XPeng auf Europa-Mission – Offenbarungen am Round Table

XPeng P7

Tags

XPeng ist ein chinesischer Herausforderer die Elektromobilität aufmischen will – wie das funktionieren soll, erklärt man uns am runden Tisch.

Hamburg. Ein fliegendes Auto, ein humanoider Roboter und eine Elektroauto-Offensive mitten in Europa. Was zunächst klingt wie das Drehbuch für eine Tech-Science-Fiction, ist bei XPeng erstaunlich bodenständig.

Beim Round-Table-Gespräch am 4. März in Hamburg wurde schnell klar: Der chinesische Automobilhersteller hat große Pläne – und Europa spielt darin die Hauptrolle.

Am Tisch sitzen Bernhard Voß, Leiter Presse und PR, und Markus Schrick, Managing Director Central Europe. Während draußen der Hamburger Hafen seine Container sortiert, sortiert XPeng gerade seine globale Strategie. Und die hat in den letzten Jahren ordentlich Fahrt aufgenommen.


XPeng – Vom Start-up zum globalen Herausforderer

Gegründet wurde XPeng erst 2014. Doch der Aufstieg verlief schneller als mancher Elektroantrieb beschleunigt. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 20.000 Mitarbeiter. Rund 40 Prozent davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Ein ungewöhnlich hoher Anteil. Die Hälfte dieser Entwickler wiederum beschäftigt sich ausschließlich mit Software.

Die Ansage seitens XPeng dazu ist entsprechend klar formuliert.

Das Niveau der Technologie wird ein Game Changer für die Mobilität der Zukunft sein.

Dass man bei XPeng Technologie gern etwas größer denkt, zeigen Nebenprojekte wie der humanoide Roboter IRON oder das fliegende Fahrzeugprojekt AeroHT. Beides sind Projekte, die eher in der Forschungsabteilung als im Showroom stattfinden. Doch sie erfüllen einen Zweck: Sie zeigen, wie ernst es XPeng mit Innovation meint.

XPeng IRON
Der humanoide Roboter IRON ist nur eines von vielen der innovativen Projekte des Unternehmens.

Oder wie Schrick es mit einem Augenzwinkern formuliert:

Wer fliegende Autos bauen kann – vor allem solche, in die sich auch ein Vorstandsmitglied setzt – kann wahrscheinlich auch fahrende Autos ganz ordentlich bauen.


Europa als Herzstück der Expansion

Während viele chinesische Hersteller ihre ersten Schritte international eher vorsichtig setzen, hat XPeng in Europa längst den Turbolader gezündet. 2023 war das Unternehmen außerhalb Chinas in gerade einmal fünf Märkten vertreten. Ein Jahr später waren es bereits 30. 2025 schließlich rund 60 Märkte weltweit.

Und Europa steht im Zentrum dieser Expansion. Von derzeit rund 380 internationalen Standorten befinden sich 290 in Europa. Damit wird der Kontinent zum wichtigsten Pfeiler der globalen Wachstumsstrategie.

Interessant dabei: XPeng setzt konsequent auf klassische Vertragshändler statt auf reine Direktvertriebsmodelle. Das Unternehmen vertraut auf das Unternehmertum seiner Händler.

Die Verkaufsexpertise liegt im Handel und der Verkäufer ist das Gesicht der Marke.

XPeng geht dabei sogar einen ungewöhnlichen Weg. Händler sollen bewusst etwas mehr verdienen als üblich. Während viele Hersteller mit durchschnittlich rund zwei Prozent Rendite im Handel kalkulieren, erlaubt XPeng seinen Partnern etwa 0,5 bis ein Prozent mehr Marge. Eine Investition in langfristige Partnerschaften.


Deutschland: vom Nischenplayer zum Wachstumsmarkt

Gerade in Deutschland zeigt sich, wie schnell die Marke wächst.

2024 gab es hierzulande erst 20 Händlerstandorte und gerade einmal 393 zugelassene Fahrzeuge. Ein Jahr später waren es bereits 50 Standorte und fast 3.000 Zulassungen. Ein Wachstum von beeindruckenden 661 Prozent. Und das ist erst der Anfang.

Für 2026 plant XPeng mehr als 8.000 Fahrzeuge allein in Deutschland abzusetzen. 2027 sollen es bereits über 15.000 sein. Parallel dazu wächst das Händlernetz auf rund 110 Standorte.

Die Basis für qualitativ hochwertiges Wachstum sind die richtigen Händler, stabile Preise, gute Restwerte und ein funktionierender Service, so wird es bei diesem Gespräch betont.

Zusätzlich bietet XPeng zur staatlichen Förderung eine Wechselprämie in Höhe von 3.000 Euro an. Wir hätten allerdings erwartet, dass es eine solche Prämie nicht nur für Markenwechsler sondern für alle Käufer gibt.


Service statt Versprechen

Gerade beim Thema Service wollen sich die Chinesen bewusst von manchen Wettbewerbern unterscheiden.

Viele Hersteller versprechen Ersatzteile innerhalb von 48 Stunden. XPeng geht einen anderen Weg.

Das Unternehmen garantiert eine Erfüllungsquote von 95 Prozent innerhalb von 72 Stunden. Weniger spektakulär auf dem Papier, dafür realistischer in der Umsetzung.

Wir verstehen Ersatzteile und Service.

Ein eigenes Ersatzteillager in Deutschland, ein digitales Logistiksystem sowie vernetzte Online-Serviceprozesse zwischen Händler, Kunde und Zentrale sollen dafür sorgen, dass Reparaturen möglichst schnell erledigt werden.

Selbst Kundenanfragen sollen innerhalb von vier Stunden beantwortet werden.


Drei Modelle – und bald deutlich mehr

Aktuell bietet XPeng in Deutschland drei Modelle an: das Kompakt-SUV G6, das große SUV G9 und die Limousine P7, die inzwischen vom neuen P7+ abgelöst wird. Dieser, so betont man, sei aber nicht der Nachfolger des P7, sondern ein vollkommen eigenständiges neues Modell.

XPeng P7+
Der P7+ ist eines von aktuell drei Modellen der Marke; in Kürze folgen diverse weitere.

Dabei zeigt sich ein interessantes Kundenverhalten: Deutsche Käufer greifen besonders häufig zu den leistungsstärkeren Versionen. Performance-Varianten dominieren den Modellmix. Ein Trend, der gut zum technischen Anspruch der Marke passt.

Die Fahrzeuge bieten Reichweiten von bis zu 585 Kilometern, eine 800-Volt-Architektur sowie Ladeleistungen von bis zu 525 kW. Unter idealen Bedingungen soll der Akku in nur zehn Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden können.

Dazu kommen sieben Jahre Garantie auf das Fahrzeug und acht Jahre auf die Batterie.

Die Konfiguration bleibt bewusst einfach. Kunden können im Grunde nur Farben, Anhängerkupplung und beim G9 ein Premium-Paket wählen. Weniger Varianten bedeuten höhere Skaleneffekte. Oder anders gesagt: weniger Konfigurator-Chaos.


2026 zündet XPeng das Modellfeuerwerk

Während das aktuelle Portfolio überschaubar wirkt, soll sich das schon bald ändern.

2026 plant XPeng gleich fünf neue Modelle zusätzlich zu G6 und G9.

Darunter:

  • der neue P7+, der ab April 2026 ab 46.600 Euro startet
  • der luxuriöse Elektro-Van X9, ein „People Mover“ mit sechs oder sieben Sitzen
  • zwei kleinere SUVs unterhalb des G6
  • sowie eine siebensitzige Variante des G9


Partnerschaften und Zukunftstechnologie

Auch strategisch positioniert sich XPeng neu. Ein Meilenstein ist die Beteiligung von Volkswagen. Für rund 700 Millionen Dollar sicherte sich der Wolfsburger Konzern knapp fünf Prozent an XPeng. Die Partnerschaft umfasst vor allem gemeinsame Plattform- und Softwareentwicklung.

Gleichzeitig arbeitet XPeng an Zukunftstechnologien wie autonomem Fahren. Level-4-Autonomie könnte nach aktuellen Planungen ab Ende 2027 Realität werden.

Hybridantriebe sind für Deutschland dagegen aktuell kein Thema. Diskutiert wird lediglich der Einsatz sogenannter Range-Extender-Systeme, also kleiner Generatoren zur Reichweitenverlängerung. Eine Entscheidung dazu soll erst in der zweiten Hälfte von 2026 fallen.


Bescheidenheit als Markenstrategie

Trotz aller technologischen Ambitionen beschreibt sich XPeng selbst nicht als Premiumhersteller.

Die Markenwerte lauten:

  • Hightech
  • Zuverlässigkeit
  • Bescheidenheit

Letzteres klingt fast ungewöhnlich für einen Autohersteller. Doch vielleicht ist genau das Teil der Strategie. XPeng möchte laut eigener Aussage „der deutscheste aller chinesischen Hersteller“ werden. Ein Unternehmen, das Technologie ernst nimmt, solide liefert und Partnerschaften pflegt.

Ein Ansatz, der offenbar funktioniert: Laut interner Umfrage würden 81 Prozent der Kunden ihre XPeng-Erfahrung weiterempfehlen.


Und wer fährt XPeng?

Ein Detail aus der Marktforschung sorgt beim Round Table für Schmunzeln: Mehr als 99 Prozent der deutschen XPeng-Kunden sind derzeit männlich. Knapp 40 Prozent wechseln von BMW, Mercedes oder Audi. Der Rest kommt aus einem bunten Mix anderer Marken.

XPeng selbst nimmt das gelassen. Vielleicht auch deshalb, weil man weiß: Der Markt für Elektroautos wächst rasant. Und wenn XPeng seine ambitionierten Ziele erreicht, könnten bald deutlich mehr Fahrer (und natürlich auch Fahrerinnen) in einem der chinesischen Hightech-Stromer unterwegs sein. Der Weg dorthin ist jedenfalls klar abgesteckt.

Und irgendwo in einer Forschungsabteilung arbeitet währenddessen womöglich ein humanoider Roboter daran, vielleicht irgendwann selbst das Lenkrad zu übernehmen.

Text: NewCarz / Fotos: XPeng

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise