Honda hat seinem HR-V, dem kompakten Crossover im Städtedschungel, ein Facelift spendiert. Das neue Modelljahr ist kein radikales „Alles neu!“, sondern eher eine Aufhübschung.
Das ursprüngliche SUV der dritten Generation kam 2021 auf den Markt und tritt seitdem den Beweis an, dass pragmatische Züge auch durch charmante ersetzt werden können.
Gegenüber dem Vorfacelift wurden diesmal Optik, Komfort und Ergonomie geschärft, ohne den liebgewonnenen Hybrid-Antrieb anzutasten. Wem das nach kosmetischem Minimum klingt: Willkommen im Club der realistischen Autokäufer.
Unser Test-SUV kam in einem „Sage Green Pearl“-Lackierung – die einzige ohne Aufpreis. Zudem war der HR-V in der „Advance Style Plus“ mit dem ausgestattet, was es ab Werk maximal erhältlich ist – Topausstattung.
Das Wichtigste im Überblick
- Optisch und technisch dezente Modellpflege verjüngen das Crossover-Modell behutsam, aber spürbar.
- Unverändert bleibt der erfolgreiche, weiterhin sehr effiziente Hybridantrieb.
- Zusätzliche Ausstattungslinien sorgen für mehr Individualität bei der Auswahl des persönlichen Favoriten.
- Exterieur
- Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Varianten und Preise
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur – Behutsame Maskenbildner am Werk
Wenn der Vorgänger HR-V wie ein makellos frisierter Bibliothekar wirkte, dann ist das Facelift der Hipster-Bibliothekar mit Bart: ein bisschen mehr Charakter, aber weiterhin mit Lesebrille. Die Designer schlüpften dabei in die Rolle von Maskenbildner, um dem SUV den gewünschten Feinschliff zu verpassen.





Außen bekommt das Honda HR-V Facelift eine überarbeitete Frontpartie mit dunkleren Scheinwerfer-Innereien, einem frisch gestalteten, schmaleren Kühlergrill und ein leicht geglättet wirkendes Stoßfänger-Design.
Die Heck-Lichtleiste ist jetzt eine etwas modernere LED-Leinwand und zeigt sich in den Rückleuchten schmaler und illuminiert in Stäbchenform anstatt gepunkteten Bögen.
Interieur – Geschliffen mit feinster Körnung
Innen hat Honda die Mittelkonsole und das Armaturenbrett im unteren Bereich neu geformt, damit der Griff zur induktiven Ladefläche nicht mehr einem Zirkusakt gleicht. Wer aus einem Vorfacelift-HR-V umsteigt, merkt außerdem: Die Ergonomie ist etwas aufgeräumter, die Bedienung einen Hauch intuitiver, und die verbesserte Schalldämmung trägt dazu bei, dass Gespräche auch bei höheren Tempi mit Mitfahrern möglich bleiben.





Die legendären Honda Magic Seats gibt’s weiterhin, die sich je nach Ladeplan biegen und falten, wie man es von einem echten Raumnutzungskünstler erwartet. Statt Ambientelicht wurden dem Innenraum metallicblaue Dekorstreifen verordnet, die bei einem flüchtigen Blick durch die Seitenscheiben auch als Ambientebeleuchtung durchgehen könnten – zumindest bei Tageslicht.





Gegenüber dem alten HR-V ist es innen also nicht der „Alles Neu“-Effekt, sondern eher eine durchdachte Optimierung. Platztechnisch bleibt alles wie gehabt; der Kofferraum offeriert mit 320 Litern knapp unterdurchschnittliches Ladevolumen im Vergleich zur Konkurrenz.



Antrieb und Fahreigenschaften – Never touch a runnig System
Honda bleibt seiner Hybridphilosophie treu: Das Honda HR-V Facelift fährt weiterhin mit dem e:HEV-Hybridantrieb, einer Kombination aus 1,5-Liter-Atkinson-Benziner und einem Elektromotor, welches zusammen 131 PS Systemleistung generieren. Das Prinzip dieses unverändert gebliebenen Vollhybrids mit seinen drei Antriebsarten haben wir bereits genau beleuchtet und dies kann hier nachgelesen werden.

Ein stufenloses Automatikgetriebe (e-CVT) leitet die Kraft an die Vorderräder, ohne dass man sich über manuelle Schaltorgien Gedanken machen müsste. Kleiner Schönheitsfehler: Wer den Wählhebel einfach nach hinten zieht. landet statt auf avisiertem „D“ auf „B“ – hier wird deutlich stärker rekuperiert, also beim Gaswegnehmen gebremst. Die Anordnung B hinter D ist daher nicht optimal; besser wäre B neben D oder B wird durch ein weiteres Antippen aktiviert.
Im Vergleich zum Vorfacelift: Leistung bleibt gleich, auch die Effizienz und der Fahrkomfort wirken „on point“. Der Federungskomfort ist angenehm, die Lenkung eher komfortabel als sportlich, aber das Gesamtpaket fühlt sich für ein kompaktes SUV überraschend gelassen und ausgewogen an. Aus dem Stand gestartet, liegen 100 km/h nach etwa elf Sekunden an, die Spitze liegt weiterhin bei rund 170 km/h.

Wer dem HR-V die Sporen gibt, erntet weiterhin hohe Drehzahlen, die aber durch eine verbesserte Dämmung ein bisschen weniger störend erscheinen als beim Vorgänger. Der HR-V Facelift hat als Vollhybrid keine Batterie zum externen Laden, sondern ist selbstladefähig, Dabei wird der Benziner und Elektromotor harmonisch orchestriert.





Die elektrische „Reichweite“ kommt hier automatisch im Fahrbetrieb zustande und ist kein separater Wert wie bei Plug-in-Modellen. Aber im Stadtverkehr und gelassener Fahrt über ländliche Nebenstraßen darf man sich oft über zaghafte, aber echte elektrische Momente freuen. Im Vergleich zum Vorfacelift verpackt Honda das Ganze gefühlt stimmiger und mit ein paar Prozentpunkten mehr Alltagsnutzen, verlangt aber immer noch nach einem kurzen Schalthebel-Yoga beim Start.


Der kombinierte Normverbrauch liegt laut Hersteller bei etwa 5,4 Liter auf 100 Kilometer. Wir ermittelten im Test 6,1 Liter, was etwas mehr als beim Vorfacelift ergab. Dies lag wahrscheinlich an den kälteren Außentemperaturen während der Testfahrt (7°C vs. 14°C). Dafür glich das Ergebnis nach der Sparrunde exakt dem des Vorgängers; nämlich vorbildliche 3,0 Liter.

Ausstattung, Komfort & Technik
Vorab ein Spoiler: Honda hat dem HR-V Facelift neue zusätzliche Ausstattungen gegönnt. Mit einer davon, der Ausstattung Advance Style Plus zeigt Honda, dass Zurückhaltung keine Pflicht ist, sondern eine Entscheidung. Und hier hat man sich bewusst dafür entschieden, dem HR-V ein bisschen Glamour unter den Kimono zu nähen. Gegenüber den einfacheren Ausstattungslinien und erst recht im Vergleich zum Vorfacelift werden in puncto Wertigkeit noch einer draufgesetzt.



Serienmäßig an Bord sind bereits alle wichtigen Komfort- und Assistenzsysteme, die man im Alltag schätzt. Dazu zählen Klimaautomatik, Keyless Go, Rückfahrkamera, Einparkhilfen vorne und hinten, ein halbdigitales Kombiinstrument (der Tacho rechts ist tatsächlich immer noch analoger Natur), das bekannte Honda-Infotainmentsystem mit Apple CarPlay und Android Auto, sowie ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen inklusive adaptivem Tempomat, Spurhalteassistent und Notbremsfunktion.
Zum Infotainment muss aber gesagt werden, dass der Systemstart ungewohnt lange benötigt und teilweise einige Minuten Wartezeit vergehen, bevor man beispielsweise das Navi bedienen, Android Auto nutzen oder die Assistenzsysteme einstellen kann. Auch ist die Assistenzsystemeinstellung nur erlaubt, wenn der Wählhebel in P-Position ruht. Ein Deaktivieren des Geschwindigkeitswarners während der Fahrt? Pustekuchen.





Das Navi machte nun einen besseren Eindruck, führte uns zuverlässig von A nach B. Eine 3D-Darstellung der Kartenansicht funktioniert übrigens nur, wenn man nahe genug heranzoomt; sonst bleibt die Ansicht im 2D-Modus.
Außerdem ist für die Nutzung von Android Auto immer noch eine USB-Kabelverbindung erforderlich. Im Jahr 2026 wirkt das mehr als obsolet.
Der Unterschied zur Advance-Style-Ausstattung liegt übrigens im Plus. Hier spendiert Honda dem HR-V unter anderem ein zweiteiliges Panorama-Glasdach, das den Innenraum deutlich heller wirken lässt und dem eher sachlichen Interieur spürbar mehr Luftigkeit verleiht. Die größere Glasfläche grenzt direkt an ein vorderes Glasschiebedach und erstreckt sich über dem Fondbereich, kann im Gegensatz zu diesem nicht geöffnet werden und besitzt als Abdeckung kein mechanisches Rollo.
Stattdessen gibt es hierfür eine Abdeckung, die an mehreren Punkten per Hand arretiert beziehungsweise gelöst werden muss. Das ist aufwändiger als die Bedienung eines Sonnenrollos und wird aus diesem Grund sicherlich bei den meisten Besitzern dieser Ausstattungsvariante entweder dran- oder wegbleiben.


Ebenfalls serienmäßig sind hochwertigere Polster, spezielle Design-Akzente außen, größere Leichtmetallräder sowie zusätzliche Komfortdetails, die man erst dann vermisst, wenn man sie einmal hatte. Das adaptive LED-Scheinwerferlicht beispielsweise, erkennt andere Verkehrsteilnehmer zuverlässig und schnell, um diese rechtzeitig auszublenden. Nicht so feingranular wie andere es realisieren, aber sicher und somit hilfreich bei jeder Nachtfahrt.
Eine große Lanze brechen wir (wiederholt!) für das Soundsystem ohne Zugehörigkeit zu bekannten Marken. Es ist nahezu unglaublich, wie präzise und zugleich dynamisch diese Anlage den Innenraum mit Klang füllt. Da wird in keinem Moment die Sehnsucht nach Markensystemen geweckt. Einfach großartig!





Noch ein Lob gibt es für die sehr leise elektrisch ein- und ausklappenden Außenspiegel. Kein Vergleich zur Konkurrenz, die dabei mitunter Geräusche fabriziert, die an einen Gelenkklemmer beim R2D2 erinnern möchten.
Im Vergleich zum Vorfacelift wirkt das Ganze nicht nur wertiger, sondern auch besser abgestimmt: Die Bedienung ist ergonomischer, die Ablagen sinnvoller positioniert und die Geräuschdämmung verbessert. Besonders auf längeren Strecken fällt auf, dass Honda hier gezielt an den kleinen Nervpunkten gearbeitet hat, die im Alltag tatsächlich zählen – nicht an Showeffekten fürs Datenblatt.
Unterm Strich fühlt sich der HR-V in Advance Style Plus fast schon erwachsen luxuriös an. Kein Premium-SUV, aber ein Kompakt-Crossover, der sehr genau weiß, wo Komfort wirklich entsteht – und wo man sich unnötigen Schnickschnack sparen kann.
Varianten und Preise des Honda HR-V Facelift
Nach dem Facelift beginnt die Preisskala für den Honda HR-V Elegance bei 33.900 Euro – rund 1.300 Euro mehr als vor dem Update. Die Motorisierung bleibt derweil alternativlos wie auch der Vorderradantrieb.

Honda hat außerdem neue Ausstattungslinien eingeführt. Statt drei sind nun fünf Ausstattungen erhältlich:
- Elegance – unter anderem mit Rückfahrkamera, Privacy-Verglasung, LED-Scheinwerfer und Honda-Sensing ab 33.900 Euro
- Advance – zusätzlich mit adaptiven LED-Scheinwerfern (Matrix-Licht), elektrischer Heckklappe mit Fußgestensteuerung und Totwinkelassistenten ab 36.200 Euro
- Advance Style – hier kommen ab 39.500 Euro eine Dachreling, eine 360 Grad-Kamera und eine Zweifarblackierung hinzu – um nur einige Features zu benennen
- Advance Plus – Frontgrill in Schwarz, Stoßfänger, Schweller und Radläufe in Wagenfarbe und 18 Zoll-Räder on top; ab 40.300 Euro
- Advance Style Plus – on top gibt’s hier ein Panoramaglasdach und einen dunklen Dachhimmel ab 40.500 Euro
Fazit – Bestätigung statt Überraschung
Das Honda HR-V Facelift ist kein Sport-Coupé im SUV-Gewand geworden – sollte es aber auch nicht. Er ist ein durchdachtes, kompaktes und effizientes Hybridfahrzeug mit umfassender Alltagstauglichkeit, das dank Facelift ein frischeres Gesicht und mehr Komfort bekommt – ohne dabei nostalgisch zu wirken.

Gegenüber dem Vorfacelift bringt er eine verbesserte Ergonomie, ein moderneres Interieur und etwas mehr äußerliche Frische, ohne das Erfolgsrezept zu verwässern. Einige Kleinigkeiten, wie die immer noch notwendige Kabelverbindung für Android Auto oder der langwierige Bootvorgang des Infotainments bieten weiterhin noch Luft nach oben.

Im Alltag fühlt er sich gelassen an, ist sparsam unterwegs und bekommt ein Plus an Komfortpunkte dort, wo man sie wirklich spürt – nicht nur auf dem Datenblatt. Schön ist auch, dass der Aufpreis mit dem Facelift nicht exorbitant hoch ausfiel. Alles in Allem bestätigt das Facelift die Tugenden dieses HR-V und verfeinert einige davon, ohne Überraschungen zu offenbaren.





Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- gelungene Optik-Auffrischung, ohne Overkill
- solider, effizienter Hybridantrieb
- Alltagskomfort deutlich verbessert
- attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis nach Facelift
- hervorragendes No-Name-Soundsystem
Contra:
- lahmer Bootvorgang des Infotainments
- Bedienkonzept teilweise zu verschachtelt
- Innenraum-Upgrades sind eher dezent
- Anhängerkupplung nur von Drittanbietern erhältlich
Konkurrenz: Mazda CX-30, Toyota C-HR, VW T-Roc, Mitsubishi ASX, Renault Captur, Peugeot 2008, Skoda Karoq
Technische Daten: Honda HR-V 1.5 i-MMD e:HEV Advance Style Plus
- Farbe: Sage Green Pearl
- Fahrzeugklasse: untere Mittelklasse / SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,36 x 1,79 (2,03 mit Außenspiegel) x 1,58
- Radstand (mm): 2.610
- Antrieb: Reihenvierzylinder-Ottomotor mit OPF und 2 E-Motoren
- Hubraum (ccm): 1.498
- Hybridart: Vollhybrid
- max. Systemleistung: 96 kW (131 PS)
- max. Systemdrehmoment (Nm): 253
- Getriebe: stufenloses Direktgetriebe e-CVT
- Antriebsart: Vorderachse
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,4 l/100 km
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,1 l/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 122 g/km
- Abgasnorm (WLTP): 6e 36EA
- Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h Werksangabe (sec): 10,8
- Wendekreis (m): 11,3
- Bodenfreiheit (mm): 188
- Kofferraumvolumen (l): 319 bis 1.289
- Leergewicht (kg): 1.452
- Zuladung (kg): 418
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): -/-
- max. Stützlast (kg): –
- max. Dachlast (kg): 45
- Tankgröße (l): 40
- Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
- ehem. Neupreis des Testwagens: 40.500 Euro (Basispreis: 33.900 Euro)

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
