteinander kommunizieren. Idealerweise sagt man dem Auto künftig einfach, wohin man möchte, und es erledigt den Rest, ohne daraus eine fünfminütige Menüführung zu machen.
XC90: Luxus auf sieben Plätzen
Beim XC90 fällt die Überarbeitung weniger spektakulär aus, denn das große SUV wurde bereits zum Modelljahr 2025 umfangreich modernisiert. Mit dem neuen Plug-in-Hybridantrieb bekommt der Siebensitzer nun vor allem mehr elektrische Ausdauer.

Der XC90 bleibt dabei seiner Rolle als komfortorientiertes Familien-SUV treu. Hochwertige Materialien, Holzdekore und viel natürliches Licht prägen den Innenraum. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann das Premium-Soundsystem von Bowers & Wilkins ordern. Dann wird aus dem Familienabteil beinahe ein Konzertsaal. Nur dass dort gelegentlich jemand in der dritten Reihe nach einem Ladekabel fragt.

Auch im XC90 hält Google Gemini Einzug. Gemeinsam mit den regelmäßigen Over-the-Air-Updates soll das Fahrzeug damit auch nach seiner Auslieferung technisch weiterentwickelt werden können.
Volvo XC60 und XC90 – Preise und Verfügbarkeit
Ganz ohne den Blick aufs Preisschild geht es natürlich auch bei Volvo nicht.
Der Einstieg in die XC60-Welt gelingt mit
- dem B5 AWD Mild-Hybrid-Benziner in der Ausstattung Core ab 59.990 Euro.
- Wer den neuen Long-Range-Plug-in-Hybrid möchte, zahlt für den T6 AWD mit 262 kW (357 PS) mindestens 69.990 Euro.
- In der Plus-Ausstattung werden 75.990 Euro fällig,
- während die Ultra-Version bei 79.990 Euro startet.
- Der stärkere T8 AWD Long Range Plug-in-Hybrid mit 339 kW (461 PS) ist ausschließlich ab Plus erhältlich und kostet 78.990 Euro.
- Als Ultra stehen mindestens 82.990 Euro auf dem Preisschild. Plus und Ultra sind bei den Plug-in-Hybriden jeweils in den Varianten Bright oder Dark erhältlich.
Beim größeren XC90 beginnt die Preisliste für
- den B5 AWD Mild-Hybrid mit 184 kW (250 PS) bei 81.490 Euro in der Core-Ausstattung.
- Der T8 AWD Long Range Plug-in-Hybrid mit 339 kW (461 PS) startet bei 90.990 Euro.
- In Plus-Ausführung werden 93.890 Euro verlangt,
- als Black Edition Plus 96.190 Euro.
- Die Ultra-Variante kostet 98.290 Euro,
- als Black Edition Ultra werden 100.590 Euro fällig.

Damit überschreitet der XC90 in seiner teuersten Ausführung bereits die 100.000-Euro-Marke. Für ein Familien-SUV ist das eine Ansage, selbst wenn der Begriff Premium im Prospekt traditionell einiges rechtfertigen muss.
Die Bestellbücher für die neuen Volvo XC60 und XC90 Plug-in-Hybride sind in ausgewählten Märkten bereits geöffnet. Die Produktion soll im Laufe des Herbstes anlaufen. Damit dürfte die neue Generation der Langstrecken-PHEV noch in diesem Jahr ihren Weg zu den ersten Kunden finden.
NewCarz meint dazu:
Volvos neue Plug-in-Hybride wirken wie ein erstaunlich vernünftiger Zwischenstopp auf dem Weg zum Elektroauto. 41,2 kWh im PHEV sind inzwischen eine Größenordnung, bei der der Benzinmotor im Alltag tatsächlich zur Reserve degradiert werden kann. Gleichzeitig bleibt die Langstreckentauglichkeit erhalten, ohne dass jede Reise zur Ladeplanung mit wissenschaftlichem Anspruch verkommt. Wenn Volvo dieses Versprechen an elektrischer Reichweite im Alltag auch halten kann, könnte der XC60 damit für viele Kunden die angenehme wie begehrenswerte Brücke ins Elektrozeitalter sein.
Quelle & Fotos: Volvo / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
