Kia EV9 AWD 6-Sitzer Test – Der ge-Swivel-te Radler

Kia EV9 AWD
Durch Klicken auf diese Fläche laden Sie Inhalte von wirkaufendeinauto.de und akzeptieren damit in deren Datenschutzerklärung.

Tags

Der Kia EV9 AWD ist entsprechend seiner Modellbezeichnung der Größte im elektrischen Familienalbum der Koreaner. Ein Statement auf Rädern, das sich bewusst zwischen Premiumambitionen und pragmatischem Nutzwert positioniert. 

Nachdem der EV9 bereits als klassischer Siebensitzer und in verschiedenen Leistungsstufen bekannt ist, richtet sich der Blick hier auf eine besondere Spielart: den 6-Sitzer mit Swivel-Ausstattung. Das ist jene Konfiguration, bei der Kia zeigt, dass Elektromobilität nicht nur Reichweite und Ladezeiten kennt, sondern auch Raumdramaturgie. 

Zu den natürlichen Gegenspielern zählen Modelle wie Volvo EX90, Mercedes EQS SUV oder BMW iX. Alle groß, alle teuer, alle mit dem Anspruch, Familie, Business und Technik unter ein sehr breites Dach zu bekommen. Der EV9 hält dagegen mit Designmut, Platzangebot und einem gewissen Hang zum Understatement bei der Marke, nicht aber beim Auftritt.

Für diesen Test fuhren wir den Kia EV9 AWD in der „GT-line“-Ausstattung und der ohne Aufpreis erhältlichen Außenfarbe „Ocean Blue“-Metallic.

Das Wichtigste im Überblick

  • Enormes Platzangebot für Insassen und Gepäck trifft auf kraftvollen E-Antrieb mit Allrad und akzeptablen Ladezeiten.
  • Dank Swivel erleben die Passagiere im EV9 noch mehr Komfort.
  • Die Ausstattung der GT-line (für Swivel erforderlich) ist nahezu als Vollausstattung zu bezeichnen.


Exterieur – Ohne Befund

Äußerlich unterscheidet sich der Kia EV9 AWD mit Swivel-Paket kein bisschen vom bekannten Modell, was auch gut so ist. Dieses Auto lebt von seiner architektonischen Präsenz.

Die Front wirkt wie ein futuristisches Bauwerk, mit einem massiven Gesicht, vertikalen Lichtsignaturen aus jeweils zwölf LED-Elementen und einer Haltung, die jedem Parkplatz signalisiert, wer hier das Volumen bestimmt.

Über fünf Meter Länge trägt der EV9 ohne falsche Bescheidenheit zur Schau. Die 21-Zoll-Räder (Bestandteil der GT-line-Ausstattung) sitzen stimmig in den Radhäusern und lassen den Koloss fast ein wenig sportlich erscheinen, zumindest relativ zu seiner eigenen Masse.

Zum Seitenanfang

Interieur – Wellness und Face to Face

Im Innenraum zeigt der EV9 zunächst jene Qualitäten, die man von einem modernen Oberklasse-SUV erwartet. Hochwertige Materialien, saubere Verarbeitung und ein Raumgefühl, das eher an eine Lounge als an ein Auto erinnert. 

Im Vergleich zum EV9 mit sechs Sitzen ohne Swivel bleibt die Grundarchitektur identisch, doch der Charakter ändert sich doch spürbar. Der Star ist die zweite Sitzreihe. Mit dem Swivel-Paket (Swivel bedeutet so viel wie „drehend“) lassen sich die beiden Einzelsitze um 180 Grad drehen, weich und kontrolliert, fast wie bei einem Studiogast in einer TV-Show. Während die dritte Reihe fest nach vorn blickt, entsteht zwischen dieser und zweiter Reihe eine Face-to-Face-Atmosphäre, die den EV9 zur mobilen Konferenzzone macht oder das Socializing trendgehetzter Familien fördert. 

Ohne Swivel ist der EV9 „nur“ ein sehr großzügiges SUV. Mit Swivel wird er eine rollende Lounge. Der Fahrer profitiert weiterhin von Relaxfunktion und Massage, was längere Stopps an der Ladesäule auch für den Chauffeur überraschend erholsam macht. 

Selbst bei voller Bestuhlung bleiben 440 Liter Kofferraumvolumen, dachhoch gemessen. Als Zweisitzer erweitert sich das Ladeabteil auf beeindruckende 2.393 Liter – da gibt es keine Unterschiede zu den anderen Bestuhlungen des EV9. 

Der Frunk fällt beim Allradmodell mit 52 Litern deutlich kleiner aus als beim Hecktriebler (90 Liter) und kann auch nur 25 anstatt 50 Kilogramm Gewicht vertragen. Das ist aber zumindest ausreichend für Ladekabel und Kleinkram.

Fraglich finden wir allerdings, wie dieser Frunk erreicht wird. Denn dazu muss eine Kunststoffabdeckung im Fahrerfußraum linke Seite abgefummelt werden, erst dann wird das Bedienteil zum Öffnen der vorderen Haube erreichbar. Das ist weder praktisch noch erkennen wir einen Sinn hinter dieser aufgezwängten Hürde.

Zum Seitenanfang

Antrieb und Fahreigenschaften – Vollelektrische Solidität

Auch hier gibt’s keine Unterschiede zum Kia EV9 AWD als 7-Sitz-Pendant. Unter der kantigen Hülle arbeitet beim getesteten Modell ein Allradantrieb mit zwei Elektromotoren – pro Achse einer. Zusammen leisten sie 385 PS und stellen 700 Nm Drehmoment bereit. 

Das genügt, um den fast 2,7 Tonnen schweren EV9 in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h, was in dieser Fahrzeugklasse mehr Kür als Pflicht ist. 

Überraschend ist die Leichtigkeit, mit der der EV9 seine Masse kaschiert. Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, ohne unkomfortabel zu wirken, und bietet eine Langstreckentauglichkeit, die man diesem Format wünscht. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, ohne den Fahrer vollständig von der Straße zu entkoppeln. 

Dem wirkt auch die angenehm direkte und viel Rückmeldung liefernde Lenkung entgegen und das Bremssystem erstaunte beim Test mit kompromissloser und wohl dosierbarer Vertilgung kinetischer Restenergien, um das Trum wunschgemäß zum Halten zu bringen.

Zum Seitenanfang

Verbrauch, Aufladen & Reichweite im Kia EV9 AWD

Der nächste Blick gilt dem Verbrauch. Bei entspannter Fahrweise pendelt sich der Energiebedarf um 23 kWh pro 100 Kilometer ein. Wer den Leistungsreserven erbarmungslos freien Lauf lässt, kann allerdings auch Werte um 40 kWh erzielen. Gut 80 Prozent Autobahnanteil und nicht schneller als 130 km/h endete mit 27 kWh pro 100 Kilometer. Defensiv veranlagte, weise vorausschauende Fahrer schaffen ohne Autobahnanteil sogar rund 13 kWh – so wie wir auf unserer obligatorischen Sparrunde. Dabei bewegt man sich noch längst nicht im meditativen Modus. 

An Bord des EV9 speichert eine 99,8 kWh große Lithium-Batterie die Energie, die mittels einer DC-Ladestation am schnellsten in diese gelangt. Bis zu 210 kW beträgt theoretisch der Ladestrom und Kia prophezeit dadurch eine Ladezeit von 23 Minuten, bis der Akku wieder 80 Prozent zeigt. Wir kamen trotz Vorkonditionierung der Batterie mit einem Spitzenwert von 201 kW auf 38 Minuten und blieben so deutlich unter den versprochenen Ladeströmen. Als Grund dafür vermuten wir die niedrigen Außentemperaturen (zwischen 2 und elf Grad Celsius). Eine Volle Aufladung dauerte am Ende im besten Fall 68 Minuten und im „worst case“ 78 Minuten.

Realistisch sind im Alltag Reichweiten um die 400 Kilometer und dies hängt selbstredend stark vom Fahrverhalten ab. Unser bestes Ergebnis im Drittelmix waren 450 Kilometer. Beim Blick auf das Sparrundenergebnis sind theoretisch durchaus Werte deutlich über 700 Kilometer drin, doch abseits stetiger Effizienzbestreben reduziert sich dieser Wert schnell.

Kia EV9 AWD EV-Monitor
Ein EV-Monitor erlaubt diverse Einstellungen und den Überblick über alle antriebsspezifischen Parameter.

V2L ist wie bei allen Kia EV9 AWD auch hier möglich; der Stromer kann mittels Adapter jede Menge seiner Energie an externe Elektrogeräte verteilen.

Zum Seitenanfang

Ausstattung, Komfort & Technik

Bereits serienmäßig fährt der EV9 in höheren Ausstattungslinien mit einer Fülle an Technik vor. In der GT-line zählen Matrix-LED-Scheinwerfer, Head-up-Display, elektrisch verstellbare und klimatisierte Sitze vorn und in der zweiten Reihe, ein Meridian-Soundsystem sowie eine umfangreiche Ambientebeleuchtung zum Standard. 

Die Assistenzsysteme sind zahlreich und decken nahezu alles ab, was derzeit möglich ist, vom sehr smooth agierenden adaptiven Tempomat über Spurhaltefunktion bis zu Ausweich- und Notbremsassistenten. 

Manche davon neigen zu einem leicht überengagierten Auftritt, insbesondere bei Tempolimits und Spurführung. Hier besteht noch der Wunsch nach Feinjustage.

Das Swivel-Paket selbst ist optional und kostet wie das ansonsten im 6-Sitzer serienmäßig verbaute „Relaxation“-Sitzpaket 990 Euro. Es gibt hier nur ein „entweder-oder“, weswegen sich der Kaufpreis nicht ändert. Die beiden Glasdächer kosten 990 Euro extra und verleihen dem Innenraum zusätzlich ein Licht und Loft-Gefühl. 

Der bei der GT-line serienmäßige digitale Innenspiegel sichert den Blick nach hinten auch, wenn der EV9 dachhoch beladen sein sollte. Gegen Aufpreis (1.190 Euro) kann der EV9 auch mit digitalen Außenspiegeln (außen Kamera, innen Bildschirme) ausgestattet werden – beim Testfahrzeug war das nicht der Fall, worüber wir nicht unbedingt traurig waren.

Unbedingt erwähnenswert ist zudem die Anhängelast von bis zu 2,5 Tonnen bei 125 Kilogramm Stützlast. Ein Wert, der im Elektrosegment Seltenheitsstatus genießt.

Für den EV9 gibt es aktuell zehn Außenfarben; sechs ohne Aufpreis, ein Perleffekt für 200 Euro extra und drei Matt-Lackierungen für je 1.800 Euro.

Zum Seitenanfang

Was kostet der Kia EV9 AWD 6-Sitzer mit Swivel?

Auf dem deutschen Markt startet der Kia EV9 je nach Motorisierung und Ausstattung deutlich oberhalb der klassischen Mittelklasse. Der hier betrachtete 6-Sitzer fährt ausschließlich mit Allradantrieb und in der GT-line-Ausstattung vor. So startet er laut offiziellem Online-Konfigurator bei 84.570 Euro – und zwar mit oder ohne Swivel. Denn die Alternative „Relaxation“ als Paket kostet ebenso wie das „Swivel“ 990 Euro. Mit den beiden Glasdächern steigt der Preis des Raumschiffs auf 85.560 Euro. 

Kia EV9 AWD schräg vorn rechts
Wer auch unterwegs auf viel Eye-to-Eye-Kommunikation wert legt, sollte das Swivel-Paket wählen.

Günstigere Varianten mit Heckantrieb und kleineren Ausstattungspaketen sind ebenfalls im Angebot, verzichten dann jedoch auf die volle Leistungsstufe und auf exklusive Komfortdetails. Innerhalb der EV9-Familie markiert die GT-line klar die Spitze, sowohl preislich als auch beim Ausstattungsumfang.

Zum Seitenanfang

Fazit – Urlaub auf Rädern

Der Kia EV9 AWD als 6-Sitzer mit Swivel-Ausstattung ist weniger Auto als mobiles Raumkonzept. Er kombiniert elektrische Souveränität mit echtem Nutzwert und einem Innenraum, der nicht nur bei Ladepausen zum Aufenthaltsort wird, welcher den entgegengefahrenen Urlaub vorzieht oder einfach jeden Aufenthalt in diesem Fahrzeug zu einem Kurzurlaub macht. 

Kia EV9 AWD schräg hinten links
Ob Transporter oder extravagantes Reisemobil – der Kia EV9 AWD kann all das sehr gut abdecken.

Günstig ist das alles nicht, aber so viel Komfort findet sich dennoch kaum in vergleichbaren Fahrzeugen – zumindest für diesen Preis. 

Wer Platz, Komfort und elektrische Leistung sucht und dabei keine Lust auf das x-te Premiumlogo hat, findet hier ein Fahrzeug, das auffällt und liefert. Nur einige Assistenzsysteme könnten gerne mit mehr Zurückhaltung reagieren.

Text & Fotos: NewCarz

Zum Seitenanfang

Pro & Contra

Pro:

  • enormes Platzangebot mit echter Lounge-Atmosphäre dank Swivel
  • starke Fahrleistungen trotz hoher Masse
  • gute Reichweite bei gemäßigter Fahrweise
  • akzeptable Ladezeiten und V2L-fähig
  • sehr hohe Anhängelast für ein Elektroauto
  • hochwertige Serienausstattung in der GT-line

Contra:

  • hohes Preisniveau, auch markenintern
  • Assistenzsysteme teilweise zu eifrig
  • Verbrauch stark abhängig vom Fahrstil
  • Größe im Stadtverkehr vor allem parktechnisch unvorteilhaft

Zum Seitenanfang

Technische Daten: Kia EV9 AWD GT-line 6-Sitzer (Swivel-Paket)

  • Farbe: Ocean Blue Metallic
  • Fahrzeugklasse: obere Mittelklasse  / SUV
  • Länge x Breite x Höhe (m): 5,02 x 1,98 (2,26 mit Außenspiegeln) x 1,78
  • Radstand (mm): 3.100
  • Antrieb: 2x E-Motor PSM á 192 PS
  • max. Leistung: 283 kW (385 PS)
  • max. Drehmoment (Nm): 700
  • Akku Kapazität brutto (kWh): 99,8
  • Ladeanschluss: CCS/Typ 2 kombiniert (hinten rechts)
  • Ladezeit von 10 bis 80 % DC mit max. 210 kW Werksangabe/gemessen (min): 24/38
  • Ladezeit von 10 bis 100 % AC mit max. 10,5 kW Werksangabe (min): 545
  • Reichweite Werksangabe/NewCarz (km): 505/450
  • Getriebe: stufenloses Reduktionsgetriebe
  • Antriebsart: Allrad 
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 22,8 kWh/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 23,0 kWh/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 0 g/km
  • Abgasnorm: Elektroauto
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (elektronisch begrenzt)
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 5,3
  • Bodenfreiheit (mm): 177
  • Wendekreis (m): 12,4
  • Kofferraumvolumen (l): 440 bis 2.393 (plus 52 im Frunk)
  • Leergewicht (kg): 2.648
  • Zuladung (kg): 542
  • max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/2.500
  • max. Stützlast (kg): 125
  • max. Dachlast (kg): 70 
  • Kraftstoffart: elektrische Energie
  • Neupreis des Testwagens: 85.560 Euro
  • Basispreis 6-Sitzer: 84.570 Euro

 

Zum Seitenanfang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise