Er gilt als großer Bruder des Nissan Qashqai: der Nissan X-Trail – dieser hat nun ein Facelift erhalten und wir die Gelegenheit, diesen in einem Erstkontakt unter die Lupe zu nehmen.
Was bringt das Facelift mit? Um es kurz vorweg zu nehmen: Während sich beide Modelle bislang recht eindeutig voneinander unterscheiden ließen, verschieben sich die Grenzen inzwischen ein wenig. Der aktuelle X-Trail hat bei Materialien, Konnektivität und Ausstattung kräftig nachgelegt und tritt damit selbstbewusster auf als bisher.
Für unseren Erstkontakt stand der Nissan X-Trail in der höchsten Ausstattungsstufe „TEKNA“ mit e-POWER-Antrieb, Allradantrieb und in der Außenfarbe Sukumo Blue bereit. Das Besondere an diesem Antrieb ist ist, dass der Benziner die Räder nicht direkt antreibt und als Generator fungiert, der Strom erzeugt, welcher wiederum zwei Elektromotoren versorgt. Gefahren wird damit elektrisch, während der 1,5-Liter-Dreizylinder im Hintergrund für die Energieversorgung zuständig ist.
Exakt mit gleichem Prinzip arbeitet dieser auch im Qashqai, da allerdings nicht als Allradversion sondern als Fronttriebler mit nur einem E-Motor. Das Antriebskonzept mit zwei E-Motoren, die als e-4ORCE genannter Allradantrieb fungieren passt erstaunlich gut zum Charakter des großen Nissan.
Und auch beim Ambiente hat sich etwas getan. Der X-Trail wirkt mittlerweile tatsächlich, als hätte er eine Klasse übersprungen. Nicht durch irgendeinen spektakulären technischen Kunstgriff, sondern durch viele kleine Verbesserungen, die sich im Zusammenspiel bemerkbar machen. Doch gehen wir ins Detail.
Außen und Innen: Mehr SUV, mehr Wertigkeit
Optisch ist der X-Trail kein Krawallmacher. Er steht vergleichsweise souverän auf der Straße und verbindet die inzwischen typische Nissan-Front mit einer klar gezeichneten SUV-Karosserie.
Die Außenfarbe Sukumo Blue passt dabei ausgesprochen gut zu seinem Charakter. Das dunkle Blau wirkt je nach Lichteinfall unterschiedlich und verleiht dem X-Trail eine gewisse Noblesse, ohne ihn in Richtung Dienstwagen-Grau abdriften zu lassen. Zusammen mit den großen Rädern, den opulenten Abmessungen und den markanten Karosserielinien entsteht ein stattlicher Auftritt, der je nach Konfiguration auch als 7-Sitzer angeboten wird





Noch bemerkenswerter ist allerdings die Entwicklung im Innenraum. Hier wurde bei Materialanmutung und Verarbeitung sichtbar nachgelegt. Kunstleder, weiche Oberflächen, sauber integrierte Displays und die insgesamt deutlich hochwertigere Anmutung lassen den X-Trail inzwischen tatsächlich in einer anderen Liga auftreten als frühere Generationen.
Besonders angenehm ist die Kombination aus Übersichtlichkeit und Komfort. Der Fahrer blickt auf ein digitales Cockpit und ein großes zentrales Infotainmentdisplay, darüber kann im TEKNA zusätzlich das 10,8-Zoll-Head-up-Display wichtige Informationen direkt ins Blickfeld projizieren. Die Informationsdichte dieses HUD ist hoch, aber wirkt nie überladen.





Die neue digitale Welt des X-Trail hört aber nicht bei größeren Bildschirmen auf. Nissan hat das Fahrzeug nun mit Google Built-in ausgestattet. Google Maps, Google Sprachassistent und Google Play Store sind direkt ins Infotainment integriert. Gerade die Navigation profitiert davon erheblich. Die Routenführung arbeitet präzise, berücksichtigt aktuelle Verkehrsinformationen und lässt sich sehr komfortabel per Sprache bedienen.


Das Platzangebot bleibt unverändert sehr großzügig auf allen Plätzen und auch in puncto Kofferraum. Die längs verschiebbare Rückbank erhöht die Praktikabilität ungemein. Eine kleine Kuriosität bleibt dagegen im Fond. Die Mittelarmlehne der Rückbank verursacht bei Nutzung ( also beim Herunterklappen) eine Öffnung beziehungsweise Durchreiche zum Gepäckraum. Der Sinn dieser Lösung erschließt sich nicht vollständig. Praktisch mag sie zwar für gewissen Situationen sein, aber angesichts der sonstigen Detailverliebtheit des X-Trail stellt sich unweigerlich die Frage, warum Nissan hier nicht eine doppelte Abdeckung als elegantere Lösung gefunden hat. Das erinnert ein bisschen an einen perfekt gedeckten Tisch, auf dem plötzlich ein Plastikbecher steht.

Antrieb und Fahreigenschaften – E-Antrieb mit Benzinherz
Unter der Motorhaube arbeitet beim Testwagen der e-POWER-Antrieb in Kombination mit dem Allradsystem e-4ORCE. Damit kommt der X-Trail auf eine Systemleistung von 213 PS. Das Prinzip bleibt dabei typisch für Nissans e-POWER-Konzept: Der 158 PS starke 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner fungiert im Wesentlichen als Generator, während die Räder von Elektromotoren angetrieben werden. Vorne übernimmt dies ein 204 PS starker E-Antrieb und beim e-4ORCE kommt zusätzlich ein Elektromotor mit 136 PS an der Hinterachse hinzu.

Das Ergebnis fühlt sich entsprechend eher nach Elektroauto als nach klassischem Hybrid an. Der Benziner muss die Räder nicht unmittelbar antreiben, sondern liefert Strom für das elektrische Antriebssystem. Beim Anfahren und bei niedrigen Geschwindigkeiten profitiert der X-Trail deshalb von der unmittelbaren Reaktion des Elektromotors und den insgesamt satten 525 Newtonmetern an Drehmoment. Gerade im Stadtverkehr lässt sich das immerhin knapp 4,70 Meter lange SUV erstaunlich geschmeidig bewegen.



Das e-4ORCE-System verteilt die Antriebskraft variabel zwischen Vorder- und Hinterachse und soll dadurch nicht nur bei rutschigem Untergrund für zusätzliche Traktion sorgen. Auch bei schneller Kurvenfahrt lässt sich der X-Trail damit erstaunlich präzise dirigieren. Die 213 PS reichen für den großen SUV allemal aus, ohne dass daraus ein verkapptes Sportgerät werden müsste. 0 auf 100 km/h gelingt in rund sieben Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.

Fünf Fahrmodi stehen zur Verfügung, deren Charakteristik tatsächlich spürbar auseinanderliegt. Im Sportprogramm reagiert das Fahrzeug deutlich unmittelbarer auf Gasbefehle und wirkt entsprechend munterer. Zusätzlich gibt es eine Bergabfahrhilfe, die auf Gefällestrecken für kontrolliertes Tempo sorgt. Gerade in Verbindung mit e-4ORCE wird daraus ein Antriebskonzept, das Komfort und Traktion ziemlich geschickt miteinander verbindet sowie auch unbefestigte Wege in das Repertoire dieses SUVs mit aufnimmt.

Der X-Trail bleibt dabei angenehm leise. Der Benziner arbeitet nicht unmittelbar proportional zur Geschwindigkeit, sondern springt abhängig vom Energiebedarf als Stromlieferant an. Wer einen konventionellen Verbrenner gewohnt ist, muss sich daran kurz gewöhnen. Dafür entsteht im Alltag ein bemerkenswert elektrisches Fahrgefühl, ohne dass eine Ladesäule eingeplant werden muss.
Verbrauchstechnisch konnten wir in diesem kurzen Erstkontakt keine Daten sammeln und holen dies später in einem detaillierten Alltagstest nach.
Ausstattungs-Highlights des Nissan X-Trail Facelift
Beim TEKNA wird der X-Trail beinahe zum rollenden Techniklabor. Neben dem bereits erwähnten Head-up-Display gehören unter anderem der digitale Innenspiegel mit Kamerafunktion, elektrisch einstellbare Fahrer- und Beifahrersitze mit Memory-Funktion, LED-Ambientebeleuchtung und Kunstleder-Sitze zur Ausstattung. Für 2.600 Euro zusätzlich wandert dank Premium-Paket eine Voll-Lederausstattung in das Interieur des X-Trail.





Auch bei den Assistenzsystemen fährt Nissan einiges auf. Serienmäßig beziehungsweise je nach Ausstattung stehen unter anderem der intelligente adaptive Geschwindigkeits- und Abstandsassistent, ein autonomer Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Kreuzungsassistent, intelligenter Spurhalteassistent, Totwinkel-Assistent mit korrigierendem Bremseingriff, Querverkehrswarner und Verkehrszeichenerkennung zur Verfügung.


Der ProPILOT Assistent mit Navi-Link geht noch einen Schritt weiter. Er kann das Fahrzeug im Stau bis zum Stillstand abbremsen und wieder beschleunigen sowie anhand der Navigationsdaten beispielsweise Kurven, Ausfahrten oder Änderungen der zulässigen Geschwindigkeit berücksichtigen. Genau das konnten wir in der Rush Hour auf der Autobahn nahe Düsseldorf ausprobieren und für zuverlässig und überaus hilfreich befinden.

Beim Einparken kann der X-Trail ebenfalls selbst Hand anlegen. ProPILOT Park übernimmt Lenkung, Fahren, Bremsen und Schaltvorgänge und führt das Fahrzeug automatisiert in die Parklücke.

Der TEKNA besitzt serienmäßig Voll-LED-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlicht-Assistenten. Das heißt, das Abblendlicht wird über Reflektortechnik verteilt, während das Fernlicht über verschiedene Segmente aufgeteilt werden kann und somit andere Verkehrsteilnehmer ausgeblendet werden. Unser Test bei Tageslicht erlaubte nachvollziehbar keine Testszenarien hierfür.

Sehr überzeugend arbeitet die Bose-Premium-Soundanlage. Typisch Bose liegt der Schwerpunkt klar auf einem kräftigen, voluminösen Bass. Wer gerne Musik mit ordentlich Fundament hört, kommt hier auf seine Kosten. Die zehn Lautsprecher inklusive Acoustimass-Bassbox verleihen dem Innenraum eine akustische Fülle, die gut zum gehobenen Anspruch des TEKNA passt.
Varianten und Preise des Nissan X-Trail Facelift
Nissan bietet den X-Trail mit dem Facelift ausschließlich mit e-POWER mit Front- oder Allradantrieb an; der Mild-Hybrid wurde gestrichen. Für den von uns gefahrenen X-Trail 1.5 VC-T e-POWER e-4ORCE mit 214 PS und Allradantrieb nennt Nissan einen Preis von 40.158 Euro in der Einstiegs-Ausstattung „Acenta“.
Wichtig! Aktuell gibt’s für den X-Trail einen Nissan-Bonus von rund 7.500 Euro!
Dieses Angebot ist noch bis 30.09.2026 gültig. Interessenten sollten sich also schnell entscheiden und den Kaufvertrag bis dahin unterzeichet haben.
Als „Tekna“ wie gefahren mit Sonderfarbe und 20 Zoll-Rädern sowie ohne Nissan-Bonus standen 56.990 Euro auf der Liste.
Aufgrund des Bonus gestalten sich die Preise für die e-POWER-Palette bis zum 30. September 2026 wie folgt:
Vorderradantrieb:
- Acenta e-POWER, 204 PS: ab 37.218 Euro
- N-Connecta e-POWER, 204 PS: ab 40.662 Euro
- N-Trek e-POWER, 204 PS: ab 42.510 Euro
- TEKNA e-POWER, 204 PS: ab 44.946 Euro
Allradantrieb:
- Acenta e-POWER e-4ORCE, 213 PS: ab 40.158 Euro
- N-Connecta e-POWER e-4ORCE, 213 PS: ab 43.602 Euro
- N-Trek e-POWER e-4ORCE, 213 PS: ab 45.450 Euro
- TEKNA e-POWER e-4ORCE, 213 PS: ab 47.886 Euro

Die Farbe Sukumo Blue ist als Metallic-Lackierung für 950 Euro extra erhältlich. In Kombination mit Diamond Black gibt es sie auch als Zweifarbenlackierung. Die Zweifarbenversion kostet laut Preisliste 1.500 Euro.
Wer noch mehr Luxus möchte, kann beim TEKNA für 2.600 Euro das Premium-Paket mit Panorama-Glasschiebedach, gestepptem Premium-Leder und Außenspiegeln mit Memory-Funktion wählen.
Als „N-Trek“ wird die Variante bezeichnet, die auch für harschere Umgangsformen herhalten soll. Abwaschbare Sitzbezüge beispielsweise, werden hier jeden Offroad- und Outdoor-Fan garantiert begeistern können.
Fazit – Alte Tugenden mit Neuem aufgefrischt
Der aktuelle Nissan X-Trail ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Modell durch viele gezielte Verbesserungen seinen Charakter verändern kann, ohne seine Grundidee aufzugeben.

Besonders der Innenraum macht inzwischen einen deutlich höherwertigen Eindruck. Materialien, Verarbeitung und Ausstattung vermitteln tatsächlich das Gefühl, dass der X-Trail in eine Klasse hineingewachsen ist, in der er früher eher höflich anklopfen musste.
Dazu kommt das e-POWER-System mit e-4ORCE Allradantrieb, das mit seinen 214 PS ausgesprochen gut zum Fahrzeug passt. Der elektrische Antrieb sorgt für spontanes Ansprechen und ruhiges Fahren, während der Benziner als Stromlieferant die Langstreckentauglichkeit sicherstellt. Die unterschiedlichen Fahrprogramme sind dabei tatsächlich spürbar und nicht bloß verschiedene Schriftzüge auf dem Display. Dank Allradantrieb bewahrt der X-Trail auch auf schwierigem Untergrund die Contenance. Das neue Google-Infotainment gehört ebenfalls zu den Verbesserungen, die man nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchte. Vor allem die Navigation und die Sprachsteuerung funktionieren überzeugend.


Insgesamt präsentiert sich der X-Trail als deutlich gereiftes Familien-SUV, das Komfort, Platz und eine interessante Hybridtechnik miteinander verbindet. Besonders interessant ist der noch wenige Tage geltende Nissan-Bonus, der einen erheblichen Kostenvorteil beim Kauf eines X-Trail verspricht. Lange warten sollte man also nicht.

Text & Fotos: NewCarz
Technische Daten: Nissan X-Trail e-Power e-4ORCE TEKNA
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,69 x 2,07 (mit Außenspiegel) x 1,73
- Radstand (mm): 2.705
- Antriebsart: Serieller Hybrid
- Antrieb: Dreizylinder-Turbobenziner + 2x E-Motoren
- Hubraum: 1.497 ccm
- Systemleistung: 157 kW (213 PS)
- Systemdrehmoment (Nm): 525
- Getriebe: stufenloses Reduktionsgetriebe
- Antriebsart: Allrad
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 6,6 l/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 148 g/km
- Abgasnorm: Euro 6e
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 7,0
- Wendekreis (m): 11,1
- Kofferraum (l): 575 bis 1.396
- Leergewicht (kg): 1.883
- Zuladung (kg): 462
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/1.800
- max. Stützlast (kg): 100
- max. Dachlast (kg): 100
- Kraftstoffart: Benzin E5/E10
- Neupreis des Testwagens: 56.990 Euro
- aktueller Basispreis e-4ORCE: 40.158 Euro

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
