VW Polo GTI Facelift – Aufgefrischte Speerspitze

VW Polo GTI

Das VW Polo GTI Facelift ist seit vergangenem Sommer auf der Straße – Zeit für einen Test.

Bei der letzten Modellpflege des Polo überarbeitete man auch den GTI entsprechend und ließ hier unter anderem auch den Antriebsstrang nicht aus. Dazu später mehr.

Unser Test-GTI fuhr in einem funkelnden „Kings Red Metallic“ vor, einem Rot, das wie geschaffen für den Sportler unter den Polos erschien.


 



 

Exterieur – Feintuning mit Pepp

Äußerlich zeigt der neue VW Polo GTI im Detail eine Art Feintuning, welches als gelungen gelten darf. Die neuen Scheinwerfer fallen zuallererst auf – ab sofort besitzen diese Matrixfunktion, serienmäßig.


VW Polo GTI Facelift
Von vorne betrachtet, werden die Änderungen im Rahmen des Facelifts besonders deutlich.



Die Frontschürze wurde schärfer designt und beinhaltet statt der vorherigen Nebelleuchten mit Klarglasoptik nun zwei wabenförmige Spots, die wie eine Sparversion der Fünfpunkt-Nebler am aktuellen Golf GTI erscheinen und auch nur noch designtechnische Aufgaben erfüllen. Es handelt sich nicht mehr um Nebelleuchten, sondern vielmehr um zusätzliche Leuchtpunkte bei aktiviertem Scheinwerferlicht.




Seitlich in Augenschein genommen, findet man außer anderen Felgendesigns keine Unterschiede zum Vorfacelift. Nur wer genau hinschaut, sieht am Fahrzeugende weit in die Kotflügel ragende, neu designte Ecken der neuen Rückleuchten.

Genau diese sind auch die Hauptakteure am Fahrzeugheck, um das Faceliftmodell zu verraten. Zweigeteilt und insgesamt flacher verlaufend, sind sie ein unverwechselbarer Eyecatcher am Heck des neuen Polo GTI.


Zum Seitenanfang

Interieur – Der Nächste bitte

Der Innenraum wurde im Rahmen des Facelifts insbesondere durch die fortschreitende Digitalisierung verändert. So wurden wie nach und nach bei allen Volkswagen-Modellen nun leider auch hier die Drehknöpfe am Infotainment sowie alle physischen Bedienelemente der Klimatisierung durch Sensoren und Wischflächen ersetzt. Der Nächste im Volkswagenkonzern also, bei dem man Digitalisierung einer einfachen Bedienung vorzieht.




Das gilt auch für das neue Lenkrad mit neuem VW- und GTI-Logo, dessen Multifunktionstasten teilweise durch berührungsempfindliche Sensorflächen ausgetauscht wurden. Beim Rest blieb man bei dem Slogan „Never touch a running system“, wenn man mal vom leicht modifizierten Karomuster der Sitzbezüge absieht.


Zum Seitenanfang

Motor und Fahreigenschaften – Scharf, aber nicht schneidend

Beim Motor des überarbeiteten VW Polo GTI hielt man am 2.0-Liter-Turbobenziner fest, machte dieses intern als EA888 genannte Aggregat in vierter Generation aber nochmals sauberer und verlieh ihm dabei ein Quäntchen mehr Leistung.


Motorraum
Bisschen mehr Bums, weniger Verbrauch – Der bewährte TSI wurde nochmals optimiert.



Nun leistet der Reihenvierzylinder 207 PS bei unveränderten 320 Newtonmetern maximalem Drehmoment ab 1.500 Touren, welches ein klein wenig länger anliegt. Bis zu 4.350 Touren waren es beim Vorgänger, jetzt sind es bis zu 4.500 Touren.

Puristen müssen außerdem stark sein: Weggefallen ist die Möglichkeit, den Polo GTI per Handschaltung zu fahren. Dieses wurde gegen ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ersetzt, wodurch der Standardsprint zwar um zwei Zehntelsekunden schneller absolviert ist – 6,5 Sekunden dauert es nun von null bis 100 km/h – aber die Schaltvorgänge dadurch irgendwie synthetisiert wurden.


Wählhebel
Mach‘ einen Reim draus: Handschaltung adé – Den Polo GTI gibt’s nur noch mit DSG.



Keine Frage, das DSG ist schnell, aber – und das war eine kleine Überraschung – der neue Polo GTI fühlt sich subjektiv nicht mehr so flott an wie sein Vorgänger. Die für einen GTI fast zu sanft abgestimmten Dämpfer im Normalmodus fördern die Alltagstauglichkeit nicht unerheblich, doch unterm Strich geht das hier irgendwie zu Lasten des GTI-Anspruchs. Glücklicherweise gibt es optional das „Sport Select“-Fahrwerk mit mehreren Fahrprogrammen, welches wir an dieser Stelle wärmstens empfehlen.


Fahrmodi
Unser Tipp: Beim Polo GTI unbedingt das adaptive Fahrwerk „Drive Select“ mitbestellen…



Beim großen Bruder, dem Golf GTI, fühlt sich die Grundabstimmung sportlicher an als im Polo – das war vorher eher ein Spiel auf Augenhöhe. Das ist sicher Jammern auf hohem Niveau, zumal der Polo bis Tempo 240 wie an einem Seil gezogen spurtet und diesen Wert als angegebene Höchstgeschwindigkeit in Windeseile erreicht.


Fahrmodi
…denn die Spreizung der Fahrcharakteristik dadurch, ist mehr als deutlich.



Dennoch ist er von allen Hot Hatches der Ausgeglichenste – wie immer also. Doch diesmal sind die Abstriche in Richtung Sport etwas deutlicher wahrnehmbar. Nicht falsch verstehen, Kurven räubern funktioniert beispielsweise dank straffer Abstimmung und exakter Lenkung wirklich gut, aber ein Fiesta ST oder gar der i20 N fahren ihm hier davon. Vom GR Yaris mal ganz zu schweigen.


Zündschlüssel
Old school: Schlüssel ins Schloss – Wer im GTI Keyless möchte, muss 375 Euro extra ausgeben.



Zugegeben, der ist mit mehr Leistung und Allradantrieb auch deutlich besser für Track & Co. gerüstet. Doch trotz Frontantrieb zeigt der Polo GTI eine gute Kraftverteilung, die antriebstechnischen Lenkeinflüsse halten sich in homöopathischen Grenzen und das Traktionsverhalten ist lobenswert.


Endrohre
Serienmäßig sind beim GTI dafür die verchromten Endrohrblenden.



Was allerdings mehr als einfachen Lobes würdig ist, ist das Verbrauchsverhalten des VW Polo GTI. Nicht, weil er bei sportiven Einsätzen besonders wenig verbrauchen würde. Denn lässt man den GTI ordentlich fliegen, schluckt auch der Hot Hatch aus Wolfsburg – zweistellige Werte sind bei Dauervollgas kein Problem. Allerdings ist die Teillastoptimierung beeindruckend, sodass man den Kleinen im Alltag problemlos mit reichlich sieben Litern fahren kann.


Sparrunde Verbrauch VW Polo GTI 2022
Ein echtes Highlight: Der Verbrauch auf der Sparrunde war deutlich niedriger als erwartet.



Wer sich in besonders umsichtiger und defensiver Fahrweise versucht, schafft mit diesem GTI sogar Verbrauchswerte von deutlich unter fünf Litern auf 100 Kilometer, wie unser Sparrundentest eindrucksvoll bewiesen hat.


Zum Seitenanfang

Ausstattung, Komfort, Technik im VW Polo GTI Facelift

Dass das „GTI“ längst nicht mehr nur für Sportlichkeit steht, ist in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten immer deutlicher geworden. Mittlerweile fährt in jedem GTI, auch im VW Polo GTI Facelift, immer eine gute Portion Komfort und damit Ausstattung mit.

Das Plus an Gewicht trägt der erstarkte Antrieb plus verbessertem Fahrwerk, die zusätzlichen Annehmlichkeiten kommen hingegen Fahrer und Insassen zugute. Noch schöner wird es, wenn diese Annehmlichkeiten auch einen Sicherheitsgewinn bedeuten.


IQ.Light
Dass das IQ.Light serienmäßig im GTI zu finden ist, finden wir mehr als lobenswert.



So ist es beispielsweise dank der serienmäßigen Matrix-LED-Scheinwerfer des IQ.Light. Sehr homogen und hell zeigt sich der Lichtkegel, der bei aktivem Fernlicht sehr weit reicht und andere Verkehrsteilnehmer zuverlässig ausblendet. Wenn man ein Ranking bemühen möchte, so ist dieses Scheinwerferlicht knapp unter dem des Opel Corsa einzustufen, welches immer noch das Benchmark in dieser Fahrzeugklasse darstellt.


Ladestation
Auch aktuelle Smartphones mit großen Abmessungen nimmt die Ladestation auf.



Zudem besitzt der Polo GTI mehr Softtouch-Oberflächen als seine Polo-Geschwister und diverse sportliche Akzente, wie Alu-Pedalerie, ein Sportlenkrad sowie viel Chrom und Lederapplikationen ab Werk. Aufpreis kostet die Beats-Soundanlage, die für 500 Euro zusätzlich einen voluminösen Klang in den Innenraum ergießt.


Beats
Bassbetont – Die Beats verleiht den Innenraum des Polo GTI ein bisschen Clubatmosphäre.



Sehr gut, aber auch teuer: das große Navigationspaket „Discover Pro“; für 1.670 Euro gibt’s die zuverlässige Routenführung inklusive Verkehrsberücksichtigung und viele weitere Online-Dienste. Denn der Polo GTI ist damit permanent online.


Digital Cockpit
Vor Augen geführt – Die Navigationskarte ist auch im Digital Cockpit darstellbar.



Das „Sport Select“ Fahrwerk beinhaltet diverse Fahrprogramme und die damit einhergehende Dämpferabstimmung sollte man sich aus unserer Sicht die 565 Euro kosten lassen. Schließlich erweitert man dadurch die Fahrwerkscharakteristik des GTI spürbar.


Lane Assist
Der Spurhalteassistent ist etwas hibbelig und greift gern ohne Grund ins Geschehen ein.



Wer gern teilautonom fahren möchte – ja, auch das funktioniert im neuen Polo GTI – muss das IQ-Drive-Paket inklusive Travel Assist zubuchen, welches für gut 400 Euro im Angebot ist. Der Lane Assist hält die Spur, möchte dies aber auch gern, wenn es gar keine Fahrbahnmarkierungen gibt. Seine hibbelige Art fiel uns immer wieder negativ auf.

Übrigens: Selbst die Rückfahrkamera muss mit 280 Euro extra gebucht werden und wer das Parken teilautomatisiert praktizieren möchte, zahlt für den Park Assist nochmals 550 Euro. Volkswagen hält für viele zusätzliche Extras auch beim kleinen GTI gern die Hand auf.


Zum Seitenanfang

Der Preis für den VW Polo GTI

Der Startpreis für den stärksten Polo liegt bei aktuell 32.025 Euro, das sind übrigens rund 1.000 Euro mehr als noch vor einem halben Jahr und rund 9.000 Euro mehr als der Vorgänger einst aufrief. Zugegeben, die Serienausstattung hat mit dem Facelift nochmals gehörig zugelegt, dennoch gibt es immer noch eine opulente Aufpreisliste.


VW Polo GTI Facelift  schräg hinten links
Der Einstiegspreis des VW Polo GTI ist zum Vorfacelift deutlich gestiegen.



Lässt man bei der Fahrzeugkonfiguration kein Häkchen aus, beträgt der Aufpreis über 8.000 Euro und der Kaufpreis steigt auf rund 40.200 Euro – ein stolzer Preis für einen Kleinwagen.


Zum Seitenanfang

Fazit – Sportliche Ausgeglichenheit

Vor dem Facelift ist nach dem Facelift? Nicht ganz. Der modernisierte Polo ist zwar immer noch der narrensicher zu fahrende Volkswagen, der es auch krachen lassen kann. Doch der Abstand insbesondere bei der Sportlichkeit ist zu seinen Wettbewerbern und auch zu seinem großen Bruder etwas gewachsen. Will heißen, dass sich ein Golf GTI sportlicher anfühlt als dieses VW Polo GTI Facelift.


VW Polo GTI Facelift schräg vorne rechts
Kein anderer Performance-Kleinwagen zeigt sich so ausgewogen wie der Polo GTI.



Er ist runder, noch feingeschliffener geworden. Dadurch steigt der Komfort und seine ohnehin sehr gute Langstreckentauglichkeit ist ebenso nochmals verbessert worden. Das alles geht aber zu Lasten der reinen Sportlichkeit, doch genau das ist den Käufern des kleinen GTIs ganz recht.


VW Polo GTI Facelift Seite
Er ist und bleibt ein Allrounder, für den man allerdings tief in die Tasche greifen muss.



Denn dynamisch ist er in jedem Fall, schnell kann er auch. Dazu ist das Fahrwerk noch ausgewogener als zuvor und zudem muss man auf keine Annehmlichkeiten in puncto Ausstattungen verzichten, ja man hat sogar auf solche Zugriff, die man vor kurzem noch eine oder zwei Fahrzeugklassen höher suchen musste. Zu guter Letzt ist er verbrauchstechnisch trotz gestiegener Leistung noch sparsamer und damit emissionsärmer geworden. In den heutigen Zeiten ein besonders wichtiges Kriterium.




Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

Zum Seitenanfang

 

 

 

Pro und Contra

Pro:

  • leistungsstarker und zugleich sparsamer Antrieb
  • narrensicheres Fahrverhalten
  • langstreckentauglich
  • umfangreiche Ausstattung

Contra:

  • hoher Einstiegspreis
  • keine Handschaltung mehr im Programm
  • viele aufpreispflichtige Optionen

 

Zum Seitenanfang

 

 

 

 

Zum Seitenanfang

 

Technische Daten: VW Polo GTI Facelift

  • Farbe: Kings Red Metallic / Deep Black Perleffekt (Dach)
  • Fahrzeugklasse: Kleinwagen
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,07 x 1,75 (1,96 mit Außenspiegel) x 1,43
  • Radstand (mm): 2.549
  • Antrieb: Reihenvierzylinder Ottomotor mit Turbolader und OPF
  • Hybridart: –
  • max. Leistung: 152 kW (207 PS) bei 4.600 bis 6.000 rpm
  • max. Drehmoment (Nm): 320 bei 1.500 bis 4.500 rpm
  • Hubraum: 1.984
  • Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Antriebsart: Vorderachse
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 6,8 l/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 7,5 l/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 155 g/km
  • Schadstoffklasse: Euro 6d-ISC-FCM
  • Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 6,5
  • Wendekreis (m): 10,6
  • Bodenfreiheit (mm): k.A.
  • Kofferraumvolumen max. (l): 351 bis 1.125
  • Leergewicht (kg): 1.361
  • Zuladung (kg): 439
  • Dachlast (kg): 75
  • Tankinhalt (l): 40
  • Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
  • Neupreis des Testwagens: 37.585 Euro (Basispreis: 32.025 Euro)

 

Zum Seitenanfang

 

 

2 comments

Fehler 1: oben im Text steht „in 4,5 sec. auf 100 km/h“ – richtig sind (wie auch unten im Kasten) 6,5 sec.
Fehler 2: im Kasten steht Tankinhalt 55 l – richtig sind 40 l

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise