Es gibt Fahrzeuge, die kommen und gehen und es gibt den Toyota Hilux.
Genau dieses Pick-up gehört seit über 50 Jahren zur zweiten Kategorie und hat in dieser Zeit mehr als 27 Millionen Käufer überzeugt, dass „kaputtgehen“ eher ein theoretisches Konzept ist.
Auf der aktuellen Brüsseler Automobilausstellung 2026 (vom 9. bis 18. Januar) feiert nun die neunte Generation des Pick-ups ihr Europadebüt und stellt dabei auch eine Frage, die noch vor wenigen Jahren als Sakrileg gegolten hätte: Kann ein Hilux auch elektrisch?
Toyota antwortet darauf mit einem selbstbewussten „Ja, aber natürlich richtig“.
Evolution statt Revolution, nur mit Hochvoltkabel
Der neue Hilux bleibt seinen Kernwerten treu: Qualität, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Das klingt zunächst nach Marketingfolklore, ist beim Hilux aber empirisch gut abgesichert. Die neunte Generation interpretiert diese Werte jedoch zeitgemäß und folgt Toyotas Multipath-Strategie. Statt ideologischer Antriebseinfalt gibt es Auswahl. Konkret bedeutet das zwei Antriebsvarianten: einen weiterentwickelten 2,8-Liter-Diesel mit 48V-Mild-Hybridsystem und erstmals einen batterieelektrischen Hilux.
Beide Versionen werden in Brüssel gezeigt. Und beide richten sich an Kunden, die zwar offen für Neues sind, aber ungern auf bewährte Tugenden verzichten.
Toyota Hilux in Europa: Doppelkabine only, Pragmatismus deluxe
Toyota hört seinen Kunden zu. Offenbar ziemlich genau. Der neue Hilux wird in Europa ausschließlich als Doppelkabine angeboten. Die Mischung aus Nutzwert und Komfort trifft den Nerv der Zeit, egal ob auf der Baustelle, im Forst oder vor dem Konferenzhotel mit Anhängerkupplung. Innen präsentiert sich der Hilux funktional, solide und ausreichend komfortabel, außen kantig, selbstbewusst und unter dem Designmotto „Robust und Agil“ gezeichnet. Übersetzt heißt das: Er sieht aus, als könne er arbeiten, und tut es im Zweifel auch mit aller Kraft.

Unter der Karosserie bleibt alles beim Alten, was gut ist. Der Leiterrahmen im klassischen Body-on-Frame-Layout bleibt gesetzt und sichert weiterhin das, wofür der Hilux (welt)berühmt ist: Geländegängigkeit, Belastbarkeit und eine ausgeprägte Gleichgültigkeit gegenüber schlechten Wegen.
Toyota Hilux mit 48V-Mild-Hybridsystem: Diesel, nur zivilisierter
Der bekannte 2,8-Liter-Dieselmotor wird von einem 48V-Mild-Hybridsystem unterstützt, bestehend aus einer Lithium-Ionen-Batterie und einem elektrischen Zusatzaggregat. Das Ergebnis ist keine Revolution, sondern eine spürbare Verfeinerung. Der Antrieb läuft leiser, sanfter und kultivierter, insbesondere beim Anfahren und Beschleunigen. Nebenbei sinken Verbrauch und CO₂-Emissionen, ohne dass der Hilux seine Fähigkeiten einbüßt.

Die Eckdaten bleiben erfreulich unverändert: eine Tonne Nutzlast, 3,5 Tonnen Anhängelast und bis zu 700 Millimeter Wattiefe. Auch im Gelände gibt sich der Mildhybrid keine Blöße. Multi-Terrain Select, Multi-Terrain-Monitor und Panoramamonitor unterstützen den Fahrer dabei, Hindernisse zu überwinden, die für andere Fahrzeuge das Ende der Dienstreise bedeuten würden.
Kurz gesagt: Der Hilux Mildhybrid ist der klassische Hilux, nur mit besserem Benehmen.
Toyota Hilux BEV: Der Pick-up, der leise arbeitet
Wirklich spannend wird es beim batterieelektrischen Hilux. Toyota wagt hier etwas, das im Pick-up-Segment lange als schwierig galt. Das Ziel ist klar formuliert: ein Hilux ohne lokale Emissionen, aber mit unverändertem Anspruch an Robustheit und Einsatzfähigkeit.
Der Hilux BEV nutzt eine 59,2-kWh-Lithium-Ionen-Batterie und eAxles an Vorder- und Hinterachse. Das Ergebnis ist ein permanenter Allradantrieb mit variabler Drehmomentverteilung. An der Vorderachse stehen 205 Nm zur Verfügung, an der Hinterachse 268 Nm. Die WLTP-Reichweite beträgt bis zu 257 Kilometer kombiniert und bis zu 380 Kilometer im Stadtzyklus. Das klingt nicht nach Langstreckenheld, passt aber zum vorgesehenen Einsatzprofil.

Mit 715 Kilogramm Nutzlast und 1,6 Tonnen Anhängelast ist der BEV-Hilux etwas zurückhaltender als der Diesel, bleibt jedoch klar im arbeitsfähigen Bereich. Dank Leiterrahmen, optimal geschützter Batterieintegration und robustem Unterfahrschutz erreicht auch der elektrische Hilux 207 Millimeter Bodenfreiheit und 700 Millimeter Wattiefe. Ja, auch elektrisch kann man durch Wasser fahren, sofern man Toyota heißt.
Das speziell für den BEV adaptierte Multi-Terrain-Select-System sorgt dafür, dass das Drehmoment je nach Untergrund präzise dosiert wird. Das Ergebnis ist kontrolliertes, souveränes Vorankommen, nur eben nahezu geräuschlos.
Markteinführung und Ausblick
Der neue Hilux startet im Frühjahr 2026 in Europa zunächst als vollelektrische BEV-Version. Die 48V-Mild-Hybrid-Variante folgt im Herbst 2026. Angaben zu Preisen und detaillierten Ausstattungen will Toyota zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen.

NewCarz meint dazu:
Wir finden, der Toyota Hilux 2026 ist kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine bemerkenswert gelassene Weiterentwicklung. Ob Mildhybrid oder vollelektrisch, ob Baustelle oder Gelände: Der Hilux bleibt Hilux. Er ist jetzt auf Wunsch auch leiser und lokal gesehen emissionslos. Und wahrscheinlich wird auch diese Generation ein Bestseller, ganz gleich, welche Antriebsform gerade en vogue ist. Denn seit seinem Debüt 1968 gehört der Hilux nicht aus Zufall zu den meistverkauften Pick-ups der Welt.
Quelle & Fotos: Toyota / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
