Goodwood, der Ort an dem Superlative aus dem automobilen Sektor als Massenware gehandelt werden, so wie der DENZA Z.
Mit seinem Auftritt beim legendären Festival of Speed in Goodwood hat BYDs Premiummarke nicht einfach einen weiteren Elektro-Sportwagen vorgestellt, sondern eine Kampfansage an die etablierte Supersportwagen-Elite aus Europa.
Ferrari, Lamborghini, Porsche oder Rimac dürften aufmerksam hingesehen haben. Denn was Denza ankündigt, klingt weniger nach Evolution als nach einer tektonischen Verschiebung im Segment der elektrischen Hochleistungssportwagen.
1.180 Kilowatt: Leistung jenseits jeder Vernunft
Wer beim Blick auf die Leistungsdaten instinktiv nach einem Tippfehler sucht, ist in guter Gesellschaft.
Drei Elektromotoren erzeugen gemeinsam unglaubliche 1.180 kW, was rund 1.605 PS entspricht. Das maximale Drehmoment liegt bei 1.240 Newtonmetern. Möglich macht dies die neue e³-Plattform von Konzernmutter BYD, die mit einem Frontmotor sowie zwei unabhängig arbeitenden Elektromotoren an der Hinterachse ein hochpräzises Torque Vectoring ermöglicht.

Das Ergebnis liest sich wie aus einem Videospiel: Das Coupé und der Spider katapultieren sich in 2,25 Sekunden auf Tempo 100. Die Racing-Version unterschreitet mit Semi-Slicks sogar die Zwei-Sekunden-Marke und absolviert den Standardsprint in 1,96 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt mit diesem Modell 350 km/h anstatt 300 km/h beim Coupé und Spider.
Für die kompromisslose Special Edition mit unfassbaren 2.000 PS, welche später folgen soll, kündigt DENZA sogar weniger als 1,7 Sekunden an. Werte, die bislang fast ausschließlich elektrischen Hypercars mit siebenstelligen Preisschildern vorbehalten waren.
Laden geht mit dem DENZA Z fast so schnell wie Tanken
Mindestens ebenso spektakulär wie die Fahrleistungen ist das, was unter dem Fahrzeugboden verborgen liegt.
Die Blade-Batterie der zweiten Generation speichert vergleichsweise moderate 76 kWh, setzt dafür aber auf eine neue Cell-to-Body-Konstruktion, bei der die Batteriezellen direkt in die Fahrzeugstruktur integriert werden. Das spart Gewicht, erhöht die Steifigkeit und verbessert das Packaging.
Der eigentliche Paukenschlag ist jedoch die Ladetechnik. Mit einer Ladeleistung von bis zu 1.500 kW soll sich der Akku an den entsprechenden Hochleistungsladern in lediglich fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent und in nur neun Minuten von 10 auf 97 Prozent füllen lassen.
Sollten sich diese Werte im Alltag bestätigen, wäre dies ein Technologiesprung, der die Diskussion um Ladezeiten grundlegend verändern könnte. Die Reichweite von 410 Kilometern im Coupé, 400 Kilometern im Spider und 380 Kilometern im Racing verliert damit einen Großteil ihres Schreckens. Statt möglichst große Batterien zu verbauen, setzt Denza auf maximale Ladegeschwindigkeit. Ein Ansatz, der die Zukunft der Elektromobilität nachhaltig prägen könnte.
Noch gibt es allerdings einen Haken: Die 1.500-kW-Ladeinfrastruktur soll zunächst ausschließlich bei ausgewählten BYD-Standorten verfügbar sein.
Eine Skulptur, die den Fahrtwind bändigt
Chefdesigner Wolfgang Egger beschreibt den Denza Z als eine „lebendige Skulptur der Geschwindigkeit“. Eine Formulierung, die nach Marketing klingt, beim ersten Blick auf das Fahrzeug jedoch überraschend passend erscheint.
Mit 4,78 Metern Länge und lediglich 1,35 Metern Höhe kauert der Sportwagen förmlich über dem Asphalt. Rundliche Linien treffen auf messerscharf ausgearbeitete Aerodynamikdetails. Große Lufteinlässe leiten den Fahrtwind gezielt durch die Karosserie und sorgen gleichzeitig für Kühlung, Abtrieb und minimale Luftverwirbelungen.
Während das Coupé Eleganz ausstrahlt, wirkt die Racing-Version wie ein Fahrzeug, das direkt aus der Boxengasse auf öffentliche Straßen geraten ist. Optional sorgt ein dreifach verstellbarer Carbon-Heckflügel bei 350 km/h für bis zu 1.060 Kilogramm Abtrieb.
Noch extremer wird es bei der geplanten Nürburgring-Sonderedition. Carbon-Verbundwerkstoffe, aktiver Frontdiffusor und eine bewegliche Heckflügelklappe erzeugen bei 300 km/h mehr als zwei Tonnen Anpressdruck. Zahlen, die bislang fast ausschließlich im professionellen Motorsport zu finden waren.
Cockpit zwischen Luxus und Rennstrecke
Im Innenraum verzichtet Denza bewusst auf futuristische Übertreibungen und konzentriert sich stattdessen auf den Fahrer. Das Lenkrad bildet den Mittelpunkt des Cockpits. Sechs physische Tasten ermöglichen den direkten Zugriff auf zentrale Funktionen wie den Boost-Modus oder das Track-Programm, ohne durch verschachtelte Menüs navigieren zu müssen.
Ein 8,9-Zoll-Kombiinstrument, ein 12,8-Zoll-Infotainmentdisplay, Google-Dienste, kabelloses Smartphone-Laden und hochwertige Materialien wie Carbon, Metall sowie Stoffe in Wildlederoptik verbinden Rennsportambitionen mit gehobenem Komfort.
Selbst bei den Sitzen zeigt sich der Spagat zwischen Alltag und Performance. Achtfach elektrisch verstellbare Sportsitze mit Heizung, Belüftung und Massagefunktion gehören ebenso zum Angebot wie eine Racing-Version ohne Rückbank und mit Überrollkäfig.
Hightech bis in die Stoßdämpfer
Der Denza Z beschränkt seine technische Faszination nicht auf den Antrieb. Das DiSus-M-Fahrwerk nutzt magnetorheologische Dämpfer, deren Hydraulikflüssigkeit ihre Eigenschaften innerhalb von Millisekunden durch Magnetfelder verändert. Dadurch kann das Fahrwerk nahezu verzögerungsfrei zwischen komfortabel und kompromisslos sportlich wechseln.
Hinzu kommen gelochte Carbon-Keramik-Bremsen mit einer Lebensdauer von bis zu 300.000 Kilometern, ein intelligentes Reifenschadenmanagement, das die Kraftverteilung blitzschnell anpasst, sowie eine Vielzahl individuell konfigurierbarer Fahrprogramme.
Selbst erfahrene Rennfahrer dürften an der umfangreichen Track-App ihre Freude haben. Hier lassen sich unter anderem Torque Vectoring, Rekuperation, Dämpfung, ABS, ESP, Traktionskontrolle und Bremsassistent individuell abstimmen. Launch Control, Drift-Modus und speicherbare Rundenzeiten gehören ebenfalls zum Repertoire.
Sound auf Knopfdruck
Während viele Elektroautos nahezu lautlos unterwegs sind, erlaubt der Denza Z seinem Fahrer eine ungewöhnliche Spielerei.
Per Tastendruck lässt sich ein künstlicher Motorsound aktivieren. Zur Auswahl stehen klassische Verbrennerklänge oder futuristische Science-Fiction-Sounds, die sowohl im Innenraum als auch nach außen wiedergegeben werden können. Puristen werden darüber diskutieren, andere werden schlicht ihren Spaß daran haben.
DENZA Z hat Europa fest im Visier
Fest steht bereits: Der Denza Z wird nicht nur für den chinesischen Heimatmarkt gebaut. Coupé, Spider und Racing sollen auch in Europa angeboten werden. Bestellungen werden in ausgewählten Märkten bereits entgegengenommen, die ersten Auslieferungen sind noch für dieses Jahr vorgesehen. Parallel arbeitet Denza an der besonders radikalen Special Edition, die im Herbst auf der Nürburgring-Nordschleife einen Rundenrekord ins Visier nehmen soll.
Über den Preis schweigt sich der Hersteller bislang aus. Angesichts der technischen Daten dürfte jedoch klar sein, dass der Einstieg ganz satt im sechsstelligen Bereich liegen wird.
NewCarz meint dazu:
Der Denza Z fühlt sich an wie ein Weckruf für die europäische Sportwagenindustrie. Besonders beeindruckend ist dabei nicht einmal die enorme Leistung. 1.605 PS sorgen zwar für Schlagzeilen, entscheidender erscheint jedoch die Kombination aus extremer Performance, intelligenter Fahrwerkstechnik und einer Ladegeschwindigkeit, die das größte Alltagshindernis leistungsstarker Elektrofahrzeuge im Grunde ausradiert. Natürlich bleiben Fragen offen. Die Reichweite fällt angesichts der Leistung vergleichsweise überschaubar aus, und die spektakulären 1.500-kW-Ladevorgänge werden zunächst nur an einer sehr begrenzten Infrastruktur möglich sein. Auch muss Denza erst beweisen, dass die versprochenen Werte unter realen Bedingungen reproduzierbar sind. Sollte Denza allerdings abliefern, dürfte Goodwood 2026 rückblickend als jener Moment gelten, an dem die elektrische Supersportwagenwelt ein neues Kapitel aufgeschlagen hat.
Quelle & Fotos: DENZA (BYD) / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
