Audi entfesselt mit dem Nuvolari den stärksten Serienwagen seiner Geschichte und greift mit Formel-1-Technologie, Hybrid-Power und über 350 km/h nach den Sternen im Supersportwagen-Universum.
Keine Nummer, sondern einen echten Modellnamen gibts für die Speerspitze aus dem Hause Audi. Nun ja, A10 oder ähnlich hätte wohl auch eher an eine nachfolgende Verkehrsdurchsage erinnert als an einen Supersportler. Nuvolari – dieser Name ist eine Hommage an den selbstlosen italienischen Rennfahrer Tazio Nuvolari, der in den 1920er bis in die 1950er spektakuläre Rennen und Siege lieferte – unter anderem auch für Auto Union, dem Vorgänger von Audi.
Als in Ingolstadt die Hülle des neuen Supersportwagens fällt, wird schnell klar: Dies ist kein Nachfolger des Audi R8 und mit der gleichnamigen Studie hat er auch nichts gemeinsam (diese erinnerte eher an eine Mixtur aus TT und dem erst viel später erschienenen Audi A5).
Doch der Audi Nuvolari ist etwas deutlich Radikaleres. Mit 1.001 PS Systemleistung, einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 2,6 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von über 350 km/h katapultiert sich der Nuvolari an die Spitze der Audi-Modellgeschichte.
Lediglich 499 Exemplare sollen gebaut werden. Die ersten Fahrzeuge werden im ersten Halbjahr 2027 ausgeliefert.
Audi Nuvolari startet Angriff auf Ferrari, McLaren und Lamborghini
Audis Kampfansage in Zahlen: Unter seiner Carbonhaut arbeitet ein hochkomplexer Hybridantrieb aus einem 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 800 PS sowie drei Axialfluss-Elektromotoren mit jeweils 110 kW Leistung. Gemeinsam erzeugen sie gewaltige 736 kW beziehungsweise 1.001 PS.
Besonders beeindruckend: Der V8 dreht bis 10.000 Umdrehungen pro Minute und bewegt sich damit in Regionen, die bislang nahezu ausschließlich dem Motorsport vorbehalten waren.
Die beiden Elektromotoren an der Vorderachse liefern zusammen bis zu 2.150 Newtonmeter Drehmoment und ermöglichen ein hochpräzises elektrisches Torque Vectoring. Ein dritter Elektromotor sitzt zwischen Verbrennungsmotor und Getriebe und unterstützt den Antrieb zusätzlich.
Das Resultat sind Fahrleistungen, die selbst etablierte Supersportwagen unter Druck setzen:
- 0 bis 100 km/h: 2,6 Sekunden
- 0 bis 200 km/h: 6,8 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: über 350 km/h
Die Formel 1 fährt mit
Audi macht keinen Hehl daraus, woher die Inspiration stammt. Der Nuvolari profitiert direkt von den Erfahrungen des Audi-Formel-1-Programms. Die aktive Aerodynamik verfügt sogar über ein Drag Reduction System (DRS), wie man es aus der Königsklasse des Motorsports kennt.
Der adaptive Heckflügel verändert seine Stellung automatisch und erzeugt in seiner aggressivsten Einstellung mehr als 400 Kilogramm Abtrieb. Ergänzt wird das Konzept durch einen S-Duct im Vorderwagen, aktive Luftführung sowie ein hochentwickeltes Energiemanagement, das Rekuperation und Leistungsabgabe permanent optimiert.

Selbst die Bremsanlage erinnert eher an einen Rennwagen als an ein Straßenfahrzeug. Das neue Audi Ceramic Pro Bremssystem kann laut Audi Verzögerungsleistungen vorweisen, die sich auf Formel-1-Niveau bewegen.
Carbon als neue Audi-DNA
Der Audi Nuvolari ist das erste Serienmodell der neuen Audi-Designphilosophie und präsentiert sich mit klaren Flächen, muskulösen Proportionen und einem kompromisslosen Mittelmotor-Layout.
Fast die gesamte Karosserie besteht aus carbonfaserverstärktem Kunststoff. Die Fertigung erfolgt mittels aufwendiger Prepreg-Autoklav-Technologie, wie sie auch in der Formel 1 eingesetzt wird.
Neu im Audi-Serienportfolio sind zudem geschmiedete Center-Lock-Räder, die bislang vor allem im professionellen Motorsport zu Hause waren.
Allradantrieb 2.0 heißt „quattro predictive ride“
Mit dem neuen „quattro predictive ride“ führt Audi die nächste Evolutionsstufe seines legendären Allradantriebs ein. Ein komplexes Netzwerk aus Sensoren analysiert permanent Fahrzustand, Lenkwinkel, Gierrate und Grip-Niveau. Das System reagiert nicht erst auf Grenzsituationen, sondern versucht sie vorherzusagen und ihnen aktiv entgegenzuwirken.

Je nach Fahrmodus verändert sich der Charakter des Fahrzeugs deutlich:
- E-Hybrid für rein elektrisches Fahren
- Balanced für Alltag und Komfort
- Dynamic für maximale Agilität
- Dynamic+ für kompromisslose Performance
Im zusätzlichen Track Mode kann sogar die Traktionskontrolle in mehreren Stufen an Streckenbedingungen angepasst werden.
Gibt es eine Verbindung zu Lamborghini?
Ja, und zwar mehr als nur eine lose Verwandtschaft. Der Audi Nuvolari teilt technische Grundlagen mit dem Lamborghini Temerario. Dazu gehören insbesondere die Architektur des Hybridantriebs mit V8-Biturbo und drei Elektromotoren. Audi hat die Technik jedoch umfassend weiterentwickelt und die Leistung deutlich gesteigert. Der Nuvolari soll den Temerario sowohl bei der Gesamtleistung als auch bei verschiedenen Performance-Werten übertreffen.
Branchenbeobachter sprechen deshalb von einem „technischen Cousin“ aus dem Volkswagen-Konzern, der allerdings seinen ganz eigenen Charakter entwickelt hat. Auch die Plattform und zahlreiche Hochleistungskomponenten sollen gemeinsame Wurzeln besitzen.
Audis teuerstes Serienfahrzeug aller Zeiten
Offiziell nennt Audi bislang keinen Verkaufspreis. Doch Branchenkreise und internationale Medien gehen davon aus, dass der Nuvolari bei rund 500.000 bis 600.000 Euro starten wird – eine Schätzung, wohlgemerkt. Damit wäre er aber nicht nur der stärkste, sondern auch der teuerste Serien-Audi aller Zeiten.

Angesichts der Limitierung auf lediglich 499 Fahrzeuge dürfte die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen.
NewCarz meint dazu:
Sicherlich geht es nach dem Formel 1-Einstieg von Audi nicht nur uns so, und so mancher Fan oder Autonarr erwartete irgendwie in diese Richtung eine kleine Sensation von Audi. Die Nähe zum Lamborghini Temerario mag Puristen zunächst skeptisch stimmen. Tatsächlich zeigt der Nuvolari aus unserer Sicht, wie erfolgreich Konzernsynergien genutzt werden können, wenn daraus etwas Eigenständiges entsteht. Audi hat mit Sicherheit keinen Lamborghini mit anderen Logos gebaut. Audi hat einen Audi gebaut, der erstmals ernsthaft in Regionen vorstößt, die bislang Ferrari, McLaren oder Lamborghini vorbehalten waren. Das wird in jedem Fall eine sehr spannende Geschichte, die wir natürlich genauestens in Auge behalten.
Quelle & Fotos: Audi / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
