Der VW Touareg R hat ein Facelift erhalten- sein letztes, denn schon bald wird das monumentale SUV eingestellt; bevor das geschieht, wird hier das Flaggschiff noch einmal getestet.
Der Touareg – ein stolzes Alpha-SUV und technologischer Vorreiter von Luftfederung bis Wankstabi – ist so etwas wie der „Adler der VW-Flotte“: majestätisch, groß und für SUV-Fahrer dieser Fahrzeugklasse manchmal schwer zu verstehen – insbesondere dann, wenn sie ihn nur vom Vorbeifahren kennen.
Seit seiner Geburtsstunde im Jahr 2002 hat er sich stets weiterentwickelt, vom V10-TDI-Monster bis zum neuesten R-Modell mit Plug-in-Hybrid-Antrieb – was bedeutet, dass er nun nicht mehr nur brüllt, sondern gelegentlich auch surrt.
Im Vergleich zu Wettbewerbern wie dem BMW X5 xDrive50e oder dem Porsche Cayenne E-Hybrid liegt der Touareg R irgendwo zwischen komfortabler Oberklasse-Reisebühne und technischer Demonstrationsplattform. Er bietet Technik auf sehr hohem Niveau, doch die Konkurrenz kratzt oft mit dem Thema Image hart am sportlichen Lack, frei nach dem Motto:
Über 100 Riesen für einen Volkswagen? Da will ich doch mindestens was Blau-Weißes oder einen Stern im Frontgrill!
Dennoch genießt der Touareg sein Dasein, wobei dieses Facelift bereits erkennbar macht, dass die Tage der Speerspitze aus Wolfsburg gezählt sind.
Unser Testkandidat fuhr in einem aufregenden Siliziumgrau Matt für 3.200 Euro extra als Farbgebung auf unseren Parkplatz. Fahrbericht.
Das Wichtigste im Überblick
- Als Flaggschiff der Baureihe wurde der Touareg R optisch und technisch leicht aufgefrischt; die Leistung blieb unverändert.
- Antrieb & Fahrwerk passen eher zu einem kraftvollen Gran Turismo als zu einem Sport-SUV.
- Der Touareg wird als Modell eingestellt und ist auch als „R“ nur noch bis Ende März 2026 bestellbar.
- Exterieur & Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Verbrauch, Aufladen & Reichweite
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Was kostet das VW Touareg R Facelift?
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur & Interieur – Hier bisschen Rouge, da etwas Blush
Der Touareg R wirkt, als hätte er eine gute Dosis Proteinpulver in der Karosserie: Breit, tief und mit einer Präsenz, bei der nicht nur Fußgänger automatisch höflich Platz machen.





R-typische Akzente, scharfe Linienführung und große Räder verleihen ihm trotz seiner Größe ein wuchtiges, aber nicht plumpes Auftreten. IQ.LIGHT-LED-Matrix-Scheinwerfer sind Serie und geben ihm ein geschärft wirkendes Blickfeld. Die modifizierten Lufteinlässe der Front lassen größere Volumen hinein und am Heck sorgt das nun beleuchtete VW-Logo auch bei Dunkelheit für ein klares Erkennungszeichen des Faceliftmodells.
Innen fühlt man sich wie in einem Wohnzimmer auf Steroiden: edle Materialien, Innovision-Cockpit-Display (dieses wirkt auch nach acht Jahren Generationslaufzeit noch nicht klein) und jede Menge Platz selbst für Menschen über 1,90 Meter Gardemaß.





Komfortsitze mit gutem Seitenhalt, Ambientebeleuchtung, Premium-Sound – der Touareg R tut alles, um einen daran zu erinnern, dass er mehr ist als nur Transportgerät. Ein tiefer Blick aufs Infotainment-System sorgt dafür, dass man sich nie wirklich beim Ein- oder Aussteigen langweilt.





Die Materialauswahl wurde im Rahmen des Facelifts nochmals verfeinert. Mehr Polsterung, noch feinere Haptik und noch harmonischer die Mixtur dieser. Damit dringt der Touareg noch tiefer in die Premiumriege vor, als er es sowieso schon war.
Antrieb und Fahreigenschaften – Der Stärkste ja, aber ohne R-Kenntnis
Am Antrieb der Topmotorisierung ändert sich nichts. Ein 3.0 Liter V6-TSI-Motor werkelt in Harmonie mit einem 100 kW-Elektromotor – kombiniert ergibt das kräftige 462 PS und satte 700 Newtonmeter Drehmoment und damit bleibt der Touareg R der stärkste Protagonist der Wolfsburger Fullsize-SUV-Riege.

So motorisiert, sprintet der Touareg R für einen SUV dieser Größe in flotten 5,1 Sekunden von null auf 100 km/h und bei 250 km/h fällt der elektronische „Zum Dritten!“-Hammer. Die Automatik bleibt ihrem Credo treu und verwaltet ihre acht Stufen mit einer zutiefst überzeugenden Sicherheit. Jederzeit den passenden Gang ist hier nahezu eine Garantie.





Allrad (4MOTION) und ein feinjustiertes Fahrwerk mit Stabilisatorenverstärkung, Luftfederungs- und Dämpferabgleich sowie neue Dachlast-Sensoren sorgen für noch mehr Souveränität, Laufruhe und Bodenhaftung, auch wenn der Touareg seine Masse natürlich nicht gänzlich verleugnen kann. Doch auch bei der ESP-Abstimmung wurde nachgeschärft, wodurch der Touareg auch voll beladen souveräner ums Eck wirbelt.





Er fühlt sich aber auch als R-Modell eher an wie ein sehr kraftvoller, souveräner Reisekreuzer als ein sportliches Performance-SUV. Dazu fehlt ihm immer noch der in anderen Modellen des Touareg zum Einsatz kommende, tadellos arbeitende Wankausgleich. Die Hybridbatterie besetzt zu viel Platz, um dieses Top-Gimmick in das Topmodell einzupflanzen. Das grenzt irgendwie fast an Blasphemie und am Ende wird der VW Touareg R dem 18. Buchstaben des Alphabets nicht wirklich gerecht.





Denn ebendieses „R“ setzt normalerweise Gewalten frei, die dem jeweiligen Kandidaten das Freizeit-Polo entwenden und das Sporttrikot überstreifen. Wir denken da mit Genuss an den Golf R oder aber auch den T-Roc R. Beim Touareg bleibt dieser sportive Aha-Effekt weiterhin aus. Doch ein Spaßverderber ist er dennoch keinesfalls. Eher ein sehr souverän wirkender Gran Tourismo im SUV-Gewand, der dank Facelift feiner abgestimmt zumindest ein paar Nuancen näher an einer sportiven Dynamik weilt als vorher.
Verbrauch, Aufladen & Reichweite im VW Touareg R Facelift
Offiziell gibt VW für den Touareg R einen kombinierten Verbrauch von etwa 2,7 l/100 km und 24,4 kWh/100 km an – aber diese Zahlen sind wie Diät-Versprechen nach Weihnachten – die Realität sieht anders aus. Mit leerer Batterie gibt Volkswagen 9,4 Liter an.

Wir gehen es auch – und wie immer bei Plug-in Hybriden – mit leerem Akku an. So verbraucht der Große in unserem Test im Drittelmix 8,5 Liter auf 100 Kilometer und unterbot wiederholt die Werksangabe, ja sogar das Vorfacelift um einen Zehntelliter.
Die Sparrunde absolvierten wir dagegen mit immer noch guten 6,4 Litern auf hochgerechnet 100 Kilometer – das ist ein halber Liter mehr als mit dem Vorfacelift.




Das Aufladen der Hybridbatterie zeigte sich, dass hier keine Investitionen mehr im Rahmen des Facelifts getätigt wurden. Denn es fehlt weiterhin eine Schnellladefunktion, die sonst alle PHEV-Modelle der Marke bei deren letzten Modellpflege erhalten haben. Hier muss immer noch der Typ-2-Anschluss herhalten, was das Laden auf AC-Ladepunkte beschränkt.



Auch an den 14,3 kWh netto an Ladekapazität der Hybridbatterie hat sich nichts geändert. Laut Hersteller dauert das Aufladen an einer AC-Säule mit 7,2 kW 150 Minuten, also 2:30 Stunden. In unserem Test dauerte es länger, nämlich drei Stunden beziehungsweise 180 Minuten.


Die elektrische Reichweite bei voller Ladung wurde vom Bordcomputer mit 45 Kilometern angegeben – vier Kilometer weniger als es Volkswagen verspricht. Letztendlich haben wir 47 Kilometer geschafft, was in Anbetracht der versprochenen Strecke zwar sehr gut ist, aber im direkten Vergleich zum Wettbewerb nicht mehr konkurrenzfähig erscheint. Diese fährt mittlerweile zum Teil deutlich über 100 Kilometer mit einer Batteriefüllung.
Ausstattung, Komfort & Technik
Serienmäßig fährt der Touareg R mit vielem auf, was der VW-Katalog so hergibt: digitales Cockpit, großformatiges Infotainment und das IQ.Light Matrix-LED-Licht, welches über Jahre hinweg als Benchmark gelten durfte und auch heute noch dank mittlerweile HD-Auflösung ganz vorne mitspielen kann. Auch die Luftfederung und 21 Zoll-Räder sind serienmäßig an Bord. Doch der Touareg wäre kein Volkswagen, wenn es selbst für das Topmodell nicht kostenpflichtige Optionen gäbe.





Unser Test-Touareg besaß obendrein ein sogenanntes Aktionspaket Plus, welches stolze 10.400 Euro extra aufrief. Bestandteil dieses Pakets sind insgesamt 25 Optionen, zu denen auch viele Assistenzsysteme für das teilautonome Fahren wie beispielsweise der Travel Assist, der Lane Assist und auch der Emergency Assist gehören.





Zudem erwirbt man in diesem Konglomerat Sitzheizungen auf den hinteren äußeren Sitzplätzen, vollklimatisierte Vordersitze mit Memory und Massagefunktion, ein hervorragendes Head-up Display, eine elektrische Anhängerkupplung für bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast, eine elektrische Heckklappe mit Fußgestensteuerung und vieles mehr.





Im Gegensatz zu Einzelbuchung aller Optionen hatte der geneigte Kunde damals einen attraktiven Preisvorteil. Mittlerweile gibt es dieses Paket nicht mehr. Stattdessen wird der VW Touareg R Facelift als FINAL EDITION mit anderen Preisvorteilen angeboten.
Was kostet das VW Touareg R Facelift?
Der Touareg R ist spürbar teurer geworden als das Vorfaceliftmodell. Dieses war einst für knapp 87.000 Euro zu haben. Später stieg der Preis sukzessive auf rund 91.000 Euro und durchbrach mit dem Facelift und 100.280 Euro die sechsstellige Kaufsumme. Für unseren Testwagen wurden insgesamt 115.130 Euro fällig.
Die FINAL EDITION ist mittlerweile die einzige erhältliche Variante durch alle Varianten des Touareg, also auch des R Facelifts. Und diese startet bei 103.005 Euro – das sind 27.980 Euro mehr als der Basis-Touareg als FINAL EDITION aufruft.

Wer beim Flaggschiff alle Register der Optionsliste zieht, kommt auf einen Endpreis von knapp 124.000 Euro – ohne Garantieverlängerungen und Zubehör. Gut 20.000 Euro für Ausstattung ist bei einem Topmodell ziemlich deftig.
Wichtig: Der Touareg (inkl. R-Version) wird als nur noch bis Ende März 2026 bestellbar sein, bevor VW die Produktion einstellt.
Fazit – Wenn es am Schönsten ist…
…sollte man bekanntlich aufhören, oder? Nun, wäre dem so, stände der Touareg womöglich schon seit Jahren als „Es war einmal“-Modell im Volkswagen-Museum. Man denke da an den W12 TSI oder den V10 TDI der ersten Generation oder an den V8 TDI in der zweiten und auch kurz der dritten Generation, der bis heute unseren Verbrauchsrekord in seiner Leistungsklasse hält.

Unterm Strich ist das VW Touareg R Facelift so etwas wie der letzte Schliff am Maßanzug, bevor der Schneider die Werkstatt schließt. Alles sitzt ein bisschen besser, fühlt sich ein bisschen edler an und wirkt dabei erstaunlich zeitlos. Design, Technik, Komfort und Performance greifen so souverän ineinander, dass man sich fragt, warum man eigentlich ständig von „neuen Maßstäben“ spricht, wenn dieser hier immer noch ziemlich hoch liegt.
Gegenüber dem Vorfacelift zeigt sich der Touareg R spürbar gereift: außen frischer Blick, innen mehr digitale Finesse und Assistenzsysteme, die einem dezent das Gefühl geben, das Auto wisse manchmal mehr als man selbst. Dazu ein Fahrwerk, das seine Masse gekonnt kaschiert und lieber gleitet als protzt. Kurz gesagt: weniger Muskelspiel, mehr Souveränität. Ob das dem R gerecht wird, sei dahingestellt. Wir hätten da von Anbeginn alles, aber keinen Plug-in Hybriden gesehen.

Und dann ist da dieser leise Abschiedston. Mit der Einstellung des Modells verabschiedet sich nicht nur ein großes SUV, sondern ein echter Technologie-Wegbereiter. Über 23 Jahre hinweg war der Touareg oft derjenige, der Neues zuerst durfte und es den anderen vormachte. Dass diese Ära nun endet, hinterlässt mehr als nur eine Lücke im Modellprogramm – es bleibt ein bisschen Nostalgie zwischen Luftfederung und Matrix-LED.

Wer also noch einmal erleben möchte, wie sich ein echtes VW-Flaggschiff anfühlt, sollte nicht zu lange zögern. Der Touareg R verlässt die Bühne nicht mit lautem Knall, sondern mit einem würdevollen Abgang. Und genau das macht ihn am Ende so schwer ersetzbar.
Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- starke Systemleistung und souveräne Beschleunigung
- umfangreiche, hochwertige Ausstattung
- topaktuelle Assistenzsysteme für teilautonomes Fahren
- noch komfortableres Interieur & edlere Verarbeitung
- dank Fahrwerksfeinabstimmung höherer Fahrkomfort als beim Vorfacelift
Contra:
- deutliche Preissteigerung im Vergleich zum Vorgänger
- weiterhin kein Wankstabilisator erhältlich
- Ladezeiten und Reichweite nicht (mehr) konkurrenzfähig
- nur noch kurze Bestellzeit (bis März 2026)
Konkurrenz: Range Rover Sport SV, Porsche Cayenne E-Hybrid, Audi Q7 TFSI e, BMW X5 xDrive45e
Technische Daten: VW Touareg R V6 eHybrid 4Motion
- Farbe: Siliziumgrau Matt Metallic
- Fahrzeugklasse: obere Mittelklasse / SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,90 x 1,98 (2,19 mit Außenspiegel) x 1,69
- Radstand (mm): 2.899
- Antrieb: V6 Bi-Turbo-Ottomotor mit OPF plus Elektromotor
- Hubraum (ccm): 2.955
- Hybridart: Plug-in Hybrid
- Systemleistung: 340 kW (462 PS) bei 5.300 rpm
- max. Drehmoment (Nm): 700 bei 1.340 rpm
- Hubraum: 2.995 ccm
- Getriebe: 8-Gang-Automatik
- Antriebsart: Allrad permanent (4Motion)
- Durchschnittsverbrauch mit leerem Akku (WLTP): 9,4 l/100 km
- Durchschnittsverbrauch mit leerem Akku (NewCarz): 8,5 l/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 119 g/km
- Abgasnorm: Euro 6e 36EB
- Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
- Höchstgeschwindigkeit elektrisch: 135 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 5,1
- max. Bodenfreiheit (mm): 150 bis 258 (Luftfahrwerk)
- Böschungswinkel vorn/hinten: 23,8°/17,2°
- Rampenwinkel: 13,6°
- Wendekreis (m): 12,2
- Hybrid-Akku: Lithium-Ionen
- Hybrid-Akkukapazität brutto/netto (kWh): 17,9/14,3
- Ladeanschluss: Typ 2 einphasig/zweiphasig; 3,6 kW/7,2 kW
- Ladezeiten AC Schuko/AC 3,6 kW/AC 7,2 kW (min): 510/310/150
- Ladezeit AC 7,2 kW gemessen (min): 180
- max. Reichweite elektrisch Werksangabe/gemessen (km): 49/47
- Kofferraumvolumen (l): 665 bis 1.675
- Leergewicht (kg): 2.470
- Zuladung (kg): 550
- Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/3.500
- max. Stützlast (kg): 140
- max. Dachlast (kg): 100
- Tankinhalt (l): 75
- Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
- Neupreis des Testwagens: 115.130 Euro (Basispreis R: 103.005 Euro)

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
