Wer sagt, E-Autos seien emotionslos, hat noch nicht im Cupra Born VZ gesessen. Der kleine Stromer zieht ab, als hätte er zu viel Espresso im Akku – und sieht dabei auch noch aus, als wolle er dir auf dem Parkplatz eins auswischen.
Der Cupra Born VZ ist wie der extrovertierte Cousin des VW ID.3 GTX – lauter (zumindest optisch), sportlicher und irgendwie cooler. Statt Öko-Strickpulli trägt er Lederjacke und will nicht nur sparsam, sondern vor allem schnell sein.
Seit letztem Jahr bereichert die Topmotorisierung mit satten 326 PS und Heckantrieb die Modellreihe der spanischen Erfolgsmarke. Wir haben dem GTX-Pendant mal auf den Zahn, oder auf den Widerstand gefühlt. Was dabei herauskam, erklärt dieser Fahrbericht.
Unser Testkandidat labte unsere Netzhäute mit einer Sonderfarbgebung für 990 Euro namens „Dark Forest“.
Das Wichtigste im Überblick
- Für die Topmotorisierung bestens passende, martial-sportliche Optik und ein wertig und sportlich erscheinendes Interieur.
- Schnelles Laden hält die „Tankstopps“ kurzweilig, wobei die Reichweite stark vom Fahrstil abhängt.
- Interessenten müssen für diverse Extras draufzahlen und können weder Hänger noch Dachgepäckträger verwenden.
- Exterieur
- Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Verbrauch, Aufladen & Reichweite
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Was kostet ein Cupra Born VZ?
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur – VZ wird zum Statement
Wer beim Cupra Born VZ an den braven ID.3 denkt, liegt ungefähr so richtig wie jemand, der eine Espressomaschine mit einer Filterkanne verwechselt. Zugegeben, die technische Basis ist identisch – aber was Cupra daraus gemacht hat, ist eher „Barcelona bei Nacht“ als „Wolfsburg am Vormittag“ (Sorry Wolfsburg, nicht böse gemeint!).





Die Front schaut so aggressiv, als wolle sie jedem SUV auf der linken Spur einen Kanten aus dem Blech beißen. Scharfe Linien, tiefe Lufteinlässe (zumindest optisch) und das kupferfarbene Markenlogo. All das wirkt wie ein Statement.
Seitlich wirkt der Born VZ kompakt, aber unter Spannung – wie ein Athlet kurz vorm Startschuss. 20-Zöller füllen die Radkästen ordentlich aus, und das kupferfarbene Dekor zieht sich so konsequent durch, dass wohl selbst Minimalisten ein kleines Grinsen nicht unterdrücken können.

Hinten dann das volle Showprogramm: durchgehendes LED-Band, ein Spoiler, der tatsächlich funktioniert, und ein Diffusor, der zwar nichts primär aerodynamisch entscheidet, aber gut aussieht. Ganz ehrlich: Wenn der Born VZ in der Sonne steht, könnte man glatt vergessen, dass er keinen Auspuff hat – und das ist vermutlich das größte Kompliment, das man einem Elektroauto machen kann.
Interieur – Kupfer, Karacho und keine Langeweile
Der Cupra Born VZ macht auch im Innenraum sofort klar, dass hier kein graues Umwelt-Statement auf Rädern unterwegs ist, sondern ein echter Spaßmacher mit Stilbewusstsein. Statt Öko-Filz und „Wir-retten-die-Welt“-Atmosphäre gibt’s phänomenal gut aussehende Sportsitze mit Alcantara, kupferfarbene Akzente und ein Cockpit, das sehr gut an den Wolfsburger Cousin ID.3 erinnern kann.





Der Fahrer sitzt tief, fast wie in einem Hot Hatch alter Schule – nur dass hier kein Motor röchelt, sondern ein Display illuminiert. Und das gleich mehrfach: Das große Zentraldisplay ist schnell, klar und endlich mal logisch aufgebaut. Anders gesagt: Cupra hat hier noch bisschen Feinschliff am Gegebenen betrieben.
Das kleine Kombiinstrument hinterm Lenkrad liefert das Nötigste, während das (optionale) Head-up-Display einmal wichtige Funktionen offeriert und „dahinter“ bei aktiver Navi futuristische Richtungspfeile auf die Straße wirft – Sci-Fi lässt grüßen.


Auch die Materialien überraschen positiv: Wo man anfasst, fühlt es sich gut an – und wo nicht, sieht’s immerhin gut aus. Das ganze Interieur wirkt sportlich, aber nicht überdreht. Eher so, als würde der Born VZ nach Feierabend gern noch eine schnelle Runde drehen, bevor es an die Ladesäule geht. Fakt ist: Hier drin sitzt man nicht einfach in einem Elektroauto. Man sitzt in einer elektrischen Ansage. Und das fühlt sich – im wahrsten Sinne – ziemlich geladen an.



Die Platzverhältnisse entsprechen dem des VW-Pendant und auch der Kofferraum bleibt volumentechnisch gleich. Obwohl die Verkleidungen der Sportsitze etwas weiter nach hinten ragen und zumindest optisch der Raum dadurch ein bisschen geschmälert wird. Aber laut Papier sind es 385 Liter im herkömmlichen Zustand und maximiert passen ebenso 1.267 Liter hinein. Kritik müssen wir dennoch anbringen: Wie bei seinem Cousin ID.3 gibt es auch beim Born keinen Frunk unter der vorderen Haube – das können Wettbewerber besser.
Antrieb und Fahreigenschaften – Watt für ein Spaß!
Falls beim Wort „Elektroauto“ noch an müde „Von A nach B Vehikel“ gedacht wird, sfehlte bislang eine Probefahrt im Cupra Born VZ. 326 PS und 545 Newtonmeter Drehmoment stehen hier bereit, sofort, ohne Turboloch, ohne Wartezeit. Einmal Strom geben, und der Born schießt nach vorn, als hätte er vergessen, dass er eigentlich vernünftig sein wollte.

Der Sprint auf 100 km/h ist in knackigen 5,6 Sekunden erledigt – lautlos, aber alles andere als leise in seiner Wirkung. Das „VZ“ im Namen steht übrigens für Velocidad – spanisch für „Geschwindigkeit“. Und das passt. Erst bei 200 km/h ist hier Schluss – damit gehört der VZ klar zu den schnellen E-Autos.

Cupra hat das Fahrwerk ordentlich nachgeschärft: tiefer, straffer, direkter. Trotzdem bleibt genug Restkomfort, um den Alltag nicht zur Massagefahrt zu machen. Im Cupra-Modus wirkt alles ein bisschen angespannter – die Lenkung wird knackiger, das Fahrpedal giftiger, und plötzlich will man jede Kurve sehen wie eine Einladung zum Tanz.

Und der Born VZ kann tanzen. Dank Hinterradantrieb fühlt sich der Spanier wunderbar agil an. Er zieht sauber durch die Biegung, lässt sich präzise dirigieren und vermittelt dabei dieses seltene Gefühl, dass man tatsächlich mit dem Auto fährt und nicht nur darinsitzt.
Auch das Bremsverhalten ist vorbildlich, weil fein dosierbar. Vom punktuellen Rantasten an die zulässige Höchstgeschwindigkeit bis zum brachialen Ankerwurf passt alles zu sportivem Faible des VZ. Dazu kann das Rekuperieren automatisiert oder manuell sowie per Fahrmodus variiert werden. Von letzterem gibt es fünf: Comfort als Allrounder, Range um besonders weit pro Akkufüllung zu kommen, Performance und Cupra sind selbsterklärend und Individual, mit dem die Parameter nach eigenem Gusto abgestimmt werden können.
Das ESP (oder hier ESC genannt) wird in den Sportmodi etwas beschnitten, sodass sogar leichtes Übersteuern möglich wird. Das potenziert den Fahrspaß ungemein.
Verbrauch, Aufladen & Reichweite im Cupra Born VZ
Einleuchtend, 326 PS wollen gefüttert werden – und beim Cupra Born VZ ist das Futter eben Strom. Der offizielle Verbrauch liegt im Drittelmix bei 14,9 kWh auf 100 Kilometer, was in der Praxis aber davon abhängt, wie oft man das rechte Pedal als Spaßknopf benutzt. Wir haben diesen Wert auch ohne Dauerspaß nicht erreichen können und lagen im Schnitt bei 18 kWh. Wer ständig im Cupra-Modus unterwegs ist, sieht allerdings eher Werte weit oberhalb der 20 kWh.

Wer gleitet statt jagt, kann den Born aber auch effizient bewegen – das spanische Temperament hat also auch seine ruhige Seite. Auf unserer Sparrunde waren das 15,2 kWh auf hochgerechnet 100 Kilometer. Das ist kein Topwert, aber für einen ausgeschriebenen Sportler okay.


Mit seiner 79-kWh-Batterie (netto 77 kWh) verspricht Cupra eine WLTP-Reichweite von bis zu 594 Kilometern. Im Testalltag versprach uns der Bordrechner 440 Kilometer, von denen wir letztendlich 423 erreichen konnten – also deutlich weniger als vom Hersteller angegeben. Je nach Wetter, Strecke und Fahrstil kann dieser Wert deutlich variieren und bei unseren witterungsbedingten Gegebenheiten von kühlen Außentemperaturen bedeutet das noch einiges an Luft nach oben.


Beim Laden zeigt sich der Born VZ ebenfalls von seiner entspannten Seite: Per Wechselstrom (AC) lädt er mit bis zu 11 kW, was über Nacht an der Wallbox locker reicht. DC-Schnellladen geht laut Cupra mit bis zu 185 kW. Wir verfehlten diesen Wert im Test mit 182 kW nur ganz knapp. Damit dauert der Ladesprint von 10 auf 80 Prozent nicht wie versprochen 26 Minuten sondern knapp über 30 Minuten – immer noch gut für den Zwischenstopp auf der Langstrecke, ohne gleich Ärgerfalten auf der Stirn zu generieren.
Cupra liefert dazu eine App, mit der sich Ladevorgänge planen, starten und überwachen lassen – und ja, sie funktioniert erstaunlich gut.
Ausstattung, Komfort & Technik
Der Innenraum des Cupra Born VZ ist nicht nur sportlich, sondern auch ordentlich vernetzt – und zwar ohne, dass man das Gefühl hat, in einem rollenden Tablet zu sitzen. Das kleine aber feine digitale Cockpit ist klar strukturiert, das zentrale 12,9-Zoll-Touchdisplay (Bestandteil des Navi-Pakets für 850 Euro) reagiert flott, und die Menüs sind verständlich, sodass man sie auch ohne IT-Ausbildung versteht. Das Fehlen von physischen Drehreglern für die Lautstärke & Co. ist leider eine Erbschaft aus dem Volkswagenregal.





Das 1.140 Euro teure Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion projiziert Pfeile, Hinweise und Geschwindigkeit direkt auf die Straße – futuristisch und tatsächlich hilfreich.
Beim Thema Ausstattung macht Cupra ebenso auf sportlich: Serienmäßig gibt’s Sportsitze, Ambientebeleuchtung, WLAN-Hotspot, schlüssellosen Zugang und vieles mehr. Eine Wärmepumpe für effizienteres Heizen kostet aber 1.200 Euro extra.
Die LED-Scheinwerfer mittels Freiflächen-Reflektortechnik generieren einen angenehm homogenen und sehr hellen Lichtteppich und der Fernlichtassistent litt im Test nie unter Konzentrationsstörungen. Sehr schade ist, dass es hier keine Option zu Matrix-LED gibt. Da hat der ID.3 mit seinem IQ.Light einen wesentlichen Vorteil in puncto „gegen Aufpreis erhältlich“.

Wer Lust auf mehr hat, kann das Ausstattung-Ensemble dafür mit Panorama-Glasdach (1.200 Euro) und Sennheiser-Audiosystem (750 Euro) noch weiter veredeln – alles schön verpackt in typischem Cupra-Kupferglanz. Zum Sennheiser-System können wir sagen, dass der Wechsel von Beats klanglich durchaus als evolutionär zu bezeichnen ist. Neben „Pump up the Jam“ kommen nun auch Dinge wie die Live-Version von „Whisky in the Jar“ oder auch Mozarts „Requiem“ sehr gut zur Geltung.
Auch die Assistenten sind auf Zack und je nach „Pilot“-Pack M oder XL entsprechend umfangreich: Travel Assist, adaptiver Tempomat, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Querverkehrswarner, Parklenkassistent – das volle Sicherheitspaket ist auf Wunsch dabei. Und das Beste: Die Systeme greifen angenehm unaufgeregt ein. Nichts ruckt, nichts piept übertrieben – man merkt, Cupra hat verstanden, dass „Assistenz“ nicht „Bevormundung“ heißen muss. Und wenn der Geschwindigkeitswarner doch nerven sollte, ist dieser dank entsprechender Lenkradtaste und zwei, drei weiteren Befehlen mit einem Maulkorb versehen.


Technisch steht der Born VZ also auf einem soliden Fundament – und garniert es mit dem gewissen Extra an Style und Cleverness. Oder anders gesagt: Er denkt mit, ohne mitzuregieren. Und das ist in Zeiten überdrehter Digitalautos schon fast ein wenig Balsam in unserer schnelllebigen Zeit. Ankreiden lassen muss er sich, dass viele Gimmicks erst auf der Optionsliste für entsprechende Aufpreise in den Born VZ einziehen.
Was kostet der Cupra Born VZ?
Der Startpreis für das Wiesel mit Ionentrieb liegt aktuell bei 48.870 Euro. Damit ist er 12.430 Euro teurer als das Einstiegsmodell des Born und der gleichstarke VW ID.3 GTX Performance ist derweil sehr überschaubare 145 Euro günstiger.

Wer jedes Häkchen an der Optionsliste setzt, muss für den Born VZ vollausgestattet 58.440 Euro hinblättern. Zehn Riesen für Extras sind für ein Topmodell aus der Kompaktklasse eine ordentliche Stange Geld.
Fazit – Espresso auf Rädern
Der Cupra Born VZ ist kein Auto für Leute, die einfach nur von A nach B wollen. Er ist für alle, die unterwegs noch ein bisschen Spaß zwischen A und B suchen – und das mit Stil, Haltung und ordentlich Spannung unter der Haube.

Mit seinen 326 PS, dem satten Drehmoment und dem hinterradgetriebenen Temperament bringt der Born VZ genau das Quäntchen Emotion, das vielen Elektroautos fehlt. Er zeigt, dass Strom nicht nur sauber, sondern auch frech und schnell sein kann. Dazu kommt ein soprtliches wie gemütliches Interieur, moderne Technik, reichlich Assistenten und eine alltagstaugliche Reichweite – eine Kombi, die zudem stimmig verpackt ist.

Natürlich ist er kein Schnäppchen und die lange Aufpreisliste stößt durchaus etwas sauer auf. Und wer den Cupra-Modus zu oft bemüht, leert den Akku schneller, als ihm lieb ist. Aber das gehört irgendwie dazu – schließlich ist der Born VZ kein Vernunftauto, sondern ein E-Hot-Hatch mit Persönlichkeit.
Zusammengefasst ist der Cupra Born VZ das elektrische Gegenstück zu einem doppelten Espresso – stark, direkt und mit einem Abgang, der einfach Lust auf mehr macht.





Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- sportliches Fahrverhalten mit Spaßgarantie
- aggressives Exterieur,
- innen hochwertige Materialien, sportliche Sitze, clevere Technik
- akzeptable Ladezeiten
- sehr gute Assistenzsysteme
Contra:
- hochpreisiger Einstieg und teure Aufpreispolitik
- keine Zulassung für Anhängerbetrieb und Dachträger
- für den Alltag teilweise zu straffes Fahrwerk
- geringe Reichweite, vor allem bei sportlicher Fahrweise
- kein Frunk
Technische Daten: Cupra Born VZ
- Farbe: Dark Forest Metallic
- Fahrzeugklasse: untere Mittelklasse (Kompaktklasse) / 5-Türer
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,32 x 1,81 (2,07 mit Außenspiegel) x 1,54
- Radstand (mm): 2.766
- Antrieb: PSM E-Motor
- max. Leistung : 240 kW (326 PS)
- max. Drehmoment (Nm): 545
- Getriebe: Reduktionsgetriebe
- Antriebsart: Hinterachse
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 14,9 kWh/100 km
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 18,0 kWh/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 0 g/km
- Abgasnorm (WLTP): Elektroauto
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h Werksangabe/gemessen (sec): 5,6/5,8
- Wendekreis (m): 10,2
- Bodenfreiheit (mm): k. A.
- Kofferraumvolumen (l): 385 bis 1.267
- Leergewicht (kg): 1.999
- Zuladung (kg): 431
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): keine
- max. Stützlast (kg): –
- max. Dachlast (kg): –
- Batteriekapazität brutto/netto (kWh): 84/79
- Ladeanschluss: hinten rechts CCS/Typ-2
- Ladeleistung Werksangabe/gemessen (kW): 185/182
- Ladezeiten DC von 10 bis 80 % Werksangabe/gemessen (min): 26/31
- Reichweite Herstellerangabe/gemessen (km): 594/423
- Kraftstoffart: Strom
- Neupreis des Testwagens: ca. 58.400 Euro (Basispreis VZ: 48.870 Euro)

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
