Porsche Cayenne S Diesel – Vorsicht! Selbstzündend!

Porsche Cayenne S Diesel

Bei einem Porsche Cayenne S Diesel mögen Kritiker insbesondere mit dem letzten Begriff so ihre Probleme haben: Sportliches Fahrzeug mit Dieselmotor – das beißt sich doch.

Aber Vorsicht, dieses Vorurteil kann einen ganz schnell als Lügner strafen. Auch in dritter Generation stellt der Cayenne ein wichtiges Standbein für den deutschen Sportwagenhersteller dar.

Seit der Modellpflege im Jahre 2014 wird der Porsche Cayenne S Diesel mit einer Optimierung des Kühlmanagements bedacht, wodurch sich neben einer leichten Leistungserhöhung auch eine Verringerung des Verbrauchs erreicht wird. Weiterhin erfüllt der V8 mittlerweile die Euro 6 Norm und muss dafür eine AdBlue Harnstoffeinspritzung konsumieren.

In unserer schnelllebigen Zeit könnte dieses Modell im vierten Jahr seiner Marktpräsenz bereits als angestaubt gelten. Doch ist das bei diesem Cayenne der Fall? In immer kürzeren Intervallen durchgeführte Modellwechsel und Modellpflege – vor gut 20 Jahren von vielen europäischen Automobilherstellern noch verpönt – scheinen nun weltweilt an der Tagesordnung.

Die Konkurrenz rückt dadurch immer schneller nach und zwingt alle mehr oder weniger zum Mitziehen. Ob der Porsche Cayenne S Diesel bereits Staub angesetzt hat, oder noch in vollem Glanz im Markt besteht, wollten wir genau wissen.

Wir haben das erfolgreiche SUV von Porsche einem umfangreichen Test unterzogen und die Resultate im nachfolgenden Fahrbericht zusammengefasst.

 

Exterieur – eindeutig Porsche, ungewohnt zurückhaltend

Ein Porsche ist ein Porsche. Zumindest äußerlich war das schon immer so und lässt sich bis dato durchaus bestätigen. Dementsprechend gilt dies auch für einen Cayenne, der markentypische Merkmale wie eine klassisch anmutende Scheinwerferform, die geschwungenen Kotflügel oder das unverkennbare Heckleuchtendesign zur Schau stellt.

 

Porsche Cayenne S Diesel
Sortierung einfach – das „Gesicht“ des Cayenne zeigt Porsche-Style en masse.

 

Auffällig dabei ist eine ungewohnte Zurückhaltung, welche durch geschickt ausgeklügelte Formgebung erreicht wird. Dabei wirkt das SUV kleiner als es in Wirklichkeit ist. Vor allem im direkten Vergleich mit seinen Vorgängern, wirkt der aktuelle Cayenne um eine gehörige Nummer kleiner – obgleich seine gesamten Ausmaße gewachsen sind.

Dabei wurde unter anderem mehr Wert auf Verwechslungen hemmende Details gelegt. Die Fahrzeugfront des Porsche Cayenne S Diesel ähnelt dadurch signifikanter der restlichen Modellpalette und avanciert ihn bereits auf den ersten Blick zum Inhaber eines Porsche-Wappens.

 

Porsche Cayenne S Diesel
Familienzugehörig – Man nehme die Silhouette & lege sie über ein beliebiges Porschemodell.

 

Auch die Seitenlinie des SUV profitiert von der Gestaltung der Frontpartie und lässt anhand der flachen Scheinwerfer die porschetypische Silhouette beginnen und beweist mit im Rahmen des „Exclusive“-Pakets verbreiterten Radhäusern, dass sowohl große 21-Zoll-Leichtmetallräder als auch ein variabel höhenverstellbares Fahrwerk gut unter den Porsche passen.

Eine aerodynamische Abrisskantenverlängerung in Form eines großen Dachspoilers am Heck sowie vier Endrohre stehen als Fingerzeig für die Leistung des Diesel-Achtzylinders. Von hinten wirkt das Greenhouse besonders schmal und fast aufgesetzt, wodurch die Abmessungen des Cayenne zusätzlich optisch verkleinert werden.

 

Porsche Cayenne S Diesel hinten
Tailliert – das schmale Greenhouse lässt den Cayenne kleiner wirken als er es ist.

 

Die wunderschön zum getesteten Cayenne passende Farbgebung in Saphirblaumetallic ist leider nicht mehr konfigurierbar, was wir sehr schade finden.

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Interieur – lang lebe das Erbgut

Keine Frage, hier schöpft der Cayenne im designtechnischen Potenzial seiner Modellgeschwister mit großer Kelle. Das ist absolut positiv zu sehen, denn seitdem zum Beispiel der noble Innenraum des 918 Spyder erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt wurde, verblüffte und erstaunte so manches Detail den Betrachter.

 

Porsche Cayenne S Diesel Armaturenbereich
VIP-Area – vornehm und edel zeigt sich das aufgeräumte Cockpit.

 

Details, denen man auch im Porsche Cayenne S Diesel begegnet. Die breite, nach vorn ansteigende Mittelkonsole, dass bei Berührungen fast Euphorie auslösende Lenkraddesign sind nur zwei besonders augenscheinliche Nutznießer dieser Vererbungsphilosophie. Die Anzahl der Bedienelemente auf der Mittelkonsole können Erstkontaktler mit einem Cayenne als etwas überfrachtet erachten, was sich aber nach kurzer Inaugenscheinnahme zügig verflüchtigen sollte.

 

Porsche Cayenne S Diesel Mittelkonsole
Ready for takeoff – die Mittelkonsole erinnert ein wenig an ein Flugzeug-Cockpit.

 

Ebenso kein Zufall dürfte der im Innenraum allgegenwärtige, typische Duft eines Porsche sein. Er lässt innerhalb von Sekunden die direkte Steuerung des Geruchssinns von Gesichtsmuskeln zu, um ein Lächeln zu erzeugen.

Doch der Cayenne riecht nicht nur gut, sondern er schmeichelt mindestens ebenso den Augen und dem Tastsinn des Betrachters. Das zweifarbig akzentuierte Naturleder in „espresso-cognac“ ist superweich, anschmiegsam und tadellos verarbeitet. Auch alle anderen Materialien wurden mit einer perfekten Passgenauigkeit verarbeitet. Sowohl hier als bereits am Außenkleid, trägt das bei Porsche perfektionierte Qualitätsmanagement eine fast verschwenderische Anzahl an Früchten.

 

Porsche Cayenne S Diesel Interieur
Maßanfertigung – hier passt einfach alles zusammen.

 

Das Lenkrad liegt sehr gut in den Händen, doch empfinden wir die Auspolsterung wie bei allen Porsche-Modellen – ausgenommen die GT-Modelle – als etwas zu dünn geraten. Ein dicker gepolsterter Lenkradkranz würde einfach besser zu diesem Auto passen.

 

Porsche Cayenne S Diesel Lenkrad
Schnittstelle für Fahrspaß pur – das beheizte Multifunktions-Lederlenkrad.

 

Dafür sind alle übrigen Elemente in perfekt ergonomischer Anordnung vorzufinden. Von den Türöffnern bis zu den Haltegriffen an der Mittelkonsole – alles passt perfekt und ist ohne umständliche Verrenkungen oder Bewegungen erreichbar. Einzig eine für ein modernes Smartphone dimensionierte Ablage vermissten wir um den Bereich des Fahrers.

 

Porsche Cayenne S Diesel Kombiinstrument
Multifunktional – das zweite von rechts stellt als TFT-Display auch Navigationskarten dar.

 

Die Lage des Zündschlosses – klarer Fall: links neben dem Lenkrad. Die klassischen Rundinstrumente im Kombiinstrument erfreuen mit einer überzeugenden Übersichtlichkeit, was man an der Stelle schon als fast selbstverständlich annehmen möchte. Dazu informiert das 4,8-Zoll große Farbdisplay über alle wichtigen Daten und Funktionen zum Auto.

Die adaptiven Sportsitze mit Komfort-Memory-Paket erweisen sich als für dieses Fahrzeug absolut standesgemäßes Gestühl und sorgen für entspanntes Verweilen mit besonderem Augenmerk auf Rücken und Sitzmuskeln, nicht ohne ein für einen Porsche erforderliches Maß an Seitenhalt vorzuweisen.

 

Porsche Cayenne S Diesel Vordersitze
Nicht nur vorne finden Insassen genügend Platz…

 

Das Platzgefühl ist auf allen Sitzen großzügig, auch wenn es bei vereinzelten Wettbewerbern teilweise noch verschwenderischer zugeht. Ein Panoramadach erlaubt eine lichtstarke Flutung des Innenraumes und verstärkt dadurch den freundlichen Charakter des Interieurs.

 

Porsche Cayenne S Diesel Rücksitze
…auch auf der Rückbank gibt es keine platztechnischen Engpässe.

 

Die Rundumsicht ist unter anderem dank des sehr tief angesetzten Armaturenträger hervorragend und in dieser Fahrzeugklasse beispielhaft. Keine Spur mehr vom festungsartigen Charakter des Armaturenbereichs vom Ur-Cayenne. Lediglich der etwas klein dimensionierte Innenspiegel und die kleinen Fensterchen zwischen C- und D-Säule trüben diesen Eindruck von absoluter Übersicht ein wenig.

 

Porsche Cayenne S Diesel Blick nach hinten
Sichtbarkeit – Diese ist nach hinten leicht eingeschränkt.

 

Klarer Fall: der Porsche Cayenne S Diesel wirkt optisch nach wie vor „up to date“. Keine Spur von obsoleten Details oder altbackenen Anmutungen.

Der Laderaum des größten SUV von Porsche wuchs seit dem ersten Modell von 540 auf mittlerweile 670 Liter. Ein bisschen weniger wurde es dagegen bei umgeklappten Rückenlehnen – nämlich nur noch 1.728 Liter statt 1.770 Liter beim ersten Modell 9PA. Im Falle des mit adaptiven Sportsitzen und dem 100-Liter-Tank ausgestatteten Testwagens reduzierte sich der Laderaum auf insgesamt 1.665 Liter. Unterm Strich bleibt der Laderaum also weitestgehend erhalten.

 

Dank der optionalen Luftfederung erlaubt eine Absenkung der Karosserie auf Ladeniveau ein besseres Be- und Entladen des Fahrzeugs.

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Motorisierung und Fahreigenschaften – Die Sportgeister, die ich rief

Es beginnt ganz klassisch: Schlüssel links vom Lenkrad ins Schloss, Zündung an und Anlassen. Der 4,2-Liter-Achtzylinder Diesel erwacht zum Leben und verkündet quasi mit vorgehaltener Hand von seiner Größe. Der dezente, wohlig klingende Sound im Standgas erinnert ein wenig an einen großvolumigen Bootsmotor, satt und leise brabbelnd.

 

Porsche Cayenne S Diesel Motor
Hier spielt die Musik – der Diesel-V8 zeigt Bärenkräfte.

 

Wählhebel auf „D“ und auf geht’s. Die achtstufige „Tiptronic S“ genannte Automatik schaltet zügig und bei normaler Fahrweise ruckfrei, fast unmerklich. Die Kraftentfaltung des Motors zeigt sich bärenstark und lässt sich hervorragend mit dem Gaspedal dosieren. Nach einer minimalen Gedenksekunde befeuert der Diesel die Kurbelwelle mit der Kraft aus acht Brennräumen. Bereits ab niedrigen 1.400 Touren schiebt der V8 deutlich, um spätestens ab 2.000 Umdrehungen pro Minute jegliche Beherrschung zu verlieren.

Denn jetzt liegen 850 Newtonmeter an, verteilt dank aktivem Allradantrieb auf alle vier Räder, die den Cayenne regelrecht nach vorne katapultieren. Die Automatik schaltet sehr zeitig in den nächsthöheren Gang – klar, bei diesen Kraftreserven braucht man keine Drehzahlorgie um dennoch exorbitante Beschleunigungswerte zu erzielen. 385 PS Maximalleistung stehen zur Verfügung.

 

Porsche Cayenne S Diesel Endrohre
Statt Dieselrasseln dezenter V8-Sound.

 

Bei all diesen eruptiven Kräften wirkt das SUV extrem handlich, ja handzahm. Keine Spur von den 2,3 Tonnen Fahrzeuggewicht oder den im Gegensatz zu Limousinen und Kombis feudalen Abmessungen. Die mit der Exaktheit eines Skalpells arbeitende Lenkung erweckt ambitionierten Fahrspaß und hält immerzu direkten Kontakt zur jeweiligen Fahrbahn. Das Fahrwerk mit Luftfederung und Niveauregelung reagiert dank PASM – Porsche Active Suspension Management – je nach gewähltem Fahrmodus und der Fahrweise blitzschnell und verhindert Nick- und Wankbewegungen der Karosserie erfolgreich.

 

Porsche Cayenne S Diesel AdBlue
Blaues Plus – dank Harnstoffeinspritzung AdBlue schafft man Euro 6.

 

Nur bei extrem harter Gangart – und nur dann – spürt man den großen Achtzylinder auf der Vorderachse, der dann einen Hang zum Untersteuern provozieren kann. Ansonsten bleibt das SUV in nahezu allen Fahrsituationen bemerkenswert neutral, mit dem Potenzial eines mittels dosierter Motorleistung jederzeit leicht übersteuerndem Heck – ein Traum an jedem Kurvenausgang. Im Sport-Plus-Fahrmodus hockt der Cayenne für diese Gangart härter und flacher über der Fahrbahn, die Automatik wechselt mit trocken schnalzendem High-Speed die Gänge und lässt den Achtender weit ausdrehen.

Der Klang ist dabei stets ganz dem eines V8 zuzuordnen. Nicht mit der Urgewalt eines amerikanischen Achtzlinders oder der pathetischen Klangkulisse eines AMG, aber mit einem zurückhaltenden, sanften, wohligen Sound in typischer Eightball-Manier.

Das Ergebnis erhört man übrigens ohne die Mithilfe einer ausgetüftelten Programmierung für einen Soundgenerator. Wobei im Endeffekt es aber belanglos sein dürfte, woher der Sound kommt, so lange er dabei so natürlich klingt wie im Porsche Cayenne S Diesel (ja, auch Soundgeneratoren können heute authentisch klingenden, von natürlichem Klang kaum unterscheidbaren Sound produzieren).

 

Porsche Cayenne S Diesel schräg hinten
Unerreicht – das Fahrwerk des Cayenne bietet Sportlichkeit wie kein anderer dieser Klasse.

 

Sicherlich gibt es aktuell ähnliche Diesel-SUV mit noch mehr Leistung, doch kaum eines kann ein derart sportives und temperamentvolles Fahrwerk vorweisen – hier zeigt Porsche wiederholt eindrucksvoll die Möglichkeiten von sportlichen Ambitionen, welche in einem Fahrzeug dieses Ausmaßes und Gewichts möglich sind. Müßige Diskussionen über Sportwagen und deren Größe, Form und Aussehen lassen wir bewusst außen vor. Ein SUV ist kein Mittelmotorsportwagen mit Heckantrieb – will dies auch gar nicht sein. Doch unter allen SUV vermag der Cayenne die sportlichste Art der Fortbewegung darzustellen. Punkt.

 

Porsche Cayenne S Diesel PCCB
Yellow Devastator – Die Keramikbremsen vollziehen Energievernichtung auf höchstem Niveau

 

Die optionalen, absolut kompromisslosen Keramikbremsen „Porsche Ceramic Composite Brake“ – kurz PCCB, zu erkennen an den gelben Bremssätteln – bändigen das SUV erwartungsgemäß souverän. Dabei fordern sie im kalten Zustand einen erhöhten Kraftaufwand am Bremspedal, verzögern aber insbesondere im warmen Zustand spielerisch dosierbar, bei Bedarf auch derart brutal, dass man bei sensiblem Verdauungstrakt mitunter auch akute Übelkeit erzeugen kann. Ein netter Nebeneffekt der Keramikbremsanlage ist der fehlende oder zumindest stark verminderte Bremsstaub – die Felgen bleiben viel länger sauber.

 

Porsche Cayenne S Diesel Verbrauch
Mit diesem Verbrauchswert ist man schon mit agilem Gasfuß unterwegs.

 

Ein Kapitel, in dem der Porsche Cayenne in der Vergangenheit viel Kritik einstecken musste, ist der Verbrauch. Eines vorweg: Der ungezügelte Konsum fossiler Brennstoffe gehört auch bei Porsche seit längerem der Vergangenheit an. Vorbei sind die Zeiten, als ein Cayenne Turbo der ersten Generation nach einer exzessiven Vollgasfahrt bereits nach gut 250 Kilometern mittels Warnsignal seine Sehnsucht nach einer Tankstelle bekundete – bei 100 Litern Tankvolumen.

Dieser Porsche Cayenne S Diesel zeigt, dass es auch anders geht. Die Range ist zwar immer noch je nach Fahrweise breit, aber längst nicht mehr so weit gezogen, wie der Horizont bei einem Sonnenuntergang am Meer. Wer moderat unterwegs ist aber nicht auf den einen oder anderen Fahrspaß verzichten möchte, kann sich auf einen Verbrauch zwischen 10 und 12 Liter einstellen. Wenn man es drauf anlegt und Moos über das Gaspedal gedeihen lässt, schafft man sogar die angegebenen acht Liter auf 100 Kilometer.

 

Porsche Cayenne S Diesel Fahrwerkssteuerung
Alles geregelt – je nach Fahrmodus wird der Cayenne sanftmütig oder ungestüm.

 

Lässt man so richtig die „Kuh fliegen“, resümiert dies in einem Verbrauch zwischen ungefähr 15 bis 17 Litern. In Anbetracht der prägnanten Leistungs- und Fahrwerte ist dies ein immer noch erstaunlich akzeptabler Wert.

Eine angenehme Ruhe im Innenraum verdanken die Insassen nicht zuletzt der optionalen Geräusch- und Wärmeschutzverglasung, welche Fahr-, insbesondere Windgeräusche erfolgreich minimiert.

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Assistenz und Sicherheit – lean back and enjoy

Eine Vielzahl an Assistenzsystemen sorgen im SUV für diverse Hilfen und Unterstützungen für den Fahrer.

Der radarunterstützte Abstandsregeltempostat zeigt neben dem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug auch die Differenz von der aktuell eigenen Geschwindigkeit, zu der des vorausfahrenden Fahrzeugs an. Eine sehr vorteilhafte Hilfe zum frühzeitigen Erkennen von Geschwindigkeitsdifferenzen.

 

Porsche Tempostat
Schneller als der Vordermann – das orangefarbene Dreieck stellt den Cayenne dar, das Weiße den Vorausfahrenden.

 

Die Funktion des Tempostats war während unseres Tests unter allen Umständen in vollem Umfang und absolut fehlerfrei gegeben. Der Einsatzbereich liegt zwischen 30 und 210 km/h, was den Großteil der alltäglichen Anforderungen abdecken sollte.

 

Porsche Cayenne S Diesel Radar
TACAN – Radartechnik sei dank, erkennt der Cayenne alle Verkehrsteilnehmer.

 

Das Porsche Active Safe – PAS – warnt bei zu schnellem Auffahren optisch und akustisch – übrigens recht eindringlich. Ignoriert man dies, gibt es einen kurzen Bremsimpuls, bei Bedarf löst das System auch eine Vollbremsung aus.

Der Bergabfahrassistent PHC – Porsche Hill Control – lässt sich erst bei mindestens zwölf Prozent Gefälle aktivieren. Zusätzlich muss sich der Cayenne in einem Geschwindigkeitsbereich zwischen drei und 30 km/h bewegen. Während des aktiven Assistenten darf weder Brems- noch Gaspedal betätigt werden. Der Assistent übernimmt die Bergabfahrt vollautomatisch.

 

Porsche Cayenne S Diesel Totwinkelassistent
Totwinkel oder Spurwechsel – diese optische Warnung bleibt nie ungesehen.

 

Wer dies noch nicht ausprobiert hat, dürfte anfängliche Probleme beim Unterlassen jeglicher Bedienungen des Fahrzeugs erfahren – vom Lenkrad mal abgesehen. Doch bereits beim zweiten Mal sorgt das zuvor erfahrene Vertrauen für die entsprechende Routine, um diese Automatisierung durchaus auch genießen zu können.

Das ESP, welches bei Porsche PSM heißt, regelt grundsätzlich später als in anderen Fahrzeugen, aber immer in sicherheitsrelevanten Bereichen. Nur im Sport-Plus-Modus erhält der Fahrer einen zusätzlichen Freiraum für sportives Fahren. Eine komplette Abschaltung des PSM ist nicht möglich.

Die elektrische Parkbremse funktioniert halbautomatisch. Das heißt, die Aktivierung muss stets manuell erfolgen. Die Deaktivierung geschieht automatisch beim Losfahren – vorausgesetzt alle Türen sind geschlossen und der Fahrer hat den Sicherheitsgurt angelegt.

Die per Kamerabildauswertung basierende Verkehrszeichenerkennung konnte nicht immer überzeugen, da sie immer wieder entsprechende Zeichen ignorierte – vollends geschah dies bei Geschwindigkeitsbegrenzungen mit Zusatzzeichen wie zum Beispiel „bei Nässe“. Das gelingt anderen Systemen besser.

Das Xenonlicht in Verbindung mit dem PDLS – Porsche Dynamic Light System – passt je nach Geschwindigkeit und Fahrtrichtung die Lichtverteilung an. Kurven- und Abbiegelicht gehören ebenso dazu. Die Ausleuchtung des Xenonlichts zeigt sich gleichmäßig mit etwas scharfer Hell/Dunkelgrenze. Im Vergleich zum Wettbewerb zeigen sich die Ergebnisse im guten Mittelfeld.

Optional kann man den Cayenne auch mit Voll-LED-Scheinwerfern und dem PDLS-Plus ausstatten, wodurch das adaptive Fernlicht und ein Kreuzungslicht hinzukommen. Diese Ausstattung ist aus unserer Sicht durchaus eine sinnvolle Investition.

Ein Spurwechselassistent und Spurverlassenswarner überzeugte in der Praxis mit sehr wenigen Fehlinterpretationen sowie einer zuverlässigen Kombination mit einem Totwinkelassistenten, welcher auch vor schnell herannahenden Fahrzeugen warnt. Bei artgerechter Bewegung des Porsche Cayenne S Diesel bleibt dieser allerdings erwartungsgemäß fast immer arbeitslos.

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Ausstattung und Komfort – Mission possible

Unser Porsche Testfahrzeug besaß eine Anthologie an Sonderausstattungen im Wert von knapp 47.000 Euro – es blieben dadurch erwartungsgemäß kaum Wünsche offen. Und dennoch ist die Ausstattungsliste damit noch nicht ansatzweise erschöpft. Gerne kann man diesen Betrag noch einmal verdoppeln und sich seinen Cayenne umfangreich individualisieren.

Sehr angenehm und auch zur Vermeidung des Türzuschlagens zu nächtlichen Zeiten, zieht die Soft-Close-Automatik alle Türen beim Anlehnen sanft und leise in das Schloss.

 

Porsche Cayenne S Diesel PCM
Könnte größer sein – der Touchscreen des PCM wirkt fast schon unterdimensioniert.

 

Das Navigationssystem wird über den in der Gesamtheit ein bisschen klein anmutenden Touchscreen des Porsche Communication Management – kurz PCM – und optional über ein dynamisches Display in einem der fünf Rundinstrumente des Kombiinstruments angezeigt. Beide Displays besitzen eine gestochen scharfe Auflösung, welche mit dem übersichtlichen Kartenmaterial leichtes Spiel haben.

Die Sprachsteuerung funktioniert gut, wobei eine etwas geradlinigere Menüstruktur – wie auch in den anderen Untermenüs des PCM – durchaus wünschenswert wäre. Zumindest hier zeigt sich ab und an, obgleich nur vereinzelt, der Zahn der Zeit. Wen wundert dies, denn nirgendwo sonst vermisst man neue Innovationen und Annehmlichkeiten als in den multimedialen Gegebenheiten und Anwendungen.

 

Porsche Cayenne S Diesel Sitzmemory
3 Wünsche frei – die Memoryfunktion der Sitzverstellung.

 

Eine Bluetoothverbindung mit allen gängigen mobilen Geräten erweist sich als problemlos und in Sekundenschnelle umsetzbar. Eine Schrifterkennung ermöglicht zusätzlich durch auf dem Touchscreen geschriebene Buchstaben einen jeweils alphabetischen Aufruf entsprechender Navigationsziele oder aber Telefonbucheinträge.

Die adaptiven Sportsitze im Porsche Cayenne S Diesel entbehren jeglicher Kritik. Phänomenal bezeichnen wir ihre Anpassungsfähigkeit an die Ergonomie des menschlichen Stütz- und Sitzapparates. In sage und schreibe 18 Wegen findet man definitiv die jeweilig optimale Sitzposition und kann diese in einer der pro Vordersitz drei Speicher sichern. Die Wärme der Sitzheizungen schafft es trotz des opulenten, sehr weichen Lederbezuges erstaunlich schnell und spürbar den Rücken und das nach Wärme lechzende Hinterteil zu erreichen.

 

Porsche Cayenne S Diesel Bose
Bose-Sound – Klingt sehr gut, ist aber mittlerweile kein Benchmark mehr.

 

Das Bose-Sound-System beschallt das SUV dank 585 Watt über 14 Lautsprecher mit einem sauberen, voluminösen und dabei natürlichen Klang. Dabei muss man aber feststellen, dass dieses System längst nicht mehr an der Spitze der Hi-Fi-Systeme bestehen kann. Da gibt es bedeutend besseres – auch aus dem eigenen Hause.

Das Multifunktions-Sportlenkrad ist generell – wie bei vielen Marken und Modellen – nur bei eingeschalteter Zündung bedienbar. Stellt man den Motor ab, sind alle Funktionen – von der Lautstärkeeinstellung bis zur Telefonbedienung – deaktiviert.

Als kleines Highlight verfügte unser Testwagen über das Porsche Rear Seat Entertainment Plus System, zu dessen Umfang zwei autark arbeitende TFT-Bildschirme mit je 10,1-Zoll Bildschirmdiagonale gehören.

 

Porsche Cayenne S Diesel Rear Seat Entertainment
Rollendes Kino oder Game-Station – dank Rear Seat Entertainment Plus.

 

Dem System zugehörige Bluetooth-Kopfhörer sorgen für störungsfreien und uneingeschränkten Konsum von Medien aus dem integrierten DVD-Player, von SD-Karten oder dem 32 GB großen internen Flash-Speicher, wahlweise auch über externe Quellen, welche über die USB- und HDMI-Schnittstellen verbunden werden.

 

Porsche Cayenne S Diesel Wifi
Surf to NewCarz – dank Wifi-Connectivity kein Problem.

 

Dank W-LAN-Fähigkeit gehört auch der Zugang zum Internet über dieses System dazu – beidseitig und unabhängig voneinander. Über die im Rahmen integrierten Kameras kann man das System unter anderem auch für Videotelefonie nutzen. Über die App „Porsche Remote Control“ gelingt auch die Bedienung über ein Mobilgerät wie ein iPhone.

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Varianten und Preise des Porsche Cayenne S Diesel

Vom besagten Premium-Diesel gibt es regulär nur eine Variante. Doch aktuell kann man den Porsche Cayenne S Diesel auch als „Platinum Edition“ bestellen. Diese Sonderserie gibt es bei allen Cayenne-Modellen – ausgenommen die Turbo- und GTS-Modelle. Dabei erhält der Cayenne eine gesonderte Kombination aus Designelementen für Exterieur und Interieur, wobei dunkle und schwarze Farben dominieren. Dadurch wird der sportliche Charakter nochmals unterstrichen.

Der Aufpreis für diese „Platinum Edition“ beträgt beim Cayenne S Diesel knapp 2.200 Euro und liegt dadurch bei einem Einstiegspreis von 90.417 Euro.

 

Porsche Cayenne S Diesel Tagfahrlicht
Fantastic Four – 4 LED’s piksen die Iris als Tagfahrlicht des Cayenne.

 

Lässt man sich bei der Konfiguration eines Porsche Cayenne S Diesel freien Lauf, summiert sich der Kaufpreis aufgrund einer scheinbar endlosen und mit starken Fokus auf Individualisierung getrimmte Ausstattungsliste auf über 180.000 Euro.

Um besagte Ausstattungsmöglichkeit zu verdeutlichen, muss man sich nur vor Augen führen, dass der Preis für sämtliche Sonderausstattungen den Grundpreis des SUV um gut 4.000 Euro übersteigt. Dabei sind die ebenso umfangreichen Tequipment Zubehörlisten noch gar nicht berücksichtigt.

Beim Blick auf die Konkurrenz sieht man beispielsweise beim Audi SQ7 einen um zirka 35.000 Euro höheren (!) Einstiegspreis. Ein satter Aufschlag, auch wenn man mit dem Audi den moderneren, kräftigeren Dieselantrieb – 435 PS und 900 Nm – erhalten würde.

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Was sagen die Kunden?

Aussagen und Meinungen von Kunden sind wie immer ein hervorragender Spiegel, um zu sehen wo Stärken und auch Schwächen eines bestimmten Modells zu finden sind.

Ein auffälliges Thema beim Porsche Cayenne S Diesel ist sein V8-Klang, welcher seit der AddBlue Einführung zugunsten der Euro-6-Einstufung verändert, oder besser gemindert wurde. Dies führt zu teilweise kontroversen Diskussionen um das Für und Wider dieses Umstandes. Einerseits wird der „verlorengegangene“ Klang vermisst, andererseits ist man um das Plus an Ruhe erfreut. Wir konnten zumindest in unserem Test dem S Diesel einen klar erkennbaren – wenn auch dezenten – V8-Sound bescheinigen.

 

Porsche Cayenne S Diesel Luftfahrwerk Display
Die Luftfederung ist eine oft gewählte Ausstattungsoption.

 

Mitunter gibt es Kritik am Panoramadach, das nach einiger Zeit an einer gewissen Schwergängigkeit leiden solle.

Ein heißer Diskussionspunkt ist die Spekulation um die mit dem Ende 2017 einhergehenden Modellupgrade zu erwartenden Aktualisierung des Antriebs, bei welcher der Umstieg auf den 4.0-Liter-V8 von Audi erwartet wird. Dabei gehen die Spekulationen von einem weiteren Leistungsplus bis hin zu einer Neuentwicklung eines Dieselantriebs, allein für Porsche – was aus unserer Sicht aber unwahrscheinlich sein dürfte.

Sehr zufrieden äußerte man sich besonders zum überschaubaren Kraftstoffkonsum und dem erstklassigen Fahrverhalten.

Diese Zusammenfassung bezieht sich ausschließlich auf den Porsche Cayenne S Diesel und darf wie immer als nicht repräsentative Stimmungsanalyse in deutschsprachigen Netzwerken verstanden werden. Nur Mehrfachbenennungen werden aufgeführt. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Fazit – Zentrum für Sport und Komfort

Hand aufs Herz: Der Porsche Cayenne ist ein Fahrzeug, welches seit Anbeginn polarisiert. Dazu gab es kaum ein anderes SUV, welches derart oft Kritik über sich ergehen lassen musste. Sei es in Anbetracht von Verbrauch oder der Sinnhaftigkeit eines solchen Gefährts.

Doch die 15 Jahre Cayenne-Existenz haben vieles bewirkt. Ein SUV-Trend wurde nicht gerade unbedeutend durch dieses erfolgreiche Modell beeinflusst

Doch der Porsche Cayenne hat auch enorm zugelegt – technologisch, optisch und vor allem auch emotional. Nie zuvor konnte ein SUV von Porsche sich so gekonnt in einen Mantel der Unscheinbarkeit hüllen und dabei voller Dynamik wirken. Er bleibt dabei natürlich immer noch respektabel und erhaben in seiner Erscheinung. Doch die martialisch, fast proletenhafte Selbstdarstellung des ersten SUV aus dem Hause Porsche gehört längst der Vergangenheit an.

 

Porsche Cayenne S Diesel Vollansicht
Überzeugungstat – Der Cayenne konnte sich in unserem Test sehr gut beweisen.

 

Dazu kommt eine modellübergreifende Rückkehr zu den Wurzeln – optisch und in Bezug des Anspruchs: Sportwagen en détail. Richtig gelesen, der Porsche Cayenne ist ein Sportwagen. Und zwar auf seine Art, entsprechend seiner Klasse und Größe. Mögen uns die Fahrer von Zweisitzern und Leistungsgewichten von weniger als 2kg/PS steinigen, doch in der Riege der SUV fährt sich ein Porsche Cayenne sportlicher als die meisten anderen ihrer Art – eben wie ein Porsche.

Der getestete Porsche Cayenne S Diesel dürfte seine maximale Reife erreicht haben. Technisch und in puncto Zuverlässigkeit. Gut, beim Thema Multimedia & Co. spürt man diese Reife mitunter als Überreife, da die Entwicklung in dieser Thematik einfach so rasant abläuft, wie ein Porsche selbst fahren kann.

 

 

Die außerordentliche Kombination aus Sportlichkeit und einem überwältigenden Repertoire an Komfort und Luxus lassen den Cayenne ganz vorn mitspielen. Der kraftvolle Antrieb harmoniert hervorragend mit dem tadellosen Fahrwerk, welches dem eines Porsche mehr als gerecht wird – Verzeihung, eines SUV von Porsche.

Es bleibt somit jedem potenziellen Interessenten selbst überlassen, ob er die nicht von der Hand zu weisenden Vorteile aus der überlegenen Reife dieses aktuellen Cayenne nutzen, oder auf das nächste, nicht allzu ferne Update warten möchte. Eine Frage, die sich bei einer Lebenseinstellung in Form von „Cape diem“ nicht zu stellen lohnt. Oder etwa doch?

 

 

 

Text/Bilder: NewCarz

 

 

Konkurrenz:
Audi SQ7, BMW X5 M50d, Bentley Bentayga Diesel

 

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Technische Daten: Porsche Cayenne S Diesel

Länge x Breite x Höhe (m): 4,86 x 1,94 x 1,71

Motor: Achtzylinder Commonrail-Dieselmotor V8 mit Bi-Turbo-Aufladung

Leistung: 283 kW (385 PS) bei 3.750 rpm

Hubraum: 4.134 ccm

Max. Drehmoment: 850 Nm bei 2.000 – 2.750 rpm

Getriebe: 8-Stufen Tiptronic S Automatik mit Auto Start/Stoppfunktion

Antrieb: Allrad

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 8,0 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 209 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 252 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 5,3 Sekunden

Leergewicht: 2.335 kg

Wattiefe: 555 mm

Böschungswinkel vorn/hinten: 29,3°/26,2°

Rampenwinkel: 24,5°

max. Bodenfreiheit: 268 mm

Laderaumvolumen: 670 Liter (1.728 Liter bei umgelegter Rückenlehne)

Kraftstofftank: 100 Liter (optional, normal 85 Liter)

Preis des Testwagens: 133.619,95 Euro

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