Land Rover Discovery D250 – Einstieg als Tausendsassa

Land Rover Discovery D250

Der hier getestete Land Rover Discovery D250 ist das jüngste Facelift einer nunmehr 33-jährigen Laufbahn dieses Modells.

Insgesamt fünf Generationen beinhaltet die Modellhistorie und bis dato handelt es sich beim „Disco“ – wie ihn seine Fans liebevoll betiteln – um einen echten Geländewagen.

Daher sollte man ihn lieber nicht als SUV oder ähnliches bezeichnen. Dass der Discovery über seine Generationen hinweg einen deutlichen Evolutionsschub durchlebte, ist unübersehbar. Vom pragmatischen Geländegänger mutierte der britische Bolide zu einem luxuriösen Fahrzeug, welches sich unter dem Range Rover einordnet.

Wir haben dieses Modell bereits als D300 getestet. Unser Protagonist rollte in der Ausstattung „SE“ auf unser Testgelände und wurde von einem Diesel mit 249 PS angetrieben. Ist dies genug für den Disco? Oder sollte es besser der D300 sein? Oder keiner von beiden? Unser Fahrbericht gibt Aufschluss.


 



 

Exterieur und Interieur – Bleib bei deinen Leisten

So wie man dem Schuster rät, seine Stärken als Basis seines Tuns zu betrachten, hat man beim Land Rover Discovery unabhängig vom Antrieb oder der Ausstattung eine Analogie der Optik praktiziert. Will heißen, dass man die Modelle ohne Badges an der Heckklappe nicht unbedingt voneinander unterscheiden kann.




Der Discovery ähnelt dem Range Rover vor allem von vorne deutlicher denn je, präsentiert dem Betrachter in der Seitenansicht einen eigenständigen Look, der massiv und charismatisch erscheint und den Disco allein durch seine Bodenfreiheit und dem Platz in den Radhäusern klar als geländetauglich identifizieren kann.

Das Heck bleibt weiterhin asymmetrisch sortiert und der hochbeinige Eindruck wird durch die Auswahl eines der Geländeprogramme, wobei die Luftfederung die Karosserie anhebt, noch intensiver.




Im Interieur werden viele Ähnlichkeiten mit anderen Modellen aus dem Hause Jaguar Land Rover erkennbar. Wer ein aktuelles Modell der Marken kennt, findet sich auch im Disco sofort zurecht. Trotz einer breit angelegten Mittelkonsole bleibt das Raumgefühl fulminant. Das gilt auch für die zweite Sitzreihe, auf der auch große Zeitgenossen bequem selbst stundenlange Touren genießen können.


Ausstieg 7-Sitzer
Auch das Aussteigen von den Plätzen sechs und sieben erfordert etwas Akrobatik.



Bei unserem Testwagen handelte es sich um einen 7-Sitzer, der als dritte Sitzreihe zwei Einzelplätze offeriert, die bei Nichtgebrauch im Kofferraumboden versenkt bleiben. Selbst auf diesen sitzt man als Erwachsener recht bequem. Allerdings sollte man nicht Clubmitglied im „2-Meter-e.V.“ sein und der Zustieg erfordert auch kleineren Erwachsenen etwas Gelenkigkeit ab.




Nichtsdestotrotz eignet sich der Land Rover so auch als vollwertiges Reisegefährt für sieben Personen. Bleiben die Sitze der dritten Reihe im Boden, bleibt er auch als Lastesel geeignet. Als 7-Sitzer schrumpft der Kofferraum auf ein Ablageniveau. Doch als 5-Sitzer passen bereits knapp 1.000 Liter hinein und klappt man auch die Lehnen der zweiten Sitzreihe um, wächst das Volumen auf fast 2.000 Liter.


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Motor und Fahreigenschaften – Reihensechser bleibt Reihensechser

Er ist und bleibt ein Pfund im Antriebsportfolio für den Land Rover. Der Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum generiert als Turbodiesel 249 PS sowie 570 Newtonmeter maximales Drehmoment. Es ist der gleiche Motor wie im D300 und im D350, der allerdings den Range Rover Modellen vorbehalten bleibt; die jeweilige Leistung wird nur durch die Motorsteuerung bestimmt.


Motorraum
Der 3.0-Liter-Reihensechszylinder ist ein Multitalent mit erstklassiger Laufkultur.



Die Laufkultur ist exzellent und wer es nicht weiß, wird diesen Motor rein akustisch kaum als Diesel enttarnen können. Dazu kommt ein frühzeitiger Einsatz des maximalen Drehmoments, welches hier ab 1.250 Touren anliegt. Die 80 Newtonmeter weniger gegenüber dem D300, kompensiert der D250 durch einen früheren Abruf dieser Torsionskraft. 1.250 Touren stehen 1.500 Touren gegenüber – im Vergleich ist die Kraftentfaltung subjektiv nahezu identisch. Steigen die Drehzahlen, ist der Leistungsunterschied dann etwas deutlicher zu spüren.


Wählhebel
Der kleine Knubbel steuert das sahnig arbeitende Automatikgetriebe mit seinen neun Stufen.



Doch von Leistungsdefiziten ist der D250 meilenweit entfernt, er sorgt vielmehr für einen allzeit souveränen Vortrieb. Der Land Rover Discovery D250 benötigt eine reichliche Sekunde länger für den Sprint von null auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 194 km/h exakt 15 Stundenkilometer unter der des D300.

Die Kraft wird durch eine sehr präzise und komfortabel arbeitende 9-Stufen-Automatik sortiert und auf alle vier Räder verteilt. Entsprechend zuverlässig ist das Traktionsverhalten des Landys. Der getestete Disco federte mit einer adaptiven Luftfederung so gut wie jede Unebenheit auf befestigten Fahrbahnen weg. Eine zusätzliche Wankneigungskontrolle unterbindet derweil Schaukel- und Nickbewegungen der Karosserie.




Dadurch wird der Brite zum Langstreckenmeister und wirkt auf asphaltierten Wegen keineswegs wie ein Geländewagen. Dagegen tut er dies im Off mit Nachdruck. Dank mehrerer spezieller Fahrprogramme für den Offroad-Betrieb plus einem zweistufigen Verteilergetriebe zur Untersetzung sowie einem Sperrdifferenzial an der Hinterachse – dieses kostet 1.275 Euro extra – beherrscht der Brite auch das Felsenkriechen oder Wasserdurchfahrten. Das sogenannte Wade-Sensing misst dabei die Wassertiefe, die beim Disco bis zu 90 Zentimeter betragen darf.




Da die Leistungsabgabe des D250 und des D300 recht ähnlich ausfällt, waren wir besonders auf das Thema Verbrauch gespannt. Hier gab es dann auch eine Überraschung. Bereits auf dem Papier sieht man, dass die Werksangabe des Durchschnitts mit 8,3 Litern auf 100 Kilometer bei beiden Modellen gleichauf liegt.


Sparrunde Verbrauch Land Rover Discovery D250
Trotz weniger Leistung verlangte der Disco als D250 einen halben Liter mehr auf der Sparrunde.



Im Praxistest war dies allerdings nicht so. Statt der 8,8 Liter im D300 ermittelten wir hier mit D250 als Antrieb einen Durchschnitt von 9,6 Litern auf 100 Kilometer Fahrstrecke. Selbst auf der Sparrunde unterlag der D250 mit 6,5 Litern dem D300 um einen halben Liter. Alles Ergebnisse, die wir so nicht unbedingt erwartet hätten.


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Ausstattung, Komfort, Technik

Als Discovery „SE“ besitzt der Brite neben der beschriebenen elektronischen Luftfederung auch ein doppeltes Glasschiebedach, große 21-Zoll-Räder, lederbezogene Vordersitze mit 18-facher Verstellmöglichkeit und LED-Scheinwerfer als Serienausstattung.


LED-Scheinwerfer
Trotz „Premium“ im Namen bieten die LED-Scheinwerfer nicht das, was die Matrix-LEDs leisten.



Letztgenannte werden bei Land Rover als Premium-LED-Scheinwerfer tituliert, doch sind diese den gegen Aufpreis erhältlichen Matrix-LED-Scheinwerfern deutlich unterlegen. Vor allem die Helligkeit kann hier nicht mithalten und eigenartigerweise war das Fernlicht deutlich dunkler als das Abblendlicht und legte sich wie eine zweite schwächere Lichtquelle über den Lichtkegel des Abblendlichts.




Für optimale Vernetzung sorgt das Infotainment mit permanenter Onlineverbindung sowie Android Auto und Apple CarPlay – beides blitzschnell verbindend und vor allem kabellos nutzbar. Sogar Alexa kann als Sprachassistent aktiviert werden. Um diese und andere Online-Funktionen zu nutzen, ist ein Datenpaket erforderlich, welches für 210 Euro angeboten wird und ein Jahr lang monatlich 20 GB Datenvolumen beinhaltet. Alternativ kann das eigene Mobilgerät als Hot Spot herangezogen werden.

Neben einem Abstandstempomaten mit zuverlässiger und sicherer Funktionalität, unterstützen den Fahrer auch ein Totwinkelassistent, ein Müdigkeitswarner und eine Verkehrszeichenerkennung.




Für die dritte Sitzreihe verlangt Land Rover übrigens knapp 1.500 Euro extra. Die Anhängerkupplung am Testwagen kann elektrisch ein- und ausgefahren werden. Diese ist im Trailerpaket zusammen mit  dem All-Terrain-Progress-Control, der Terrain Response Control  und einem Anhängerassistenten für knapp 2.000 Euro auf der Optionsliste zu finden. Der Land Rover Discovery D250 ist ein echtes Zugpferd und kann bis zu 3,5 Tonnen ziehen. Die Stützlast von 150 Kilogramm ermöglicht auch dicke Brocken an den Haken nehmen zu können.


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Der Preis des Land Rover Discovery D250

Seit dem aktuellen Modelljahr haben alle Modelle den Zusatz „R-Dynamic“ erhalten, die unter anderem mit diversen sportiven Applikationen wie schwarzen Details am Exterieur einhergeht. Dadurch wurde auch der stets mit Allrad ausgestattete Land Rover Discovery D250 etwas teurer.

Der kleinere Diesel startet statt vorher 72.000 Euro nun bei 75.600 Euro in der Basisausstattung „R-Dynamic S“. Das sind immer noch 4.600 Euro weniger als für einen D300 fällig werden. Rein rechnerisch könnte man so bei einem Literpreis für Diesel von 2,00 Euro anstelle des D300 einen D200 kaufen und das gesparte Geld würde für knapp 24.000 Kilometer reichen.


Land Rover Discovery D250
Für einen „Dreiviertel Riesen“ – Den Discovery gibt’s aktuell ab gut 75.000 Euro als D250.



Den Land Rover Discovery D250 gibt es außerdem noch als „R-Dynamic SE“ ab 80.100 Euro und als „R-Dynamic HSE“ ab 88.000 Euro.


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Fazit – Luxuriöser Offroader

Der Land Rover Discovery D250 gilt als Einstiegsmotorisierung für den Geländewagen, doch er ist viel mehr als das. Der Sechszylinder ist überaus kultiviert und lässt das Gesamtpaket des Offroaders sehr luxuriös erscheinen. Der Abstand zum Range Rover wurde insgesamt betrachtet deutlich kleiner.

Das schlägt sich entsprechend auch im Preis nieder und zeigt, dass man vom pragmatischen Geländegänger weiter entfernt ist als je zuvor. Der Disco beherrscht befestigtes und unbefestigtes Terrain mit Bravour, verwöhnt die Insassen mit jeder Menge Annehmlichkeiten und steht technologisch sattelfest im Hier und Heute.


Land Rover Discovery D250 schräg hinten rechts
Universaltalent – Er kann Onroad und Offroad gemeinsam so gut wie kaum ein anderer seiner Klasse.



Als D250 kann man gegenüber dem D300 eine Menge Geld bei der Anschaffung sparen, ohne große Leistungseinbußen hinnehmen zu müssen. Dass der kleinere Diesel mehr verbraucht, ist allerdings einen Minuspunkt wert. Am Ende entscheidet weniger die Leistung, sondern vielmehr der Preis, auf welche Motorisierung die Wahl letztendlich fällt.




Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

 

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Pro und Contra

Pro:

  • sehr laufruhiger und kräftiger Motor
  • komfortable adaptive Luftfederung
  • umfangreiche Geländetauglichkeit
  • moderne Assistenzsysteme
  • auch als 7-Sitzer viel Platz

Contra:

  • hoher Preis
  • Mehrverbrauch trotz geringerer Leistung
  • teure Aufpreispolitik

 

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Technische Daten: Land Rover Discovery D250 SE AWD

  • Farbe: Lantau Bronze Metallic
  • Fahrzeugklasse: obere Mittelklasse / Geländewagen
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,97 x 2,07 (2,22 mit Außenspiegel) x 1,85
  • Radstand (mm): 2.922
  • Antrieb: Reihensechszylinder Commonrail-Turbodiesel mit SCR-Kat und DPF
  • Hybridart: Mildhybrid
  • max. Leistung: 183 kW (249 PS) bei 4.000 rpm
  • max. Drehmoment (Nm): 570 bei 1.250 bis 2.250 rpm
  • Hubraum: 2.996
  • Getriebe: 9-Gang-Automatik
  • Antriebsart: Allrad AWD
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 8,3 l/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 9,6 l/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 194 g/km
  • Schadstoffklasse: Euro 6d-ISC-FCM
  • Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 8,1
  • Wendekreis (m): 12,8
  • Bodenfreiheit (mm): 283
  • Böschungswinkel vorn/hinten: 34°/30°
  • Rampenwinkel: 27,5°
  • Wattiefe (mm): 900
  • Kofferraumvolumen 7-Sitzer/5-Sitzer/max. (l): 258/986/1.998
  • Leergewicht (kg): 2.386
  • Zuladung (kg): 694
  • Anhängelast ungebremst/gebremst 12 % (kg): 750/3.500
  • Stützlast (kg): 150
  • Dachlast (kg): 80
  • Tankinhalt (l): 89
  • AdBlue (l): 18
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Neupreis des Testwagens: 88.121,48 Euro (Basispreis D250 „R-Dynamic S“: 75.600 Euro)

 

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