Wenn Mercedes eine neue E-Klasse vorstellt, horcht die Branche auf. Und wenn es sich dabei um das T-Modell handelt, also den Kombi, dann geht es um mehr als nur ein weiteres Derivat einer erfolgreichen Baureihe.
Es geht um ein Symbol: für Langstreckenkomfort, für pragmatische Noblesse, für die Kunst, ein Familien- und Firmenauto gleichermaßen zu bauen – und dabei die europäische Definition von Business-Klasse zu prägen.
Der Mercedes-Benz E 450d 4Matic T-Modell trägt die Rolle des „Alleskönners im feinen Zwirn“ mit einer Selbstverständlichkeit, die an frühere E-Klassengenerationen erinnert – und sie zugleich modernisiert. Viel Leistung, viel Drehmoment, viel Ruhe: Ein Reihensechszylinder-Diesel, der aus drei Litern Hubraum 367 PS schöpft, kombiniert mit Allrad, Luftfeder an der Hinterachse, digitalem High-Tech-Innenraum und dem riesigen Nutzwert des Kombis.
Unser Testwagen kam im exklusiven Alpingrau Uni, kombiniert mit umfangreicher Ausstattung inklusive MBUX Superscreen, Digital Light, Airmatic und den 19-Zöllern. Ein Fahrzeug, das für lange Reisen gemacht ist – und für jene, für die der Wechsel ins SUV nie infrage kam.
Die Frage lautet also: Ist dieses E-Klasse T-Modell der modernste klassische Kombi seiner Zeit – oder der letzte seiner Art? Fahrbericht.
Das Wichtigste im Überblick
- Einer der wenigen verbliebenen Premium-Kombis mit Sechszylinder im Bug
- 390 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment sorgen stets für ausreichend Vortrieb
- Die Effizienz ist hoch, der Preis auch. Mit 113.000 Euro ist der Kombi auch preislich Premium.
- Exterieur
- Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Varianten und Preise
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur – Die Ruhe der Stärke
Das T-Modell der aktuellen E-Klasse fährt stattlich, ja fast staatstragend vor und wirkt wie ein Fahrzeug, das keine große Geste braucht, um seine Wirkung zu erzielen. Man möchte denken, dass das Mercedes-Benz E 450d T-Modell fast schon souveräner auftritt als die bereits von uns getestete Limousine.
Proportionen, Linienführung und die betont ruhige Seitenansicht erzeugen eine Formensprache, die auf Understatement ebenso setzt wie auf Solidität. Die Farbe Alpingrau Uni verstärkt diesen Eindruck: matt, kühl, edel, aber nicht demonstrativ. Das könnte daran liegen, dass keine Metallic-Partikel um Aufmerksamkeit buhlen, was wir sehr begrüßen. Der große Kühlergrill mit der sternenbesetzten Struktur verbindet Tradition und Moderne, während die schmal gezeichneten Matrix-LED-Scheinwerfer eindeutig in Richtung Zukunft weisen.



In Summe tritt das Mercedes-Benz E 450d T-Modell klarer, reduzierter und technischer auf als seine Vorgänger. Die elektrisch ausfahrenden Türgriffe verleihen dem Wagen einen futuristischen Touch, der vor allem bei Erstbegegnungen für Aufmerksamkeit sorgt – funktional allerdings nicht immer perfekt, denn bei Kälte benötigen sie mitunter einen kräftigeren Impuls. Am Heck bleibt Mercedes seiner Linie treu: eine klare Grafik, das bekannte sternförmige Leuchtmuster und ein breiter Abschluss ohne überzeichnete Sportlichkeit. Das T-Modell will kein Showcar sein, sondern ein souveräner Reisewagen.
Interieur – Digital, gedämpft, detailreich
Im Innenraum tritt das Mercedes-Benz E 450d T-Modell als die moderne Interpretation eines klassischen Luxus-Kombis auf. Das Interieur wirkt hochwertig, detailreich beleuchtet und digital inszeniert, ohne die Bedienung gänzlich zu verkomplizieren. Besonders abends zeigt die Ambientebeleuchtung, warum Mercedes in diesem Bereich seit Jahren Maßstäbe setzt. Der optionale Superscreen mit zusätzlichem Beifahrerdisplay erweitert die Funktionalität deutlich, auch wenn nicht jeder diese digitale Fülle benötigt. Stichwort: 3D-Fahrerdisplay. Die Bedienung gelingt weitgehend intuitiv, einzig die Touchfelder am Lenkrad bleiben ein Zwischending aus Anspruch und Realität – sie funktionieren, aber nicht immer so präzise wie physische Tasten. Gleiches gilt für das winzigkleine Touchfeld unterhalb des Zentralbildschirms für die Lautstärkeregelung. Bitte Mercedes, das geht besser.
Die Sitze bieten guten Seitenhalt und solide Ergonomie, doch einige Fahrer bemängelten die vergleichsweise kurze Oberschenkelauflage und ein leicht beengtes Gefühl im vorderen Bereich. Im Fond ist das Platzangebot grundsätzlich großzügig, jedoch fällt die Rückenlehnenstellung relativ aufrecht aus, was längere Strecken für empfindliche Passagiere weniger angenehm macht. Herausragend ist dagegen die Akustik: Die E-Klasse zeigt, wie effektiv Dämmung sein kann. Selbst bei Tempo 180 bleibt das Geräuschniveau niedrig, Gespräche benötigen kaum erhöhten Lautstärkepegel.



Auch der Kofferraum überzeugt: 615 Liter Grundvolumen, auf bis zu 1830 Liter erweiterbar, ohne störende Stufen oder ungünstige Geometrie. Darüber hinaus sorgt eine niedrige Ladekante derweil für entspanntes Be- und Entladen. Das entspricht exakt der Tradition, die das T-Modell groß gemacht hat.
Antrieb und Fahreigenschaften des Mercedes-Benz E 450d T-Modell
Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder ist ein souveräner Begleiter mit viel Potenzial. Sein Klang ist sonor, zurückhaltend und angenehm präsent, ohne jedoch die Seidigkeit eines BMW- oder Land-Rover-Sechszylinders zu erreichen. Kraftreserven hat er dagegen mehr als genug. Mit 367 PS (390 PS Systemleistung) und 750 Nm Systemdrehmoment zeigt der Motor keinerlei Anstrengung, selbst bei hoher Beladung. Der Sportmodus funktioniert, bietet spontane Gasannahme und direkte Reaktionen, doch sein natürlicher Lebensraum liegt klar im Comfort-Programm. Dort lässt sich die enorme Drehmomentwelle am besten nutzen, was dem Kombi jene entspannte Reisesouveränität verleiht, die man von ihm erwartet.
Im direkten Vergleich zum bereits getesteten Vierzylinder-Diesel im E 220d kann der Sechszylinder vor allem mit einer besseren Laufkultur und deutlich mehr Leistungsreserven punkten. Wer hierauf großen Wert legt, ist beim Vierfünfziger richtig. Wer sein T-Modell überwiegend in urbanen Gegenden bewegt, darf auch gerne einen Blick auf die Modelle E 220d sowie auf den Diesel-Plug-in E 300de werfen, der das Beste aus beiden Welten vereint.



Doch zurück zu unserem Protagonisten. Die 9G-Tronic agiert nahezu perfekt. Im Alltagsbetrieb schaltet sie weich, unmerklich und hält die Drehzahl im achten und neunten Gang erfreulich niedrig. Das sorgt für geringen Verbrauch auf Autobahnfahrten. Im Kickdown greift das Getriebe beherzt ein, sortiert spontan mehrere Gänge nach unten und mobilisiert das volle Leistungspotenzial – ohne Härte oder Verzögerung.
Das Fahrwerk hinterließ gemischte Gefühle
Das Fahrwerk hinterlässt dagegen ein gemischtes Bild. Zwar zeigt das Mercedes-Benz E 450d T-Modell keine Neigung zu Wank- oder Nickbewegungen und bleibt stets stabil, doch eine gewisse Sanftheit, die man aus früheren E-Klassen kannte, erreicht er nicht mehr. Feine Querfugen oder schlechter Asphalt werden spürbarer an die Insassen weitergegeben, als man es bei einem Kombi dieser Klasse erwarten würde.
Die Traktion des serienmäßigen 4Matic-Allrads ist hingegen überragend. Selbst bei Nässe oder dynamischem Herausbeschleunigen bleibt der Wagen stoisch stabil. Hier zeigt sich, wie sinnvoll Allrad gerade in Verbindung mit einem derart drehmomentstarken Diesel ist. Doch das ist ohnehin nicht der Rede wert. Denn beim E 450d ist der 4Matic-Antrieb serienmäßig an Bord.




In Sachen Verbrauch überraschte uns der schwäbische Kombi ebenfalls. Mit 6,4 Litern im Testmittel verfehlten wir die WLTP-Angabe um gerade einmal zwei Zehntal. Auf der Sparrunde begnügte sich der sechszylindrige Kombi mit gerade einmal 3,9 Litern Diesel pro 100 Kilometer. Und wer auf nächtlich freier Autobahn ständig jenseits der 200 km/h unterwegs ist, sieht nur unwesentlich mehr als zehn Liter pro 100 Kilometer, sodass selbst unter Volllast 500 bis 600 Kilometer Reichweite immer möglich sind.
Ausstattung, Komfort & Technik
Technisch präsentiert sich die E-Klasse auf dem aktuellen Gipfel dessen, was in der oberen Mittelklasse möglich ist. Das Digital Light überzeugt durch Homogenität, klare Hell-Dunkel-Grenzen und eine präzise Ausblendung anderer Verkehrsteilnehmer. Gimmicks wie projizierte Symbole auf der Fahrbahn zeigen, wie spielerisch Mercedes Technologie inzwischen inszeniert. Die Assistenzsysteme arbeiten überwiegend zuverlässig, wirken aber nicht in jeder Situation perfekt abgestimmt. Vor allem die Geschwindigkeitswarnung im Mercedes-Benz E 450d T-Modell wurde von vielen Testfahrern dauerhaft deaktiviert.
Der Superscreen beziehungsweise das Beifahrerdisplay begeistert vor allem den Sozius: hohe Auflösung, flüssige Darstellung, volle Streaming-Fähigkeit. Gleichzeitig bleibt er vollständig blickgeschützt für den Fahrer – ein Pluspunkt in puncto Sicherheit. Das Burmester-Soundsystem erzeugt kräftige Vibrationen und guten Klang, erreicht jedoch nicht das Niveau der High-End-Anlagen aus S-Klasse oder Maybach. Die 4D-Funktion polarisiert: Während einige den Körperschall lieben, empfinden andere ihn als übertrieben.



Als sehr gut empfanden wir zudem das Head-up Display. Die Informationsdichte ist hoch, aber übersichtlich, was den Fahrer nicht überfordert. Die 1.300 Euro sind zwar deftig, aber gut investiert. Dies können wir jedoch nicht vom 3D-Fahrerdisplay behaupten. Nicht nur, dass hierfür weitere 1.200 Euro aufgerufen werden. Der „Mehrwert“ für den Fahrer beschränkt sich auf einen mittelprächtigen 3D-Effekt, den wir als „Spielerei“ abtun.
Im Rahmen unseres Testes stellte sich zudem die Frage nach der Wahl des Fahrwerks. Die im Testwagen verbaute Airmatic – also das Luftfahrwerk – kostet knapp 1.800 Euro. Da sich dieses Fahrwerk in Sachen „Sanftheit“ nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, sollte Kunden definitiv auch das Standardfahrwerk, welches ebenfalls mit adaptiven Dämpfern aufwartet, Probe fahren.
Varianten und Preise des Mercedes-Benz E 450d T-Modell
Der Grundpreis für das Mercedes-Benz E 450d T-Modell liegt bei 88.762 Euro. Der Testwagen erreichte mit umfangreicher, aber nicht vollständiger Ausstattung rund 113.000 Euro. Auffällig sind die teils sportlichen Aufpreise:
- Alpingrau Uni: ca. 3.800 Euro
- MBUX Superscreen: 1.773 Euro
- Head-up-Display: ca. 1.300 Euro
- 3D-Fahrerdisplay: ca. 1.200 Euro
- Airmatic: 1.785 Euro
Mercedes bleibt damit konsequent in der Premiumwelt verankert: Der Einstiegspreis wirkt fair, doch wer die volle Bandbreite der Technik möchte, landet schnell im sechsstelligen Bereich.


Wer ein wenig über den Tellerrand schauen möchte, dem geben wir noch die weiteren Antriebe des T-Modells mit:
- E 200d T-Modell (ab 61.404 Euro) – Mit 186 PS Systemleistung und Vierzylinder-Diesel beginnt der Einstieg in die Welt der E-Klasse-Kombis.
- E 200 T-Modell (ab 64.498 Euro) – 227 PS Systemleistung und ein Vierzylinder-Benziner sorgen hier für Vortrieb.
- E 220d T-Modell (ab 66.818 Euro) – Der gleiche Antrieb wie beim E 200d, nur mit 220 PS Systemleistung.
- E 200 4Matic T-Modell (ab 67.235 Euro) – 227 PS plus Allrad für beste Traktion.
- E 220d 4Matic T-Modell (ab 69.555 Euro) – 220 Diesel PS plus Allradantrieb.
- E 300e T-Modell (ab 72.590 Euro) – Der erste Plug-in Hybrid im Bunde. 313 PS und 550 Newtonmeter Systemleistung. Bis zu 110 Kilometer elektrisch.
- E 300de T-Modell (74.494 Euro) – Das Einhorn unter den E-Klassen. Diesel-PHEV mit über 100 Kilometer elektrischer Reichweite, 313 PS und 700 Newtonmeter Systemdrehmoment.
- E 300de 4Matic T-Modell (ab 77.231 Euro) – Wir beim 300de, nur mit 4×4-Bonus. Die E-Reichweite sinkt von 109 auf 101 Kilometer.
- E 450 4Matic T-Modell (ab 85.073 Euro) – Der erste Sechszylinder im Bunde. 404 PS Systemleistung plus Allradantrieb.
- E 450d 4Matic T-Modell (ab 88.762 Euro) – Der hier getestete Protagonist mit Reihensechser-Diesel plus Allrad.
- E53 4Matic T-Modell (ab 111.741 Euro) – Sechszylinder-Benziner mit PHEV-Technologie aus dem Hause AMG. Systemleistung: 585 PS, Drehmoment: 750 Newtonmeter. Derzeit die Speerspitze des E-Klasse-Portfolios.
Fazit zum Mercedes-Benz E 450d T-Modell
Das Mercedes-Benz E 450d T-Modell ist ein außergewöhnlicher Reisekombi: souverän motorisiert, effizient wie kaum ein anderer Diesel dieser Leistungsklasse und ausgestattet mit einer Technologiepalette, die selbst Oberklasseverwöhnte beeindrucken dürfte. Gleichzeitig zeigt er auch Ecken und Kanten. Das Komfortniveau bleibt hoch, doch die frühere butterweiche Mercedes-Souveränität wurde zugunsten einer moderneren, direkteren Abstimmung spürbar reduziert.
Sitze und Feinabstimmung könnten noch etwas reifer wirken. Und doch hinterlässt der Kombi einen prägenden Eindruck: Er ist ein Fahrzeug, das man beruhigt tausende Kilometer bewegen möchte – und ein Diesel, der eindrucksvoll zeigt, warum diese Antriebsform auf der Langstrecke weiterhin unschlagbar ist.

Der E 450d ist nicht perfekt, aber er ist ein beeindruckender Begleiter. Ein Kombi, der Kraft, Effizienz und digitale Moderne in einem Format vereint, das so bald niemand ersetzen wird. Ein Anti-SUV für Menschen, die bewusst kein SUV fahren wollen und genau wissen, warum.
Pro & Contra
Pro:
- souveräner Reihensechszylinder mit enormem Drehmoment
- sehr niedriger Verbrauch trotz hoher Leistung
- exzellente Geräuschdämmung
- überragende Traktion dank 4Matic
- großes Ladevolumen und hoher Alltagsnutzen
Contra:
- Sitze vorne mit zu kurzer Auflage
- Fondlehnen zu steil
- Komfort etwas straffer als erwartet
- hohe Aufpreise für zentrale Ausstattungen
Technische Daten: Mercedes-Benz E 450d 4Matic T-Modell
- Farbe: Alpingrau Uni
- Fahrzeugklasse: Oberklasse / Kombi
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,95 x 1,88 (2,07 mit Außenspiegeln) x 1,47
- Radstand (mm): 2.961
- Antrieb: Reihensechszylinder-Diesel
- Hybridart: Mildhybrid
- max. Leistung: 287 kW (390 PS) bei 4.000 rpm
- max. Drehmoment (Nm): 750 bei 1.350 rpm
- Hubraum (ccm): 2.989
- Getriebe: 9G-Tronic
- Antriebsart: Allrad
- Durchschnittsverbrauch (WLTP) (l/100km): 6,2
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz) (l/100km): 6,4
- CO2-Emissionen (Werksangabe in g/km): 162
- Abgasnorm: Euro 6e
- Höchstgeschwindigkeit (km/h): 250 (abgeregelt)
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 5,0
- Wendekreis (m): 12,0
- max. Bodenfreiheit (mm): 85
- max. Kofferraumvolumen (l): 615 – 1.830
- Leergewicht (kg): 2.155
- Zuladung (kg): 590
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 2.100 / 750
- max. Stützlast (kg): 84
- max. Dachlast (kg): 100
- Tankinhalt (l): 66
- Kraftstoffart: Diesel
- Neupreis des Testwagens (Euro inkl. MwSt.): 113.000 Euro (Basispreis: 88.762 Euro)
Text / Fotos: NewCarz
Kamera: Canon EOS 6D

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