Alfa Romeo Stelvio Facelift – Nächster Halt: Jungbrunnen

Alfa Romeo Stelvio Facelift

Als wir das italienische SUV vor zweieinhalb Jahren erstmals testeten, hat sich viel getan und auch am Alfa Romeo Stelvio Facelift erkennt man, dass man in Turin nicht die Hände in den Schoß gelegt hat.

Unser Testkandidat ist diesmal allerdings ein Selbstzünder und verteilt 190 Diesel-PS auf alle Viere. Der Fahrbericht. 


 



 

Der Stelvio außen und innen – Im Detail feingeschliffen

Man muss schon sehr genau hinschauen, um das Faceliftmodell als solches zu erkennen, denn die optischen Änderungen halten sich auf den ersten Blick stark in Grenzen.


Alfa Romeo Stelvio Facelift Front
Unverändert ernsthaft – Die Front des Stelvio beließ man in ihrer zeitlosen Art.



Geblieben ist dabei die fast zeitlose Eleganz der Karosserie, die sich weiterhin ihre Coupé-Anleihen sichert und auch heute noch eine zweifellos charmante Ausstrahlung beibehält. Die Ausstattungs-Badges „Super“ an den Kotflügeln verraten seit der kleinen Modellpflege das Basismodell – dazu kommen wir später noch.


Alfa Romeo Stelvio Facelift Seite
SUV mit Coupé-Anleihen – Der Stelvio macht auch in der Seitenansicht viel her.



Im Innenraum fallen die Unterschiede erst beim genaueren Hinsehen auf. Die Mittelkonsole wurde etwas aufgeräumt, die Haptik der Drehregler verbessert. Erstmals reagiert der Zentralbildschirm nun auch auf Touchbefehle, was die Bedienung deutlich vereinfacht. Auch dazu später mehr.




Platztechnisch hat sich nichts verändert, überall gibt es genügend Raum zur physischen Entfaltung. Nur im Fond sorgt das abfallende Dach für Defizite bei der Kopffreiheit – aber nur, wenn man an die 1,90 Meter und größer ist.




Mit 525 Liter Fassungsvermögen ist das Alfa Romeo Stelvio Facelift immer noch ein ganz großer. Wer daran noch etwas auszusetzen hat, dürfte spätestens nach dem Umklappen der Rückenlehnen und den dann verfügbaren 1.600 Litern verstummen.


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Motor und Fahreigenschaften – Emotionale Momente

Unter der Haube unseres Testwagens werkelte ein 2.2-Liter Turbodiesel mit 190 PS und bärigen 450 Newtonmetern maximales Drehmoment, die bereits ab 1.750 Touren von der Kurbelwelle purzeln.


Motorraum Stelvio Diesel
Kein Leisetreter, aber mit ordentlich Drehmoment gesegnet: Der Turbodiesel im Stelvio.



Die Laufruhe des Selbstzünders ist gelinde gesagt als derbe zu betiteln, längst nicht nur im Kaltstart hält sich das typische Nageln, sondern bleibt omnipräsent und ganz besonders im Teillastbereich und mittleren Drehzahlen an den Ohren der Insassen hängen. Der Benziner war in dieser Disziplin deutlich laufruhiger.


Schalthebel Automatik
Mechanisch klassisch – Der Wahlhebel im Stelvio besitzt noch kein „shift by wire“.



Geblieben ist die 8-Gang-Automatik von ZF, der mittels Steuerelektronik bestens klargemacht wurde, welches immense Drehmoment der Diesel bietet. Denn dieses wird jederzeit bestens ausgereizt und das SUV ist oftmals in niedrigen Touren unterwegs – weil er es kann.

Die Automatik erahnt quasi so gut wie immer den passenden Gang und setzt diesen sogleich ein, bevor man selbst auf die Idee käme, schalten zu müssen. Allerdings gibt es vor allem beim Runterschalten in den unteren Gängen mitunter unschöne Lastwechselerscheinungen in Form von Ruckbewegungen.


Schaltwippen
Edel aus Metall gefertigt, aber etwas groß: Die feststehenden Schaltwippen im Stelvio.



Wer manuell schalten möchte, der kann das mittels den optionalen – knapp 300 Euro Aufpreis kostenden – feststehenden Schaltwippen tun. Im manuellen Modus gibt‘ keine derartigen Allüren.

Dieser funktioniert vor allem im Sportmodus extrem zackig und man vergisst hier gerne und schnell, dass man am Steuer eines Diesels sitzt. Einzig die riesige Ausführung der ansonsten sehr hochwertig wirkenden Wippen ist vielleicht ein kleiner Kritikpunkt. Denn dadurch benötigt man schon etwas Fingerfertigkeit, um die anderen am Lenkrad positionierten Hebelchen zielsicher bedienen zu können.




Straff, ja nahezu sportlich angehaucht, zeigt sich die Abstimmung des Fahrwerks, bringt damit den Joker für Fahraktivität ins Spiel, mit der das SUV in jeder Hinsicht zum Fahrspaßgenerator wird. Ob enge Kurven, Serpentinen oder einfach mal geradeaus – der Stelvio kann mit diesem Dieselantrieb ohne weiteres begeistern.

Die ungemein direkte Lenkung kristallisierte sich dabei als exakte Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine heraus und machte jeden Kurvenscheitelpunkt zum emotionalen Fahrerlebnis – für ein SUV ist das schon bemerkenswert.


Endrohr Stelvio
Dicke Endrohre beherbergen nur kleine echte Mündungen, die man aber nur so erkennt.



Der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h ist nach 7,6 Sekunden erledigt und als Spitze schafft dieses SUV 210 km/h. Das ist zwar noch kein Sportwagenwert, doch strahlt das SUV selbst in diesen Geschwindigkeiten eine stoische Ruhe aus, lässt sich völlig unaufgeregt bewegen – sehr schön. Doch all dies ist nicht so beeindruckend wie die Zwischenspurts, die der Italiener dank seines tollen Drehmoments mit imponierender Macht vollführen kann. In dieser Leistungsklasse kann ihm da keiner das Wasser reichen.


Vorderrad Alfa
Erfreulich: Die Bremsen des Stelvio erwiesen sich um Welten besser als beim Vorgänger.



Das beste dabei ist, dass die Bremsen – Hauptkritikpunkt im Test des Vorfacelifts – eklatant besser wurden. Endlich gibt es zu dieser Fahrcharakteristik die passenden, weil nun sehr gut dosierbaren und überaus standfesten Bremsen dazu.


Q4 Allrad
Der Allradantrieb sorgt für sichere Traktion und ein dynamisches Handling.



Der Allradantrieb Q4 besteht aus einem Hinterradantrieb, der erst bei Traktionsverlust bis zu 50 Prozent der Antriebskräfte an die Vorderachse weitergibt. Das geschieht innerhalb von 0,15 Sekunden. Ist die Weiterleitung nicht mehr erforderlich, regelt das System in nur 0,1 Sekunden die Kraftübertragung wieder zurück. Dadurch gibt es erstklassige Traktionsverhältnisse auf allen Straßen. Fürs Gelände ist das nicht unbedingt gedacht, reicht aber hier zumindest für leichte Feld- oder Waldwege.


Alfa Romeo Stelvio Facelift Heck
Das Q4 Allradsystem ist eindeutig für bestmögliche Onroad-Traktion konzipiert.



Verbrauchstechnisch konnte sich das Alfa Romeo Stelvio Facelift ebenfalls von der Sonnenseite zeigen. Seit Anfang dieses Jahres wurde emissionstechnisch nochmals optimiert und so erfüllt auch der Diesel die „Euro 6d Final“ absolut problemlos, gehört damit zu den saubersten Selbstzündern überhaupt.


Sparrunde Verbrauch Alfa Romeo Stelvio 2.2 Diesel
Zurückhaltende Fahrweise wird mit Genügsamkeit beim Verbrauch belohnt.



Im Drittelmix genehmigte sich unser Testwagen 6,7 Liter auf 100 Kilometer und auf der Sparrunde mimte der Italiener sogar den Schotten und gab sich mit nur 4,7 Litern zufrieden.


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Ausstattung, Technik und Komfort

Hier und insbesondere beim Thema Technik hat sich mit dem Facelift so einiges getan. Der Zentralbildschirm ist nun als Touchscreen verwendbar und das gesamte Infotainment wurde überarbeitet. So kann man via Drag & Drop das Hauptmenü kinderleicht an die eigenen Wünsche anpassen.


Zentralbildschirm
Endlich: Der Zentralbildschirm ist nun ein Touchscreen mit einfacher Bedienung.



Hinzu kamen die Konnektivitätslösungen Apple CarPlay oder Android Auto als Serienausstattung. Das Navigationssystem lässt sich nun einfacher bedienen und die Routenführung gelang übersichtlicher. Voll vernetzt bedeutet hier auch die zuverlässige Berücksichtigung von Verkehrsereignissen und „Connected Services“ geht noch einen Schritt weiter:




Dadurch wird per App der Fernzugriff aufs Auto ermöglicht und man kann beispielsweise Routen vordefinieren und direkt ans Navigationssystem im Alfa senden. Weniger überzeugend ist die Sprachsteuerung, die im Vergleich zu Konkurrenten ein fast nur rudimentär erscheinendes Potpourri an Sprachbefehlen verarbeiten kann.


Xenon
Es bleibt bei Xenonlicht – Doch dieses braucht sich keinesfalls vorm Wettbewerb verstecken.



Geblieben sind die Bi-Xenonscheinwerfer, deren Lichtteppich sich aber einem direkten Vergleich mit LED-Pendants nicht scheuen muss. Ganz im Gegenteil, konnten diese mit einer tollen Homogenität und hohen Reichweite punkten, welche nicht wenige der LED-Konkurrenten überflügeln können.

Neu im Faceliftmodell sind Assistenten wie ein Abstandstempomat inklusive Stau- und Autobahnassistenten, ein aktiver Totwinkel- und Spurhalteassistent sowie ein neuer Müdigkeitsassistent. Dieser scheint aber noch in der Aufwachphase zu stecken, denn wir haben ihn über den gesamten Testzeitraum nicht in Aktion erlebt – trotz Touren von mehr als 400 Kilometern am Stück.


Harman/Kardon
Offenbarung – Das Harman/Kardon ist die höchste Ausbaustufe und sehr empfehlenswert.



Als echtes Highlight und daher auch unserer Empfehlung würdig, entpuppte sich das Harman/Kardon Sound Theatre mit seinen 900 Watt Gesamtleistung, die auf 14 Lautsprecher aufgeteilt werden. Sehr dynamisch und detailliert lässt sich dessen Klang beschreiben. Für alle, die oft und gern Musik hören, ein echtes Muss, auch wenn der Preis mit 1.250 Euro nicht kleinlich ist.




Die Sitzheizungen benötigen recht lange, bevor man die Erwärmung durch das tolle weiche Leder spürt. Die Lenkradheizung erwärmt nur die Außenseite des Kranzes, der innere Rand bleibt lange kalt, bevor er vom Rest mit aufgeheizt wird.


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Varianten und Preise des Alfa Romeo Stelvio Facelift

Bei den Varianten hat Alfa mit dem Facelift diverse Änderungen mitgebracht. Eine davon ist die, dass alle Modelle nur noch mit Allradantrieb angeboten werden. Es gibt keine Möglichkeit mehr, den Stelvio mit Heckantrieb zu bestellen. Eine weitere betrifft die Ausstattungsvarianten.

  • So steht die hier getestete Variante Super nun als Einstiegsmodell bereit. Der Basispreis beginnt bei 49.500 Euro und die Serienausstattung wurde entsprechend verbessert, diverse Assistenten, das Bi-Xenonlicht, ein Hifi-System mit DAB+ sowie acht Lautsprechern und elektrische Vordersitze mit Memoryfunktion sind nun ab Werk dabei. Als Motoren stehen der hier getestete 190-PS-Diesel und ein 200 PS starker 2.0-Liter Turbobenziner bereit.
  • Einen mächtigen Sprung macht die Ausstattungsversion Lusso TI für mindestens 60.000 Euro, bei der unter anderem neben diversen Lusso-Designfeatures innen und außen auch eine umfangreiche Lederausstattung sowie 19-Zoll-Räder dabei sind. Dieses und alle weiteren Modelle gibt es nur mit dem 2.0-Liter Turbobenziner mit 280 PS oder dem 210 PS starken 2.2-Liter Diesel.
  • Zum gleichen Preis bietet Alfa den Stelvio als Veloce an, der mit sportiven Details und 20-Zoll-Rädern alle Fahrer mit Performance-Ambition ansprechen soll.
  • Noch eins drauf setzt der Veloce TI ab 72.500 Euro mit diversen Details aus Carbon und Sportsitzen aus dem Flaggschiff Quadrifoglio.
  • Topmodell ist nach wie vor der Quadrifoglio und besitzt eine umfangreiche Ausstattung, die unter anderem ein mechanisches Sperrdifferenzial mit Active Torque Vectoring und eine Brembo-Bremsanlage beinhaltet. Vor allem wird er aber von einem bärenstarken V6 Biturbo aus dem Hause Ferrari angetrieben, der mit 510 PS so manchen Wettbewerber aussticht. Der Startpreis beläuft sich auf 93.500 Euro.



Alfa Romeo Stelvio Facelift schräg hinten rechts
Knapp unter 50.000 Euro beginnt der Einstieg in die Stelvio-Welt.



Nur für den Quadrifoglio gibt es übrigens auch Sportschalensitze von Recaro mit Carbonrückwand für 3.900 Euro extra oder eine Carbon-Keramik-Bremsanlage für 8.500 Euro sowie eine Akrapovic-Titanabgasanlage mit Carbonblenden für 5.000 Euro.

Packt man alles in die Liste, steht das Flaggschiff letztendlich für 122.500 Euro auf dem Hof.


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Fazit – Der gereifte Stelvio

Das Alfa Romeo Stelvio Facelift fiel insgesamt sehr dezent aus, was die Optik angeht. Dafür konnten auf technischer Seite diverse Neuerungen das SUV auf Augenhöhe der Konkurrenz bringen. Vor allem beim Infotainment und den Assistenzsystemen hat Alfa gut aufgeholt, wenngleich er deshalb noch keinen Innovationsträger mimt.


Alfa Romeo Stelvio Facelift schräg vorn rechts
Auch wenn er in die Jahre gekommen ist, besitzt seine Ausstrahlung immer noch Esprit.



Der Halt am Jungbrunnen war so gesehen zwar nur kurz und kann in Details nicht alles aufbringen, was der Wettbewerb mittlerweile vorweisen kann, doch fürs erste ist der fahraktive Italiener wieder im Spiel.

Als zwar raubeiniger Diesel konnte der Italiener mit der kleinsten Motorisierung dennoch bereits mit viel Kraft, einem geringen Verbrauch und extrem niedrigen Emissionswerten sowie einem hervorragenden Fahrwerk glänzen. Top: Die Bremsen wurden in allen Belangen deutlich besser.

Das Fahrerlebnis mit diesem Auto ist ein ganz besonderes, welches vor allem emotional kaum von anderen Modellen erreicht werden kann. Dies wird insbesondere durch das Topmodell Quadrifoglio mit Sicherheit nochmals potenziert.


Alfa Romeo Stelvio Facelift Seitenansicht
Von effizient kräftig bis ungestüme Power – Der Stelvio bietet eine große Bandbreite.



Zurück zum Einstiegsmodell mit dem Diesel bleibt zu sagen, dass dieser Stelvio eine gelungene Verknüpfung von Emotion, Effizienz und ausreichend Kraft darstellt, wodurch die Zielgruppe deutlich breiter aufgefächert wird. Wir empfehlen eine Probefahrt mit dem Stelvio – doch Vorsicht, ein gewisser Suchtfaktor ist hier nicht auszuschließen.




Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 250D

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Technische Daten: Alfa Romeo Stelvio 2.2 Diesel Q4 Super

  • Farbe: Blu Anodizzato Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,69 x 1,90 (2,16 mit Außensiegeln) x 1,69
  • Radstand (mm): 2.818
  • Antrieb: Vierzylinder Commonrail Turbodiesel mit SCR-Kat und DPF
  • Leistung: 140 kW (190 PS) bei 3.500 rpm
  • max. Drehmoment (Nm): 450 Nm bei 1.750 rpm
  • Hubraum: 2.143 ccm
  • Getriebe: 8-Stufen-Automatik von ZF
  • Antriebsart: Allrad Q4
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,9 l/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,7 l/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 155 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d final
  • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,6 Sekunden
  • Wendekreis (m): 11,8
  • Bodenfreiheit (mm): n.b.
  • Kofferraumvolumen (l): 525 bis 1.600
  • Leergewicht (kg): 1.820
  • Zuladung (kg): 590
  • max. Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12% (kg): 750/2.300
  • max. Stützlast (kg): 95
  • max. Dachlast (kg): 75
  • Tankinhalt (l): 58
  • Ad Blue Tank (l): 16,1
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Neupreis des Testwagens: 61.460 Euro (Einstiegspreis: 49.500 Euro)

 

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