Opel Astra im Erstkontakt – Made in Germany

Opel Astra L

Mit dem neuen Opel Astra zeigen die Rüsselsheimer ihren Bestseller jünger und moderner denn je und beweisen zudem, dass der Zusammenschluss mit Stellantis keinesfalls einen Einheitsbrei zur Folge hat.

100 Prozent made in Germany – das ist der Claim, der von allen Seiten zu hören ist. Der traditionsreiche Kompakte wurde von Anfang an in Rüsselsheim designed und gebaut, worauf die Opelaner besonders stolz sind. Zu recht?

Für unsren Erstkontakt fuhren wir einen Opel Astra als Benziner mit manueller Sechsgang-Schaltung in der Ausstattungslinie GS-Line. Fahrbericht. 


Exterieur & Interieur

Schon auf den ersten Blick zeigt sich der Kompakte ganz dicht am Puls der Zeit. Die Front blickt ernst drein und trägt, wie auch schon der Opel Mokka, das Vizor-Gesicht, das nach und nach alle Modelle der Marke spendiert bekommen. Dabei wurde der Astra im sogenannten Kompass-Stil designed, was bedeutend, dass die horizontale und vertikale Linienführung sich in der Mitte trifft. Genauer gesagt, bildet das Vizor hierbei die horizontale und ein markanter Knick in der Motorhaube der vertikale Linie. Am Heck wird diese Linienführung ebenfalls fortgesetzt und die dritte Bremsleuchte greift mit ihrer Hochkant-Anordnung ebendiese Philosophie wieder auf.

Opel Astra L Front
Mit ernster Miene geht der neue Astra ab sofort auf Kundenfang.


Den ernsten Eindruck untermauert eine kompromisslos wirkende LED-Tagfahrlichtsignatur, die mit dem neuen Markengesicht gut harmoniert. Seitlich betrachtet, wird eine sehr flüssig wirkende und symmetrische Silhouette präsentiert, die zwar modern wirkt, aber nicht mit etwaigen Design-Spielereien aufwartet. Ob man seine Felgen nun mit den optionalen, bunten Einsätzen verschönern möchte, muss am Ende des Tages jeder für sich selbst entscheiden. Cool sieht es aber schon aus. Erst recht, wenn besagte Einsätze die Farbe der Lackierung fortführen.

Opel Astra L Seite
Seitlich betrachtet, wirkt das Design des neuen Kompakten wie „im Flow“.


Am Heck zeigt sich der Astra angenehm clean und wartet mit ultra schmalen Heckleuchten auf, welche die Signatur der Frontscheinwerfer aufnehmen. Der Modellschriftzug wurde mittig auf dem Heckdeckel platziert und die Kofferraum lässt sich nun direkt über das Markenlogo öffnen. Insgesamt liegt der Rüsselsheimer optisch satt auf der Fahrbahn, punktet mit kräftigen Hinterläufen und rollt daher – insbesondere als GS-Line – sportlicher als je zuvor zu seinen Kunden. Das Image eines langweiligen Kompakten dürfte somit gänzlich ad acta gelegt worden sein.

Opel Astra L Heck
Das stramme Heck trägt die wohl schmalsten Heckleuchten der Markengeschichte.


Der Innenraum wurde ebenfalls von Grund auf neu gestaltet und zeigt gewisse Analogien zum Mokka. Als erstes fällt der Zentralbildschirm auf, der zusammen mit dem digitalen Cockpit eine Einheit ergibt, die man bei Opel „Pure Panel“ nennt. Dieses zwei mal zehn Zoll große Display-Doppel kann in der Praxis nicht nur durch hervorragende Ablesbarkeit, sondern auch durch eine überwiegend intuitive Bedienung glänzen, womit wir schon beim nächsten Thema wären.

Opel Astra L Innenraum
Der Innenraum wirkt technisch-kühl und dennoch einladend.


In Zeiten der totalen Digitalisierung haben es viele Hersteller versäumt, die Bedienfreundlichkeit im Fokus zu behalten. Doch bei Opel hat man scheinbar genau dies als Maxime fixiert und so kommen unterhalb des Zentralbildschirms gleich mal zwei physische Tastenleisten zum Einsatz, über die der Fahrer die wichtigsten Funktionen mit einem Tastendruck steuern kann. Naja, nicht ganz, man gelangt vielmehr in das entsprechende Menü dafür. Dennoch ist dies um Welten intuitiver, als beispielsweise das Infotainment vom VW Golf. Und weil wir gerade dabei sind, wollen wir auch nicht verheimlichen, dass Opel den manuellen Drehregler für die Lautstärke ebenfalls in das neue Modell übernommen hat. Bravo.

Zentralbildschirm Pure Panel Pro
Der Zentralbildschirm lässt sich auch bei Sonneneinstrahlung bestens ablesen.


Die Sitze kommen mit Ergo-Zertifikat und sind wie erwartet sehr bequem. Auch im Fond gibt’s für Personen bis knapp 1,80 Meter keine Probleme, darüber dürfte es allerdings sowohl mit der Kopf- als auch mit der Beinfreiheit etwas eng werden. Besonders hervorheben möchten wir noch die vielen Ablagen und eine Handvoll clevere Details, wie beispielsweise das gummierte Rollo für das Fach in der Mittelkonsole – das Smartphone wird’s Ihnen danken.

Kofferraum neuer Astra
Mit über 420 Litern bietet der Astra schon als 5-Türer viel Platz für Gepäck.


Der Kofferraum fasst mit 422 Litern übrigens rund 40 Liter mehr als der Konkurrent aus Wolfsburg. Maximiert stehen bis zu 1.339 Liter zur Verfügung.


Motor & Fahreigenschaften

Für unseren Test fuhren wir den einzig verfügbaren Benziner, der auch gleichzeitig der einzige Dreizylinder im Portfolio ist. Wahlweise mit 110 oder 130 PS, entschieden wir uns für den stärkeren Antrieb, den wir so übrigens auch aus diversen Citroen- und Peugeot-Modellen kennen. Hier bedient sich Opel aus dem Stellantis-Pool, versichert aber gleichzeitig, dass das gesamte Setup adaptiert wurde, sodass sich der Astra nicht wie beispielsweise ein Peugeot 308 fährt.

Dreizylinder Stellantis
Der Dreizylinder hängt gut am Gas, die Leistung kann als ausreichend gelten.


Auf unserer kurzen Testfahrt konnten wir den Rüsselsheimer recht ausgiebig testen und die Aussage seitens des Herstellers bestätigen. Der Astra fährt sich definitiv etwas definierter und gewissermaßen geschliffener. Das Fahrwerk ist gut austariert und eine stimmige Mischung aus Komfort und gesunder Härte. Auch die Lenkung unterstreicht diesen Eindruck. Sie ist prinzipiell leichtgängig, gibt dem Fahrer jedoch stets genügend Feedback über die Fahrbahnverhältnisse und bleibt auch bei hohen Autobahngeschwindigkeiten stabil.

Opel 6-Gang-Getriebe
Das Sechsgang-Getriebe ist gut abgestuft, die Schaltwege dürften etwas kürzer sein.


Die Bremsen blieben derweil im Hintergrund, hatten mit der Vernichtung kinetischer Energie keine Probleme und lassen sich zudem angenehm dosieren. Die manuelle Sechsgang-Schaltung könnte etwas knackiger ausfallen – insbesondere aufgrund des sportlichen Looks sind wir mit etwas höheren Erwartungen diesbezüglich gestartet und wurden hier ein wenig in die Schranken gewiesen. Das ist prinzipiell nicht schlimm, zumal die 130 PS zwar für ausreichend flottes, nicht aber für richtig sportliches Vorankommen sorgen.

Opel Astra Kardio Rot
Der neue Astra sieht super sportlich aus, ist aber ein ausgewogener Zeitgenosse.


Dafür bleibt der Verbrauch im Rahmen. Wir konnten mehrere Messungen vornehmen und erhielten im Durchschnitt einen Wert von 7,4 Litern bei sportlicher Fahrweise, während normales Mitschwimmen im Verkehr 6,7 Liter zur Folge hatte. Beide Werte liegen zwar oberhalb der Werksangabe, gehen aber für das Gebotene in Ordnung.


Technik & Assistent im Opel Astra

Bereits ab Werk verfügt der neue Opel Astra über eine recht üppige Serienausstattung, die je nach gewählter Ausstattungslinie noch das eine oder andere Feature mehr mitbringt. Jeder Astra rollt mit einem Frontkollisionswarner, Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent und Voll-LED-Scheinwerfern vom Band. Ebenfalls serienmäßig ist das Infotainment samt Pure Panel – hier gibt es in den höheren Ausstattungen noch das Pure Panel Pro, das sich jedoch nicht in seiner Funktion vom „Basis-Panel“ unterscheidet, sondern lediglich mit einem Magnesium-Rahmen aufwartet. Ansonsten offeriert der Astra stets kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie Digitalradio und eine Klimaautomatik.

360-Grad-Kamera
Die 360-Grad-Kamera liefert ein gestochen scharfes Bild.


In der von uns gefahrenen GS-Line gesellen sich unter anderem noch eine 360-Grad-Kamera, eine 2-Zonen-Klimaautomatik, Sitz- und Lenkradheizung, Keyless und elektrisch anklappbare Außenspiegel hinzu. Cool: Die Rückfahrkamera erhielt nun auch eine eigene Waschdüse.

IntelliLux LED-Matrixscheinwerfer
Optional rollt der Astra mit Matrix-Licht zum Kunden; ab Werk gibts statische Voll-LED-Scheinwerfer.


Optional stehen derweil die von anderen Modellen bekannten IntelliLux-Matrixscheinwerfer zur Verfügung, die ein Upgrade zu den Basis-LED-Scheinwerfern darstellen.

IntelliAir
Dank IntelliAir wird die Luftqualität ständig überwacht und bei Bedarf optimiert.


Für überschaubare 200 Euro extra gibt es das Luftfiltersystem Intelli-Air, welches ständig die Luftqualität innen und außen misst und so automatisch die Umluftfunktion aktiviert beziehungsweise deaktiviert.

HUD-Einstellung
Die Einstellung fürs Head-Up-Display wird über die Spiegelverstellung vorgenommen.


Das 800 Euro teure Navigationssystem machte derweil einen prima Job und berücksichtigt auch Verkehrsinformationen in Echtzeit. Ein Lob verdient außerdem das Head-Up-Display, das laut Namen ebenfalls intelligent zu sein scheint und viele Informationen direkt in die Windschutzscheibe projiziert. Der Clou: die Einstellungen für das HUD können der Einfachheit halber über die Spiegelverstellung vorgenommen werden.


Fazit zum Opel Astra

Unser erstes Fazit zum neuen Opel Astra fällt durchaus positiv aus. Allein optisch macht der Rüsselsheimer ordentlich was her, kann fahrtechnisch mit Ausgewogenheit und Neutralität glänzen. Und ganz nebenbei bleibt er fair eingepreist und kann seiner Konkurrenz in puncto Infotainment das Fürchten lehren.

Opel Astra Sunset
Ein echter Kompakter fürs Volk? Der neue Astra hat auf jeden Fall das Zeug dazu.


Was darüber hinaus für den schicken Kompakten spricht, ist der Umstand, dass er seinen Ursprüngen treu bleibt. Er ist funktional und gutmütig und bringt vor allem jede Menge Nutzwert mit. Seien es die vielen Ablagen, der große Kofferraum oder die technischen Details, die mit viel Liebe und Verstand entwickelt und verbaut wurden.

Astra-Schriftzug
Wir sind optimistisch, dass der Astra in die Fußstapfen seines kleinen Bruder tritt.


Opel teilte uns mit, dass der Corsa im Jahr 2021 mit über 50.000 Neuzulassungen das erfolgreichste Modell der Marke war. Nach jetzigem Stand ist es durchaus möglich, dass der Astra in diesem Jahr in die Fußstapfen seines kleinen Bruders tritt.

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

 

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