Der GWM Wey 05 ist so etwas wie der Überraschungsgast auf der SUV-Party: Er kommt aus China, trägt einen Namen, der hierzulande noch erklärungsbedürftig ist, und tritt mit einem Selbstbewusstsein auf, das normalerweise Marken mit jahrzehntelanger Premium-Historie vorbehalten ist.
Wey – eine Submarke von Great Wall Motor – will zeigen, dass „Premium“ nicht zwangsläufig aus Deutschland kommen muss.
Ursprünglich trat der Wey 05 mit dem geschmeidiger wirkenden Modellnamen „Wey Coffee 01“ auf, der wiederum aus dem „Wey Mocca“ hervorging – Nomenklatur mit Fluktuationswahn, ähnlich wie beim kleinen Bruder Wey 03.
Der Wey 05 positioniert sich derweil als Plug-in-Hybrid-SUV der gehobenen Mittelklasse, irgendwo zwischen Business-Lounge, Technik-Demonstrator und Familienauto. Die Ausstattungslinie „Premium“ klingt nach hohem Anspruch – und genau das will der Wey auch liefern: viel Leistung, viel Komfort, viel Technik.
Ob er damit nur beeindruckt oder auch überzeugt, klärt dieser Fahrbericht. Für die einen ist ein Mauerblümchen unscheinbar, für die anderen wunderschön. Wir würden eher zu letztgenanntem tendieren. Unser Testwagen trug die Außenfarbe Deep Blue Sea Metallic für 950 Euro extra. Diese changiert je nach Lichtverhältnis zwischen türkis, grünblau bis zu einem fast schwarz wirkenden Dunkelblau.
Das Wichtigste im Überblick
- Prestigeträchtig ausgestattetes Premium-SUV aus China überzeugt mit stimmigem optischen Auftritt.
- Für ein PHEV hervorragende elektrische Reichweite und schnelles Laden lassen die Konkurrenz alt aussehen.
- In Sachen Bedienkonzept und Assistenz besteht noch Nachholbedarf.
- Exterieur
- Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Verbrauch, Aufladen & Reichweite
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Varianten und Preise
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur – Selbstbewusster Auftritt
Optisch gibt sich der Wey 05 selbstsicher, aber nicht aufdringlich. Klare Linien, eine breite Front, schmale LED-Leuchten wachen über einen massiven Grill und ein insgesamt sehr ruhiger Auftritt lassen ihn erwachsen wirken.





Kein aggressives Designer-Gebrüll, sondern eher Premiumanspruch mit Wiedererkennungsforderung schien das Credo der GWM-Designer. Die Proportionen stimmen, die Verarbeitung wirkt hochwertig, und selbst kritische Blicke finden wenig Anlass zur Skepsis.
Die leicht coupé-artige Seitenlinie, welche durch eine nach hinten stark ansteigende Gürtellinie unterstrichen wird, gefällt auf Anhieb. Die 21-Zoller erscheinen an diesem Auto derweil gar nicht mehr so groß.
Beim Heck setzen viel Fläche und schmale Rückleuchten mit 3D-Innenleben den selbstsicheren Auftritt gekonnt fort. Alles wirkt sehr stimmig.
Interieur – Luxuriös angehaucht
Innen wird schnell klar, wo Wey die Messlatte anlegt. Der Innenraum wirkt modern, aufgeräumt und deutlich näher an Premium als an Preis-Leistungs-Experiment.





Hochwertige Oberflächen, weiche Materialien, sauber verarbeitete Nähte und ein insgesamt sehr harmonisches Farb- und Materialkonzept sorgen für ein ausgeprägtes Wohlbefinden bereits nach wenigen Sekunden. Ein Hauch Luxus ist allgegenwärtig spürbar.
Das digitale Cockpit kombiniert mehrere Displays, die gestochen scharf ihre Inhalte präsentieren. Die Positionierung des Displays für die Klimabedienung direkt unter dem Zentraldisplay ist allerdings etwas unglücklich gewählt. Der Winkel fällt dermaßen schräg aus, dass es bei Tageslicht unweigerlich zu störenden Reflexionen kommt.





Die Sitze wurden üppig gepolstert, vielfach elektrisch verstellbar und vorn beheizt. Belüftung und Massagefunktion gibt es nur in der „Luxury“-Ausführung. Das Platzangebot vorn wie hinten ist in beiden Ausstattungslinien großzügig und insbesondere im Fond herrschen opulente Verhältnisse für die Beine der Passagiere.
Der Kofferraum ist mit 500 Litern ausreichend groß, auch wenn er nicht der Klassenprimus ist und eine längs verstellbare Rücksitzbank eine große Portion mehr Praktikabilität bedeuten würde. Hier steht Komfort klar über maximalem Ladevolumen, welches mit reichlich 1.200 Litern eher spärlich ausfällt.
Antrieb und Fahreigenschaften – Mehr Power, weniger Tamtam
Der Wey 05 Premium setzt auf einen leistungsstarken Plug-in-Hybrid-Antrieb, der aus folgenden Komponenten besteht: Ein 2.0-Liter Reihenvierzylinder Turbo-Benziner mit 204 PS arbeitet mit zwei Elektromotoren – einer mit 162 PS im Getriebegehäuse, einer mit 184 PS an der Hinterachse – zusammen und bringt eine Systemleistung von stattlichen 476 PS auf die Straße.

Zahlen, die auf dem Papier nach Sport-SUV klingen – in der Praxis aber erstaunlich gelassen umgesetzt werden. Seinen Anteil daran hat auch das sanft und im Test immer passend schaltende 9-Stufen-Automatikgetriebe als Doppelkupplungsaggregat.

Der elektrische Antritt ist kräftig, spontan und angenehm leise. Im Hybridbetrieb verschmelzen E-Motor und Verbrenner so harmonisch, dass man den Übergang meist nur am Blick auf die Anzeige erkennt. Dann entfacht das Trio bärige 847 Newtonmeter, und die beeindrucken wirklich.

Die Beschleunigung ist jederzeit souverän, Überholmanöver wirken mühelos, fast schon beiläufig. Doch trotz etwas weniger als 500 PS möchte sich das Ganze nicht krawallig anfühlen.
Fünf Sekunden von null auf Tempo 100 und 235 km/h Spitze sind kein Pappenstiel. Und das, ohne dick auftragen zu wollen – genau das beeindruckt bei diesem SUV nicht gerade wenig. Sicher, in schnell gefahrenen Kurven und hastigen Lastwechseln ist das Gewicht von über 2,4 Tonnen nicht wegzudiskutieren.




Das Fahrwerk und auch die gut rückmeldende, aber nicht ganz so direkte Lenkung sind klar komfortorientiert abgestimmt. Erstgenanntes filtert Unebenheiten souverän weg und sorgt für entspanntes Gleiten. Letzteres lässt sich zwar dreistufig in der Stärke einstellen, doch wir haben keine Unterschiede im nötigen Kraftaufwand für Lenkmanöver feststellen können.
Sportlich wirkt das Ganze nicht wirklich. Aber stabil, sicher und sehr angenehm – besonders auf langen Strecken. Der Allradantrieb verteilt die Kraft unauffällig und effektiv, ohne dabei Aufmerksamkeit zu verlangen.
Zudem stehen drei von insgesamt acht Fahrprogrammen für den Einsatz im leichten Gelände bereit. Dass der fast zweieinhalb Tonnen schwere Wey 05 nicht fürs schwere Off gemacht ist, sollte allein durch seinen edlen Auftritt einleuchten. Auch fehlende Untersetzungen oder Sperren lassen Steinbruchsafaris von vornherein ausfallen.
Verbrauch, Aufladen & Reichweite des GWM Wey 05
Im Test verbrauchte der Wey 05 mit leerem Akku im Drittelmix gefahren 8,9 Liter auf 100 Kilometer – ein knapper Liter mehr als die Werksangabe verspricht. Auf der Sparrunde verringerte sich der Durchschnitt auf 6,9 Liter auf hochgerechnet 100 Kilometer.


Doch den wahren Joker spielt dieses SUVs ist seiner opulenten elektrische Reichweite. GWM gibt 158 Kilometer an, was wir in der Praxis zwar nicht erreichen konnten, aber in mehreren Versuchen bei einstelligen Plusgraden selbst bei reinen Autobahnfahrten immer über 100 Kilometer schaffen konnten – beeindruckend. Der Spitzenwert lag bei 118,6 Kilometern. Und dabei wurde auch auf Sitz- und Lenkradheizung nicht verzichtet.


Nicht weniger erstaunlich erlebten unsere Tester den Ladevorgang, der – oh welch Freude für alle, die permanent an Zeitmangel leiden – dank CCS-Anschluss deutlich schneller geht, als mittels AC-Ladekabel Typ-2. GWM gibt den maximalen Ladestrom mit 50 kW an; wir haben sogar 57 kW als Spitzenwert beobachtet – der erste Hersteller, der bei diesem Wert tiefstapelt.




Mit dieser Ladeleistung war der 40 kWh-Akku – 33,7 kWh netto – bereits nach 50 Minuten wieder auf 80 Prozent gebracht. Nach 77 Minuten hatten wir die 100 Prozent erreicht. Das sind für ein Plug-in Hybriden hervorragende Zeiten, insbesondere aufgrund der danach möglichen elektrischen Reichweiten.
Maximal fährt der Wey 05 übrigens 135 km/h rein elektrisch. Wer mehr will, zitiert den Verbrenner hinzu, der dann sofort und automatisch die E-Maschinen unterstützt.
Ausstattung, Komfort & Technik
In der Ausstattung „Premium“ lässt der Wey 05 bereits kaum Wünsche offen. Vieles, was bei anderen Herstellern tief in der Optionsliste versteckt ist, gehört hier zum Serienumfang.





Das reichhaltige Portfolio reicht von umfangreichen Assistenzsystemen inklusive adaptivem Tempomat (der im Test sanft und zuverlässig arbeitete), Spurführung, Notbrems- und Ausweichassistent über hochauflösende Kamerasysteme mit 360-Grad-Ansicht, ein erstklassiges Head-up-Display bis hin zu einem Premium-Soundsystem von Infinity, welches sich bei unseren Hörproben in voller Bandbreite aller gängigen Genres sehr gut profilieren konnte.
Das kabellose Laden erfolgte über einen gummierten Schacht, der das Smartphone bombenfest hält. Android-Geräte wurden darin superschnell und zuverlässig geladen. Bei Apple-Geräten funktionierte das nicht so; diese wurden sehr heiß und nahmen so gut wie keine Energie auf. Beides testeten wir ohne Schutzhüllen.





Was uns allerdings bei den Assistenzsystemen genervt hat, war eine teilweise skurrile Warnhektik, die allein beim Spurführungsassistenten selbst auf aalglattem Asphalt immer wieder zu unnötigen Lenkkorrekturen kam und damit das System ad absurdum führte.
Nicht weniger nervig waren sowohl die Fahrerüberwachung, die selbst kleinste Blicke zum Zentralbildschirm mit Rüge strafte als auch der Geschwindigkeitswarner, der akustisch durchaus Folterambitionen besitzt. Zudem war er nur in den unergründlichen Tiefen der sehr eingewöhnungsbedürftigen, weil verschachtelten Bedienungsstruktur zu deaktivieren – Ablenkung durch beide Systeme garantiert.





Auch bei der Sprachsteuerung sollte man nicht zu viel erwarten. Einfache Befehle können diese bereits an ihre Grenzen bringen. Da ist definitiv noch Luft nach oben. Dafür erfreute man sich an den homogen und schnell wärmenden Sitzheizungen vorne, einer ebenso fixen Lenkradheizung, der mehrfarbigen Ambientebeleuchtung, einer elektrischen Heckklappe und vielem mehr – alles Serie in diesem Auto.
Das serienmäßige Navi brachte uns zuverlässig zu jedem gewünschten Ziel. Allerdings ist das (zweifellos gut gemeinte) Umgebungsbild, welches sich bei Langsamfahrt und bei Blinkerbetätigung als Popup über die Karte legt und diese dadurch teilweise verdeckt und zudem einfrieren lässt, keine durchdachte Lösung.

Das LED-Scheinwerferlicht besitzt keine Matrixfunktion, allerdings einen Fernlichtassistenten. Das Ausblenden funktionierte im Test sehr gut und auch das Lichtbild des Abblendlichts konnte durch Homogenität und gute Helligkeit überzeugen. Nur die Reichweite könnte ein bisschen ausgeprägter ausfallen. Das Fernlicht legt sich derweil wie ein separater Balken über das Abblendlicht und zeigte eine gute Reichweite.
Varianten und Preise des GWM Wey 05
Der GWM Wey 05 Premium liegt preislich klar im Premium-Segment – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Die Ausstattung ist nahezu komplett. Wo andere Hersteller den Einstiegspreis niedrig halten und dann Optionslisten ausrollen, ist hier vieles bereits enthalten.

Den GWM Wey 05 gibt’s in zwei Ausführungen:
- Premium – Ab 59.900 Euro mit der im vorherigen Kapitel beschriebenen Ausstattung.
- Luxury – ab 63.900 Euro kommen zu dieser Ausstattung noch ein Panoramaglasdach, Alcantarabezüge, Sitzmemory und Sitzbelüftung für die Vordersitze, Sitzheizung für die äußeren Rücksitze, das Head-up Display erhält zudem Augmented Reality und das Ambientelicht wackelt im Rhythmus der Infinity-Surround-Anlage. Zudem fährt diese Ausstattung auf Wunsch automatisch rückwärts und parkt ebenso autonom ein. Außerdem ist ein Sitzpaket für 600 Euro nur in dieser Ausstattung erhältlich; darin enthalten ist Massage auf beiden Vordersitzen sowie 4-fach verstellbare Lordosenstützen.
Die Motorisierung ist gesetzt und für beide Ausstattungen alternativlos.
Fazit – Bereit für den Schulterschluss
Der Wey 05 Premium ist kein vorsichtiger Versuch, sondern ein selbstbewusstes Statement, der bereits optisch ordentlich was hermacht.

Der GWM Wey 05 fährt sich zudem sehr komfortabel, ist extrem leistungsstark, hochwertig verarbeitet und technisch auf der Höhe der Zeit. Besonders beeindruckend ist, wie selbstverständlich er Premium-Anspruch lebt, ohne sich dabei anzustrengen oder aufzuspielen.
Er richtet sich an Käufer, die offen für neue Marken sind, viel Wert auf Komfort und Technik legen und bereit sind, bekannte Embleme gegen echtes Ausstattungspaket einzutauschen. Wer das kann, bekommt mit dem Wey 05 Premium ein bemerkenswert rundes Gesamtpaket – auch wenn der Wey 05 in puncto Bedienkonzept und Assistenzfunktionen noch klare Kritikpunkte sammeln musste, werden diese mit Sicherheit alsbald entschärft.



Pluspunkte gibt es definitiv für 5 Jahre Garantie auf das Auto und 8 Jahre beziehungsweise bis 160.000 Kilometer auf die Hybridbatterie. Auch das hilft, um alsbald den lückenfreien Schulterschluss mit seinen europäischen Konkurrenten herzustellen.
Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- extrem umfangreiche Serienausstattung
- sehr hoher Fahrkomfort
- kraftvoller, harmonischer Plug-in-Antrieb
- enorme elektrische Reichweite
- für ein PHEV kurze Ladezeiten
- hochwertiger Innenraum mit Premium-Anmutung
Contra:
- Marke in Europa noch wenig bekannt
- komplexe, teilweise verwirrende Bedienstruktur zu Beginn
- einige Assistenzsysteme arbeiten unausgewogen und nerven
- hohes Fahrzeuggewicht
- Kofferraumgröße nicht klassenführend
Technische Daten: GWM Wey 05 PHEV AWD Premium
- Farbe: Deep Blue Sea Metallic
- Fahrzeugklasse: obere Mittelklasse / SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,87 x 1,96 (2,19 mit Außenspiegel) x 1,69
- Radstand (mm): 2.910
- Antrieb: Reihenvierzylinder-Ottomotor mit Turbolader & OPF + 2 E-Motoren
- Hubraum (ccm): 1.998
- Hybridart: Plug-in Hybrid
- max. Systemleistung: 350 kW (476 PS)
- max. Systemdrehmoment (Nm): 847
- Getriebe: 9-Stufen-Doppelkupplungsautomatik
- Antriebsart: Allrad (Hinterachse elektrisch)
- Durchschnittsverbrauch mit leerem Akku (WLTP): 8,0 l/100 km
- Durchschnittsverbrauch mit leerem Akku (NewCarz): 8,9 l/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 12 g/km
- Batterie brutto/netto (kWh): 39,7/33,7
- Abgasnorm (WLTP): 6e 36EA
- Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h (135 km/h elektrisch)
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h Werksangabe (sec): 5,0
- Ladeanschluss: CCS + Typ 2 (hinten rechts)
- Elektrische Reichweite Werksangabe/gemessen (km): 158/118,6
- Max. Ladestrom DC Werksangabe/gemessen (kW): 50/57
- Ladezeit DC bis 80 % Werksangabe/gemessen (min): 53/50
- Ladezeit AC bis 100 % max. 11 kW Werksangabe (min): 230
- Wendekreis (m): k. A.
- Bodenfreiheit (mm): 160
- Böschungswinkel vorn/hinten: 18,5°/25°
- Rampenwinkel: 17°
- Kofferraumvolumen (l): 500 bis 1.229
- Leergewicht (kg): 2.410
- Zuladung (kg): 385
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/2.000
- max. Stützlast (kg): 100
- max. Dachlast (kg): 50
- Tankgröße (l): 55
- Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
- Neupreis des Testwagens: 60.850 Euro (Basispreis: 59.900 Euro)

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
