Der Volvo EX30 Cross Country steht nachfolgend im Mittelpunkt dieses ausführlichen Tests. Doch bevor wir ins Detail gehen, möchten wir etwas ausholen.
Volvo hat in den letzten Jahrzehnten viele Autos gebaut, die sich anfühlten wie ein gemütliches Holzhaus am See: sicher, solide, vernünftig. Dann kam der EX30 und riss die Gardinen auf. Plötzlich stand da ein Elektro-SUV, kompakt wie ein Großstadtflitzer, aber in Topmotorisierung mit der Beschleunigung eines schlecht gelaunten Gewitters.
Der kleinste Volvo aller Zeiten sollte jung, urban und digital sein. Und jetzt? Jetzt zieht derselbe EX30 als Cross Country los und mimt den ultimativen Begleiter, um am Wochenende auch mal Elche zu zählen und Polarlichter zu fotografieren.
Die Cross-Country-Idee hat bei Volvo Tradition. Bereits der V70 Cross Country Ende der 90er kombinierte Kombi-Komfort mit Outdoor-Optik und dem subtilen Hinweis, dass die Straße vielleicht irgendwann endet. Der EX30 Cross Country übersetzt dieses Konzept nun ins Elektrozeitalter. Statt Diesel und Dachzelt gibt es Batterie, Flatscreen und Google-Software. Das Prinzip bleibt gleich: ein zivilisiertes Auto mit Abenteuerkostüm.
Und genau darin liegt seine Besonderheit. Der EX30 Cross Country ist kein Geländewagen alter Schule. Niemand wird damit durch sibirische Flüsse waten oder Felsen erklimmen. Er ist vielmehr ein urbaner Lifestyle-Stromer, der aussieht, als wäre er für ein Wochenende in einer Fjällhütte erdacht und hat dabei immer einen Outdoor-Katalog auf der Hutablage.
Das Wichtigste im Überblick
- Höhergelegter EX30 mit Offroad-Optik und spezieller Bereifung macht der Cross Country-Bezeichnung alle Ehre.
- Als Ultimate AWD mimt der Volvo mit exorbitanten Leistungsdaten den Wolf im Schafspelz.
- Mit seinem eigenständigen Charakter und dem selbstbewussten Preis hat er eine ganz eigene Zielgruppe.
- Exterieur
- Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Verbrauch, Aufladen & Reichweite
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Was kostet ein Volvo EX30 Cross Country?
- Was sagen die Kunden?
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur – Skandinavische Klarheit trifft Gummistiefelromantik
Der normale EX30 gehört zweifellos zu den eher unauffälligen Elektroautos seiner Klasse. Volvo verzichtet konsequent auf überzeichnete Linien, aggressive Fake-Lufteinlässe oder futuristische Übertreibungen. Stattdessen wirkt der EX30 wie ein edles Möbelstück aus Stockholm. Klare Flächen, präzise Kanten, keine optische Hektik. Fast streng und stoisch.




In der getesteten Farbe Crystal White Pearl, die mit 650 Euro extra berechnet wird, kommt diese reduzierte Formensprache besonders gut zur Geltung. Das Weiß schimmert edel, beinahe keramisch, und bildet einen starken Kontrast zu den schwarzen Offroad-Akzenten der Cross-Country-Version.
Die zusätzlichen Kunststoffplanken rund um die Karosserie verleihen dem EX30 Cross Country eine erstaunlich breite Schulterpartie. Trotz kompakter Maße steht er satt auf der Straße, fast wie ein kleiner Bodybuilder im Funktionsparka. Dazu kommen die leicht erhöhte Bodenfreiheit und die speziellen Designelemente an Front und Heck, die dem Wagen sichtbar mehr Abenteuerlust einhauchen.
Das optionale Experience-Paket für knapp 3.000 Euro treibt diese Inszenierung allerdings auf die Spitze. Der Dachkorb vom Hersteller Thule sieht spektakulär aus und sorgt zuverlässig dafür, dass man auf jedem Parkplatz mindestens einen Menschen beim interessierten Beäugen dieses Konstrukts erwischt. Praktisch ist er dagegen nur bedingt.




Seine offene Bauweise begrenzt die Nutzbarkeit erheblich und empfindliches Gepäck möchte man dort oben lieber nicht dem Wetter oder der Physik überlassen. Zudem wiegt die Stahlkonstruktion stolze 13 Kilogramm, was bei einer maximalen Dachlast von 75 Kilogramm nur 62 Kilogramm reine Nutzlast erlaubt. Auch ist der An- beziehungsweise Abbau nicht unbedingt einfach und teilweise auch umständlich. Allein wegen des Eigengewichts des Korbes, sollte dies auch stets durch zwei Personen erfolgen, um Beschädigungen des Daches zu vermeiden.




Die Allterrain-Reifen aus diesem Paket wiederum unterstreichen den robusten Auftritt perfekt. Erstaunlicherweise bleiben sie trotz grobem Profil angenehm leise. Dass sie auf trockenem Asphalt gelegentlich mit den 428 PS des EX30 überfordert wirken, gehört allerdings ebenfalls zur Wahrheit. Dieser Volvo trägt Wanderstiefel, sprintet aber wie ein olympischer Kurzstreckenläufer. Dazu kommen wir später noch genauer.
Interieur – Digitaler Alleinherrschaftsanspruch
Im Innenraum zieht Volvo seine skandinavische Designphilosophie gnadenlos durch. Der Volvo EX30 verzichtet auch als Cross Country auf klassische Instrumente, verzichtet auf analoge Rückzugsorte, verzichtet eigentlich auf alles, was nach traditionellem Cockpit aussieht. Vor dem Fahrer: nichts. Kein Instrumentendisplay, kein Head-up-Display, keine Sicherheitsinsel fürs Auge. Stattdessen herrscht der zentrale Bildschirm wie ein digitaler Monarch über sämtliche Funktionen.





Das wirkt zunächst futuristisch und aufgeräumt. Nach einigen Tagen im Alltag zeigt sich jedoch die Kehrseite. Selbst einfache Informationen verlangen häufig den Blick zur Mitte. Geschwindigkeit, Assistenzsysteme, Klima, Navigation: Alles spielt sich auf einem einzigen Display ab. Moderne Reduktion trifft hier auf praktische Herausforderung. Man gewöhnt sich daran, aber intuitive Bedienung fühlt sich anders an.
Materialseitig verfolgt Volvo einen klar nachhaltigen Ansatz. Viele Oberflächen bestehen aus recycelten Materialien und erzählen das auch stolz weiter. Der Haken: Nicht alles fühlt sich premiumwürdig an. Einige Kunststoffe erinnern eher an kreative Recyclingkunst als an „upper class“. Das ist bewusst anders gedacht, aber nicht automatisch hochwertiger.





Positiv überrascht dagegen das Infotainment. Google Automotive Services gehört aktuell zu den zuverlässigsten Systemen am Markt. Navigation, Sprachsteuerung und App-Integration funktionieren entsprechend schnell, logisch und zuverlässig.





Das große Glasdach bringt viel Licht in den Innenraum, allerdings auch viel Sonne. Eine Verdunkelungsmöglichkeit existiert nicht. Weder ein Rollo noch eine elektrochrome Lösung hindern den Stern daran, seine geballte Power ins Fahrzeuginnere zu werfen. An heißen Sommertagen verwandelt sich der EX30 damit schnell in eine mobile Wintergartenlandschaft. Zusammen mit den Sitzflächen, die bei hohen Temperaturen überraschend schweißfreudig wirken, entsteht ein Klima, das eher an mediterrane Gewächshäuser erinnert als an nordische Frische.
Antrieb und Fahreigenschaften – Thors Hammer als Gaspedal
Unter der kompakten Karosserie arbeitet im Ultra AWD ein Dual-Motor-Antrieb mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb. An der Hinterachse arbeitet eine Permanentmagnet-Synchronmaschine mit 272 PS und an der Vorderachse eine Asynchronmaschine mit 156 PS. Asynchron bedeutet, dass dieser Motor sich nur hinzuschaltet, wenn es erforderlich wird. Zusammen stehen 428 PS und massive 543 Newtonmeter Drehmoment bereit. Zahlen, die in einem Fahrzeug dieser Größe eigentlich leicht absurd wirken.

Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in gerade einmal 3,7 Sekunden. Damit beschleunigt der kleine Volvo schneller als viele klassische Sportwagen. Und genau so fühlt es sich auch an. Wer das Fahrpedal voll durchtritt, erlebt keinen gewöhnlichen Beschleunigungsvorgang, sondern eher einen kontrollierten Katapultstart wie auf einem Flugzeugträger. Der EX30 schießt nach vorne wie der Blitz aus Thors geschwungenem Hammer.

Dabei entsteht eine fast absurde Diskrepanz zwischen Optik und Performance. Außen kompakter Abenteuer-Schwede, innen plötzlich halber Supersportwagen. Besonders kurios wird es mit den Allterrain-Reifen des Experience-Pakets. Sie sind auf Gratwanderung zwischen losen Untergründen und Asphalt unterwegs, müssen aber dabei mit bis zu 428 PS umgehen. Das führt gelegentlich dazu, dass die Traktion auch auf trockenem Asphalt kurz mit den Naturgesetzen diskutiert. Großer Pluspunkt: Trotz grobstolligem Profil bleiben die Pneus auf Beton und Asphalt beeindruckend geräuscharm.
Das Fahrwerk selbst arbeitet auf beeindruckend hohem Niveau. Unter allen Umständen bleibt der Abrollkomfort erstaunlich fein. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, ohne dass der Wagen schwammig wirkt. Die Lenkung arbeitet angenehm direkt und vermittelt viel Vertrauen, ohne nervös zu werden. All das ist eindeutig Premium.

Ebenfalls gelungen: die Bremsabstimmung. Viele Elektroautos kämpfen mit einem künstlichen Pedalgefühl zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse. Der EX30 macht das deutlich besser. Die Bremsen lassen sich hervorragend dosieren und die Rekuperation kann in drei Stufen angepasst werden. So fährt sich der kleine Volvo erstaunlich erwachsen und überaus harmonisch.
Weniger harmonisch präsentieren sich dagegen die Assistenzsysteme. Fahrerüberwachung und Geschwindigkeitswarnungen melden sich mit der Begeisterung eines übermotivierten Beifahrers kurz vor der Führerscheinprüfung. Glücklicherweise lassen sich viele Hinweise relativ unkompliziert deaktivieren. Danach kehrt deutlich mehr Ruhe in den Alltag ein. Doch Moment mal:
Da kommen ja mit dem montierten Dachkorb Windgeräusche auf, die es ohne ihn nicht mal im Ansatz gab. Ab etwa 50 km/h beginnt ein akustisches Hintergrundrauschen, das zunächst an entfernte Küstenböen erinnert. Auf der Autobahn entwickelt sich daraus allerdings ein ausgewachsener Sturm, der über norwegische Bergpässe hinwegfegt. Ab 100 km/h wird der Dachkorb zum unfreiwilligen Blasinstrument. Passend dazu ist bei montiertem Korb ohnehin bei 130 km/h Schluss – wer die maximalen 180 km/h auskosten möchte, sollte vorher diese windfangende Skulptur abmontieren.
Verbrauch, Aufladen & Reichweite im Volvo EX30 Cross Country
Der durchschnittliche Verbrauch wird von Volvo für den EX30 Cross Country mit 18,3 kWh pro 100 Kilometer angegeben. Wir erreichten im Drittelmix ermittelt einen Durchschnitt von 21,6 kWh. Die Sparrunde absolvierte der Schwede mit 14,7 kWh auf hochgerechnet 100 Kilometer.


Ganz anders sieht es auf der Autobahn aus, insbesondere mit montiertem Dachkorb. Dort verwandelt sich der Luftwiderstand in einen erbitterten Gegner der Effizienz. Der Verbrauch klettert enorm und die Reichweite halbiert sich unter ungünstigen Bedingungen nahezu. Der Dachkorb produziert dabei nicht nur Windgeräusche wie ein schlecht isoliertes Alpenfenster, sondern zieht auch sichtbar Energie aus dem Akku.
Beim Aufladen – genauer beim Schnellladen – zeigt sich der EX30 grundsätzlich nur durchschnittlich aufgestellt. Theoretisch sind Ladeleistungen von bis zu 153 kW möglich. In der Praxis hängt jedoch vieles an der Batterievorkonditionierung. Und genau hier lauert eine kleine Falle: Die Vorkonditionierung aktiviert sich nur zuverlässig, wenn die Ladesäule direkt über die Bordnavigation angesteuert wird. Zudem dauert dieser Vorgang mindestens 30, nicht selten 40 Minuten.





Ohne vorkonditionierte Batterie können die Ladezeiten drastisch ansteigen. Im Test dauerte ein Ladestopp auf 80 Prozent ohne Vorkonditionierung über eine Stunde mit einem Maximalladestrom von kläglichen 55 kW. Mit aktiver Vorbereitung verkürzte sich derselbe Vorgang auf rund 35 Minuten. Doch selbst nach 40 Minuten Vorkonditionierung stieg der Ladestrom in unserem Testzeitraum nie über ein Maximum von 104 kW und die Ladekurve machte ihrer Bezeichnung alle Ehre und bog sich bereits nach kurzer Zeit durch schnell abfallende Ladeströme nach unten.
Offiziell verspricht Volvo für den EX30 Cross Country Ultra AWD eine WLTP-Reichweite von rund 427 Kilometern. Im Alltag zeigt sich allerdings schnell, dass diese Zahl stark vom Einsatzprofil abhängt.

Innerstädtisch und auf Landstraßen kann der kompakte Schwede tatsächlich erstaunlich effizient unterwegs sein. Im Test waren rund 380 Kilometer Reichweite realistisch erreichbar, solange man den rechten Fuß nicht permanent wie einen Startknopf behandelt. Auf der Autobahn und mit Dachkorb schmolz die Reichweite auf etwas mehr als die Hälfte davon. Mit immer mal nervösem Gasfuß sind 330 Kilometer realistisch, sofern die Autobahn dabei den kleinsten Anteil ausmacht.
Ausstattung, Komfort & Technik
Als Ultra AWD fährt der EX30 Cross Country praktisch mit Vollausstattung vor. Volvo packt zahlreiche Komfort- und Technikfeatures serienmäßig ins Fahrzeug, wodurch der kleine Stromer durchaus luxuriös wirken kann.
Ein echtes Highlight ist das Harman-Kardon-Soundsystem. Statt klassischer Lautsprecherorgien setzt Volvo auf eine große Soundbar im Armaturenbrett. Das Ergebnis überrascht massiv. Der Klang ist kräftig, klar und räumlich. Musik wirkt nicht einfach abgespielt, sondern regelrecht in den Innenraum gegossen.





Auch die LED-Scheinwerfer überzeugen im Alltag. Zwar fehlt moderne Matrix-Technologie, dennoch erzeugt das Lichtbild ein hohes Sicherheitsgefühl bei Nachtfahrten. Die Ausleuchtung wirkt homogen und überdurchschnittlich hell, der Fernlichtassistent arbeitete schnell und sehr zuverlässig im Test.
Komfortseitig punktet der EX30 mit angenehm abgestimmter Sitzergonomie, guter Geräuschdämmung und einem insgesamt entspannten Fahrgefühl. Selbst längere Strecken absolviert der Wagen souverän und ruhig. Die leicht erhöhte Sitzposition und die kompakten Außenmaße machen ihn gleichzeitig ausgesprochen stadttauglich.
Die Assistenzsysteme bieten nahezu alles, was aktuell erwartet wird: adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Querverkehrswarner, Notbremsassistent und diverse Überwachungssysteme. Funktional arbeiten sie zuverlässig, nur ihre Mitteilungsfreude fällt mitunter etwas zu enthusiastisch aus. Der EX30 kommentiert Geschwindigkeitsüberschreitungen sofort und mit der Energie eines besorgten Fahrlehrers.
Noch besorgter wird dieser bei der Beobachtung des Fahrers, wenn sich dieser etwas genauer mit dem Zentralbildschirm beschäftigt. Während der Fahrt findet die Fahrerüberwachung so etwas als groben Regelverstoß und mahnt akustisch und optisch entsprechend.





Über das Google-Infotainment sprachen wir bereits mit Begeisterung. Dank der integrierten Sprachsteuerung wird die Bedienung zweifellos vereinfacht. Man spricht mit dem Auto wie mit einem erstaunlich kompetenten digitalen Reisebegleiter, der weder genervt noch überfordert wirkt. Auch die Volvo Cars App überzeugt im Alltag. Fahrzeug vorklimatisieren, Ladefunktionen steuern oder den Standort abrufen: All das funktioniert angenehm unkompliziert.
Was kostet ein Volvo EX30 Cross Country?
Der konventionelle Volvo EX30 startet grundsätzlich deutlich günstiger, doch die Cross-Country-Version mit Ultra-Ausstattung und Allradantrieb spielt in einer anderen Liga.
Der reguläre EX30 beginnt je nach Motorisierung bereits bei 34.990 Euro. Der EX30 Cross Country verlangt dagegen mindestens 48.990 Euro und als getesteter Ultra AWD kratzt er inklusive Experience-Paket und Sonderlackierung an der 62.000-Euro-Grenze.

Damit positioniert Volvo den kleinen Elektro-SUV klar im Premiumsegment. Mutig ist das durchaus, denn Größe und Innenraumqualität vermitteln nicht immer automatisch ein Preisgefühl jenseits der 60.000 Euro. Gleichzeitig bietet der EX30 ein außergewöhnlich eigenständiges Gesamtpaket aus Design, Performance und Technologie.
Wer maximale Leistung, Allradantrieb und das komplette Outdoor-Inszenierungspaket möchte, landet zwangsläufig in genau dieser Preisregion. Vernunft spielt hier allerdings ohnehin nur eine Nebenrolle. Der EX30 Cross Country ist kein Auto für Taschenrechner. Eher eines für Menschen, die beim Blick auf einen Waldweg spontan gute Laune bekommen.
Was sagen die Kunden zum Volvo EX30 Cross Country?
In sozialen Netzwerken, Foren und EX30-Communities wird der Volvo EX30 Cross Country derzeit intensiv diskutiert, oft mit erstaunlich emotionalem Unterton. Viele Besitzer feiern vor allem das außergewöhnliche Design. Der Wagen wird häufig als „Mini-Polestar mit Outdoor-Jacke“ beschrieben oder als eines der wenigen Elektroautos, das nicht aussieht wie ein rollender USB-Stick.
Besonders gelobt werden die enorme Beschleunigung, das harmonische Fahrwerk und das gelungene Google-Infotainment. Viele Fahrer berichten, dass sich der EX30 deutlich erwachsener fahre, als seine Größe vermuten lasse. Auch die Geräuschdämmung und die Soundanlage sammeln regelmäßig Pluspunkte.
Kritik entzündet sich dagegen häufig an der Bedienung. Das fehlende Fahrerdisplay polarisiert massiv. Während einige Nutzer den minimalistischen Ansatz lieben, empfinden andere die permanente Orientierung zum Zentralbildschirm als unnötig kompliziert oder sogar störend.

Ebenfalls oft diskutiert: die Materialqualität im Innenraum. Gerade in Foren wird regelmäßig hinterfragt, ob die nachhaltigen Oberflächen tatsächlich zu einem Premiumpreis passen. Manche feiern den mutigen Recyclingansatz, andere wünschen sich schlicht hochwertigere Haptik.

Der Dachkorb sorgt online beinahe für Unterhaltungskultur. Optisch wird er fast durchgehend gefeiert. Praktisch dagegen berichten viele Nutzer von deutlichen Windgeräuschen und erhöhtem Verbrauch. Manche Besitzer ärgern sich über das Gewicht und die Notwendigkeit, diesen Korb nur zu zweit an- und abbauen zu können. Zudem montieren ihn Kunden meist nur für Wochenendausflüge oder Fotosessions. Manche nutzen ihn auch als Befestigungstreben für Zusatzscheinwerfer. Andere finden ihn – wie auch wir – als überflüssig und sparen sich lieber das Geld. Der Dachkorb scheint gewissermaßen das Automobil gewordene Instagram-Filterpaket zu sein: fantastisch auf Bildern, im Alltag mit Nebenwirkungen.
Fazit – Charakterkopf mit Stromschlag
Der Volvo EX30 Cross Country Ultra AWD ist eines dieser seltenen Autos, das nicht geschniegelt versucht, jedem zu gefallen. Stattdessen besitzt er Charakter – manchmal sogar etwas zu viel.

Er kombiniert brutale Fahrleistungen mit überraschend hohem Komfort, minimalistisches Design mit digitaler Komplexität und Outdoor-Optik mit urbanem Lifestyle. Der kleine Schwede fährt sich wie ein kompakter Premium-Sportler, trägt aber gleichzeitig Gummistiefel und Dachkorb spazieren.
Nicht alles gelingt perfekt. Die Bedienung verlangt Eingewöhnung, einige Materialien wirken weniger edel als der Preis vermuten lässt und das Cross-Country-Zubehör ist teilweise mehr Show als Nutzwert. Gleichzeitig entwickelt der EX30 genau daraus seinen Reiz. Er ist kein glattgebügeltes Elektroauto aus dem Windkanal-Labor. Er hat Ecken, Eigenheiten und gelegentlich auch etwas nordische Sturheit.

Und genau deshalb bleibt er im Gedächtnis. Wie ein Designhotel neben der verwitterten Berghütte. Schön, schnell, eigenwillig. Und manchmal überraschend laut auf dem Dach.
Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- extrem kraftvoller Antrieb mit beeindruckender Beschleunigung
- sehr gelungenes Fahrwerk mit hohem Komfortniveau
- hervorragendes Google-Infotainment und starke App-Integration
- eigenständiges, charaktervolles Design mit hoher Wiedererkennung
- für ein E-Auto dieser Klasse hohe Anhängelast
Contra:
- Bedienkonzept ohne Fahrerdisplay im Alltag gewöhnungsbedürftig
- teilweise wenig premiumhafte Materialanmutung im Innenraum
- Dachkorb verursacht starke Windgeräusche und höheren Verbrauch
- hoher Preis für ein Fahrzeug dieser Größe
Konkurrenz: Smart #1, Zeekr X, Jeep Avenger, Lynk & Co 02, Hyundai Kona Elektro, Opel Mokka Electric
Technische Daten: Volvo EX30 Cross Country Ultimate AWD
- Farbe: Crystal White Pearl Metallic
- Fahrzeugklasse: untere Mittelklasse (Kompaktklasse) / SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,23 x 1,84 (2,04 mit Außenspiegel) x 1,58
- Radstand (mm): 2.650
- Antrieb: 1x E-Motor PSM (Hinterachse), 1x E-Motor ASM (Vorderachse)
- max. Leistung: 315 kW (428 PS)
- Dauerleistung: 116 kW (158 PS)
- Drehmoment (Nm): 543
- Akku Kapazität brutto/netto (kWh): 69/65
- Ladeanschluss: CCS/Typ 2 kombiniert (hinten links)
- Ladezeit von 10 bis 80 % DC mit max. 153 kW Werksangabe/gemessen (min): 27/35
- Ladezeit von 10 bis 100 % AC mit max. 22 kW Werksangabe (min): 240
- Reichweite Werksangabe/NewCarz (km): 427/381
- Getriebe: stufenloses Reduktionsgetriebe
- Antriebsart: Allrad
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 18,3 kWh/100 km
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 21,6 kWh/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 0 g/km
- Abgasnorm: Elektroauto
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 3,7
- max. Bodenfreiheit (mm): 190
- Wendekreis (m): 10,6
- Kofferraum (l): 318 bis 1.000 + 7 (Frunk)
- Leergewicht (kg): 1.960
- Zuladung (kg): 375
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/1.600
- max. Stützlast (kg): 100
- max. Dachlast (kg): 75
- Kraftstoffart: elektrische Energie
- Neupreis des Testwagens: 61.930 Euro
- Basispreis Cross Country: 48.990 Euro

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
