Jaguar erfindet sich neu – und fährt mit dem GT vollelektrisch auf den Spuren der Vergangenheit.
Manchmal beginnt Fortschritt nicht im Windkanal oder im Labor, sondern im Rückspiegel. Bei Jaguar jedenfalls startete die Zukunft mit einem Ausflug in die eigene Vergangenheit. Bevor auch nur eine Linie für den neuen elektrischen Gran Turismo gezeichnet wurde, schickten die Ingenieure sich selbst auf Zeitreise – hinter die Lenkräder einiger der berühmtesten Modelle der Marke.
Lektionen aus Legenden
Auf dem Lehrplan standen Ikonen wie der Jaguar E-Type, der Jaguar XJS oder die elegante Jaguar XJ Series I. Keine Museumsstücke, sondern fahraktive Geschichtsstunden. Ziel war es nicht, nostalgisch zu werden, sondern die Essenz herauszufiltern: Wie fühlt sich ein echter Jaguar an?

Die Antwort fiel überraschend klar aus. Leistung allein reicht nicht. Komfort allein auch nicht. Es ist die Kombination aus beidem, diese spezielle Balance aus Kraft und Gelassenheit, die einen Jaguar ausmacht. Genau dieses Spannungsfeld sollte die Grundlage für ein komplett neues Kapitel bilden.
Ein Jaguar GT mit doppelter Persönlichkeit
Das Ergebnis ist ein viertüriger, vollelektrischer Gran Turismo, der zwei Rollen gleichzeitig spielt – und beide ernst nimmt. Einerseits bietet er die Leistungsreserven und das direkte Ansprechverhalten, das man von einem modernen Elektrofahrzeug erwartet. Andererseits bleibt er souverän, ruhig und kontrolliert, selbst wenn die Geschwindigkeit steigt. So gesehen, kann er sprinten, ohne nervös zu wirken und gleiten, ohne langweilig zu sein.
Design mit bewusstem Regelbruch
Auch optisch geht Jaguar einen eigenen Weg. Statt sich an die typischen Proportionen vieler Elektroautos anzupassen, setzt der neue GT auf klassische Elemente: eine lange Motorhaube, eine flache Dachlinie, eine gestreckte Silhouette. Das wirkt vertraut, aber nicht altmodisch – eher wie eine bewusste Entscheidung gegen den Strom.

Diese Formensprache ist kein Zufall, sondern Teil der Marken-DNA. Sie knüpft an frühere Modelle an, ohne sie zu kopieren. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das sofort als Jaguar erkennbar sein soll, auch ohne Kühlergrill im klassischen Sinne.
Entwicklung des Jaguar GT mit Praxisbezug
Die sogenannte „Spirit of Jaguar Drive“-Phase war dabei mehr als ein PR-tauglicher Name. Die Entwickler haben sich intensiv mit dem Fahrverhalten der historischen Modelle auseinandergesetzt, um deren Charakterzüge zu verstehen und in die Gegenwart zu übertragen.

Das bedeutete konkret: Wie reagiert ein Fahrzeug auf Lenkbewegungen? Wie baut sich Leistung auf? Wie fühlt sich Geschwindigkeit an, wenn sie nicht nur messbar, sondern spürbar sein soll? Diese Fragen flossen direkt in die Abstimmung des neuen Jaguar GT ein.
Blick nach vorn: Wann kommt der Jaguar GT?
Die offizielle Präsentation des neuen Modells ist für September 2026 angekündigt. Vieles bleibt bis dahin noch unter Verschluss. Klar ist jedoch schon jetzt: Jaguar setzt nicht einfach auf Elektrifizierung, sondern auf eine Neuinterpretation seiner eigenen Stärken.
NewCarz meint dazu:
Die britische Traditionsmarke für edle Automobile will um jeden Preis eines vorweg klarmachen: Der kommende elektrische Jaguar GT ist kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine sorgfältige Weiterentwicklung. Die Marke nutzt ihre Geschichte als Werkzeug, nicht als Ballast – das ist clever und sollte in jedem Fall auf offene Ohren treffen, auch unter Kritikern. Wenn die Quintessenz dieser Herangehensweise ein Fahrzeug ist, das Leistung und Komfort gleichwertig behandelt – und damit genau das liefert, was man von einem Jaguar erwartet, sollte diese Strategie aufgehen. Nur eben nicht im einzelnen wie mit dem I-Pace, sondern ab sofort ausschließlich elektrisch.
Quelle & Fotos: JLR / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
