Seat Leon ST X-Perience – neue Wege (er)fahren

Ein etwas höheres Fahrwerk, Allradantrieb und mit dezenten Applikationen versehen, präsentierte sich uns der Seat Leon ST X-Perience für einen umfangreichen Fahrzeugtest.

Durch all diese Eigenschaften soll sich diese Karosserievariante auch für Querfeldein-Routen eignen und auch abseits des urbanen Asphaltdschungels eine gute Figur machen. Insgesamt soll der Name Programm suggerieren. Experience, die Erfahrung in der Modellbezeichnung als Zeichen, dass der spanische Kombi auch für die unvorhersehbaren Dinge bereit ist.

Ob der iberische Kombi mit leichten Offroad-Genen eine beständige Erfahrung hinterlässt, erörtert unser nachfolgender Fahrbericht.

 

 

 

Exterieur – kantig, zackig, maskulin

Dazu augenscheinlich von allem genau die richtige Dosis. Nichts wirkt überladen und überschwänglich. Stilvoll gesetzte Kanten gefallen dem Betrachter genauso, wie die dezenten, jedoch nicht übersehbaren Designelemente aus dem Offroadbereich. Planken aus Kunststoff für den Kratz- und Schlagschutz zum Beispiel. Diese lassen den Gesamteindruck etwas burschikoser ausfallen als beim konventionellen Leon ST. Doch genau dies ist die Intention des Spaniers mit Sachkundenachweis für Wald und Wiesen. Auch wenn das sportive Augenmerk dadurch etwas verlorengeht.

 

Seat Leon ST X-Perience Front
Auch ohne „S“-Emblem wäre der Leon ST X-Perience klar als Seat erkennbar.

 

Mit der Seat-typischen Front und der bereits von weitem die Zugehörigkeit verratenden LED-Tagfahrleuchten-Signatur baut der X-Perience sofort Vertrauen auf und hält seine schlanke Erscheinung dank besagter Linienführung in deutlich kantiger Art über die gesamte Fahrzeuglänge aufrecht.

Der Dynamik spielen die nach hinten leicht abfallende Dachführung und die schräge Heckklappe in die Karten. Moderne LED-Heckleuchten, ein angedeuteter Unterfahrschutz sowie das zweiflutige Endrohr sichern diesen Eindruck auch bei der Heckansicht.

 

Seat Leon ST X-Perience Seitenansicht
Vorn wenig, hinten viel Überhang lässt den Kombi gedrungen wirken.

 

Unser Testwagen besaß eine Farbgebung in Mediterran Blau, welche ohne Aufpreis im Farbsegment des Konfigurators zu finden ist. Farbgebungen sind bekanntermaßen reine Geschmackssache. Es ist aus unserer Sicht dennoch nicht die erste Farbauswahl für dieses Auto und der Name scheint ebenso nicht diesen Farbton korrekt zu beschreiben. Dieses mit braunen Nuancen verunreinigt wirkende Kobaltblau suggeriert nicht die mediterrane Farbenpracht, welche man sich vorstellt, während man mit einem Mojito in der Hand an einem Mittelmeer-Strand verweilt.

 

Seat Leon ST X-Perience Heck
Unterfahrschutz angedeutet – optisch das Ziel erreicht.

 

Insgesamt wirkt der Seat recht kompakt, erscheint alles andere als ein Kombi-Dickschiff. Und dennoch beherbergt er erstaunlich viel Platz.

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Interieur – Verborgene Schätzchen

Den Innenraum des Seat Leon ST X-Perience erreicht man aufgrund der etwas höheren Sitzposition mit Leichtigkeit – der Einstieg gelingt mühelos. Erstaunlich, was 1,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit und die daraus resultierende, 3,5 Zentimeter höhere Sitzposition ausmachen können.

 

Seat Leon ST X-Perience Armaturenbereich
Make the Driver great again – mit fahrerorientiertem Cockpit.

 

Im Inneren überraschen bequeme Sitze, auf denen man nicht nur ausgesprochen gut sitzt, sondern zudem viel Platz für Kopf und Extremitäten findet – viel mehr, als von außen zunächst erwartet. Auch in zweiter Reihe sitzt man im Leon ST bequem. Nur der mittlere Sitzplatz sollte ausschließlich als Notlösung dienen. Mehr kann man dem kleinen Fleckchen Sitz und auch seinem Nutzer nicht zumuten. Ab einer Körpergröße über 1,85 nähert sich der Kopf dem Dach ungewollt schnell. Das Alcantara der Sitzflächen schmeichelt Rücken und Hinterteil, wirkt aber durch den braunen Farbton etwas disharmonierend.

 

Seat Leon ST X-Perience Vordersitze
Bequem mit Seitenhalt und viel Beinauflage – nur das Braun passt nicht so recht.

 

Dennoch überzeugen die Materialien durch ihre Qualität und Verarbeitung. Akzentuierende, sauber gearbeitete Nähte divergieren überall das Innenraummobilar.

Das Cockpit besitzt eine leichte Fahrerorientierung und der Armaturenbereich setzt die äußerliche Kantenführung asymmetrisch im Inneren des Kombi fort. Der zentral platzierte Touchscreen zeigt sein Bild hochaufgelöst und eine farblich anpassbare Ambientebeleuchtung sorgt für die gewünschte Stimmung.

 

Seat Leon ST X-Perience Ambientelight
Choose your Color – Ambientebeleuchtung in den Vordertürverkleidungen.

 

Das dick gepolsterte Multifunktions-Lederlenkrad dürfte jedem sportlich orientierten Fahrer gefallen. Es liegt satt und überaus griffig in der Hand, veredelt mit markanten Nähten und einer schicken „X-P“-Intarsie ist es zudem ein echter Eyecatcher. Mitunter fanden weibliche Mitarbeiter die Aufpolsterung etwas zu viel des guten. Ganz im Gegensatz zu den männlichen Kollegen.

 

Seat Leon ST X-Perience Lenkrad
Mann ist das dick Mann – herrlich griffiges Lenkrad für ambitionierte (Männer)Hände.

 

Ablagen gibt es im Leon ST genügend, jedoch vermissten wir Unterbringungsmöglichkeiten für größere Trinkflaschen. Für 1-Liter-Flaschen oder größer gibt es keinerlei Depots, was wir aufgrund der zumindest suggerierten Offroadmöglichkeit etwas vermissten.

Als echtes Highlight darf mit Sicherheit das großzügig angelegte Panoramaglasdach gelten. Aufgrund der etwas weit hinten beginnenden Verglasung hat man auf den vorderen Plätzen allerdings weniger davon, als erwartet. Dafür ist der Panoramablick auf den Rücksitzen phänomenal und ein geöffnetes Dach weckt hier sogar fast ein bisschen Cabriolet-Feeling.

 

Seat Leon ST X-Perience Panoramadach
Viel Licht und Sicht dank dem riesigen Panoramadach.

 

Der halbtransparente Sonnenschutz verdeckt auf Knopfdruck die Sonneneinstrahlung an heißen Tagen ausreichend. Sehr schön fanden wir an dieser Stelle, dass der Sonnenschutz auch bei vollständig geöffnetem Dach geschlossen werden kann.

 

Seat Leon ST X-Perience Sonnenschutz
Genial: Sonnenschutz, der auch bei offenem Dach geschlossen werden kann.

 

Bei einem Gesamtvolumen von 1.470 Litern muss man sich über fehlenden Laderaum nicht wirklich Sorgen machen. Auch wenn er damit keinen Lademeister mimen kann, so bietet er genügend Platz für die alltäglichen Anforderungen.

Merkwürdig hingegen fanden wir die Gestaltung der Griffmulde an der Heckklappe, für deren Nutzung man entweder akrobatische Handverdrehungen beherrschen sollte, oder sie einfach ignoriert und die Klappe mit dem Griff ans Außenblech schließt – inklusive der Gefahr auf verschmutzte Finger.

Bei der Rundumsicht kann der Seat Leon ST X-Perience bis auf den Blick in die Außenspiegel die volle Punktzahl einheimsen. Der Kombi mit hypothetischer Feldwegvignette bietet in alle Richtungen genügen Sicht und hält tote Winkel auf ein Minimum beschränkt. Nur die spitz verlaufenden Außenspiegel besitzen wenig Spiegelglasfläche, wodurch der rückwärtige Blick nur unterdurchschnittlich Informationen vermittelt.

 

Seat Leon ST X-Perience Rückbank
Lieber zwei statt drei – der mittlere Platz ist eher eine Notlösung im X-Perience.

 

Ein Quäntchen näher an die Note eins sichern an dieser Stelle die unterstützenden Assistenzsysteme, zu denen wir später kommen.

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Motorisierung und Fahreigenschaften – Kraftvoll auf vier Beinen

Als Herz unseres Testwagens schlug ein 2.0-Liter TDI mit 184 PS und 380 Newtonmetern Drehmoment unter der Haube. Sehr passend zu dieser Umschreibung pulsiert der Startknopf in einem wohlig ruhigen Sinusrhythmus in tiefem Rot und weist somit dezent auf den Platz der Aktivierung des Selbstzünders.

 

Seat Leon ST X-Perience Motorraum
Durchtrainiert – der 184 PS Diesel macht dem Seat ordentlich Beine.

 

Der Motor läuft im Kaltstart etwas rau, was sich allerdings nach wenigen Augenblicken deutlich verbessert. Im Winter wird es bei kälteren Temperaturen sicherlich etwas länger dauern, aber nach weniger als fünf Minuten sollte der TDI seine ansonsten zurückhaltende Natur gefunden haben.

Als stärkster Diesel verrichtet der Motor erwartungsgemäß souverän seine Arbeit und schiebt den Seat Leon ST X-Perience kräftig – falls nötig, über alle vier Räder – an. Im Zusammenspiel mit dem Doppelkupplungsgetriebe steht so gut wie immer mehr Leistung als nötig zur Verfügung. Fakt ist, mit dieser Motorisierung ist im Leon der Fahrspaß fest gebucht.

 

Seat Leon ST X-Perience Schaltknauf
Sechs Stufen mit teilweise weiter Spreizung – das DSG im X-Perience.

 

Das Schaltverhalten des 6-Stufen-DSG hängt stark vom Fahrmodus ab. Im Normalbetrieb neigt das in höheren Gängen weit gestufte Doppelkupplungsgetriebe zu sehr zeitigem Hochschalten. Da ist man auch schon mal mit nur 1.200 Touren unterwegs, was den Motor dann auch zum untertourigen Brummen neigen lässt. Dies fanden wir nicht unbedingt dem Fahrkomfort zuträglich. Zudem benötigt der Seat für Zwischenspurts dann eine großzügige Gedenksekunde, bevor er sich gesammelt hat und für dann umso mehr Vortrieb sorgt.

Eine Auffälligkeit war die Positionierung des Bremspedals gegenüber des Gaspedals. Letzteres war um einiges weiter vorgelagert, woraus sich ein weiter Weg für den Fuß abzeichnet, wenn man vom Gas zur Bremse wechselt. Dies ist in alltäglichen Situationen sicherlich vernachlässigbar, in Gefahrensituationen jedoch nicht unbedingt vorteilhaft.

 

Seat Leon ST X-Perience 4Drive
Brauch keinen Asphalt – dank 4Drive mag der X-Perience auch losen Untergrund.

 

Dank Allradantrieb „4Drive“ verliert der Leon selten die Haftung zur Fahrbahn. Nur bei blitzschnellen Starts auf gripunfreundlichem Untergrund verlieren die Vorderräder kurzzeitig die Contenance, bevor das übrigens auch sonst erfreulich schnell reagierende Haldex die Hinterachse in die Übertragungsaufgaben einbezieht.

Kurvenreiche Strecken liegen dem Leon ST X-Perience besonders gut. Auch wenn er sich spürbar zum kurvenäußeren Rand neigt, behält er sehr souverän – nicht zuletzt dank dem Allradantrieb – den Kontakt zur Straße. Ein weiterer Garant für Kurvenspaß ist seine direkte Lenkung, welche bei höheren Geschwindigkeiten zunehmendem Kraftaufwand bedarf und jederzeit detaillierte Rückmeldungen von der Fahrbahn vermittelt.

 

Seat Leon ST X-Perience Dieseltank
Lehnt den Biotrend ab – verzehrt ausschließlich konventionellen Diesel.

 

Kleiner Tipp: Wer gerne den Sportmodus wählt, sollte auch die vorhandenen Schaltwippen benutzen, welche bei dieser Motor-Getriebekombination richtig Spaß machen und dem Sportfeeling ein bisschen die Krone aufsetzt.

Insgesamt wirkt der Seat straffer und agiler als beispielsweise sein Pendant Skoda Octavia Scout. Dennoch ist keine Spur von fehlendem Fahrkomfort vorhanden. Im X-Perience spult man problemlos auch mehrere hundert Kilometer am Stück ab, ohne dabei die Nerven aufgrund fehlender Reisetauglichkeit zu verlieren.

 

Seat Leon ST X-Perience Rad
Zuverlässig – hinter den bildschönen X-PRIENCE II Rädern liegen die standfesten Bremsen.

 

Dank der schmalen Erscheinung des Seat prädestiniert er sich zum Einsatz in verkehrsengen Großstädten, wo er sich leichter rangieren und manövrieren lässt, als manch anderer Kandidat aus diesem Fahrzeugsegment. Elektrisch einklappbare Spiegel wären zusätzlich ein wichtiges Kreuzchen auf der Ausstattungsliste, dann verlieren auch engste Parklücken und Parkhäuser ihre Schrecken.

Zur Bremsanlage möchten wir sagen, dass sie neben ihrer exakten Dosiermöglichkeit auch eine hervorragende Standfestigkeit vorweist. Fading konnten wir während unseres Tests, in Form von drei aufeinanderfolgenden Bremsungen aus hohen Geschwindigkeiten bis zum Stand, zu keinem Zeitpunkt bemerken.

Den vom Hersteller angegebenen kombinierten Verbrauch von 5,4 Liter auf 100 Kilometer konnten wir nur erreichen, wenn wir mit ungefähr 110 km/h auf der Autobahn fuhren – ohne dabei auch nur einmal das Gaspedal hartnäckig zu bedienen. Dies entspricht nicht unbedingt der Praxis. Im Test aus einem Mix aus Stadt und Land schwankte er bei gut sieben Litern, sowie bei knapp neun Litern auf der Bahn, wenn man eine sehr zügige Fahrweise praktiziert. Beides geht aus unserer Sicht aufgrund der gebotenen Leistung absolut in Ordnung.

 

Seat Leon ST X-Perience Kombiinstrument
Ohne Flunkern – bei Zurückhaltung reicht die Tankfüllung auch über 700 km.

 

Die Fahrgeräusche halten sich bis zu einer Geschwindigkeit um die 140 angenehm zurück. Ab dieser Geschwindigkeit buhlt der Fahrtwind immer deutlicher um seine Aufmerksamkeit.

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Assistenz, Technik, Sicherheit

Der Seat Leon ST X-Perience befindet sich ebenso wie sein Pendant ohne X im oberen Mittelfeld, was aktuelle Assistenzsysteme und deren Leistungsfähigkeit betrifft.

Dreh- und Angelpunkt stellt das optional erhältliche Media System Plus mit zentralem 8-Zoll Touchscreen dar, über den man sämtliche Informationen und Einstellungen vornehmen kann. Ein Annäherungssensor fehlt dem Bildschirm zwar, aber ansonsten stellt er so ziemlich genau die vom Volkswagenkonzern gewohnte Bedienungsumgebung zur Verfügung. Dabei fehlt in einigen Untermenüs – insbesondere im Setupbereich – eine „Zurück“-Funktion, was die Bedienung unnötig erschwert.

 

Seat Leon ST X-Perience Touchscreen
Gut ablesbar, doch mit etwas hakeliger Menüführung – der 8-Zoll-Screen.

 

Das Navigationssystem Plus arbeitet sehr schnell, auch die TMC-Daten werden allzeit zügig berücksichtigt. Dabei errechnet das System alternative Routen auch so schnell, dass man an kritischen Knotenpunkten sehr fix die neue Route auf dem Bildschirm angezeigt und auch angesagt bekommt. Auffällig ist, dass nach Start einer Routenführung per Sprachbefehl, der Touchscreen nicht automatisch die Navigationskarte anzeigt, sondern genau da im Menü verbleibt, wo man vorher war.

 

Seat Leon ST X-Perience Navi
Die glorreichen Zehn – mehr Sonderzielthemen werden nicht angezeigt.

 

Eine umfangreiche Sammlung von Sonderzielen kann man sich zusätzlich auf dem Kartenmaterial anzeigen lassen. Allerdings ist das Maximum auf zehn begrenzt, wobei es deutlich mehr gibt. So ergibt sich die Qual der Wahl bei der Auswahl der jeweilig persönlichen Favoriten.

Der verlässliche Spurhalteassistent im Seat Leon ST X-Perience gefiel durch seine Exaktheit und den dezenten, jedoch spürbaren Eingriff beim Verlassen der jeweiligen Spur. Fehlinterpretationen blieben während unseres Testzeitraumes vollständig aus – sehr erfreulich.

 

Seat Leon ST X-Perience schräg hinten
In der Spur – durch den Spurhalteassistent gelingt die Spurtreue fast immer.

 

Eines der Highlights am spanischen Kombi sind seine Voll-LED-Scheinwerfer. Ihre Lichtausbeute zeigt eindrucksvoll, was aktuell mit dem Einsatz von Emitterdioden machbar ist. Eine gleichmäßig helle Ausleuchtung trifft hier eine hervorragende Reichweite – das Autobahnlicht ist bei dieser Einbauhöhe fast schon einzigartig. Hochgeschwindigkeitsfahrten bei Nacht auf der Autobahn? Kein Problem! Der Lichtsensor – eingestellt auf frühzeitige Reaktion – reagierte dann auch sehr sensibel und schaltete bei kleinsten Helligkeitsunterschieden das Hauptlicht hinzu. Da genügte mitunter eine schattige Straßenallee an einem ansonsten sonnigen Tag.

 

Seat Leon ST X-Perience LED-Scheinwerfer
Erleuchtend – die LED-Hauptscheinwerfer erweisen sich als kompromisslos souverän.

 

Die zweifach geknickte Lichtsignatur des LED-Tagfahrlichts vermittelt zielgenau die Markenzugehörigkeit und wechselt beim Aktivieren des Blinkers in ein feuriges Orange – so hell, dass es bei Dunkelheit reflektierende Verkehrsschilder in blinkende Dance-Club-Spots verwandelt.

Sehr vorbildlich zeigten sich die akustischen und visuellen Park- und Rangierhilfen in Form von Ultraschallsensoren mit großer schematischer Darstellung, sowie eine Rückfahrkamera für die qualitativ sehr gute Bildübertragung der Ereignisse am Heck in Echtzeit.

 

Seat Leon ST X-Perience Parksensoren
Bereits ohne Kamerabild sorgt das Sensorensystem für viel Überblick.

 

Der dank Radarlinse selbstständig Abstände einhaltende Tempomat – bei Seat Automatische Distanzregelung ACC getauft – konnte uns vollkommen überzeugen und bewerkstelligte den Einsatz auf der Autobahn und auf ausgebauten Bundesstraßen erstklassig und ohne nervöse Fehlinterpretationen. Bestandteil des Assistenzsystems ist auch ein City-Notbremsassistent – bei Seat „Front Assist“ genannt.

 

Seat Leon ST X-Perience Radarsensor
Offen für alles – der Radarsensor dürfte im Winter bei Schneefall schnell den Dienst quittieren.

 

Ein weiterer wichtiger Assistent, den man getrost als den kleinen Bruder des adaptiven Tempomats betrachten kann, fehlt leider im Seat Leon ST X-Perience: der Totwinkelassistent.

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Ausstattung und Komfort – Finca mobile

Auf Annehmlichkeiten muss man im Seat Leon ST X-Perience wahrlich nicht verzichten. Spätestens beim Nutzen der optionalen Möglichkeiten bleiben kaum noch Wünsche offen.

Konnektivität mit Mobilgeräten aller Art sichert der Spanier durch Full Link, MirrorLink, Android Auto und Apple CarPlay. Dazu beherrscht er die Schnittstellen Bluetooth, AUX-In und zweifach USB. Zudem kann man kabellos ladbare Smartphones auf dem rutschfesten induktiven Ladefeld in der Mittelkonsole mit Energie versorgen. Wäre die Ladefunktion zusätzlich abschaltbar, gäbe es hier die volle Punktzahl.

 

Seat Leon ST X-Perience Induktives Laden
Charging Cave – die Ladestation könnte man erst einmal übersehen…

 

Seat Leon ST X-Perience kabellos Laden
…einmal gefunden, möchte man sie aber nicht mehr vermissen.

 

Die Bluetooth-Freisprecheinrichtung funktioniert tadellos und die Verständigung ist selbst bei hohen Geschwindigkeiten sicher und deutlich.

Wer gerne Musik hört, sollte die in Anbetracht des Gebotenen fast lächerlich erscheinenden 360 Euro Aufpreis für das Seat-Sound-System unbedingt investieren. Was dieses System leistet, hat unsere Redakteure durch die Bank beeindruckt.

Das Soundwerk besteht aus einem 6-Kanal Verstärker mit einer Gesamtleistung von nicht einmal monströsen 135 Watt. Verteilt auf zehn Lautsprecher inklusive Subwoofer in der Reserveradmulde, bietet das System einen derart feinen und kraftvollen Hörgenuss, dass so manch andere, bedeutend stärkere Anlagen – auch namhafter Marken – in den Schatten gestellt werden können. Dieses kleine Preis-Leistungs-Wunder ist eine klare Empfehlung.

 

Seat Leon ST X-Perience Subwoofer
Macht Druck – Subwoofer in der Reserveradmulde.

 

Die Sitzheizungen der Vordersitze haben mit den Alcantarabezügen leichtes Spiel und entfalten ihre Wärmewirkung bereits nach weniger als einer Minute spürbar.

Die Sprachsteuerung funktioniert zuverlässig, versteht das Gesprochene so gut wie in jedem Fall fehlerfrei und führt schnell und ohne größere Missverständnisse zum gewünschten Bereich.

Der Schlüssel darf dank der Keyless-Funktion in der Tasche verbleiben und der erhöhte Kombi lässt sich durch Sensoren an den – leider nur vorderen – Türen ver- und entriegeln.

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Varianten und Preise

Wer 3,5 Zentimeter höher als im Seat Leon ST sitzen möchte, kommt am X-Perience nicht vorbei. Diesen gibt es mit fünf verschiedenen Motorisierungen. Davon zwei Benziner und drei Diesel:

  • Benzinmotor 1.4 TSI mit 125 PS, Frontantrieb und 6-Gang-Schaltgetriebe; ab 24.850 Euro
  • Benzinmotor 1.8 TSI mit 180 PS, Allrad und 6-Gang DSG; ab 31.510 Euro
  • Dieselmotor 1.6 TDI mit 115 PS, Frontantrieb und 5-Gang-Schaltgetriebe; ab 27.460 Euro
  • Dieselmotor 2.0 TDI mit 150 PS, Allrad, wahlweise 6-Gang-Schaltgetriebe oder 7-Gang DSG; ab 30.860 Euro
  • Dieselmotor 2.0 TDI mit 184 PS, Allrad und 6-Gang DSG; ab 34.430 Euro

Der Einstiegspreis scheint auf den ersten Blick attraktiv, doch wer auf die vielen Möglichkeiten der Optionsliste nicht verzichten möchte, muss einige Tausender mehr kalkulieren. So kommt man beim größten Diesel schnell über 45.000 Euro Gesamtkosten – ohne Garantieverlängerung und Zubehör.

 

Seat Leon ST X-Perience Silhouette
Aufgeladen, aber mit Turbodruck. Der große Diesel passt hervorragend zum Kombi.

 

Apropos Garantie: Hier bleibt der Spanier eher eine graue Maus. Neben der zweijährigen Herstellergarantie gibt es die Möglichkeit einer kostenpflichtigen Verlängerung dieser in jährlichen Schritten bis auf insgesamt fünf Jahre oder 150.000 Kilometer Laufleistung – je nachdem, was eher erreicht wird.

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Was sagen die Kunden?

Im Netz spiegeln sich wiederholt einige Aspekte wider, welche auch uns auffielen. So herrscht ein gewisser Unmut zu den Farbkombinationen bei Seat – insbesondere das ausschließlich in Braun erhältliche Alcantara steht oftmals in der Kritik. Andererseits schwören Besitzer des Alcantarabezugs auf dessen hervorragende Haptik und Rutschfestigkeit.

Durchgehende Lobhuldigung erfährt das – aus unserer Sicht in der Tat grandios klingende – Seat-Sound-System, genauso wie der allzeit gripgarantierende Allradantrieb, welcher die Kraft fast verlustfrei auf den jeweiligen Fahrbahnbelag überträgt.

 

Seat Leon ST X-Perience schräg
Die Kunststoffplanken nehmen ihm ein bisschen die Dynamik.

 

Entgegen der aktuellen Dieseldiskussion scheinen die zwei stärkeren Varianten des Selbstzünders nach wie vor sehr beliebt. Vor allem der große Diesel weiß durch seine kraftvolle Durchzugsstärke zu begeistern und erntet viel Zuspruch.

Bei Modellen ohne DCC und normaler Verbundlenkerhinterachse wird das mitunter polternde Verhalten selbiger gerügt.

Nicht selten wird der Seat Leon ST X-Perience mit dem Skoda Octavia Scout verglichen, was diesen zu einem Hauptkonkurrenten etabliert – immerhin aus demselben Konzern.

Diese Zusammenfassung bezieht sich ausschließlich auf den Seat Leon ST X-Perience – Stand Juni 2017 – und darf wie immer als nicht repräsentative Stimmungsanalyse in deutschsprachigen Netzwerken verstanden werden. Nur Mehrfachbenennungen werden aufgeführt. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Fazit – Este multitalento

Das ist er – der Stock-und-Stein-Kombi, der auf der befestigten Straße die beste Figur macht, aber eben auch die Möglichkeit bietet, mal von einer der aalglatten Asphaltadern abzufahren, um mit allen Vieren den provinzialen Staub – quasi den Kondensstreifen der Farmer – hinter sich herzuziehen.

Doch eigentlich ist der Seat Leon ST X-Perience viel zu schade dafür. Er besitzt eine geringe, aber spürbar höhere Sitzposition und erleichtert dadurch nicht nur das Ein- und Aussteigen, sondern ermöglicht auch einen klein wenig besseren Überblick. Dadurch punktet der Kombi auf Zehenspitzen auch in urbaner Umgebung. Zusätzlich zeigt er eine für diese Bauart recht schmale Erscheinung, was ihn ebenfalls für den engen städtischen Raum prädestiniert.

Und für alle die kein SUV mögen, aber ein bisschen Offroadoptik dennoch gutheißen, ist dieser X-Perience womöglich genau das, wonach sie bislang suchten.

 

Seat Leon ST X-Perience on way
Macht sein Ding – und das unkompliziert und sympathisch.

 

Solide verarbeitet und mit einer umfangreichen Ausstattung profiliert er sich zudem zum Reisemobil. Der niedrige Einstiegspreis täuscht über die dann doch stark das Budget belastende Ausstattungsliste hinweg, was man in jedem Fall im Vorfeld im Auge behalten sollte.

Das Gesamtpaket wirkt stimmig und somit ist der Seat Leon ST X-Perience kein Geheimtipp, sondern eine offene Empfehlung – für die junge Familie genauso wie für den Lifestylesportler, den Hobbyfotografen oder den Forstarbeiter. Die möglichen Einsatzbereiche sind so facettenreich, wie die Ausstattungsliste des X-Perience.

 

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Text/Bilder: NewCarz

 

Konkurrenz:
Skoda Octavia Scout, Subaru Levorg, Golf Variant 4motion, Volvo V60 Cross Country

 

 

Technische Daten: Seat Leon ST X-Perience 2.0 TDI 4Drive

Farbe: Mediterran Blau Uni

Länge x Breite x Höhe (m): 4,54 x 1,82 (1.97 mit Außenspiegel) x 1,48

Radstand in mm: 2.630

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel 2.0 TDI

Leistung: 135 kW (184 PS) bei 3.500 bis 4.000 rpm

Hubraum: 1.968 ccm

Max. Drehmoment: 380 Nm bei 1.750 bis 3.250 rpm

Getriebe: 6-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe DSG

Antrieb: Allrad 4Drive

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 5,4 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 7,2 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 139 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,1 Sekunden

Leergewicht: 1.529 kg

Laderaumvolumen: 587 Liter (1.470 Liter bei umgeklappten Rückenlehnen)

Kraftstofftank: 50 Liter

Neupreis des Testwagens: ca. 42.916 Euro

 

 

 

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