Nissan Micra 6 Test – Ab jetzt wird gestromt

Nissan Micra 6

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Der Nissan Micra 6 ist da – also die mittlerweile sechste Generation des erfolgreichen Kleinwagens.

Und diesmal kommt er nicht mit kleinen Benzinmotoren, knuffigen Rundungen und dem Auftrag, damit möglichst unauffällig durch die Stadt zu wuseln.

Die neuste Generation des Kleinwagens ist rein elektrisch, deutlich selbstbewusster gezeichnet und technisch eng mit dem Renault 5 E-Tech electric verwandt.

Da soll sich aber nicht der Eindruck aufdrängen, bei dem zwei Hersteller dasselbe Auto in unterschiedlichen Farben verkaufen. Denn Nissan hat sich erstaunlich viel Mühe gegeben, genau diesen Eindruck zu vermeiden. Plattform, Antrieb und zahlreiche technische Komponenten stammen aus dem gemeinsamen Konzernbaukasten, optisch tritt der Micra aber ausgesprochen eigenständig auf.

Und das ist gut so. Denn der neue Micra sieht nicht aus wie ein Renault 5 mit japanischem Nummernschild, sondern wie ein eigenständiges Modell. Gebaut wird er allerdings tatsächlich im französischen Douai auf der Ampere-Plattform, die auch dem Renault 5 als technische Heimat dient. Der neue Micra ist damit ein kleines japanisches Auto aus französischer Produktion mit französischer Technik und japanischen Designzitaten. Globalisierung kann manchmal erstaunlich kompakt sein.

Mit einer Länge von knapp vier Metern bleibt der Micra dabei genau das, was ein Micra sein sollte: ein handliches Stadtauto. Allerdings eines, das inzwischen ordentlich Strom unter der Haube hat.

Wir hatten jetzt mit diesem Kleinwagen unseren Erstkontakt und konnten ihn im Rahmen einer Nissan-Fahrveranstaltung zum ersten Mal bewegen. Unser Testkandidat war ein Micra in der Ausstattung „Evolve“ mit 150 PS in der wunderschönen Außenfarbe Authentic Blue und als Kontrast mit dem Dach, Außenspiegel und weiteren Details in Mystery Black.



Außen und Innen: Nissan Micra 6 trägt seine eigenen Gesichtszüge

Die wichtigste Nachricht beim Design lautet: Nissan hat dem Micra ein eigenes Gesicht verpasst. Besonders die Front unterscheidet ihn deutlich vom Renault 5. Die Scheinwerfer erinnern an große, freundlich dreinblickende Augen und verleihen dem kleinen Stromer eine fast schon sympathische Mimik. Gleichzeitig gehört LED-Technik inzwischen selbstverständlich zum Programm. Das war beim ersten Kontakt nicht nur optisch interessant, sondern unterstreicht auch den deutlich moderneren Anspruch des neuen Micra.

Auch am Heck geht Nissan eigene Wege. Die Leuchten, die Gestaltung der Heckklappe und die gesamte Formensprache unterscheiden sich deutlich vom französischen Technikbruder. Wer beide Fahrzeuge nebeneinanderstellt, erkennt zwar die gemeinsame technische DNA, muss aber nicht erst nach dem Markenlogo suchen.

Mit seinen kompakten Außenmaßen bleibt der Micra angenehm kompakt. Der Wendekreis und die überschaubaren Abmessungen prädestinieren ihn geradezu für enge Innenstadtgassen und Parkhäuser.

Nissan Micra 6 Easteregg
Easter-Egg in der Frontscheibe: Der gallische Hahn verrät mit seiner Anwesenheit die französischen Wurzeln des Autos.

Interessant sind auch die kleinen Designbotschaften, die Nissan im Fahrzeug versteckt hat. So sitzt beispielsweise an der Frontscheibe im unteren Bereich der Fahrerseite ein kleines Hahn-Motiv. Der gallische Hahn verweist augenzwinkernd auf den Produktionsstandort Douai und damit auf die französische Herkunft des Micra. Ein japanisches Auto, das in Frankreich gebaut wird und seinen französischen Geburtsort mit einem Hahn feiert. Mehr europäisch-japanische Diplomatie bekommt man auf vier Rädern kaum unter.

Auch im Innenraum finden sich solche Easter Eggs. Auf der Mittelablage ist die Silhouette des Mount Fuji eingeprägt und erinnert an die japanischen Wurzeln der Marke. Auf der Ladeklappe finden sich zudem stilisierte japanische Zahlenzeichen für „Ni“ und „San“. Zusammengesprochen entsteht daraus „Nissan“. Solche Details sind keine technischen Revolutionen, machen ein Auto aber persönlicher. Und beim Micra funktioniert dies tadellos, wie wir meinen.

Der Innenraum selbst ist nicht so einfach gehalten, wie man es von einem Kleinwagen erwarten würde. Er wirkt keineswegs billig, sondern eher solide und erstaunlich penibel verarbeitet. Nissan setzt auf robuste Materialien und lockert das Ganze mit einigen pfiffigen Details auf. Besonders der genoppte Dachhimmel fällt auf. Er wirkt ungewöhnlich und verleiht dem Interieur eine gewisse Verspieltheit, ohne kitschig zu wirken.

Das Cockpit ist übersichtlich aufgebaut und wird von einem 10,1-Zoll-Display beziehungsweise der digitalen Anzeigenlandschaft geprägt. Google-Dienste wie Maps, Assistant und Play sind integriert und können bei der Navigation auch Verkehrslage, Batteriestand und Ladeplanung berücksichtigen.

Nissan Micra 6 Harman/Kardon
Statt Bose spielt im Micra ein Soundsystem von Harman/Kardon mit natürlichem und dynamischem Klang auf.

Besonders erwähnenswert ist die Audioanlage. Aufgrund seiner Renault-Verwandtschaft bekommt der Micra kein Bose-System, wie es bei verschiedenen größeren Nissan-Modellen zum Einsatz kommt, sondern ein Harman-Kardon-System mit neun Lautsprechern. Und das ist keineswegs eine Notlösung. Im Gegenteil: Die Anlage liefert einen erstaunlich satten und dynamischen Klang.


Antrieb und Fahreigenschaften – 150 Pferde durch die Stadt gejagt

Für unseren Erstkontakt stand der Micra Evolve mit 150 PS und 52-kWh-Batterie zur Verfügung. Und bereits nach wenigen Metern wird klar: Mehr Leistung braucht dieser kleine Stromer eigentlich nicht. Die 110 kW beziehungsweise 150 PS treiben die Vorderräder an. Das maximale Drehmoment liegt bei 245 Newtonmeter. Damit besitzt der Micra genügend Kraft, um im Stadtverkehr ausgesprochen flott mitzuschwimmen. Der typische Elektroauto-Effekt kommt natürlich hinzu: Das Drehmoment steht unmittelbar bereit.

Nissan Micra 6 Motorraum
Statt einem Frunk besetzt die Antriebstechnik den gesamten Raum unter der vorderen Haube.

Für den Alltag in der Stadt ist die Kombination aus 150 PS und der relativ kompakten Karosserie ausgesprochen stimmig. Der Micra wirkt agil, lässt sich leicht durch den Verkehr dirigieren und reagiert spontan auf Gasbefehle.

Gerade das Fahrverhalten gefällt. Der kleine Nissan liegt angenehm auf der Straße, lenkt präzise ein und vermittelt ein gutes Gefühl für seine Abmessungen. Das macht ihn zu einem ausgesprochen sympathischen Stadtbegleiter. So ein ausgewogener und gelassenen Fahrcharakter macht Spaß, ohne übertrieben zu wirken. Dass es auch eine 125 PS-Variante gibt, können wir gut nachvollziehen, denn nicht jeder benötigt ein Punchpotenzial wie es dieser Testkandidaten besitzt.

Nissan Micra 6 Unterboden
Gegen den Wind – der Unterboden des Micra ist wie bei fast allen BEV vollständig verkleidet.

Die 150-PS-Version beschleunigt in 8,0 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 150 km/h. Für einen Kleinwagen, der primär den urbanen Lebensraum beackert, sind das mehr als ausreichende Werte.

Die 52-kWh-Batterie ermöglicht laut Nissan bis zu 416 Kilometer Reichweite nach WLTP. Der offizielle kombinierte Verbrauch liegt bei 14,7 bis 14,9 kWh/100 km, abhängig von der Konfiguration. Den reellen Verbrauch konnten wir im Rahmen dieses Erstkontakts nicht ermitteln, doch ein umfangreicher Test des kleinen Stromers steht noch aus.

Beim Schnellladen soll der Micra ordentlich nachlegen können. Nissan verspricht, dass sich an einem geeigneten Schnelllader in 15 Minuten bis zu 175 Kilometer zusätzliche Reichweite gewinnen lassen. Für den klassischen Stadtpendler dürfte die Ladegeschwindigkeit damit weit weniger wichtig sein als die Effizienz und die Möglichkeit, bequem über Nacht zu laden. Wie schnell die Ladeprozedur abläuft, wird auch Bestandteil eines detaillierten Tests sein.

Nissan Micra 6 Ladeanschluss
Der kombinierte Ladeanschluss (CCS und Typ 2) liegt beim Nissan Micra 6 an der Fahrerseite vorn.

Besonders schön: Der Micra fühlt sich nicht wie ein abgespecktes Elektroauto an. Er fährt sich einfach wie ein kleiner, moderner Wagen, der nicht nur seinen Fahrer plus Insassen von A nach B bringt, sondern ihnen auf diesem Weg auch einiges zu bieten bereit ist.

Ausstattungs-Highlights des Nissan Micra 6

Beim Thema Ausstattung zeigt sich, wie sehr sich die Fahrzeugklasse in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Micra Evolve besitzt unter anderem das 10,1-Zoll-Infotainmentsystem, integrierte Google-Dienste, Smartphone-Integration, induktives Laden und ein umfangreiches Paket an Fahrerassistenzsystemen.

Zum Evolve gehören außerdem:

  • Harman-Kardon-Premium-Audiosystem mit neun Lautsprechern
  • ProPILOT Assistent mit Navi-Link
  • autonomer Stau-Assistent mit Stop-and-Go
  • intelligenter Lenk-Assistent
  • automatische Anpassung an die zulässige Geschwindigkeit
  • Anpassung der Geschwindigkeit in Kurven, Ausfahrten und Kreisverkehren
  • intelligenter Geschwindigkeitsassistent bei niedrigen Geschwindigkeiten
  • Rückfahrkamera und Parksensoren
  • Google Maps mit Lade- und Routenplanung
  • induktive Smartphone-Lademöglichkeit
  • MULTI-SENSE mit vier Fahrmodi
  • 18-Zoll-Leichtmetallräder
  • Zweifarbenlackierung
  • beheizbare Vorder­sitze
  • beheizbares Lenkrad

Auffällig ist außerdem die Fahrerüberwachungskamera, die in der A-Säule auf der Fahrerseite integriert ist. Die Lösung erinnert tatsächlich an Systeme, die man bislang vor allem aus chinesischen Fahrzeugen kennt. Sie überwacht, ob der Fahrer aufmerksam ist, und erfüllt die von der EU vorgegebenen Vorschriften in puncto Fahrsicherheit. Zudem ist sie damit Bestandteil der zunehmend ausgefeilteren Assistenzarchitektur.

Der Micra ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie selbst Kleinwagen inzwischen mit elektronischem Werkzeugkasten antreten, der vor einigen Jahren noch der Oberklasse vorbehalten war.


Varianten und Preise des Nissan Micra 6

Nissan bietet den neuen Micra in Deutschland mit zwei Batteriegrößen und unterschiedlichen Leistungsstufen an. Die aktuelle deutsche Herstellerpreisliste nennt folgende Preise:

  • Micra Engage, 40 kWh, 122 PS: ab 27.990 Euro
  • Micra Advance, 40 kWh, 122 PS: ab 29.990 Euro
  • Micra Advance, 52 kWh, 150 PS: ab 32.990 Euro
  • Micra Evolve, 52 kWh, 150 PS: ab 34.900 Euro

Damit ist der von uns gefahrene Micra Evolve 52 kWh mit 150 PS quasi die Topversion und diese ab 34.900 Euro erhältlich.

Die Evolve-Ausstattung ist dabei bereits sehr umfangreich. Wer sich für die stärkere 150-PS-Version entscheidet, erhält also nicht nur mehr Leistung und die größere Batterie, sondern kann den Micra gleichzeitig mit einer ausgesprochen umfangreichen Komfort- und Assistenzausstattung kombinieren.

Nissan Micra 6 schräg hinten
Bereits ab 27.990 Euro ist der seit der sechsten Generation nun vollelektrische Micra zu haben.

Die 40-kWh-Version kommt laut Nissan auf bis zu 317 Kilometer WLTP-Reichweite, während der 52-kWh-Micra bis zu 416 Kilometer schafft. Die knapp 100 Kilometer mehr an Reichweite sind insbesondere im suburbanen Bereich und darüber hinaus eine ordentliche Portion.

Damit positioniert Nissan den Micra ziemlich geschickt: Die kleinere Batterie ist für den klassischen Stadtbetrieb interessant, während die 52-kWh-Variante deutlich universeller einsetzbar ist. Wer regelmäßig längere Strecken fährt, dürfte mit der größeren Batterie trotz des höheren Preises (4.500 Euro Aufpreis) besser beraten sein.


Fazit – Kleiner Micra ganz groß

Der neue Nissan Micra ist ein interessantes Beispiel dafür, wie eng inzwischen die Grenzen zwischen verschiedenen europäischen und japanischen Automobilwelten geworden sind. Technisch ist er eng mit dem Renault 5 verwandt, doch Nissan hat es geschafft, daraus mehr als nur einen umgelabelten Franzosen zu machen.

Sein eigenständiges Design, die sympathische Front, die ungewöhnlichen Details und der eigenständige Innenraum geben ihm eine eigene Persönlichkeit. Dazu kommen ein überraschend erwachsenes Fahrwerk, kräftige 150 PS und eine für einen Kleinwagen beachtliche Reichweite.

Nissan Micra 6 schräg hinten
Konnte bereits im Erstkontakt jede Menge Sympathiepunkte einheimsen: der Nissan Micra 6.

Gerade in der Evolve-Version wird der Micra zum ausgesprochen gut ausgestatteten Stadtstromer. Harman Kardon, Head-up-Display, ProPILOT, Google-Dienste, beheizbare Sitze und Lenkrad sowie die umfangreiche Assistenztechnik zeigen, dass Kleinwagen inzwischen nicht mehr automatisch Kleinwagen-Technik bedeuten.

Der vielleicht schönste Teil der Geschichte ist aber ein anderer: Nissan hat aus dem Renault-5-Baukasten einen Micra gemacht, der tatsächlich nach Micra aussieht und sich auch so anfühlt. Der Hahn an der Front erinnert an Frankreich, der Mount Fuji an Japan und die 150 PS daran, dass dieser kleine Kerl keineswegs vorhat, gemütlich hinter dem nächsten Linienbus herzuzuckeln.

Text & Fotos: NewCarz


Technische Daten: Nissan Micra 6 Envolve

  • Länge x Breite x Höhe (m): 3,97 x 2,02 x 1,49
  • Radstand (mm): 2.541
  • Antrieb: 1x E-Motor PSM
  • max. Leistung: 110 kW (150 PS)
  • Drehmoment (Nm): 245
  • Akku Kapazität (kWh): 52 (alternativ 40)
  • Ladeanschluss: CCS/Typ 2 kombiniert (vorn links)
  • Ladezeit von 10 bis 80 % DC mit max. 100 kW Werksangabe (min): 30
  • Ladezeit von 10 bis 100 % AC mit max. 11 kW Werksangabe (min): 285
  • Reichweite Werksangabe (km): 416
  • Getriebe: stufenloses Reduktionsgetriebe
  • Antriebsart: Vorderachse 
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 14,7 kWh/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 0 g/km
  • Abgasnorm: Elektroauto
  • Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 8,0
  • Wendekreis (m): 10,3
  • Kofferraum (l): 326 bis 1.106
  • Leergewicht (kg): 1.527
  • Zuladung (kg): 403
  • max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 500/500
  • max. Stützlast (kg): 63
  • max. Dachlast (kg): –
  • Kraftstoffart: elektrische Energie
  • Neupreis des Testwagens: ca. 34.900 Euro
  • Basispreis Engage 40 kWh: 27.990 Euro

 

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