Marrakesch erwacht, Gewürzduft liegt in der Luft, Händler preisen ihre Ware an, irgendwo klappert Geschirr – und mittendrin rollt ein 639 PS starker Plug-in-Hybrid heran, als hätte er sich im Souk verlaufen: der neue Audi RS 5.
Dieser absolviert seinen „First Drive“ in Marokko. Ort des Geschehens: der Circuit de Marrakech und die Serpentinen des Atlasgebirges. Also genau dort, wo man üblicherweise mit 825 Newtonmetern einkaufen fährt.
Rennstrecke mit Wüstenstaub-Finish
Auf dem Circuit de Marrakech wurde kein Kaffeekränzchen veranstaltet, sondern ein Parcours mit engen Kurvenfolgen, Slalomsektionen und Driftzonen aufgebaut. Der neue Ingolstädter durfte zeigen, dass er nicht nur geschniegelt vor der Oper parkt, sondern auch quer kann.

Das neu entwickelte quattro-System mit Dynamic Torque Control verteilt die Kräfte elektromechanisch an der Hinterachse. Torque Vectoring heißt das Zauberwort. Bedeutet: Das Auto denkt schneller über Traktion nach, als der Fahrer „Lastwechsel“ sagen kann. Einlenken wirkt leichtfüßig, Herausbeschleunigen stabil, selbst wenn es eng wird. Besonders eng.
Audi RS 5: Plug-in-Hybrid mit doppelter Persönlichkeit
Zum ersten Mal kommt der RS 5 als Plug-in-Hybrid. Ein 2,9-Liter-V6-Biturbo trifft auf eine 130-kW-E-Maschine. Zusammen ergibt das 470 kW Systemleistung, also 639 PS, und 825 Nm Drehmoment. Ein Zahlenwerk, das selbst Taschenrechner nervös macht.

Der elektrische Boost sorgt bei spontanen Beschleunigungsmanövern für eine Reaktion, die eher an Espresso intravenös erinnert als an Zurückhaltung. Und doch trägt das Ganze ein grünes Mäntelchen namens Elektrifizierung. Performance mit Steckdose.
Rolf Michl von Audi Sport spricht von technologischen Maßstäben. Man könnte auch sagen: Hier wird versucht, Vernunft und Wahnsinn in einer Karosserie unterzubringen. Offensichtlich mit Erfolg.
Vom Rennasphalt in die Serpentinen
Nach der Rennstrecke folgt das Atlasgebirge. Schmale Straßen, enge Kehren, rauer Asphalt. Perfekte Bühne für das RS-Sportfahrwerk mit 2-Ventil-Dämpfertechnologie. Es filtert Unebenheiten heraus, reduziert Nick- und Wankbewegungen und hält die Karosserie so ruhig, dass selbst Felswände beeindruckt wirken dürften.

In engen Bergkurven bleibt die Lenkung präzise, das Fahrzeug kontrollierbar. Die Kombination aus Verbrenner und Elektromotor liefert auch bei langen Anstiegen souveräne Reserven. Und wenn es durch ein Bergdorf geht, gleitet der RS 5 im rein elektrischen Modus beinahe lautlos vorbei. Ein Oxymoron auf Rädern.
Licht, Schatten und ein bisschen Drama
Optisch macht der RS 5 ebenfalls keine halben Sachen. Breite Schultern, ausgestellte Radhäuser, dreidimensional modellierter Singleframe. Die abgedunkelten Matrix LED-Scheinwerfer tragen eine digitale Tagfahrlicht-Signatur im Zielflaggen-Design. Subtil ist anders.
Im Wechselspiel von Sonne und Staub wirkt das Auto wie ein Hochleistungssportler auf Fototermin. Nur dass dieser statt Proteinshake 98 Oktan und Strom konsumiert.
Der Audi RS 5 bietet zwei Welten & ein Anspruch
Audi spricht von „Vorsprung durch Technik“. In Marokko bedeutet das: Sonne, Staub, Bergpässe und ein Hochleistungs-Plug-in-Hybrid, der behauptet, alles zu können. Rennstrecke und Alltag. Elektromodus und Biturbo-Beben. Komfort und Kurvenjagd.
Der Härtetest zeigt jedenfalls: Der neue RS 5 ist kein Laborprodukt, das nur auf dem Prüfstand glänzt. Er funktioniert auf echtem Asphalt, mit echten Schlaglöchern und echten Kehren. Und falls jemand fragt, wozu man 639 PS in einem Plug-in-Hybrid braucht, lautet die Antwort vermutlich: Weil man es kann.
NewCarz meint dazu:
Zwischen Atlasgebirge und Rennstrecke verschmilzt dieser Ingolstädter offenbar High-Performance mit Hochspannung. Und Marrakesch hatte eine neue Sehenswürdigkeit. So wie es scheint, liefert der RS 5 ab und dennoch bleiben wir bei aller Euphorie gelassen – bis zu einem eigenen Test. Dann steigt womöglich auch unser Blutdruck. Wie hoch, wird der Audi RS 5 bestimmen.
Quelle & Fotos: Audi / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
