VW Tiguan – der Zweite kann der Erste sein

Zehn Jahre ist es her, als der VW Tiguan den ersten Blickkontakt mit der Öffentlichkeit hatte – als erstes Kompakt-SUV des Volkswagenkonzerns.

Anfangs noch als kleiner Bruder des Touareg gehandelt, etablierte er sich mittlerweile mit einer eigenständigen Positionierung im Segment.

Auch wenn der Volkswagenkonzern groß ist und die zugrunde liegende Plattform auch von anderen Marken, wie zum Beispiel Seat, Audi und Skoda genutzt werden, bemühte man sich stets – und ganz besonders mit dem neuen Modell – um eine deutliche Abgrenzung durch Selbstständigkeit.

 

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Brauch keinen geteerten Teppich – macht sich auch abseits davon sehr gut.

 

Wie dem Tiguan – halb Tiger, halb Leguan; so seine Namensbedeutung – diese Abgrenzung gelingt, soll unser Fahrbericht unter anderem beleuchten.

 

Exterieur – Verjüngungskur total

Unser Testwagen ist ein VW Tiguan Highline 4MOTION BlueMotion Technology 2.0 l TSI in einem auffälligen, aber auch sehr schönen Habanero Orange Metallic.

Bereits auf den ersten Blick erkennt der geneigte Betrachter des Außenkleids den deutlichen Gewinn an Größe. Auch ohne den direkten Vergleich zum Vorgängermodell wirkt der Tiguan II auf Anhieb größer. Unbedarft – oder sagen wir besser bei Erstkontakt – kann es mitunter zu Verwechslungen mit dem großen Bruder, dem Touareg kommen.

 

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Big Boy unter den Kompakt-SUV – der VW Tiguan der 2. Generation.

 

Doch der Zugewinn an Größe mindert keinesfalls die optische Dynamik und Eleganz. Punkte, bei denen der neue Tiguan ebenso beachtlich zugelegt hat. Das neue Modell wirkt gegenüber dem Vorgänger um viele Jahre moderner, frischer.

Die flache Front wirkt so edel wie robust. Die Scheinwerfer scheinen eine nahtlose Liaison mit dem Frontgrill einzugehen, dessen Chromrahmungen exakt in den Scheinwerferbereich übergehen. Das große, selbstbewusst wirkende Markenemblem im Frontgrill beherbergt – oder besser gesagt versteckt – gleichzeitig die Radarlinse für die Assistenzsysteme.

 

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Nicht bullig sondern elegant wie eine Limousine – die Tiguan-Front.

 

Dezente und dennoch deutliche Kanten im Blechkleid konturieren sowohl die Fronthaube als auch die Seitenflächen des Kompakt-SUV. Selbst die Außenspiegel besitzen geometrisch deutlichere Eckpunkte als sonst übliche Ovale und Rundungen. Ein angedeuteter Unterfahrschutz und eine Kunststoffbeplankung ringsum verweisen auf die verordneten Offroad-Gene des Tiguan.

 

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Verjüngung – nach hinten wird der Tiguan schmaler, ohne Platzdefizite vorzuweisen.

 

Durch die sanft aufsteigende Seitenlinie und den smarten Dachspoiler in Verbindung mit dem Heckdiffusor testiert der Tiguan dazu seine sportiven Gene. Aufgestockt wird dieser Effekt zusätzlich durch die Zwillingsendrohre und die großen 20-Zoll-Räder, welche in den sehr großen Radhäusern wohl proportioniert wirken.

Die schmal gehaltenen LED-Heckleuchten wirken perfekt in das leicht kantig wirkende Heck integriert. Verchromte Umrahmungen der Seitenfenster und des Schwellerabschlusses sorgen dazu für ein komfortables Finish und verraten zudem die Ausstattungsvariante ‚Highline‘.

 

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Gute Schuhe – die 20-Zoller stehen dem Wolfsburger sehr gut.

 

Die Privacy-Verglasung des Testfahrzeuges wirkte nur angedeutet und fiel fast nicht auf. Nach unserem Geschmack hätte diese einen Hauch intensiver ausfallen können. Wer auf ein wenig Sichtschutz Wert legt, kann in diesem Fall nur auf eine Folienlösung von Drittanbietern zurückgreifen.

 

Interieur – Tigerfell und Leguanhaut? Natürlich. Nicht.

Beim Einstieg in unser Testfahrzeug wartet der Innenraum mit einer wohligen zweifarbigen Innenausstattung in Stormgrey/Schwarz auf, welche hochwertig anmutet und durch die geschickt weiterführende kantige Optik des Außenkleids für eine perfekte Abstimmung zwischen Interieur und Außendesign sorgt.

 

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nice entry – die hellen Farben wirken freundlich und frisch.

 

Die Materialien erheben fast durchgehend einen hochwertig wirkenden Anspruch und sind zudem volkswagentypisch makellos verarbeitet. Nur der Kunststoff in hellem Stormgrey könnte ein Fünkchen wertiger erscheinen. Zumindest die Prägung desselben mit einer ansprechenderen Oberfläche würde bereits Wunder wirken.

 

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Wolfsburger Tugend – intuitiv geräumte Übersicht im Cockpit.

 

Obwohl nicht wenige Schalter und Bedienelemente vorhanden sind, wurden diese sehr übersichtlich angeordnet und sinnvoll verteilt, sodass sich auf Anhieb das Bedienkonzept selbst erklärt und eine Bedienungsanleitung nicht zwingend erforderlich macht. Die Nähe zu anderen Volkswagenmodellen wird hierbei deutlich.

Das Multifunktionslederlenkrad sichert eine haptisch einwandfreie Schnittstelle zwischen Fahrer und SUV. Durch den Lenkradkranz hat der Fahrer einen guten Blick auf die volldigitalisierten 12,3 Zoll großen Cockpitinstrumente namens ‚Active Info Display‘.

 

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Handmagnet – das Lenkrad möchte man sofort umfassen.

 

Die zweifarbigen Sitze in einer Kombination aus dem Microvlies Alcantara und Stoff bieten viel Platz und ausreichend Seitenhalt, ohne die Insassen dabei wirklich in die Zange zu nehmen. Die Polsterung ist eine fein gewählte Abstimmung zwischen sportlich straff und komfortabel anpassend. Zudem sorgt genügend Beinauflage und eine Lordosenstütze für zusätzliche Entlastung der Bandscheiben auf längeren Strecken.

 

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Stoff trifft Microvlies – eine angenehme Liaison, wie sich schnell herausstellt.

 

Dank der eingesetzten Materialien hat die Sitzheizung vorn und hinten leichtes Spiel und wärmt bereits nach reichlich 30 Sekunden merklich.

Das Platzgefühl zeigt sich insgesamt für diese Klasse als sehr großzügig. Hier hat das Kompakt-SUV der zweiten Generation deutlich zugelegt. Nirgends bekommt man als Insasse Platzprobleme und kann auch längere Touren absolvieren, ohne dabei Langzeitschäden zu befürchten – im Gegenteil. Im Tiguan reist es sich sehr gut und es macht dazu Spaß – auch als Mitfahrer.

Auf den hinteren Plätzen sorgen die optionalen Klapptische und die breite Mittelarmlehne mit Getränkehalterungen für viel Variabilität und einen hohen Komfortfaktor. Nur der umständliche, nach unten schwenkende Klappmechanismus ebendieser Klapptische erweist sich als kleiner Wermutstropfen.

 

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Gut gerüstet – viele Ablagen im Fond. Die Tische gehen beim Klappen auf Kriegsfuß mit den Knien.

 

Auch der Laderaum macht jede Transportanforderung zum Kinderspiel. Ab 520 Liter beginnt der Spaß bei normaler Position der zweiten Sitzreihe. Wenn diese längs um bis zu 18 Zentimeter verschiebbaren Sitze ganz nach vorn geschoben werden, stehen bereits 615 Liter zur Verfügung. Bei komplett umgelegten Rücklehnen erhöht sich das Raumangebot auf bis zu 1.655 Liter – das sind 145 Liter mehr als beim Vorgänger. Genügend Raum, um für die meisten Anforderungen des Alltages sorgenfrei gerüstet zu sein.

Dank abgesenkter Ladekante gelingt nun das Be- und Entladen einfacher. Gegenüber 76 Zentimeter beim Vorgänger müssen beim Tiguan der zweiten Generation nur noch 72 überwunden werden. Der Boden des Laderaums lässt sich dank optionaler Ausstattungsposition ‚Variabler Laderaum‘ in verschiedenen Ebenen anbringen. Dadurch wird je nachdem das Gesamtvolumen erhöht, oder ein zweites verborgenes Ladefach unter dem Boden konfiguriert und eine ebene, durchgehende Ladefläche generiert.

 

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Fernentrieglung für die Heckklappe in der Fahrertür.

 

Erstaunt hat uns zudem die auffällig unauffällige Geräuschentwicklung im Innenraum. Ein Zeichen, dass bei der Dämmung akribisch und sehr genau gearbeitet wurde. Sowohl Motoren- als auch Fahrgeräusche halten sich dezent im Hintergrund – sehr angenehm.

Selbst bei Höchstgeschwindigkeit bleibt der Fahrtwind auf einem erträglichen Niveau und die Insassen müssen sich weder anschreien, noch muss die Musikanlage auf Maximum gestellt werden, um der gewünschten audiophilen Untermalung zu frönen. Im Gegenteil.

 

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Hohe Sitzposition – im Tiguan tront man über den Dingen.

 

Ebenso beispielhaft ist die hervorragende Rundumsicht des Tiguan II. Die subjektiv sehr hohe Sitzposition in Verbindung mit viel Glas ringsum und den im Vergleich zum Wettbewerb fast dezent ausfallenden C-Säulen, hat man eine fast uneingeschränkte Übersicht. Die wenigen toten Winkel werden zusätzlich durch diverse, optional erhältliche Kameras ausgemerzt. Dazu mehr im Bereich ‚Assistenz & Sicherheit‘.

 

Motorisierung und Fahreigenschaften

Unser Test-Tiguan verfügt mit dem 2,0 l TSI Benzinvierzylinder und seinen 180 PS über eine nicht gerade schwächliche Motorisierung, die dem Tiguan aufgrund seiner Größe auch gerecht wird. Seine maximalen 320 Newtonmeter packt der Motor schon ab 1.500 Touren auf die Kurbelwelle und sorgt dadurch bereits knapp über dem Leerlauf für ausreichend Schub.

 

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Dank Zwangsbeatmung bringt der Zweiliter den Tiguan gut in Schwung.

 

Als gute Kombination erweist sich vom ersten Moment an das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG, mit dem die Kraft in allen Lagen blitzschnell und sauber sortiert weitergegeben wird. Das bekannte ‚4Motion‘ Allrad verteilt die Kraft vorzugsweise auf die Vorderachse und bei Bedarf sorgt eine Lamellenkupplung für den zusätzlichen Kraftfluss zur Hinterachse – wenn nötig bis zu 100 Prozent.

Die elektronische Differenzialsperre ‚XDS‘ verteilt zudem die Kraft im Fall der Fälle auf beide Räder einer Achse. Das ermöglicht auch bei widerspenstiger Fahrbahnbeschaffenheit ein sicheres Vorankommen.

Erstaunt hat uns die Tatsache, dass beim zügigen Anfahren mitunter die Vorderräder kurzzeitig zum Schlupf neigten, was auf eine zu späte Reaktion der Haldex-Lamellenkupplung schließen lässt. Es dauert offensichtlich mehr als eine Sekunde, bevor die Kraftverteilung auch zur Hinterachse erfolgt.

Der Tiguan zeigt sich im Fahrverhalten sehr neutral, fast narrensicher. Erst wenn man ihn sehr hart rannimmt, neigt er zum Untersteuern. Wenn das passiert, reagiert das ESP blitzschnell und unterbindet diese Gebaren sofort, jedoch sehr gefühlvoll, ohne ruppig anmutende Eingriffe. Der Grenzbereich kündigt sich zudem großzügig an und wirkt wenig überraschend – von Tücke keine Spur. Aus diesem Grund darf man den Tiguan als sehr gutmütig bezeichnen.

 

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Nicht wie auf Schienen, denn zu spät kommt man mit Tiguan eher seltener.

 

Die Lenkung reagiert direkt und leicht, mit mäßigem Feedback. Irritierend waren kratzende und knackende Geräusche aus dem Antriebsstrang, die während des Rangierens und Fahrens vorwiegend in der ersten Fahrstufe mitunter zu vernehmen waren. Nicht laut und vordergründig, jedoch vernehmbar.

In jeder Fahrsituation zeigt sich der Tiguan eindeutig mit Schwerpunkt zur komfortorientierten Abstimmung. Lediglich die 20-Zoll-Räder poltern manchmal über stark abgesenkte Kanaldeckel oder folgen gerne Schienen der Straßenbahn, wie ein Jagdhund der Fährte. Doch nichts davon in solch hohen Dosen, welche für Aufgeregtheit sorgen würden.

 

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Groß und hübsch – beim Komfort fordern sie jedoch einen kleinen Tribut.

 

Die adaptiven Dämpfer zeigen sich selbst im Sportmodus noch komfortabel, wie es einige Wettbewerber nicht mal im Komfortmodus bieten können. Der VW Tiguan bleibt demzufolge fahrwerkstechnisch auch im Sportmodus eher der Gemütliche, jederzeit vollkommen Unaufgeregte.

Für die jeweilige Fahrbahnbeschaffenheit kann das Fahrwerk dank dem sogenannten ‚4-Motion Active Control‘ mit dem dazu passenden Fahrmodus konditioniert werden. Damit lassen sich die Systeme für vier vordefinierte Einsatzszenarien anpassen. Dazu gehören Straßenbetrieb, Schnee, Gelände und schweres Gelände. Zusätzlich bleibt noch der Auto-Modus, indem das System je nach Zustand des Untergrundes und Neigungswinkeln des Fahrzeuges, den erforderlichen Modus selbstständig wählt.

 

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Für jede Situation den passenden Modus am Drehrad.

 

Letzteres gelingt der Elektronik recht zuverlässig und schnell. In unserem Test schien der Tiguan bereits nach einem Augenzwinkern zu bemerken, dass wir uns plötzlich nicht mehr auf Asphalt, sondern auf nassrutschiger Wiese mit starkem Gefälle befanden. So gesehen taugt der Automatikmodus offensichtlich auch als ideale ‚Immer-an‘-Stellung.

Im Sprint aus dem Stand vergehen reichlich sieben Sekunden, bis die Hundertermarke geknackt ist – die Herstellerangabe erweist sich somit als realistisch. Danach rennt das Kompakt-SUV munter weiter und beendet den Vortrieb bei 210 km/h, die er relativ zügig erreicht und sich erst kurz vor der angegebenen Höchstgeschwindigkeit etwas mehr Zeit gönnt.

 

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Austauschbar wie Socken – die Infos im dynamischen Display sind vielfältig konfigurierbar.

 

Die Bremsen des VW Tiguan erwiesen sich als extrem stark, standfest und gut dosierbar. Diese erlauben auch bei forcierter Fahrweise das blitzschnelle Auffinden des exakten Druckpunktes, passend zur jeweiligen Situation. Eine Eingewöhnungszeit benötigt man daher beim Tiguan so gut wie gar nicht. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt.

Seine ihm per Modellzugehörigkeit eigenen Offroad-Gene zeigt das SUV neben Allrad und elektronischen Helferlein auch durch 20 Zentimeter Bodenfreiheit und je nachdem, welche Frontschürze man gewählt hat, kann der Tiguan auch über gröberen Stock und Stein rollen.

Es gibt nämlich – genau wie beim Vorgänger – die Qual der Wahl zwischen zwei Frontschürzen, wovon eine etwas mehr Geländetauglichkeit erlaubt und die andere den cw-Wert für mehr Straßeneinsatz optimiert.

 

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Zackig aber nicht barsch – das DSG überzeugt in jeder Fahrsituation.

 

Der Verbrauch unseres Testfahrzeugs lag im Durchschnitt bei etwas über neun Litern auf 100 Kilometern. Dabei bewegten wir das Kompakt-SUV in einem Drittelmix auf der Autobahn, über Land und im urbanen Bereich. Das sind gut zwei Liter mehr, als die mischkalkulierte Herstellerangabe verspricht. Dennoch ist der Verbrauch in Anbetracht der gebotenen Fahrleistung des Benziners und der Bauart des Tiguan als angemessen zu bewerten.

Nun gut, man kann bei extrem vorsichtiger Fahrweise und mit erfülltem Tatbestand der Verkehrsbehinderung sicherlich auch gut drei Liter weniger erreichen. Aber dann ohne jede Spur von Dynamik und eben auf die Gefahr hin, des Erregens öffentlichen Ärgernisses bei anderen Verkehrsteilnehmern.

Lässt man die Kuh so richtig fliegen, steigt der Verbrauch auch auf deutlich zweistellige Werte an. Das kann der Tiguan zwar problemlos, doch es wird wenige Tiguan-Besitzer geben, welche eine derartige Brechstangenfahrweise an den Tag legen. Sie nutzen eher das komfortorientierte Potenzial und nutzen die Kraftreserven nur in seltenen Fällen.

Positiv fiel uns die Start/Stopp-Automatik auf, welche im abgeschalteten Zustand auch auf Lenkimpulse reagiert und den Motor dadurch startet.

 

Ausstattung und Komfort

Ein ‚Highline‘ Ausstattungspaket steht bei Volkswagen für die bestmögliche Ausstattungsvariante. Demzufolge lies unser Testfahrzeug kaum Wünsche offen.

Erster Blickfang schlechthin ist das volldynamische Instrumentendisplay, welches sämtliche Infos und Instrumente in gestochen hoher Auflösung darstellt – mit teilweise beeindruckenden Animationen begleitet.

 

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Eine 2. Kartennavi? Kein Problem, dank dem virtuellen Display lässt sich dies machen.

 

Lenkrad- und Sitzheizung des Fahrers aktiviert man zunächst per Taste immer gemeinsam. Nur im Untermenü per Touchscreen, gelingt die Trennung der beiden Heizungen etwas umständlich.

Die elektrisch betriebene Heckklappe öffnet und schließt zügig und kann bei Bedarf auch aus der Position des Fahrers ferngesteuert werden – in dem Fall mit akustischer Warnung, um Kollisionen mit der Klappe zu vermeiden.

 

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Hintern und Hände mit einer Taste erwärmen – Trennen lässt es sich nur übers Display.

 

Ein farbiges Headup-Display wird auf eine ausfahrbare Kunststoffscheibe zwischen Lenkrad und Frontscheibe projiziert. Diese Variante ist die etwas kostengünstiger als Systeme, welche direkt auf das Frontglas projizieren.

In manchen Sitzpositionen – vor allem bei kleineren Personen, welche näher am Cockpit sitzen – empfand man diese Variante etwas zu nah sowie zu weit im Sichtfeld und dadurch störend. Zudem ist die aufgerichtete Projektionsscheibe von außen gut sichtbar.

 

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Was liegt denn da? Die HUD-Scheibe spiegelt sich von außen gut sichtbar.

 

Der mittig platzierte kapazitive Touchscreen mit Annäherungssensor zeigt sich als zentrales Bedien- und Informationscenter, worüber die meisten Bedienungen und Konfigurationen rund um das SUV getätigt werden.

Die Bluetoothverbindung mit mobilen Geräten funktioniert einwandfrei und gehört zum ‚Connectivity-Paket‘. Die Freisprecheinrichtung nutzt den Komfortmodus, bei dem der PIN-Code im System eingegeben werden muss. Dies ist bei jedem Fahrtantritt notwendig.

Nachteilig ist an der Stelle, dass man dies sehr leicht vergisst, da es vom System keinerlei Hinweis gibt und nur der Übernahmeprozess eingeleitet und auf die Eingabe der PIN gewartet wird. Nur wenn man sich im Menüpunkt ‚Telefon‘ befindet, sieht man dies – ansonsten nicht. Ebenso nachteilig ist dabei, dass ohne PIN-Eingabe das mobile Gerät nicht im Netz angemeldet wird. Man ist also nicht erreichbar. Hier wäre aus unserer Sicht eine priorisierte Aufforderung zur PIN-Eingabe dringend erforderlich.

Sehr gut gelöst ist die Übernahme von aktiven Telefongesprächen beim Einsteigen und Aktivieren der Zündung. In dem Fall wird das Gespräch sofort via Bluetooth auf die Freisprecheinrichtung gelegt. Nach Beendigung des Gesprächs entkoppelt sich das System und verlangt erst jetzt den PIN-Code zur Anmeldung.

 

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Weißlicht – die LED-Leselampen fluten auf Knopfdruck viel Licht auf den Lesestoff.

 

Die Ambientebeleuchtung unseres Testwagens war durch LEDs im kalten Weißton gegeben. Wir wünschten uns an der Stelle einen etwas angenehmeren, wärmeren Farbton. Eine Änderung der Farbgebung war leider nicht möglich, aber wenigstens die Intensität war justierbar. Und dies separat an den Seiten mit Türgriffbeleuchtungen oder den Fußraum vorne.

Die Arbeit des automatischen Parkassistenten kann man über die Rückfahrkamera oder wahlweise über die 360° Panoramaansicht beobachten. Letztere zeigt die Umgebung des Tiguans in einer aus vier Kamerapositionen errechneten, gestochen scharfen Draufsicht auf dem Bildschirm an. Für diesen Zweck stellen je eine Kamera im Frontgrill, im Heck und in den beiden Außenspiegeln ihre Echtzeitaufnahmen zur Verfügung.

 

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Überall Augen – auch im Frontgrill wacht eine Kamera.

 

Die vier Fensterheber mit Klemmschutz bewegen sich bei Betätigung wünschenswert sehr schnell in jede Richtung.

Das Navigationssystem ‚Discover Pro‘ erfreute mit einer sehr guten Kartendarstellung, schnellen Berechnungs- und Neuberechnungszeiten und einer angenehmen akustischen Routenführung. Auch die Sprachsteuerung funktionierte einwandfrei. In wenigen Schritten war die Zieladresse hierüber eingegeben und es konnte losgehen.

 

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Finger weg…

 

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…Finger dran. Bei Annäherung öffnet sich das entsprechende Untermenü.

 

Das Radiosystem ‚Composition Media‘ besitzt einen FM-Doppeltuner, ein MP3-fähiges CD-Laufwerk und die üblichen Schnittstellen wie USB, AUX-In und einen SD-Kartenslot. Das optional erhältliche DAB+ ist empfehlenswert, da es für eine deutliche Klangbesserung beim Radioempfang dank digitalem Modus sorgt.

Der Klang aus den acht Lautsprechern hörte sich linear und sehr neutral an. Keine übermäßig starken Höhen oder Tiefen lassen den Sound bei Musikrichtungen wie Rock, Hipp-Hopp oder Electronic Dance allerdings etwas kraftlos wirken. Wer gern Musik hört und dazu in dynamischen Genres, sollte sich vielleicht die 800 Euro Aufpreis gönnen und das Upgrade zum ‚DYNAUDIO Excite Surround‘ System in Erwägung ziehen.

 

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Frostschutz – auf den beiden Außensitzen wärmt optional eine Sitzheizung.

 

Hier steigt nicht nur die Leistung von 80 auf 400 Watt, sondern dank besserer Lautsprecher, 12-Stufen-Verstärker plus Equalizer und Subwoofer, erhält der jeweilige Ohrensatz ein opulentes Plus an Audioqualität.

Dank dem Winterpaket erfreuten sich Insassen an den Sitzheizungen auf den beiden Außensitzen der Rückbank. Auf der Rückbank war das Selbstbestimmungsrecht zudem auch auf die Klimatisierung ausgeweitet. Die Dreizonen-Klimaautomatik funktionierte in jeder Zone deutlich, schnell und frei von unangenehmem Zug.

 

Assistenzsysteme und Sicherheit

Das LED-Hauptlicht des VW Tiguan in zweiter Generation scheint wahrlich konkurrenzlos. Neben einer fulminanten Ausleuchtung glänzt das System mit einer exorbitanten Kurven- und Abbiegelichtstärke. Damit wird jede Nachtfahrt schon fast zum Kinderspiel.

 

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Hier in Standby – doch einmal in Betrieb, machen sie die Nacht zum Tag. LED-Scheinwerfer.

 

Sicherlich, auch der konstruktionsabhängigen Einbauhöhe ist dieser Umstand zu verdanken. Doch obgleich auch andere Hersteller diesen Vorteil besitzen, vermögen sie diesen nicht so effizient auszunutzen, wie es beim Tiguan der Fall ist.

Bei hohen Geschwindigkeiten hebt sich im sogenannten Autobahnmodus der Lichtkegel etwas an und ermöglicht dadurch eine noch höhere Reichweite. Dadurch werden auch Nachtfahrten bei hohen Geschwindigkeit deutlich entspannterer Natur.

Ein Totwinkelassistent zeigte Warnungen unübersehbar und extrem deutlich über die im Spiegelgehäuse integrierte LED-Leuchte an. Im Gegensatz zu herkömmlichen, im Spiegelglas verbaute Warnleuchten, strahlen diese um ein vielfaches heller und verhindern jedwede Form von Übersehen unter Garantie.

 

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Die beste Lösung für den Totwinkelassistenten. Mehr Aufmerksamkeit geht kaum.

 

Zudem warnt dieser Assistent auch vor schnell herannahenden Fahrzeugen von hinten. Setzt man trotz Warnung den Blinker, wechselt die Warnleuchte in ein stroboskopähnliches Blitzen für eine maximale Warnwirkung. Wir finden das weder übertrieben noch lästig – im Gegenteil, wir nennen diese Umsetzungsart sogar beispielhaft.

Der Parkassistent funktioniert, schaffte aber nicht immer ein hundertprozentig gerades Einparken, sondern ließ das SUV vereinzelt auch mal leicht schräg in einer Parklücke stehen. Doch das ist maximal ein Schönheitsfehler. Denn aus den gekennzeicheten Parkflächen ragte der Tiguan nie.

Sobald die Parksensoren vorn oder hinten ein Signal melden, wird die Audiolautstärke komplett weggeregelt. Ein Überhören ist dadurch ausgeschlossen.

 

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Hidden Sense – der Radarsensor versteckt sich hinter dem Emblem.

 

Fast sensationell fanden wir die Zuverlässigkeit des adaptiven Tempomats, welcher in jeder Hinsicht für eine Entlastung des Fahrers sorgte.Zudem zügelte er mit angenehmer Voraussicht das Tempo, wenn man auf einen langsamer fahrenden Vordermann traf. Keinerlei Überraschungsbremsung durch zu spätes Erkennenwährend unseres Testzeitraumes.

Vermisst haben wir an der Stelle nur eine Reaktion des Fahrzeugs, wenn die Regelung bis zum Stillstand erfolgte und es danach mit Zeitverzug weitergeht. Denn in dem Fall geschieht nichts. Gerade im Stau, wenn man längere Zeit steht, übersieht man schon mal leicht, dass es weitergeht. Konzernschwester Skoda hat da eine bessere Lösung anzubieten.

 

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Mitspracherecht im Fond – Selbstentscheider wird es freuen.

 

Der Lane-Assist hingegen arbeitet mit einem angenehmen Feedback in Form von dezentem Widerstand beim Lenkvorgang plus Vibration, wenn man eine Spurlinie ohne Blinkmanöver überfahren möchte.

Beim frischen NCAP-Crashtest erreichte der VW Tiguan volle fünf Sterne. Sowohl beim Insassenschutz für Erwachsene als auch für Kinder konnte das neue Modell zulegen. Besonders energisch erhöht wurde der Fußgängerschutz, der anstatt bei 48 Prozent des Vorgängermodells nun bei beachtlichen 72 Prozent liegt.

 

Varianten und Preise

Bei Interesse an einem VW Tiguan II, darf man sich an einer Vielfalt der Motorisierungen erfreuen. Insgesamt acht verschiedene Leistungsklassen buhlen um die Gunst des Käufers.

Vier Diesel und fünf Benziner bieten zusammen ein Leistungsspektrum von 125 PS bis 240 PS an. Der stärkste Motor ist nicht etwa wie erwartet ein Benziner, sondern ein Diesel mit Bi-Turbo-Aufladung. Der stärkste Benzinmotor besitzt ‚nur‘ 220 PS.

Diese beiden stärksten Motoren sind nur in Verbindung mit der Top-Ausstattungsvariante ‚Highline‘ verfügbar. Alle anderen Motoren sind auch in der Basisvariante ‚Trendline‘ und der ‚Comfortline‘ erhältlich.

 

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Der Testkandidat ist ein ‚Highline‘.

 

Die kleinste Motorisierung stellt ein 1.4-Liter TSI Benziner mit 125 PS dar, den man ausschließlich mit Frontantrieb erwerben kann. Bei allen anderen Modellen hat man die Wahl zwischen Frontantrieb oder Allrad ‚4Motion‘. Mit Ausnahme der beiden genannten Topmotoren, welche nur in Verbindung mit dem Allradantrieb ausgeliefert werden.

Geschaltet wird in der schwächsten Motorisierung ausschließlich manuell mit sechs Gängen. Sonst darf man wählen zwischen Handschaltung oder Doppelkupplungsgetriebe – beim 1.4 TSI mit 150 PS mit sechs Stufen, alle anderen mit sieben. Auch hier bilden die beiden Topmotoren die Ausnahme, da sie nur mit dem 7-Stufen-DSG erhältlich sind.

Die Motorenübersicht:

Benzin

  • 1.4 TSI 125 PS
  • 1.4 TSI 150 PS
  • 2.0 TSI 180 PS
  • 2.0 TSI 220 PS

Diesel

  • 2.0 TDI 115 PS
  • 2.0 TDI 150 PS
  • 2.0 TDI 190 PS
  • 2.0 TDI 240 PS

Der Einstiegspreis beginnt mit dem ‚Trendline‘ bei 26.575 Euro. Der ‚Comfortline‘ ruft mindestens 2.000 Euro mehr auf und der am besten ausgestattete ‚Highline‘ steht ab 34.775 Euro beim Händler.

Wählt man die ‚Highline‘ Ausführung in Verbindung mit der stärksten Motorisierung und lässt bei der Sonderausstattungsliste kein Kreuzchen aus, werden am Ende über 63.000 Euro erreicht. Dabei lässt die facettenreiche Ausstattung allerdings kaum noch Wünsche offen.

 

Was sagen die Kunden?

Diese Zusammenfassung bezieht sich ausschließlich auf den VW Tiguan der zweiten Generation und ist wie immer als nicht repräsentative Stimmungsanalyse in deutschsprachigen Netzwerken zu verstehen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Dem neuen Tiguan wird der Platz- und Raumzuwachs stets positiv bescheinigt. Ebenso wird das neue Design fast durchgehend gelobt. Besonders das R-Design scheint großen Zuspruch zu genießen und wird untereinander wärmstens als zusätzliche optische Aufwertung empfohlen.

Bei den Motoren werden vor allem der 2.0 TSI mit 180 PS sowie die Dieselvarianten ab 150 PS bevorzugt. Besitzer des stärksten Modells, dem 240 PS Diesel, kommen aus dem Schwärmen kaum heraus und erfreuen sich an der enormen Kraftentfaltung und den üppigen Kraftreserven.

Kritische Töne hört man zum Verhalten des 4Motion Allradantriebs, welcher sich beim starken Beschleunigen aus dem Stand mitunter etwas Zeit gönnt, bevor er die Kraft auf beide Achsen verteilt und es daher zu einem kurzzeitigen Durchdrehen der Vorderräder kommen kann. Dies konnten auch wir während unseres Tests beobachten.

Dass die Basisversion des neuen Tiguan noch mit herkömmlichen Halogenlicht angeboten wird, findet man von amüsant bis unverständlich, da nach einhelliger Meinung ein Auto in dieser Kategorie grundsätzlich mit modernen Leuchtmitteln ausgestattet sein sollte.

 

Fazit – Besser war ein Tiguan noch nie

Der neue VW Tiguan zeigt sich in der zweiten Generation deutlich gewachsen. Und das nicht allein in seinen Abmessungen, sondern auch bezüglich seiner Ausstattung mit allerlei Assistenzsystemen und dem Komfort zugutekommenden Features.

Bis ins Detail ist und kann es der neue Tiguan besser als sein Vorgänger. Lediglich den Materialeinsatz in Form von Kunststoffen erwartet man von einem selbst ernannten Platzhirsch unter den Kompakt-SUV eine Spur hochwertiger.

Dazu kämpft sein 4Motion zumindest beim harschen Anfahren mit kurzweiligen Traktionsdefiziten. Doch in der Summe kann er überzeugen – mit seiner Unauffälligkeit, Zuverlässigkeit und seiner ausgezeichneten Symbiose aus Komfort und Sicherheit.

 

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Platzhirsch ohne Röhren – der Tiguan markiert sein Revier mit anderen Vorzügen.

 

Der Fahrer eines Tiguan II bleibt in der Regel unaufgeregt und schätzt die intuitive Bedienung des Wolfsburgers vom ersten Moment an. Aufgrund einer sehr breiten Motorenpalette dürfte sich auch die Zielgruppe entsprechend breit aufstellen.

Eine empfehlenswerte Partie ist er in jedem Fall. Ob er seinen Anspruch auf den Platzhirsch beweisen kann, werden die nächsten Monate zeigen. Denn es stehen einige Konkurrenten aus dem eigenen Konzern in den Startlöchern oder rollen gerade frisch auf die Straßen. Doch die Messlatte hat der Tiguan ziemlich hoch angesetzt. Es bleibt in jedem Fall spannend.

 

Text/Fotos: NewCarz

 

 

Konkurrenz:
Seat Ateca, Skoda Kodiaq, Audi Q3, Peugeot 3008 GT, BMW X1, Hyundai Tucson, Renault Kadjar

 

Technische Daten: VW Tiguan Highline 4MOTION BlueMotion Technology 2,0 l TSI

Länge x Breite x Höhe (m): 4,49 x 1,84 (2,10 mit Außenspiegeln) x 1,67
Radstand (m): 2,68

Motor: Vierzylinder Turbo-Vierzylinder Benzinmotor mit Direkteinspritzung

Leistung: 132 kW (180 PS) bei 3.940 – 6.000 rpm

Hubraum: 1.984 ccm

Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1.500 bis 3.940 rpm

Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG

Antrieb: Allrad 4Motion

Kombinierter Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 7,1 L/100 km Super 95 ROZ

CO2-Emissionen: 170 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,7 Sekunden

Leergewicht: 1.862 kg

Kofferraumvolumen: 615 l als Fünfsitzer; 1.655 l bei umgeklappten Sitzen)

Höhe Ladekante: 72 cm

Kraftstofftank: 60 Liter

Preis des Testwagens: 47.810 Euro

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