Dass der Genesis GV60 kein kurzlebiger Trend-Autostern ist, sondern ein ernstzunehmender Premium-Protagonist der Elektromobilität, zeigt er mit einem Facelift, welches ihn nochmals jünger machen soll.
Bei seinem Debüt 2021 zeigte er bereits, dass „luxuriöses Stromfahren“ mehr ist als eine nette Idee. Der Start in Deutschland erfolgte analog zu vielen südkoreanischen Importmodellen mit etwas Verzögerung nach der Weltpremiere – Genesis hat seit 2021 kontinuierlich Stück für Stück Marktpräsenz aufgebaut.
2025 markiert nun mit dem ersten größeren Facelift einen besonderen Meilenstein. Es ist nicht nur kosmetische Retusche, sondern eine echte Entwicklung: modernisierte Optik, ein noch hochwertigeres Interieur-Tech-Appeal und ein überarbeiteter Antriebsstrang mit größerer Batterie tragen dazu bei, den GV60 zu verfeinern.
Das Genesis GV60 Facelift basiert weiterhin auf der E-GMP-Plattform, die er sich mit seinen Konzernbrüdern Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 teilt. Technisch verwandt, charakterlich aber ein ganz eigener Typ. Während Ioniq 5 und EV6 eher Sneakers tragen, kommt der GV60 fein geschniegelt daher. Er ist außerdem das erste Genesis-Modell, das von Grund auf als Elektroauto entwickelt wurde. Keine Übergangslösung, kein Kompromiss. Einfach Strom und Stil.
Unser Test-GV60 rollte in der Ausstattung „Sport“ und der 910 Euro teuren Außenfarbe „Capri Blue Metallic“ auf unseren Testparkplatz. Fahrbericht.
Das Wichtigste im Überblick
- Optisch sichtbare und technisch spürbare Modellpflege machen den GV60 fit für die Zukunft.
- In der Premiumriege hat sich das SUV fest etabliert und steht mit dem Wettbewerb nicht selten mindestens auf Augenöhe.
- Viel Platz, diverse Ausstattungs- und Antriebsvarianten und adäquate Ladezeiten & Reichweiten machen ihn zu einem Alltags-Allrounder.
- Exterieur
- Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Verbrauch, Aufladen & Reichweite
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Varianten und Preise
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur – Mit aufgefrischter Bügelfalte
Auf den ersten Blick erkennt man den GV60 zwar immer noch als den gleichen, sympathisch-wuchtigen Crossover, aber das Facelift bringt Feinschliff, der dem Gesamtbild mehr Präsenz und Eleganz verleiht.





Die neue Frontschürze und der überarbeitete Stoßfänger schaffen eine dynamischere „Athletic Elegance“-Attitüde. Zusätzlich schmücken neue Micro-Lens-Array-Scheinwerfer das Gesicht des Fahrzeugs – Technologie, die aus dem Premium-Segment (beispielsweise aus dem G90) entlehnt wurde, um Lichtqualität und Sicht weiter zu verbessern.
Auch dem Heck tat der Stil-Pinsel gut: Body-farbene Akzentteile an Radläufen und Stoßfängern ersetzen vorher eher pragmatische Schwarz-Elemente und wirken so wertiger. Felgendesigns (bis zu 21 Zoll) unterstreichen die athletische Haltung des Elektro-SUV.



Im Vergleich zum Vorfacelift bleibt die Grundsilhouette identisch, aber jedes Detail wirkt nun noch stimmiger und hochwertiger – ein bisschen so, als hätte man den Anzug des GV60 noch einmal perfekt gebügelt.
Interieur – Premium bis in den kleinsten Winkel
Innenleben 2.0: Dazu gehören ein einziger 27-Zoll-Bildschirm, der Infotainment und Navigation in einem seamless Erlebnis vereint. Genauer gesagt vereint dies die vorher sichtbar getrennten 12,3-Zoll-Einzelbildschirme und lässt das Cockpit deutlich moderner, luftiger und aufgeräumter erscheinen.





Die Oberflächenqualität, Materialwahl und das hochwertige Gefühl im Interieur, die bereits beim Vorfacelift beeindruckend waren, sind hier noch einmal akzentuiert worden. Das Verarbeitungsniveau fühlt sich nun noch ein Stück näher an etablierten Premiummitbewerbern an. Detailtoleranzen sucht man vergebens.





Ein neues Dreispeichen-Lenkrad liegt hervorragend in der Hand; die ergonomische Integration von Händen zum Fahrzeug ist spürbar intensiver geworden. Zudem bleibt das intuitive Bedienkonzept mit vielen physisch fühlbaren Tasten ein echtes Plus, gerade im Vergleich zu Wettbewerbern, die voll auf Touch-Feld-Steuerung setzen – etwas, das viele Fahrer im Alltag zu schätzen wissen.





Platztechnisch bleibt alles identisch zum Vorfacelift: der Innenraum bietet Insassen adäquates Raumgefühl, der Kofferraum schluckt mindestens die mehr als alltagskonformen 680 Liter und der Frunk unter der vorderen Haube macht mit 20 Litern zumindest Stauraum frei für so manchen Kleinkram. Ohne AWD wächst hier der Stauraum sogar auf 53 Liter.
Antrieb und Fahreigenschaften – Entkopplung ohne Kontaktverlust
Im Facelift arbeitet der GV60 weiterhin mit dem bewährten 800-Volt-Elektrosystem und zwei E-Motoren – pro Achse einer. Doch die Batterie wächst auf ca. 84 kWh netto, was Leistung und Reichweite nach oben verschieben soll.

Die hier getestete Allrad-Variante leistet in Summe 319 PS und 605 Newtonmeter. Dies soll einen sportlicheren Charakter sichern. Das Fahrerlebnis bleibt allerdings auch beim Allradler seinem Charakter treu: geschmeidig, nahezu isoliert von Straßenlärm, aber niemals entfremdend. Hier spielt auch die nochmals verbesserte Dämmung in die Karten.
Lenkung, Federung und Antrieb spielen eine sehr harmonische Symphonie: komfortabel, aber mit genug Direktheit und Kontrolle, um auch kurvige Landstraßen zu einem Genuss zu machen. Die Rückmeldung über die Lenkung ist klar, die Federung souverän abgestimmt – komfortabel, aber mit genug Vorspannung, um Dynamik und Ruhe im richtigen Verhältnis zu halten.

Besonders angenehm ist, wie viel Rückmeldung trotz Komfort vermittelt wird. Diese dennoch entkoppelnde Wirkung ist beeindruckend, vor allem, weil sie dabei nicht den Kontakt zur Fahrbahn vermissen lässt. Eine Gratwanderung, die hier definitiv gelungen ist.
Die 5,5 Sekunden aus dem Stand bis Tempo 100 vergehen entsprechend wie im Fluge, ohne dabei Stress oder gar Racing-Allüren freizusetzen. Distinguiert, aber vehement – so fühlt sich Vorwärtsdrang im Genesis GV60 Facelift an.



Aufgefallen: Während des Testzeitraums gab es mitunter stark verschneite Straßen. Hier zeigte der Koreaner dank fein abgestimmter Allradtechnik eine bemerkenswerte Souveränität und generierte dadurch vom ersten Meter an Vertrauen und maximale Verbindlichkeit. Bravo!
Verbrauch, Aufladen & Reichweite im Genesis GV60 Facelift
Unser Test fand durchgängig bei winterlichen Außentemperaturen im Minusbereich statt. Das sind wie bei allen E-Autos weniger optimale Gegebenheiten in puncto Verbrauch & Co. Dieser pendelte sich im realen Alltag und im Drittelmix ermittelt bei 24,6 kWh auf 100 Kilometer ein. Die Sparrunde schloss der GV60 mit einem Schnitt von 16,8 kWh ab – trotz winterlicher Bedingungen ist dies ein sehr guter Wert.

Nachdem wir den Akku geleert hatten, fuhren wir an einen Hypercharger und erlebten beim ersten Ladevorgang eine weniger gute Überraschung. Statt der versprochenen 240 kW Ladestrom kamen wir nicht über 113 kW. Wir waren dabei allerdings auch selbst schuld, denn wir vergaßen die Vorkonditionierung der Batterie zu aktivieren.





Vor dem nächsten Ladevorgang holten wir das nach und möchten anmerken, dass dafür mindestens 30, bei tieferen Temperaturen auch mehr als 45 Minuten eingeplant werden sollten. So vorkonditioniert, kamen wir auf kurzzeitig bis zu 211 kW. Dadurch verringerte sich die Ladezeit von vorherig 45 Minuten auf 28 Minuten bis der Ladestand 80 Prozent erreicht hat.
Mit der größeren Batterie (statt 77,4 kWh sind es nun 84 kWh) soll auch die Reichweite steigen. Mit 512 Kilometer WLTP-Reichweite käme das Genesis GV60 Facelift tatsächlich weiter als zuvor. Doch auch hier machte der Winter einen Strich durch die Rechnung und nach spätestens 360 Kilometer mussten wir den Zwischenhalt an einer Ladesäule vornehmen.
Wer längere Strecken plant, sollte aktiv auf Temperaturmanagement beim Akku achten, um Ladezeiten realistisch einzuplanen.
Ausstattung, Komfort & Technik
Auch ohne Advance-Paket bietet das Genesis GV60 Facelift als „Sport“ bereits ein üppiges Ausstattungspaket: schnelle und homogen wärmende Sitz- und Lenkradheizungen, wirkungsvolle Sitzbelüftungen, helle sowie weit ausleuchtende und gut in der Ausblendautomatik agierende Matrix-LED-Lichttechnik, eine hochwertige Materialausstattung und ein erstklassiges Sound-Setup.





Letzteres stammt von Bang & Olufsen und der stattliche Aufpreis von 1.570 Euro ist aus unserer Sicht dennoch akzeptabel. Denn das Klangbild offeriert sich als sehr natürlich, kann jedes Musikgenre mit Bravour wiedergeben und war im Test zu jeder Zeit ein Genuss für die Ohren.

Das neue 27-Zoll-Display integriert Systeme elegant und schafft eine fühlbar moderne Interface-Basis. Kartenansichten können beispielsweise über die nahezu gesamte Fläche projiziert werden. Das vollwertige Head-up Display sorgt für noch mehr Sicherheit und stetigen Informationsfluss für den Fahrer.





Die Assistenz ist insgesamt state-of-the-art: ein adaptiver Tempomat, der angenehm weich die Abstände zum Vordermann reguliert, Totwinkel- und Spurhalteassistent reagieren sehr zuverlässig. Eine zu sensible Fahrerüberwachung bleibt einer der wenigen Kritikpunkte in der Bedienung – gut gemeint, aber nicht selten zu früh, mitunter falsch und in jedem Fall zu aufdringlich alarmiert.
Varianten und Preise des Genesis GV60 Facelift
Genesis bietet das GV60 Facelift in vier Versionen an:
- GV60 Basis – Als RWD mit 229 PS geht es bei 54.680 Euro los und beinhaltet unter anderem 19 Zoll-Räder, Micro-Lens-LED-Scheinwerfer, 2-Zonen-Klimaautomatik, Wärmepumpe, Parksensoren vorn und hinten plus Rückfahrkamera, elektrische Heckklappe, sieben Assistenzsysteme, elektrische Vordersitze mit Sitzheizung, elektrische Außenspiegel, klappbar und automatisch abblendend und einiges mehr.
- GV60 Premium – Ab 57.680 Euro ist zusätzlich Digital Key 2.0, Ambientebeleuchtung und Face-Connect (Gesichtserkennung) – um nur einige Dinge zu benennen.
- GV60 Sport – AWD und 318 PS stehen in dieser von uns gefahrenen Version für mindestens 64.580 Euro bereit; 20 Zoll-Räder, Lenkradheizung und vieles mehr sind zusätzlich an Bord.
- GV60 Sport+ – AWD und 490 PS gibt es inklusive Drift-Mode, adaptivem Fahrwerk, viel Alu-Dekor, Matrix-LED, 21 Zoll-Räder, Head-up Display, 360 Grad-Rundumsicht, Einparkassistent, Nappaleder und Sperrdifferenzial ab 74.480 Euro.

In Summe bleibt der GV60 trotz der Fülle an Ausstattung vergleichsweise attraktiv positioniert für ein Premium-Elektro-SUV dieses Kalibers.
Ab Sommer 2026: GV60 Magma – Als Performance-SUV kommt der Koreaner dann mit 650 PS und einer konsequent auf Sport getrimmte Abstimmung. Der Antrieb ist identisch zu dem im IONIQ 5 N; der Preis noch nicht bekannt, aber im Vergleich zum Hyundai, der bei rund 75.000 Euro startet, dürfte dieser der Premium-Riege verschriebene GV60 nochmals deutlich darüber starten.
Fazit – Facelift mit viel Substanz
Das Facelift des Genesis GV60 ist alles andere als notwendige marketinggerechte Augenwischerei. Es ist eine logische, ganzheitliche Weiterentwicklung, die das SUV moderner, besser vernetzt, alltagsfähiger und noch stimmiger in der Gesamtwirkung macht.

Fahrkomfort, Exterieur-Auftritt und besonders das Interieur-Gefühl heben ihn weiterhin vom Mainstream ab und lassen ihn zweifelsfrei in der Premium-Liga und dort mit ganz vorne mitspielen.
Beim Winterladen hat der Koreaner – wie auch viele seiner Wettbewerber – seine Problemchen. Auch bei der übervorsichtigen Fahrerüberwachung ist Kritik angebracht und bleibt genug Raum für Verbesserung.

Viel Stil mit viel Annehmlichkeiten – das bietet der GV60 und sollte für alle, die ebendies suchen und clever genug sind, um Image-Ambitionen hintenanzustellen, eine Chance zur nächsten Probefahrt erhalten.



Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- sehr hochwertiges, modernisiertes Interieur
- elegant überarbeitete Optik mit besserer Lichttechnik
- sehr angenehmes, komfortables und souveränes Fahrgefühl
- sicheres Vorankommen dank AWD auch im Winter
- umfangreiche Serienausstattunggute Assistenzpakete
Contra:
- winterliches Laden ohne Akku-Konditionierung schwach
- Reichweite im Winter deutlich geringer
- Fahrerüberwachung nervt
- Sitzlüftung bei hoher Stufe hörbar
- Optionspakete teuer
Konkurrenz: Audi Q4 e-tron, Volvo XC40 Recharge, Kia EV6, Polestar 4, Hyundai IONIQ 5
Technische Daten: Genesis GV60 Sport AWD
- Farbe: Capri Blue Metallic
- Fahrzeugklasse: Mittelklasse / SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,55 x 1,89 (2,15 mit Außenspiegeln) x 1,58
- Radstand (mm): 2.900
- Antrieb: 2x E-Motor Permanent-Synchronmaschine (PSM)
- Hybridart: –
- max. Gesamtleistung: 234 kW (319 PS)
- max. Drehmoment (Nm): 605
- Akku Kapazität netto (kWh): 84
- Ladeanschluss: CCS/Typ 2 kombiniert
- Ladezeit von 10 bis 80 % DC mit max. 240 kW Werksangabe/gemessen (min): 18/28
- Ladezeit von 10 bis 100 % AC mit max. 11 kW Werksangabe (min): 455
- Reichweite Werksangabe/NewCarz (km): 512/360
- Getriebe: stufenloses Reduktionsgetriebe
- Antriebsart: Allrad
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 18,4 kWh/100 km
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 24,6 kWh/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 0 g/km
- Abgasnorm: Elektroauto
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (elektronisch begrenzt)
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 5,5
- Bodenfreiheit (mm): 160
- Wendekreis (m): 11,9
- Kofferraumvolumen (l): 680 bis 1.460 (plus 20 im Frunk)
- Leergewicht (kg): 2.170
- Zuladung (kg): 440
- max. Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/1.600
- max. Stützlast (kg): 100
- max. Dachlast (kg): 100
- Kraftstoffart: elektrische Energie
- Neupreis des Testwagens: 80.030 Euro
- Basispreis Einstiegsmodell: 54.680 Euro

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
