Polestar hat ein Luxusproblem: Der Polestar 4 ist eines der eigenständigsten Modelle der Marke, trägt aber bislang ein Coupé-Heck, das praktische Talente eher andeutet als demonstriert – jetzt bekommt der Stromer ein SUV-Heck.
Strategisch ist das ziemlich clever: Mehr Platz und Nutzwert sollen neue Kunden locken, während Design und Performance unangetastet bleiben.
Damit positioniert sich der Polestar 4 SUV mitten in jenem elektrischen Premium-Segment, in dem sich unter anderem BMW iX3, Audi Q6 e-tron und Porsche Macan Electric tummeln. Der Schwede setzt allerdings weniger auf markentypische SUV-Muskeln als auf skandinavische Reduktion.
Polestar 4 SUV – größer, ohne die Linie zu verlieren
Die Front bleibt unverkennbar Polestar. Dual-Blade-Scheinwerfer und das beleuchtete Markenlogo sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. Erst ab der B-Säule wird der Unterschied zum Coupé deutlich: Das Dach verläuft gerader, die Heckpartie steht aufrechter und eine durchgehende Dachreling macht aus dem Designobjekt visuell sogleich einen brauchbaren Reisebegleiter.

Bis zu 100 Kilogramm Dachlast sind möglich. Dazu kommen acht Außenfarben, darunter die neuen Töne Aurora und Ozone Matte. Ein bisschen erinnern diese Farbtöne und deren Bezeichnungen durchaus an skandinavische Designstudios.
Innenraum – vielseitiger durch mehr Platzangebot
Im Innenraum bleibt Polestar seiner minimalistischen Linie treu. Das horizontale Zentraldisplay bildet weiterhin das digitale Herzstück. Neu sind neun statt sechs Widget-Schnellzugriffe, wodurch wichtige Funktionen leichter erreichbar sein sollen.

Das eigentliche Argument für die neue Karosserieform sitzt allerdings auf der Rückbank. Durch das aufrechtere Heck wächst die Kopffreiheit um 2,5 Zentimeter. Das größere Panoramaglasdach gehört zur Serienausstattung und reicht bis zur Heckklappe. Optional kann ein elektrochromes Glasdach die Lichtdurchlässigkeit elektrisch verändern.

Auch beim Gepäckraum legt der SUV zu. Insgesamt stehen 1.680 Liter Stauraum in den vorderen und hinteren Gepäckabteilen zur Verfügung. Das Heck fasst 530 Liter bis zur Oberkante der Rücksitzlehnen beziehungsweise 655 Liter bis zum Dach. Werden die Rücksitze umgelegt, wächst das Volumen auf 1.665 Liter. Damit nähert sich der Polestar 4 SUV einer klassischen Familienrolle deutlich stärker an als das Coupé.
Polestar 4 SUV – zwei Antriebe, zwei Charaktere
Beim Antrieb bleibt die Auswahl übersichtlich.
- Die Rear-Motor-Version leistet 272 PS und 343 Newtonmeter. 100 km/h sollen nach 7,3 Sekunden erreicht sein. Zudem verspricht Polestar für diese Motorisierung bis zu 630 Kilometer WLTP-Reichweite.
- Deutlich sportlicher tritt der Dual Motor auf. 544 PS, 686 Newtonmeter und Allradantrieb ermöglichen laut Hersteller einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden. Die Reichweite soll bei bis zu 600 Kilometern liegen.
Beide Varianten verfügen über eine 100-kWh-Batterie. Mit bis zu 200 kW Gleichstrom soll sich der Energiespeicher schnell nachladen lassen, während auch AC-Laden mit bis zu 22 kW möglich ist.

Beim Fahrwerk orientiert sich das SUV an der überarbeiteten Abstimmung des Polestar 4 Coupé. Polestar verspricht eine Kombination aus Komfort, Langstreckentauglichkeit und direktem Handling. Wer das SUV weniger als Reisewagen und mehr als Kurvenwerkzeug versteht, kann zum Performance-Paket greifen. Dann gibt es unter anderem aktive ZF-Dämpfer, Brembo-Hochleistungsbremsen und 22-Zoll-Räder mit Pirelli P Zero Performance-Reifen.
Ob diese Kombination das SUV tatsächlich zur sportlichen Ausnahmeerscheinung macht, muss allerdings ein späterer Fahrtest zeigen. Laut den technischen Daten auf dem Papier sind die Zutaten jedenfalls ziemlich eindeutig.
Strom für den Campingplatz
Eine besonders praktische Neuerung ist Vehicle-to-Load, kurz V2L. Über einen zertifizierten Adapter kann der Polestar externe Geräte mit bis zu stattlichen 3,3 kW versorgen. Elektrowerkzeuge, Campingausrüstung oder Unterhaltungselektronik zapfen damit direkt die Fahrzeugbatterie an.
Passend dazu gibt es einen Camping Mode. Im Stand lässt sich der Innenraum klimatisieren, während Entertainment, Ambientebeleuchtung und weitere Funktionen über die Displays genutzt werden können. Aus dem Elektro-SUV wird damit zumindest technisch eine ziemlich komfortable mobile Stromversorgung.
KI zieht ins Polestar 4 SUV: Gemini statt Sprachbefehl-Akrobatik
Auch beim Thema Software will Polestar vorne mitspielen. Google Gemini soll die bisherige Sprachsteuerung durch natürlichere Dialoge und mehrstufige Interaktionen erweitern. Reiseplanung, Übersetzungen oder spontane Fragen sollen sich damit freihändig erledigen lassen. Ein weitere Schritt vom Auto als Fahrzeug zum Auto als digitalem Begleiter.
Nachhaltigkeit mit konkreten Zahlen
Polestar nennt für das neue 4 SUV einen vergleichsweise niedrigen CO2-Fußabdruck innerhalb der eigenen Modellpalette. Der Cradle-to-Gate-Wert liegt bei 20,2 Tonnen CO2 für den Rear Motor und 21,1 Tonnen für den Dual Motor.

Dazu beitragen sollen unter anderem erneuerbarer Strom bei der Batteriezellproduktion, Aluminium aus erneuerbar betriebenen Schmelzwerken sowie recyceltes Aluminium. 23 Prozent des eingesetzten Aluminiums stammen aus Recyclingmaterial.
Varianten und Preise
- Das Polestar 4 SUV startet in Deutschland bei 57.900 Euro für den Rear Motor.
- Der Dual Motor kostet ab 65.900 Euro, das Performance-Paket hebt den Einstieg auf 76.300 Euro.

Produziert wird das SUV im südkoreanischen Busan. Die Fertigung ist bereits angelaufen, die ersten Auslieferungen sollen im vierten Quartal 2026 erfolgen.
NewCarz meint dazu:
Der Polestar 4 SUV könnte genau die Lücke schließen, die vielen elektrischen Premium-Coupés fehlt: Alltag ohne Designverzicht. Mit bis zu 630 Kilometern Reichweite, viel Stauraum, V2L und einem Einstiegspreis von 57.900 Euro bringt er einige starke Argumente mit, um gegen die starken Konkurrenz von BMW, Audi und Porsche zu bestehen. Auf dem Papier hat der Schwede jedenfalls ziemlich gute Karten – ob es in der Praxis reicht, wird sich zeigen.
Quelle & Fotos: Polestar / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
