Erstkontakt: Skoda Scala G-Tec – Böhmischer Gasarbeiter

Skoda Scala G-Tec

Günstig, günstiger, Skoda Scala G-Tec – So könnte man unseren Erstkontakt mit dem erdgasbetriebenen Kompaktklassemodell aus Mlada Boleslav auch benennen. Warum? Die Antwort liefert der nachfolgende Bericht.

Wir hatten erstmals die Möglichkeit, den Nachfolger des Skoda Rapid, den Scala, der seit Anfang des Jahres auch mit CNG-Antrieb angeboten wird, einem ersten Test zu unterziehen.


Marginale Abgrenzungskriterien

Kommen wir zunächst zu den optischen Merkmalen. Im direkten Vergleich mit dem herkömmlichen Skoda Scala, muss man außen schon ziemlich genau hinschauen, um die Unterschiede auszumachen, welche den Scala als G-Tec verraten. Diese reduzieren sich nämlich auf ein Minimum und wenn man nicht unbedingt mit seinem Rückenteil den Asphalt wischen möchte, bleibt es allein bei der „G-Tec“-Plakette an der Heckklappe des Autos.


Plakette G-Tec
Bekenntnis – Die Plakette am Heck ist das offensichtlichste Erkennungszeichen des CNG-Antriebs.



„Simply clever“ würde Skoda wohl jeden Betrachter nennen, der in weiser Vorahnung einen Blick hinter den Tankdeckel wirft. Hier offenbart sich der zweite Unterschied in Form des zweiten Tankanschlusses für das CNG-Reservoir.


Tankdeckel G-Tec
Zwei unter einem Dach – Der Gasstutzen liegt direkt neben dem Tankstutzen für Benzin.



Hüllt man empfohlenerweise den getragenen edlen Zwirn in einen Blaumann und wagt einen Blick unter das Auto, offenbart das bereits vor der Hinterachse endende Abgasendrohr einen dritten sichtbaren Unterschied.


Endrohr Scala G-Tec
Kurzversion – Beim G-Tec endet die Abgasanlage bereits vor der Hinterachse.



Im Innenraum erwartet den Betrachter dasselbe Spiel: Im Großen und Ganzen gibt es keine Unterschiede zum konventionellen Modell. Doch aufmerksamen Zeitgenossen werden zuallererst die beiden Tankuhren im analogen Cockpit des Skoda Scala G-Tec auffallen. Wie auch andere Modelle der Klein- und Kompaktwagen, wie der Seat Leon TGI oder der VW Polo TGI, besitzt auch der Tscheche ein analoges Cockpitinstrument, um mit zweierlei Tankuhren das das Benzin- und Erdgasreservoir anzeigen zu können.


Cockpit G-Tec
Analoge Rundinstrumente sind beim G-Tect nicht verhandelbar. Digitales Cockpit gibt’s nicht.



Da Volkswagen sich sehr zum Bedauern vieler Fans vom Erdgasantrieb verabschiedet hat, könnte es gut möglich sein, dass es keine volldigitale Alternative für ein Cockpit in CNG-Autos aus dem Konzern geben wird. Doch das ist nur eine Vermutung, auch wenn sie sehr nahe liegt.




Ein weiterer Unterschied zeigt sich im Kofferraum des Skoda Scala G-Tec. Statt den üblichen 467 bis 1.410 Litern Laderaumvolumen, kommt die CNG-Variante auf 336 bis maximal 1.282 Liter. Das ist zwar deutlich weniger, doch man darf nicht vergessen, dass in maximierter Konfiguration immer noch knapp 50 Liter mehr hineinpassen, als in einen VW Golf 8.



Antrieb und Fahreigenschaften des Skoda Scala G-Tec

Beim Motor des Erdgas-Scala handelt es sich um einen 1.0-Liter G-Tec Dreizylinder, der vorrangig für den Betrieb mit CNG konzipiert wurde, aber auch mit Benzin klarkommt. Doch in erster Linie soll der G-Tec natürlich mit Erdgas fahren und erhielt drei miteinander verbundene CNG-Tanks, die gut sortiert unter dem Kofferraum und der Rücksitzbank verteilt wurden. Dazu später mehr.


1.0 G-Tec Motorraum
Der kernig-rau klingende Dreizylinder erwies sich als solider Antrieb.



Zunächst ein erster Eindruck zu den Fahreigenschaften: Der Dreizylinder mit Abgasturbolader leistet 90 PS sowie 160 Newtonmeter maximales Drehoment, die ab 1.800 Touren anliegen. Der Skoda reagiert spontan und zügig auf jeden Gasbefehl und das zeitig einsetzende Drehmoment verleitet von Anbeginn zum untertourigen Fahren. Das manuelle Sechsganggetriebe bietet eine gute Aufteilung und passt entsprechend gut zu diesem Unterfangen. 


Skoda Scala G-Tec schräg vorn rechts
Unaufgeregt und sehr neutral zeigt sich der Scala auch als CNG-Variante.



Auch wenn der Motor gut und gerne sogar unter 1.500 Touren fahrbar bleibt, lässt er dann doch ein deutliches Brummen vernehmen. Falls das nicht stört, steht dem Cruisen im Tiefdrehzahlbereich kaum etwas im Weg. Nun ja, bis auf topografische Gegebenheiten, wie eine sichtbare Steigung. Hier gibt die rechte Hand recht zeitig dem Bedürfnis nach Herunterschalten nach und zuckt zum Ganghebel, bevor die brummigen Vibrationen derart zunehmen, dass auch keine speziellen Tabs mehr die „Dritten“ am Gaumen fixieren können.


Vorderrad Skoda Scala G-Tec
Die zweifarbigen 17-Zoll-Räder „Propus Aero“ sind optional zu haben.



Fahrwerkstechnisch bleibt der Scala ein Scala, nämlich unaufgeregt und sicher. Seine neutrale Art lässt ihn auch mal geschwind um die eine oder andere Kurve fahren. Sportliche Auswüchse sind hier allerdings nicht zu erwarten. Wozu auch, so ist diese Antriebsart viel mehr der Effizienz verschrieben.


Der Verbrauch im Erstkontakt

In die Stahltanks passen insgesamt 13,79 Kilogramm Erdgas, wohingegen der als Reserve ausgelegte Benzintank nur neun Liter fasst. Theoretisch soll das Gas für 410 Kilometer Fahrstrecke reichen. Das entspricht einem Verbrauch von 3,36 Kilogramm pro 100 Kilometer. Aufgrund der begrenzten Zeit im Erstkontakt, haben wir es zumindest einmal probiert und den CNG-Scala auf einige Kilometer in topografisch beunruhigter Umgebung – also mit viel bergauf und bergab – so zurückhaltend wie möglich bewegt.


Skoda Scala G-Tec Verbrauch
Nichts ist unmöglich, auch nicht bei Skoda – Der Verbrauch lässt sich einfach reduzieren.



Und siehe da, der Verbauch zeigte tatsächlich nur 3,3 Kilogramm. Doch bitte keine zu große Euphorie, denn diese Fahrweise ist nicht wirklich alltagskonform. Ist sie das, standen am Ende unserer rund 60 Kilometer kurzen Testfahrt immer noch vorbildliche 4,4 Kilogramm pro 100 Kilometer auf der Uhr.

Bei einem Preis von zirka 1,10 Euro pro Kilogramm CNG sind das weniger als fünf Euro Kraftstoffkosten auf 100 Kilometer. Da können sich so manche Hybridmodelle und teilweise auch vollelektrische Fahrzeuge verstecken. Ferner darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein Motor mit CNG als Kraftstoff rund ein Viertel weniger CO2-Emissionen und Stickoxide sogar noch deutlich geringer erzeugt.


CNG Verbrauch
Der Gesamtdurchschnitt im Erstkontakt betrug nur 4,4 Kilogramm auf 100 Kilometer.



Zudem ist der Tankvorgang in derselben kurzen Zeitspanne erledigt, wie bei herkömmlichen Kraftstoffen. Nur das dünne Tankstellennetz ist ein echter Kritikpunkt, wofür das Auto allerdings nichts kann.

Rein rechnerisch kommt der G-Tec also mit einer Gasfüllung locker 300 Kilometer und die neun Liter Benzin – übrigens theoretisch über 200 Kilometer ausreichend – dürften für weitere realistische 120 bis 140 Kilometer reichen. Valide sind diese Aussagen aber erst, wenn wir den Scala als G-Tec einen längeren Zeitraum ausführlich gefahren haben. Das folgt zu einem späteren Zeitpunkt.


Ausstattungen und Preise des Skoda Scala G-Tec

Als Erdgasauto beginnt der Preis für den Scala bei 22.200 Euro in der Ausstattung „Ambition„. Serienmäßig verfügt das Modell unter anderem bereits über Scheinwerfer und Rückleuchten mit LED-Technik, Privacy-Verglasung, Klimaanlage plus klimatisiertem Handschuhfach, einen 9-Zoll-Zentralbildschirm sowie einem Regenschirm in entsprechendem Ablagefach in der Fahrertür.

Als „Drive 125“ kostet der G-Tec ab 23.490 Euro und besitzt on top Dinge wie eine 2-Zonen-Klimaautomatik, 16-Zoll-Leichtmetallräder, Ambientelicht, DAB+ und vieles mehr.

Die Topvariante „Style“ kostet mindestens 24.200 Euro und beinhaltet Voll-LED-Scheinwerfer, Easy Start, elektrische Fensterheber ringsum und noch diverse weitere Dinge.




Unser Testfahrzeug besaß die höchste Ausstattungsvariante und somit auch Dinge, wie Schnittstellenkonformität in Form von Apple CarPlay sowie Android Auto. Beides funktioniert im Skoda als „Wireless Smartlink“ auch problemlos kabellos, wie im Test bestätigt werden konnte. Trotz fehlendem Navigationssystem im Testwagen, konnten wir ein solches dank dieser Konnektivitätslösung komplett ersetzen.




Fazit – Gib Gas und hab (Spar-)Spaß

Der Skoda Scala G-Tec bewies im Erstkontakt ein äußerst effizientes Verbrauchsverhalten bei moderaten, aber durchaus ausreichenden, weil alltagskonformen Fahrleistungen. Sein Platzangebot ist enorm und selbst die Reduzierung des ohnehin riesigen Kofferraums aufgrund der Gastankunterbringung, fällt im Alltag wohl kaum ins Gewicht.


Skoda Scala G-Tec Heck
Extrem sparsam, top modern und viele Extras – Das ist der Skoda Scala als G-Tec.



Sein modernes Erscheinen, gepaart mit technologischen Ausstattungen auf Höhe der Zeit, machen ihn zusätzlich attraktiv. So dürfte der Scala mit CNG-Antrieb vor allem für Pendler, junge oder jung gebliebene Paare oder kleine Familien, die einen sparsamen und sicheren Begleiter suchen, die erste Wahl sein.

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D



Technische Daten: Skoda Scala 1.0 TSI G-Tec Style

  • Farbe: Moon-Weiß Perleffekt
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,36 x 1,79 (1,99 mit Außenspiegel) x 1,47
  • Radstand (mm): 2.649
  • Bodenfreiheit maximal (mm): 149
  • Antrieb: Reihendreizylinder mit Turbolader und OPF
  • Leistung: 66 kW (90 PS) bei 4.000 rpm
  • Max. Drehmoment: 160 Nm bei 1.800 rpm
  • Hubraum: 999 ccm
  • Getriebe: manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Antrieb: Front
  • Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,2 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 4,4 L/100 km (Teststrecke nur ca. 60 km)
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 96 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC
  • Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 12,4 Sekunden
  • Wendekreis (m): 10,2
  • Leergewicht (kg): 1.310
  • Zuladung (kg): 443
  • Kofferraumvolumen (l): 336 bis 1.282
  • Benzintank (l): 9
  • Gastank (kg): 13,79
  • Dachlast (kg): 75
  • Kraftstoffart: CNG (Erdgas) + Benzin Super E5/E10 mind. 95 Oktan
  • Neupreis des Testwagens: 31.739,01 Euro (Basispreis ab 22.200 Euro)

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