Skoda Kodiaq RS – Erlaubtes Bären-Doping

Skoda Kodiaq RS

Das RS steht bei Skoda für Racing Sport und somit wird klar, dass Modelle mit diesem Kürzel besonders potent daherkommen. Soweit, so gut. Ob das im Fall des Skoda Kodiaq RS auch so ist? 

Das größte SUV der Tschechen hatten wir ja bereits in mehreren Versionen auf dem Prüfstand. Nun fehlte noch die sportliche Variante, die erst seit Jahresanfang seinen Interessenten zur Verfügung steht. Unser Fahrbericht soll nun Aufschluss geben.

Exterieur – Dem RS verpflichtet

Die äußeren Merkmale eines Skoda Kodiaq RS sind nicht etwa allein die RS-Symbole, die sich selbstredend in entsprechender Anzahl überall finden lassen, sondern auch viele weitere Details, die das RS-Modell zu den anderen Modellen abgrenzen sollen. Da wäre beispielsweise die geänderte Frontschürze mit einer leicht verächtlich grinsenden Lippe sowie der schwarze Kühlergrill, die in Summe für eine respektablere Optik und dem damit einhergehenden, verstärkten Überholprestige sorgen.

Skoda Kodiaq RS schräg vorn rechts
Kontrastreich – Vor allem im weißen Außenkleid kommen die schwarzen Details zum Ausdruck.

In der Farbe Moon-Weiß-Perleffekt glitzert das Außenkleid bei Sonneneinstrahlung und lässt die schwarzen Elemente des RS besonders gut kontrastieren. Doch auch im serienmäßigen Unilack Stahl-Grau oder dem Blue-Racing-Metallic macht der Kodiaq eine tolle Figur. Insgesamt acht Farben stehen zur Auswahl.

Skoda Kodiaq RS Seite
20-Zoll passt gut und sollte es bei einem Riesen wie dem Kodiaq auch sein.

Die Seitenansicht präsentiert sofort ins Auge fallende rote Bremssättel und große, dem Kodiaq überaus gutstehende 20-Zoll-Räder. Es drehen sich auch tatsächlich Passanten nach dem RS um, was schon allein für den Bären spricht. Die automatisch ausfahrenden Türkantenschoner sind übrigens auch hier serienmäßig dabei.

Skoda Kodiaq RS Endrohr
Einerlei – Nur das linke Endrohr besitzt die vorgesehene Funktion.

Am Heck erwarten dann den Betrachter neben den verräterischen Typenschildern zwei opulent ausgefallene Endrohre, von denen allerdings nur eines in Betrieb ist – das rechte Oval ist eine Attrappe. Aus unserer Sicht würde dem RS-Modell auch ein zumindest angedeuteter Heckdiffusor und etwas größer ausfallende Heckleuchten stehen. Letztere verlieren sich am gewaltigen Heck ein bisschen. Dennoch bleibt der Gesamteindruck harmonisch und die sportliche Note ist aus allen Perspektiven unübersehbar.

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Interieur – Aufreizend sportlich akzentuiert

Auch im Innenraum geizen die Tschechen nicht mit dem RS-Logo und überall fällt der Blick auf ebendiese Verheißung von sportiver Ambition. Doch auch der Materialmix aus Alcantara, Leder und großflächigem Dekor in Carbon-Optik sichern dem Interieur eine Extraportion Sportlichkeit. Als Highlights dürften hier die wunderschönen Steppnähte auf Alcantara in den Türverkleidungen und die dem Carbon-Webmuster nachempfundenen Sitzwangen der Integralsportsitze gelten.

Skoda Kodiaq RS Armaturenträger
Kodiaq-like mit viel Sportatmosphäre im RS-Modell.

Auf Letztgenannten sitzt man zudem stilecht mit passgenauer Ausformung und viel Seitenhalt, ohne dabei eine ausreichend bemaßte Portion Komfort zu verlieren. Nachdem man die tollen Sitze bewundert hat, wandert nicht weniger Sympathie zu dem exzellenten Lenkrad, was nicht nur optisch ein echter Eyecatcher ist, sondern auch haptisch viele Lenkräder der auch deutlich hochpreisiger daherkommenden Konkurrenzmodelle in den Schatten stellt.

Über Platzmangel, wen wundert das, muss man sich auch im Skoda Kodiaq RS keine Sorgen machen. Das Raumgefühl ist auch trotz des fülliger wirkenden Sportgestühls mit den integrierten Kopfstützen gewaltig. Bein- und Kopffreiheit gibt es hier auf allen Plätzen – auch für wirklich große Zeitgenossen. Dies bleibt auch im Kofferraum so. Ein Sportler mit viel Raumangebot also, der seine Einsatzoptionen dadurch deutlich ausweitet.

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Motor & Fahreigenschaften – Anabolischer Effekt

Hand aufs Herz: Bereits der Kodiaq Scout mit seinem 190-PS-Diesel war im Test alles andere als ein Schwächling. Doch dieser hier, setzt noch einen drauf – und zwar ordentlich. Im Skoda Kodiaq RS arbeitet ein äußerst kraftvoller 2.0 TDI mit einer Spitzenleistung von 240 PS. Noch viel interessanter ist das bärenstarke Maximaldrehmoment von 500 Newtonmetern, die bereits bei 1.750 Umdrehungen pro Minute anliegen.

Damit schiebt der Selbstzünder das mit knapp zwei Tonnen durchaus massive SUV derart an, dass man oft der Meinung ist, das Eigengewicht muss weit unter dieser Angabe liegen. Damit lässt er den besagten Diesel – die bisherige Topmotorisierung – und ganz klar auch die Benzinvariante des Kodiaq weit hinter sich. Es ist immer wieder erstaunlich, was aus so einem Zweiliter-Vierzylinder alles herauszuholen ist.

Skoda Kodiaq RS Motor
Beeindruckend – Der Diesel sichert mächtig Vorschub und bleibt dabei moderat im Verbrauch.

Einleuchtend sind in einem Kodiaq die Leistungsentfaltung und auch das Beschleunigungsgefühl anders als in den RS-Modellen eines Octavia. Sie wirken nicht so intensiv, was dem Fahreindruck eines SUV geschuldet ist. Doch ein Blick auf den Tacho straft diese subjektiven Eindrücke eindeutig als Lügen.

Da das RS-Modell des Kodiaq grundsätzlich mit dem Allradantrieb 4×4 kombiniert wird, gibt es so gut wie nie einen unerwünschten Traktionsverlust. Selbst bei Nässe konnte der potente Vortriebsdrang jederzeit sicher auf die Straße übertragen werden. Ein ebenfalls immer serienmäßiges 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe sortierte die Gänge sanft, bei Bedarf auch zackig und ohne dabei hakelig zu wirken. Einzig die Tatsache, dass der manuelle Schaltvorgang per Schaltpaddels am Lenkrad immer mit Verzögerung vollzogen wurde, trübte das sportliche Fahrgefühl doch etwas.

Skoda Kodiaq RS DSG
DSG – Schaltet butterweich, im Sportmodus zackig, aber manuell per Wippen dauert es zu lange.

Interessant ist die Tatsache, dass die einzelnen Fahrprogramme weit gespreizt wurden und die Unterschiede somit eklatant ausfielen. Vorwegnehmen möchten wir an dieser Stelle jedoch, dass der RS-Tscheche in keinem Fahrprogramm seine Kraft verschleiern lässt. Er schiebt bei entsprechendem Befehl via Gaspedal in jedem Modus brachial an, wenn es sein soll.

Dennoch machen sich die Fahrprogramme bezahlt, denn für das sportlich ambitionierte Fahren ist der Sportmodus die perfekte Wahl. Mit deutlich geschärftem Kennfeld und einer Schaltcharakteristik, die den Motor bei Drehzahllaune hält, macht sich der Kodiaq mit viel Engagement über jeden noch so winzigen Gasbefehl her.

Ein Soundgenerator namens „Dynamik Sound Boost“ liefert im Sportmodus einen synthetisch generierten Abgasanlagenklang, der per Lautsprecher in die Nähe des Abgastraktes gelangt. Damit soll der sportliche Charakter mehr oder weniger auch akustisch unterstrichen werden. Der Klang ist – wie so oft – Geschmackssache und initiierte bei unseren Redakteuren unterschiedliche Meinungen. Von „cool“ über „unnötig“ und „künstlich“ bis hin zu „passend“ war alles dabei.

Der Vortrieb beginnt aus dem Stand und aktivierter Launch Control – ja, auch diese gibt es im Kodiaq RS – mit Vehemenz, sodass die obligatorischen 100 km/h bereits nach sieben Sekunden erreicht sind. Im Praxistest auf trockener, aber kalter Strecke benötigte der RS zwei Mal hintereinander 7,8 Sekunden.

Skoda Kodiaq RS Unter Kirschblüte
Auch auf weniger traktionsfreudigem Gras kommt man mit dem RS dank Allrad bestens voran.

Wählt man den Comfort-Modus, wird der Kodiaq RS zum Cruiser, ohne dabei sein Temperament abzugeben. Doch das Fahrwerk wird deutlich komfortorientierter und die Insassen werden vom befahrenen Untergrund stärker entkoppelt. Der Normal-Modus ist in seiner Grundabstimmung dagegen recht straff, sportlich straff, was den RS-Anspruch zu einhundert Prozent unterstreichen kann. Unser Tipp ist hier der Fahrmodus Individual, denn hier hat der Fahrer die Möglichkeit, seine Vorlieben auf die einzelnen Optionen wie Fahrwerk, Antrieb und Lenkung zu splitten.

Skoda Kodiaq RS Typenschild Heck
Ein klares Statement zum Modell findet sich auch am Heck des tschechischen SUVs.

Optional und im Testfahrzeug dabei war auch ein Offroad-Modus, der den Sportler sogar für Wege autorisiert, die ansonsten gar nicht seinem Genre entsprechen.

Ein wichtiges Thema ist bei einem sportiv ambitionierten Fahrzeug immer auch der Verbrauch. Der Skoda Kodiaq RS konnte uns hier mit einem Drittelmix von acht Litern positiv überraschen und schaffte dabei eine Punktlandung zur Herstellerangabe. Wir dürfen an der Stelle nicht vergessen, Herr oder Frau über 500 Newtonmeter und 240 Pferden zu sein. Geht es durchgängig artgerecht zügig zu, genehmigt sich der Tscheche auch schon mal über zehn Liter.

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Ausstattungshighlights im Überblick

Als RS besitzt der Kodiaq ein stattliches Sammelsurium an Ausstattung und Assistenzsystemen, wovon wir die im Test auffälligsten behandeln möchten.

Als das Ausstattungshighlight schlechthin besaß das SUV das nun erhältliche und im Kodiaq RS sogar serienmäßig verbaute Virtual Cockpit. Das volldynamische Display beherrscht dabei diverse Ansichten und erinnert ein wenig an den Marvel-Style. Erfreulich ist dabei, dass auch bei ungünstigem Sonnenstand alles stets gut ablesbar bleibt. Aus unserer Sicht degradiert diese volldigitale Anzeige die klassischen, analogen Rundinstrumente zur Alternative.

Der Abstandstempomat ACC zeigte sich im Test nahezu perfekt. Vom fluiden Angleichen an den Vordermann bis zum geruhsamen Abbremsen bis zum Stillstand im Rahmen der Staufunktion, mauserte sich dieser Assistent gleich von Anbeginn zum gern genutzten Helfer. Der Lane-Assist hat dagegen aufgrund einer fehlenden spürbaren Einflussnahme etwas weniger überzeugen können.

Skoda Kodiaq RS Canton
Für alle, die gern im Auto Musik hören, ein Muss: Die Canton-Soundanlage im Kodiaq RS.

Überaus empfehlenswert ist die Canton-Soundanlage, die im Kodiaq mit einer hervorragenden Lebhaftigkeit aufspielte. Vollkommen gleichgültig, ob Rock, Irish Folk, House oder Trance – diese Anlage beherrscht jede Gangart. Wer audiophil zu den Genießern zählt, oder einfach gerne beim Autofahren Musik konsumiert, für den ist dieses System eher Pflicht als Kür.

Dass es die Sensoren für das Keyless-System KESSY nur an den Vordertüren gibt, fanden wir schade. Für die messerscharfe Darstellung der 360-Grad-Kamera gibt es dagegen einen klaren Daumen nach oben.

Skoda Kodiaq RS Scheinwerfer
Artgerecht – Das seh gute LED-Scheinwerferlicht entspricht dem aktuellen, technischen Stand.

Auch positiv bewerten wir das LED-Scheinwerferlicht, das mit einer angenehmen Farbtemperatur, gleichmäßiger Ausleuchtung der Fahrbahn und vor allem bei Fernlicht mit großzügiger Reichweite überzeugen konnte. Das i-Tüpfelchen konnte das intensive Abbiegelicht setzen.

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Varianten und Preise des Skoda Kodiaq RS

Für den Bär mit dem RS-Kürzel steht nur der stärkste Diesel als Option zur Verfügung. Der Einstiegspreis beträgt 49.900 Euro, damit einhergehend ist eine reichhaltige Serienausstattung mit unter anderem adaptivem Fahrwerk DCC, Klimaautomatik, Digitalradio DAB+, Regensensor, Fahrtlichassistent, Keyless-Go, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Sitzheizungen vorn, Virtuelles Cockpit, LED-Heckleuchten, 20-Zoll-Räder und vieles mehr.

Skoda Kodiaq RS vorn schräg links
Als RS fährt der Kodiaq bereits serienmäßig sehr gut ausgestattet vor.

Dennoch gibt es eine Menge weiterer Ausstattungsoptionen, die, sofern man überall ein Kreuzchen auf der Liste macht, bei einem Gesamtpreis von ungefähr 63.000 Euro endet – wohlbemerkt ohne Zubehör und Garantieerweiterungen. Hier sind dann Dinge dabei, wie eine Standheizung mit Fernbedienung für reichlich 1.000 Euro, die Siebensitzer-Option für 750 Euro, ein Triebwerk-Unterfahrschutz für 260 Euro, das Infotainment-Paket Business Columbus für 2.190 Euro und vieles mehr.

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Fazit – Keinen Bären aufgebunden

Skoda hat mit dem Kodiaq RS ein weiteres, sehr attraktives Modell zu seiner mittlerweile erfolgreichen Baureihe hinzugefügt. Dabei wurde ein SUV mit dem sportlichen Coolnessfaktor „RS“ erschaffen, der den Besitzer weder auf dem Parkplatz vor der Schule noch auf dem Strandboulevard oder auch auf dem rutschigen Waldweg sowie auf der freigegebenen Autobahn blamiert.

Einige Kleinigkeiten wurden mit dem neuen Modelljahr optimiert. Am Ende gibt es mit dem Skoda Kodiaq RS ein solides, temperamentvolles Diesel-SUV mit jeder Menge Leistung, aber auch mit dem markentypischen Vernunftsfaktor, den viele Kunden über die Jahre lieben und schätzen gelernt haben und der sich mit dem sportiven RS-Modell nahtlos fortsetzt.

Skoda Kodiaq RS schräg hinten links
Auch als sportliche Version konnte der Tscheche in vielen Facetten überzeugen.

Mit dem kraftvollen Diesel, dem serienmäßigen 4×4-Antrieb, einem nahezu überschwänglichen Platzangebot und der markant-sportlichen Optik hat der Skoda Kodiaq RS aus unserer Sicht durchaus das Zeug zum Kassenschlager. Durch seinen im Vergleich fast schon günstig anmutenden Preis lässt der Skoda Kodiaq RS bereits ungefahren so manchen Konkurrenten stehen.

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

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Konkurrenz:
BMW X3, VW Tiguan, Audi Q5, Mercedes-Benz GLC

Technische Daten: Skoda Kodiaq RS

Farbe: Moon-Weiß-Perleffekt

Länge x Breite x Höhe (m): 4,70 x 1,88 x 1,66

Radstand in mm: 2.791

Antrieb: Reihenvierzylinder Commonrail-Bi-Turbodiesel

Leistung: 176 kW (240 PS) bei 4.000 rpm

Hubraum: 1.968 ccm

Max. Drehmoment: 500 Nm von 1.750 bis 2.500 rpm

Getriebe: 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe DSG

Antrieb: Allrad

Verbrauch kombiniert (WLTP-Norm): 8,0 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 8,0 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 209 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-TEMP

Höchstgeschwindigkeit: 221 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,0 sec

maximale Bodenfreiheit in mm: 197

Böschungswinkel vorn/hinten: 19,1°/15,7°

Rampenwinkel: 19,7°

Laderaumvolumen: 650 bis 1.960 Liter

Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12 Prozent: 750/2.300 kg

Stützlast: 100 kg

Dachlast: 75 kg

Leergewicht: 1.998 kg

Kraftstofftank: 63 Liter

AdBlue-Tank: 20 Liter

Kraftstoffart: Diesel

Neupreis des Testwagens: ca. 59.000 Euro (Einstiegspreis ab 49.900 Euro)

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