Audi bringt eine Weltneuheit auf die Straße: Im neuen Q9 kommen erstmals dreidimensional gebogene, digitale OLED-Leuchtflächen in einem Serienauto zum Einsatz.
Sie sehen nicht nur futuristisch aus, sondern sollen auch die Sichtbarkeit verbessern und andere Verkehrsteilnehmer gezielter warnen.
Rückleuchten haben normalerweise einen überschaubaren Auftrag: Sie zeigen, wo ein Auto fährt, wann es bremst und in welche Richtung es abbiegt. Audi erweitert dieses Prinzip im neuen Q9 um eine digitale Dimension. Erstmals verwendet der Hersteller in einem Serienfahrzeug dreidimensional gebogene OLED-Panels, die unterschiedliche Lichtbilder darstellen und sogar zusätzliche Warnsignale anzeigen können. Damit wird die Beleuchtung zum Kommunikationsmittel zwischen Auto und Verkehrsumfeld.
Dünnes Glas macht die Kurve möglich
Damit sich die Leuchtflächen der Karosserie anpassen können, setzt Audi auf eine besondere Glastechnik. Das Trägerglas der OLED-Elemente ist nur 0,1 Millimeter dünn. Zum Vergleich: Es ist damit ungefähr so dünn wie ein menschliches Haar. Dadurch lässt es sich mit einem Biegeradius von bis zu 200 Millimetern formen.
OLED steht für „Organic Light Emitting Diode“. Dahinter stecken winzige, organische Leuchtelemente, die selbst Licht erzeugen. Anders als bei herkömmlichen Beleuchtungslösungen benötigt nicht jedes einzelne Element eine separate Lichtquelle. Viele dieser Elemente lassen sich zu einer dünnen, flächigen Leuchteinheit zusammenfügen.

Im Audi Q9 werden diese Flächen nicht einfach gerade eingebaut, sondern der Form des Fahrzeughecks angepasst. Das sieht nicht nur eleganter aus: Weil die Leuchte weiter um die Fahrzeugseiten herumreicht, ist ihr Licht auch dann besser zu erkennen, wenn jemand schräg von der Seite auf das Auto blickt. Das kann beispielsweise an Kreuzungen oder beim Einfädeln hilfreich sein.
512 Lichtsegmente für unterschiedliche Signale
Die dritte Generation der digitalen OLED-Technik umfasst insgesamt 512 einzeln steuerbare Segmente, verteilt auf sechs große Leuchtflächen. Vereinfacht gesagt: Die Rückleuchte besteht nicht aus einer einzigen roten Fläche, die immer gleich leuchtet. Vielmehr lassen sich zahlreiche kleine Bereiche gezielt ein- und ausschalten, um unterschiedliche Muster und Lichtsignaturen zu erzeugen.
Das größte einzelne OLED-Panel, das Audi bisher entwickelt hat, steckt ebenfalls im Q9. Allein sein äußerer, gebogener Bereich verfügt über 99 Segmente. Im mittleren Bereich sind es 84, im inneren 73. Die übrigen Segmente verteilen sich auf die weiteren Leuchtflächen.
So kann Audi verschiedene Lichtbilder darstellen, die sich je nach Funktion unterscheiden. Neben feststehenden Designs sind auch teilweise oder vollständig veränderliche Lichtmuster mit dreidimensionaler Wirkung möglich. Die Rückleuchten werden damit zu einer Art digitaler Anzeigefläche, bleiben aber in ihre eigentliche Beleuchtungsfunktion eingebunden.
Audi Q9 warnt visuell vor Gefahren
Besonders spannend ist das sogenannte Kommunikationslicht. Es kann zusätzliche Warnhinweise anzeigen, etwa wenn das Fahrzeug auf eine Unfall- oder Pannenstelle aufmerksam machen soll. Andere Verkehrsteilnehmer erhalten dadurch einen weiteren visuellen Hinweis auf eine mögliche Gefahr.

Auch das Blinklicht wurde erweitert, um Abbiegeabsichten deutlicher zu vermitteln. Gerade bei schlechten Sichtverhältnissen oder ungünstigen Blickwinkeln kann eine gut erkennbare Lichtanzeige wichtig sein.
Dabei muss die Technik hohen Anforderungen genügen. Audi hat die gebogenen OLED-Panels auf ihre Haltbarkeit, eine gleichmäßige Ausleuchtung und gute Kontraste ausgelegt und entsprechend geprüft. Denn trotz ihrer filigranen Bauweise müssen die Leuchten den Belastungen im täglichen Fahrzeugeinsatz standhalten.
Auch die Scheinwerfer des Audi Q9 werden intelligenter
Vorn setzt der Audi Q9 auf digitale Matrix-LED-Scheinwerfer mit moderner Micro-LED-Technologie. Dabei kommen sehr kleine Leuchtelemente zum Einsatz, die sich gezielt steuern lassen. So kann das Licht an unterschiedliche Fahrsituationen angepasst werden, beispielsweise um die Straße gut auszuleuchten, ohne andere Verkehrsteilnehmer unnötig zu blenden.
Audi entwickelt seine Lichttechnik bereits seit zehn Jahren konsequent weiter. Was einst vor allem für auffällige Lichtgrafiken und eine unverwechselbare Optik sorgte, übernimmt inzwischen zusätzliche Aufgaben bei der Kommunikation und Sicherheit. Der Q9 markiert dabei einen weiteren Entwicklungsschritt: Die Leuchten werden dreidimensional, digital steuerbar und vielseitiger einsetzbar.
NewCarz meint dazu:
Der Audi Q9 zeigt, dass Rückleuchten längst mehr sein können als rote Signallampen. Als absolut sinnvoll stufen wir den Sicherheitsgewinn ein, weil durch diese Technologie Gefahren verständlicher vermittelt werden und die Leuchtmittel (und somit das Fahrzeug selbst) auch aus seitlichen Blickwinkeln besser sichtbar bleibt. Innovation hat natürlich auch ihren Preis, was einen Blick auf Reparaturkosten bei Beschädigungen, Unfällen oder anderen Defekten rechtfertigt. Selbst wenn Versicherungen hier meistens regulieren, müssen die höheren Kosten dennoch durch Beitragszahler kompensiert werden. Jede Medaille hat nun mal zwei Seiten.
Quelle & Fotos: Audi / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
