Toyota Proace City Verso – Der vierte Musketier

Toyota Proace City Verso

Familientauglich, mit jeder Menge Platz, Stauraum und vielen praktischen Ablagen, so kennt man einen Hochdachkombi, zu denen auch dieser Toyota Proace City Verso gehört.

Es ist auch kein Zufall, dass die meisten Hochdachkombis in unseren Gefilden viele Ähnlichkeiten vorweisen. Das kommt daher, dass der seit dem letzten Frühjahr erhältliche Proace City Verso genauso auf der EMP2-Plattform aus dem PSA-Konzern basiert, wie auch ein Peugeot Rifter, ein Opel Combo oder der Citroen Berlingo.

Demzufolge ist dieser Toyota der vierte im Bunde. Verso bezeichnet übrigens die Variante mit verglasten Seiten- und Heckfenstern. Ohne Verso ist entsprechend die Bezeichnung für die Kastenwagen- oder Cargoversion.

Wir fuhren den Hochdachkombi in der stärksten Motorisierung, dem 1.5-Liter Turbodiesel mit 130 PS. Fahrbericht.


Exterieur – Design follows Function

Wie alle Markenmodelle wird auch der Toyota in zwei unterschiedlich langen Versionen angeboten. L1 und L2 – letztere ist diese hier getestete Version, also die längere. Optisch gibt es kaum Dinge, die den Toyota Proace City Verso von den anderen Protagonisten unterscheiden lassen. Am markantesten ist der Unterschied an der Front des Proace City Verso zu erkennen.


Toyota Proace City Verso Front
Der jüngste Hochdachkombi ist zeitgleich der mit dem modernsten „Outfit“.



Hier wirkt der Japaner aufgrund seines um einiges flacher ausfallenden Frontgrills und den in der Oberkante desselbigen nahtlos übergehenden Scheinwerfern etwas flacher als seine entfernten Verwandten. Gemeinsam mit der trapezartig aufgeteilten Frontschürze ist es auch das optisch am dynamischsten wirkende Fahrzeug im Vergleich.

In der seitlichen Perspektive gibt es wiederum mehr Ähnlichkeiten und kaum Unterschiede, wenn man mal Kleinigkeiten, wie Chromleisten oder die abweichenden Felgendesigns außer Acht lassen möchte.


Toyota Proace City Verso Seite
Als L2-Version stellte der Testwagen die längere Variante des Proace City Verso dar.



Am Heck dasselbe Spiel: Die Heckleuchtenform gleicht beim Toyota denen am Rifter, am Combo und am Berlingo fast wie ein Ei dem anderen. Nur die markentypische Lichtsignatur macht dann zumindest im Dunkeln den Unterschied und am ehesten hilft hier das jeweilige mittig angebrachte Markenlogo auf der Heckklappe für eine schnelle Abgrenzung.


Toyota Proace City Verso Heck
Zweigeteilt – Die Heckklappe kann im Ganzen oder separiert die Glasscheibe geöffnet werden.



Diese große Heckklappe braucht etwas Kraft beim Betätigen und bietet auch hier nach dem Öffnen einen hervorragenden Regenschirmersatz für mehrere Personen. Die Ladekante sitzt dabei erwartungsgemäß extrem tief. Zusätzlich kann nur die Heckscheibe separat geöffnet werden – all das kennt man auch von den anderen auf der EMP2-Plattform basierenden Versionen.


Interieur – Funktional, pragmatisch und viel Platz

Unser Testfahrzeug kam als Langversion und Siebensitzer, besaß somit in der dritten Reihe zwei weitere Einzelsitze. Die Zusammenstellung der Materialien ordnen sich klar ökonomischen Gesichtspunkten sowie der Praktikabilität unter und sollen nicht primär komfortorientierten Eindruck schinden. Dennoch ist alles solide verarbeitet und der aufgeräumt wirkende Charakter hat auch was Gutes, denn man findet sich sofort zurecht.


Interieur Toyota Proace City Verso
Einfach und funktional ist der Innenraum des Toyota Proace City Verso.



Außerdem gibt es auch im Innenraum diverse Analogien zu den anderen Modellen, wie beispielsweise der Zentralbildschirm – ein typisches PSA-Utensil, welches auch bei Rifter & Co. zum Einsatz kommt. Auch das zweiteilige Handschuhfach findet sich im Toyota Proace City Verso wieder.


Drehregler Automatik
Abgedreht – Der Wahlhebel für die Automatik wurde als Drehregler ausgeführt.



Der Drehregler als Wahlhebel für die 8-Gang-Automatik, der im Armaturenträger positioniert wurde, kennen wir bereits aus dem Combo. So auffällig wie gewöhnungsbedürftig ist die Positionierung des recht kleinen Innenspiegels, der aufgrund der entfernten Position noch kleiner wirkte und so einen ungewohnt kleinen Bereich nach hinten abdecken konnte.




Die Sitze erfüllen ihre Aufgabe gut, ähneln in puncto Abmessungen ebenso dem Gestühl aus den anderen Hochdachkombis. Das Raumgefühl ist großartig und die Rundumsicht bestens. Aufgrund des in diesem Modell nicht vorhandenen Panoramadachs plus zugehöriger längs verlaufender Dachablage, wächst die Kopffreiheit praktisch ins Grenzenlose.

Vorteilhaft ist auch hier der Zugang mittels zwei Schiebetüren, was den Zu- und Ausstieg erheblich erleichtert und den Platzbedarf in engen Parklücken minimiert. Ablagen gibt es überall und diese auch für die dritte Sitzreihe, allerdings sind die meisten Getränkehalter zu flach ausgeführt.


Sitzausbau im Hochdachkombi
Blitzschnell – Zwei Handgriffe sind nötig, um einen Sitz binnen Sekunden zu entfernen.



Sehr erfreulich ist, dass die beiden Einzelsitze der dritten Reihe in jeweils wenigen Sekunden aus- oder eingebaut werden können. Dies schafft aufgrund des geringen Gewichts eines Sitzes auch locker eine einzelne Person. Kein Vergleich zu den schweren Sitzen in einem VW T6.1. Die zweite Sitzreihe besteht hier aus einer zweigeteilten Einheit.




In den Kofferraum passen bei maximierter Konfiguration dachhoch bis zu 2.693 Liter und damit genauso viel wie in einen Rifter L2 oder die anderen Langversionen aus dem PSA-Konzern.


Motor und Fahreigenschaften –  Erfahrbares Déjà-vu

Ein alter Bekannter wartet unter der Motorhaube, denn der 1.5-Liter Turbodiesel mit seinen 130 PS und den sehr zeitig zur Verfügung stehenden 300 Newtonmetern maximales Drehmoment kannten wir bereits aus dem Peugeot Rifter, dem Citroen Berlingo und – ja, es war abzusehen – auch aus dem Opel Combo.


Motorraum D-4D
Der Turbodiesel ist ein kräftiger, sparsamer und bereits bewährter Antrieb.



Auch im Toyota Proace City verrichtet der Selbstzünder als stärkste erhältliche Motorisierung einen souveränen Job, legt sich zeitig ins Zeug und hält den Siebensitzer adäquat in Bewegung. Die 8-Stufen-Automatik ist ebenso eine gängige Kombination und schaltet auch hier sehr früh und sanft. Das Tempo eines Schaltgetriebes kann es zwar nicht erreichen – das sieht man dann beim Vergleich der Beschleunigungswerte auf dem Papier – doch dafür steigt der Komfortlevel spürbar.


Endrohr Proace
Ohne Aufsehen – Das Endrohr des Proace City endet unsichtbar unterhalb der Heckschürze.



Das Fahrwerk des Toyota federt fast alles aus, jedoch nicht so satt und weich, wie das eines Berlingo. Der Proace City kann in etwa das Level eines Rifters vorweisen. Den agilen Eindruck eines Opel Combos verpasste auch der Toyota knapp, aber es sind in der Tat immer nur Nuancen, welche die vier Hochdachkombis in puncto Fahreigenschaften trennen. Hier hilft in jedem Fall eine Probefahrt aller in Frage kommenden Derivate, um ein für sich geltendes Urteil fällen zu können.


Tankdeckel Toyota
Typisch Toyota – Der Tankdeckel befindet sich auf der linken Seite.



Entsprechend ähnlich fiel auch der Verbrauchstest aus, bei dem der Toyota im Drittelmix mit 6,4 Litern auf 100 Kilometer auskam. Auf der Sparrunde mit aktiviertem Eco-Modus übte sich der Proace City Verso in Verzicht und genehmigte sich nur 4,9 Liter. Wer dauernd nahe der Höchstgeschwindigkeit unterwegs ist, den bestraft der Selbstzünder mit zweistelligen Werten auf 100 Kilometern.


Ausstattung, Komfort, Sicherheit

Ausstattungstechnisch besaß der getestete Toyota Proace City verschiedene Dinge, von denen einige auffielen. Wie die manuelle Klimaanlage, die eine etwas zu grobe Abstufung in den ersten drei Stufen des Gebläses aufwies. Entweder kam hier zu wenig oder nur eine Stufe höher, deutlich zu viel Luft im Fahrgastraum an.


Klimaanlage manuell
Trotz insgesamt sechs Gebläsestufen liegen vor allem die ersten drei zu weit auseinander.



Das Infotainment mit Zentraldisplay und einem sehr gutem TomTom-Navigationssystem inklusive einer zuverlässigen Berücksichtigung von Verkehrsstörungen sowie mit einer tadellos arbeitenden Sprachbedienung, konnte im Praxistest viele positive Eindrücke hinterlassen. Eine Privacy-Verglasung und elektrische Fensterheber vorne gehörten ferner auch zum Ausstattungsportfolio des Testwagens.




Ein Head-up-Display ist optional erhältlich, unser Testwagen hatte stattdessen ein weiteres verschließbares Fach über dem Cockpit. Dieses bestand aus zwei analogen Instrumenten plus einem mittig platzierten Zentraldisplay. Die Standard-Soundanlage genügt einfachen Anforderungen, ohne dabei audiophile Wünsche erfüllen zu können. Erfreulicherweise an Bord und auch am besten klingend, war das digitale Radio DAB+.

Keyless oder Sitzheizungen gab es im Testwagen nicht, wird aber in anderen Ausstattungsversionen angeboten. Dafür gab es einen Tempomaten ohne Abstandsregelung sowie einen Spurhalteassistenten, der im Test einige Fehlinterpretationen bezüglich Fahrbahnmarkierungen offenbarte.




Selbst Parksensoren fehlten an unserem Testwagen. Doch aufgrund der nach hinten guten Rundumsicht klappte das Parken auch so einigermaßen gut. Grundsätzlich empfehlen wir aber diese Ausstattungsoptionen, um langfristig den Toyota vor Kaltverformungen zu schützen.




Unser Testwagen besaß Halogenscheinwerfer mit klassischer Reflektortechnik, deren Licht entsprechend nur mittelmäßig zu beschreiben war. Für Halogenlicht geht dieses aber in Bezug auf Reichweite und Ausleuchtung in Ordnung und entspricht in etwa der Leuchtkraft im Opel Combo.


Varianten und Preise des Toyota Proace City Verso

Neben den beiden Versionslängen L1 und L2 wird der Proace City Verso wahlweise immer als Fünf- oder Siebensitzer angeboten.

Darüber hinaus gibt es für beide Karosserielängen vier Ausstattungslinien:

  • Combi – Die Basisversion ist als L1 als einziger auch als Viertürer – mit nur einer Schiebetür – erhältlich. Der Startpreis beginnt bei 20.139 Euro beziehungsweise 20.543 Euro mit fünf Türen als L1 und ab 21.932 Euro als L2.
  • Shuttle – Eine Stufe darüber beginnt der Spaß ab 21.464 Euro als L1 und ab 22.850 als L2.
  • Team Deutschland – Das Sondermodell startet als L1 für 25.530 Euro und 26.914 Euro in der langen Version.
  • Executive – Die Topvariante kostet mindestens 31.096 Euro als L1 beziehungsweise 31.281 Euro als L2.

Wenig vorteilhaft fanden wir die Ausstattungspolitik, bei der Sonderausstattungen ausschließlich über die jeweilige Ausstattungslinie und über zusätzliche, stets mehrere Punkte bündelnde Ausstattungspakete zu beziehen sind. Einzeloptionen gibt es keine.


Toyota Proace City Verso schräg vorne links
Über dem „Shuttle“ gibts noch zwei hochwertigere Ausstattungslinien des Proace City Verso.



Als Siebensitzer sind für alle Modelle jeweils rund 900 Euro mehr fällig.


Fazit – Preisbrechende Verwandtschaft aus Fernost

Mit dem Toyota Proace City Verso geht mittlerweile die Nummer vier der Hochdachkombis einer nahezu identischen Baureihe an den Start. Prädestiniert für den Einsatz als Mobilmacher für Großfamilien oder eben auch als Platzriese für den Personentransport, gibt es nun auch die asiatische Variante und diese erfüllt – wie auch alle verwandten Exemplare – diese Kernkompetenzen allumfassend.


Toyota Proace City Verso Seitenansicht
Rund 1.400 Euro mehr kostet die Langversion des Raumwunders.



Zudem gibt es den Proace City auch ohne Verso, dann ohne Verglasung und optimiert für den Gütertransport mit fast einer Tonne Zuladung. Gleichgültig, welcher Art der Proace City ist – unbedingte Eigenständigkeit oder Abgrenzung stand nicht im Pflichtenheft bei Toyota, dennoch sieht er zumindest von vorn von allen vier Versionen am flottesten aus.

Da selbst identische Motorisierungen unter den Vieren verteilt werden, stellt am Ende neben dem persönlichen Geschmack besonders der Preis das Zünglein an der Waage. Denn der Toyota kostet als Langversion unterm Strich doch erkennbar weniger als die anderen drei Protagonisten.




Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

Technische Daten: Toyota Proace City Verso Shuttle

  • Farbe: Sand Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,75 x 1,85 (2,11 mit Außenspiegel) x 1,81
  • Radstand (mm): 2.975
  • Antrieb: Vierzylinder Commonrail-Turbodiesel mit SCR-Kat und DPF
  • Systemleistung: 96 kW (130 PS) bei 3.750 rpm
  • Max. Drehmoment: 300 Nm bei 1.750 rpm
  • Hubraum: 1.499 ccm
  • Getriebe: 8-Stufen-Automatik DSG
  • Antriebsart: Front
  • Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,2 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,4 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 112 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6-TEMP-EVAP-ISC
  • Höchstgeschwindigkeit: 184 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 12,3 Sekunden
  • Wendekreis (m): 11,5
  • Leergewicht (kg): 1.520
  • Zuladung (kg): k.A.
  • Kofferraum (l): 322 (7-Sitzer), 912 (5-Sitzer), 2.693 (Maximum)
  • Anhängelast max. (kg): 1.500
  • Kraftstofftank (l): 50
  • AdBlue-Tank (l): 17
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Neupreis des Testwagens: ca. 30.300 Euro (Einstiegspreis Verso L2 ab 21.932 Euro)

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