Den Renegade gibt es als solchen erst seit rund acht Jahren und doch ist der Jeep Renegade 80th Anniversary ein Sondermodell zum 80-jährigen Geburtstag der Marke.
Diese gibt es seit 1941 und aus diesem Grund wurden diverse Sondermodelle zum Jubiläum ins Leben gerufen – der Renegade bleibt da nicht ausgenommen.
Für diesen Test fuhren wir den Geländekombi mit dem 120 PS starken 1.0-Liter T-GDI – einen Dreizylinder Turbobenziner.
- Die Außenansicht
- Das Interieur
- Motor und Fahreigenschaften
- Ausstattung, Komfort, Sicherheit
- Der Preis des Jeep Renegade 80th Anniversary
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Die Außenansicht – Mit Orden am Revers
Der Renegade ist nach wie vor der kleine, knuffige Bruder des Wrangler und in seinem unschuldigen Weiß wie das des Testfahrzeuges wirkt er aus unserer Sicht zu domestiziert und wir würden eine kräftigere Farbe bevorzugen, die den Geländewagen besser in Szene setzt.
Die Front trägt den Jeep-typischen Kühlergrill mit sieben Lamellen und darüber beginnt eine fast plan verlaufende Motorhaube sowie eine ziemlich steil stehen Frontscheibe – all das kennen wir auch von den anderen Renegades sowie auch vom Wrangler.
Die Seitenansicht offeriert das kastenförmige Wesen des Renegade, der sich durch seine Erscheinung massiv vom Einheitsbrei im riesigen Kompakt-SUV-Pool abhebt. Zudem hebt sich das Sondermodell durch diverse 80th-Plaketten von seinen Modellgeschwistern ab, die wie kleine Orden am Revers den Sonderstatus verraten.
Am Heck des Renegade gibt’s einen leicht zerklüfteten Touch und Rückleuchten, die ein X als Signatur tragen. Damit möchte man an die klassischen Benzinkanister erinnern, die früher insbesondere in den USA stets mitgeführt wurden und die Verstärkungsprägungen im Metallgehäuse der Kanister ebendiese X-Form vorwiesen.
In jedem Fall lässt sich festhalten, dass man dem Renegade auch im Jahr 2022 – also acht Jahre nach seiner Einführung – sein Alter optisch nicht ansieht.
Der Innenraum – Von Ostereiern und gesundem Pragmatismus
Auch im Interieur finden sich diverse „80th-Anniversary“-Plaketten und Schilder, wie auf der Beifahrerseite der Instrumententafel oder den Fußraumteppichen sowie seitlich an den Sitzbezügen aus Leder.
Ansonsten bleibt es beim pragmatischen Flair, für das Jeep bekannt ist und welches man sehr schnell liebgewonnen hat. Dank dem Leder-Paket gibt es gut gepolsterte, schwarze Ledersitze, die ziemlich bequem sind und zudem auch unverwüstlich wirken.
Extrem detailverliebt: Wer genau hinschaut, findet am und im Renegade jede Menge sogenannte Easter Eggs, auf die man bei Jeep offensichtlich immer viel Wert legt. So entdeckt man beispielsweise am Rahmen der Frontscheibe die Silhouette eines klassischen Ur-Jeeps fahren und am unteren Rand der Heckscheibe besteigt eine Art Yeti einen Hügel. Davon gibt es noch viele Dutzend mehr und es lohnt sich in jedem Fall die Augen offen zu halten.
Im Fond reist man derweil sehr angenehm und selbst Passagiere bis zu 1,85 Meter bekommt man hier ohne Murren unter. Würde es allein um die Kopffreiheit gehen, könnten selbst Menschen mit über zwei Meter Gardemaß mitreisen – lediglich die Beinfreiheit wäre dann die Achillesferse auf der zweiten Sitzreihe.
Der Kofferraum schluckt unverändert mindestens 351 Liter und kann bis auf knapp 1.300 Liter erweitert werden. Damit bietet dieser ausreichend Stauraum für den täglichen Bedarf.
Motor und Fahreigenschaften – Flink geschaltet und verwaltet
Angetrieben wurde unser Test-Renegade von einem Dreizylinder mit einem Liter Hubraum, der mit 120 PS plus 190 Newtonmetern und Frontantrieb an den Start geht. Die schlechte Nachricht vorweg: Dieser Antrieb ist nicht mehr konfigurierbar. Das ist sehr schade, denn nicht nur dieser Motor war eine kleine Überraschung.
Das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe macht im Renegade als zweite Überraschung einen Riesenspaß und sorgt dafür, dass sich der ohnehin muntere Dreizylinder stärker anfühlt als er es in Wahrheit ist. Aus diesem Grund erhielt dieses Getriebe Lobeshymnen am laufenden Band – von knackig einrastenden Gängen über kurze Schaltwege bis hin zu einer strammen Kupplung mit tollem Schleifpunkt. Es ist wahrlich bedauernswert, dass dieses Getriebe im Rahmen der Elektrifizierung in den Ruhestand geschickt wird.
Der lebendig anmutende Dreizylinder zeigt übrigens im Kaltstart gut vernehmlich, dass er mit drei Brennkammern arbeitet und hält sich erst beim Erreichen der Betriebstemperatur akustisch ausreichend zurück. Es sei denn, man treibt ihn an sein Limit, denn bei hohen Drehzahlen macht er ebenfalls heiser quengelig auf sich aufmerksam.
Das Fahrverhalten zeigt sich wie auch bei den anderen Renegades als gutmütig und dem Fahrer wohlgesonnen. Das heißt, Überraschungen sind hier keine zu erwarten und geht es mal in Richtung Grenzbereich, schiebt der Renegade vorsichtig über die Vorderräder, was das ESP allerdings frühzeitig unterbinden möchte. Besonders erfreulich: Die Lenkung ist zwar immer noch sehr leichtgängig, liefert aber zumindest teilweise besser Feedback als noch vor drei Jahren – hier wurde wohl feinabgestimmt.
Auffällig ist das eher straffe Fahrwerk, was man in so einem Fahrzeug gar nicht erwarten möchte. Geht der Kunde eher von einer soften Federung aus, wird er hierbei gegebenenfalls erstaunt sein. Doch dieses straffe Setup hat auf befestigten Straßen definitiv Vorteile. Insbesondere bei Autobahntempi oder auch in zügig gefahrenen Kurven vergisst man jeden Tadel über die Härte und erfreut sich bisweilen über die dynamischen Vorzüge des kleinen Vehikels während des souveränen Durcheilend benannter Passagen.
Zügig kann der Jeep Renegade 80th Anniversary auch unterwegs sein. Wenn es sein muss, sind bis zu 185 km/h möglich. Bis Tempo 160 verläuft dabei alles zügig und angenehm, darüber wird es zäher und man benötigt einigen Anlauf zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit. Die Innengeräusche werden ab 140 km/h signifikant wahrnehmbar und spätestens oberhalb der 160 km/h kann man die Fahrgeräusche mitunter als störend empfinden. Die 11,2 Sekunden für den Standardsprint von null auf Tempo 100 vergehen ürbigens subjektiv wahrgenommen irgendwie schneller.
Der Verbrauch betrug im Drittelmix gemessen 6,8 Liter – das sind nur 0,1 Liter über der Werksangabe. Der Minimalwert auf unserer Sparrunde belief sich auf nur 4,8 Liter und wer dem Renegade permanent die Sporen gibt, muss sich mit bis zu zwölf Litern als Maximalwert anfreunden.
Ausstattung, Komfort, Technik
Als Sondermodell offeriert der Jeep Renegade 80th Anniversary eine diesem Status entsprechend reichhaltige Ausstattung.
Der Zentralbildschirm hat wie üblich bei Jeep ein 4:3 Maß und darüber lässt sich das Uconnect-Infotainment sehr einfach bedienen – das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Wir kennen dieses intuitiv aufgebaute System bereits aus diversen Modellen, wie zum Beispiel vom Fiat 500X, Dodge Challenger, RAM 1500 und Abarth 595C. Hierin integriert wurde auch DAB+ sowie Apple CarPlay und Android Auto.
Eine einfache Bedienung ist auch bei der darunter platzierten Bedieneinheit für die kräftige Klimaautomatik gegeben, die den Innenraum sehr schnell auf die gewünschte Temperatur bringt.
Die LED-Scheinwerfer hatten uns bereits vor einiger Zeit in einem Test des Renegade überzeugt. Auch hier ließen sie keinerlei Kritik zu und erfüllten alle Anforderungen bestens. Eine Adaptivfunktion gibt es allerdings nicht.
Das schlüssellose Zugangssystem reagiert extrem zügig und außerdem klappt der Jeep Renegade 80th Anniversary die Außenspiegel an – sehr praktisch beim Einsatz im städtischen Umfeld.
Auch wenn im Testwagen keines verbaut war: Wir empfehlen jedem Sonnenanbeter das Panorama-Glasdach, welches wir im Jeep Renegade e-Hybrid erleben durften und das sich fast über das gesamte Dach erstreckt.
Das Soundsystem von Kenwood hätte im Grunde ein eigenes Kapitel verdient. Denn die 690 Euro sind zweifellos gut investiertes Geld für einen Klang, der weit oberhalb der Konkurrenz von Beats, Bose und Co. angesiedelt ist. Die Bässe hämmern kraftvoll und staubtrocken, die Höhen werden erstaunlich klar wiedergegeben und selbst die Mitten kommen überaus ausgewogen aus den Boxen. Daher raten wir nicht nur einer audiophilen Klientel, das Kreuz an dieser Stelle zu setzen, sondern auch jedem, der im Auto gern mal Musik hört. Die Investition ist gut angelegt, denn sie dürfte sich auch beim Wiederverkauf widerspiegeln.
Der große Drehregler für die Lautstärke war im Test übrigens sofort der Liebling der Fahrer, da man damit schnell und sicher die Regelung auch während der Fahrt vornehmen kann.
Der Preis des Jeep Renegade 80th Anniversary
Um es auch hier vorwegzunehmen: Dieses Sondermodell und diese Motorisierung werden leider nicht mehr als solches angeboten und sind höchstens noch als Tageszulassung oder als Gebrauchter zu finden. Doch selbst das dürfte allerdings schwierig werden, denn der ursprüngliche Preis von 28.250 Euro ist ein ganzes Stück von dem entfernt, was heute für den Jeep Renegade verlangt wird.
Den gibt es nämlich nur noch als e-Hybrid oder Plug-in Hybrid 4xe und diese starten bei 31.700 Euro beziehungsweise 38.900 Euro für letztgenannte Version.
Fazit – Zum Geburtstag das Beste
Als Jeep Renegade 80th Anniversary hat man bei Jeep sich selbst ein tolles Geschenk gemacht, von dem aber auch die Kunden eine Menge haben. Denn mit diesem Auto erwirbt der Käufer ein Kompakt-SUV, das optisch eher Geländewagen als Mainstream-Bomber ist und sich damit gekonnt vom Einheitsbrei abhebt.
Mit dem Dreizylinder ist das Fahrzeug ausreichend motorisiert, das Schaltgetriebe bringt derweil jede Menge Spaß und dank der reichhaltigen Ausstattung plus der liebevollen Details, ist auch der Komfortfaktor hoch anzusetzen.
Ungeachtet seines Antriebs zeigt sich der „Baby-Wrangler“ mit raubeinigem Charme und authentischem Wesen, ohne dabei die moderne Komponente auszulassen. In jedem Fall nimmt der Renegade eine exponierte Stellung ein, die ihm – wie wir finden – einige Sympathiepunkte einbringt.
Kamera: Canon EOS 5D Mark III
Pro und Contra
Pro:
- gute Motor-Getriebe-Kombination
- sehr gutes LED-Licht
- zeitlose Optik
- als Sondermodell reichhaltig ausgestattet
Contra:
Technische Daten: Jeep Renegade 80th Anniversary
- Farbe: Alpine White/Dach schwarz
- Fahrzeugklasse: Kompaktklasse / Kompakt-SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,24 x 1,81 (2,03 mit Außenspiegel) x 1,70
- Radstand (mm): 2.570
- Antrieb: Dreizylinder Ottomotor mit Turbolader und OPF
- Hybridart: –
- max. Leistung: 88 kW (120 PS) bei 5.750 rpm
- max. Drehmoment (Nm): 190 bei 1.750 rpm
- Hubraum (ccm): 999
- Getriebe: 6-Gang-Handschaltgetriebe
- Antriebsart: Front
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 6,7 l/100 km
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,8 l/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 152 g/km
- Schadstoffklasse: Euro 6d-ISC-FCM
- Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 11,2
- Wendekreis (m): 11
- Bodenfreiheit (mm): 166
- Böschungswinkel vorn/hinten: 18,6°/21,2°
- Rampenwinkel: 14,4°
- Kofferraumvolumen (l): 351 bis 1.297
- Leergewicht (kg): 1.395
- Zuladung (kg): 465
- Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 600/1.250
- max. Stützlast (kg): 60
- max. Dachlast (kg): 60
- Tankinhalt: (l): 48
- Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
- Neupreis des Testwagens: 32.410 Euro (Basispreis Testwagen: 28.250 Euro)
Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.