Skoda Kamiq – Little Big Man

Skoda Kamiq

Der Skoda Kamiq als jüngstes SUV des tschechischen Herstellers ist seit rund einem Jahr auf dem Markt und besetzt das facettenreiche Segment der zweitkleinsten Sports Utility Vehicles.

Seine Konkurrenten kommen teilweise aus dem eigenen Konzern, wie der VW T-Cross oder der Seat Arona. Doch auch darüber hinaus ist der Wettbewerb nicht unbedeutend. Ein bereits erfahrener Hyundai Kona oder ein Renault Captur sowie der brandneue Ford Puma gehören ebenso dazu – um nur einige zu nennen.

Als Basis für unseren Fahrbericht stand uns ein Skoda Kamiq, der eine Stufe unter dem Skoda Karoq residiert, in der Ausstattung „Style“ zur Verfügung, der durch einen 1.5-Liter TSI angetrieben wurde.


Exterieur – Pfiffige Aufmischung

Ein typischer Skoda, sagen die meisten Betrachter im ersten Augenblick, doch dann kommen Ergänzungen hinzu, die beispielsweise die polarisierende Front hervorheben. Diese erinnert mit ihrer aufgeteilten Lichttechnik ein wenig an den Hyundai Kona.


Lichteinheiten zweigeteilt
Zweigeteilte Leuchteinheiten an der Front haben auch die Koreaner erfolgreich am Start.



An diesem Auto übernehmen allerdings kristallartige LEDs im Viererpack pro Seite die Aufgabe für das Tagfahr- und Standlicht sowie für das in dieser Klasse sehr seltene pulsierende Blinkerlicht. Insgesamt wirkt die Frontpartie gelungen, da sie durch ihre unkonventionelle Art das Straßenbild ein bisschen aufmischt.


Skoda Kamiq Seite
Skoda-typisch begleiten die Seitenpartie diverse Falze und Kanten.



Seitlich betrachtet, zeigt der Kamiq seine vielen Kanten und Knicke, mit denen er seinen dynamischen Auftritt unterstreicht. Am Heck gibt es weniger extrovertierte Effekte, die Rückleuchten ähneln denen des neuen Octavia, wurden ebenfalls in LED-Technik ausgeführt und das Blinklicht pulsiert vornehm, wie das in den höheren Fahrzeugklassen.


Skoda Kamiq Heck
Gefällige Struktur – Der Heckbereich des Kamiq gilt designtechnisch als gelungen.



Endrohre beziehungsweise derartige Blenden wurden an diesem Skoda von vornherein weggelassen. Dafür gibt es hier einen angedeuteten Unterfahrschutz. Seit einiger Zeit üblich, prangt der Markenname mittig in Großbuchstaben auch am Heck des Skoda Kamiq.


Interieur – Chic und Praktikabilität auf Böhmisch

Der Innenraum des kleinen SUVs ähnelt nicht wenig dem des Skoda Scala, punktet mit sportlichen Integralsitzen, welche sehr bequem auch längere Strecken in diesem Tschechen ermöglichen. Das Platzangebot erhält vorne für diese Fahrzeugklasse den Daumen nach oben, hinten kommen Personen bis ungefähr 1,75 Meter Körpergröße gut unter. Wer größer ist, könnte auf längeren Reisen allerdings die leichten Einschränkungen dann doch erfahren.


Interieur Kamiq
Scala lässt grüßen – Der Innenraum des Kamiq zeigt Analogien zum Bruder.



Der Materialeinsatz geht absolut in Ordnung und die Verarbeitung zeigte an keiner Stelle Ansätze zur Beschwerde. Im Testfahrzeug erhellte ein großes Panoramadach durch die damit ermöglichte Lichtflutung den Innenraum. Dieses ist zwar nicht zu öffnen, gestaltet aber die Atmosphäre des Innenraums um einiges freundlicher.




Das Lenkrad mit seinem perforierten Kranz und der abgeflachten Unterseite ist ein kleines Schmankerl und liegt sehr griffig in den Fahrerhänden. Zentraler Blickfang ist zudem der große Bildschirm des Infotainments. Durch Anordnung der Sensortasten links und rechts daneben, wirkt diese Einheit größer, als sie es ist.




Der Kofferraum bietet im Vergleich mit anderen seiner Klasse viel Raum für Gepäck und vieles mehr. Hier schlägt er mit maximal 1.395 Liter seine direkten Konkurrenten Seat Arona und VW T-Cross. Sogar dem größeren VW T-Roc bietet der Tscheche Paroli, schluckt dieser gerade einmal rund 130 Liter mehr. Kunststück, denn der Kamiq ist auch insgesamt wenige Millimeter länger als dieser.


Motor und Fahreigenschaften –  Munter und flink

Wir verraten es gleich vorab: Der Motor mit seinen 150 PS mobilisiert den Kamiq mehr als adäquat. Das heißt, der 1.5-Liter TSI ist recht agil bei der Sache – mit einer Einschränkung.


Motorraum Kamiq
Der 1.5 TSI ist ein wirklich lebhafter und sparsamer Motor…



Das 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe weist in diesem Modell immer noch eine leichte, aber spürbare Anfahrschwäche vor. Diese wurde bei dem großen Bruder Octavia oder dem Konzernverwandten Golf 8 fast vollends ausgemerzt. Hier ist sie noch präsent und das trübt das willige Temperament des Motors etwas. So fiel auch die Benutzung der immerhin vorhandenen Schaltwippen durch ebendiese Charakteristik eher selten aus.


DSG Schaltknauf
…den die zeitweilige Trägheit des DSG leider etwas ausbremst.



Der Benzinmotor besitzt eine Zylinderabschaltung im Teillastbereich, wovon man als Fahrer nichts mitbekommt. Die Mildhybrid-Technik des Golfs oder des Seat Leon bleibt bei Skoda leider außen vor. Segeln kann der Kamiq zwar auch, aber der E-Punch des 48-Volt-Systems hätte hier sicher entscheidende Punkte bezüglich der Gedenksekunde des DSGs gebracht.


Skoda Kamiq im Raps
Besitzt ausschließlich Frontantrieb, doch damit geht es auch mal auf feuchter Wiese voran.



Im Fahrverhalten zeigt sich dieses Auto sehr komfortorientiert. Und das, obwohl er ein Sportfahrwerk besitzt. Doch so richtig sportlich wird es im Kamiq zu keiner Zeit – was einem zügigen Vorankommen allerdings keinen Abbruch tut.

Immerhin benötigt der Tscheche nur 8,4 Sekunden für den Standardsprint bis Tempo 100 und das Ende des Vortriebs findet erst bei 212 km/h statt – in der Praxis waren es sogar 216 km/h laut GPS. Ein Langweiler ist er also keinesfalls, dieser Kamiq, aber ein Leisetreter, denn die Dämmung lässt es lange Zeit angenehm leise im Innenraum. Erst bei hohen Tempi kratzt der Fahrtwind an der Außenhaut des sympathischen SUVs.


Endrohre unsichtbar
No Show – Der Kamiq versteckt seine Endrohre unter der Heckschürze.



Ein weiterer großer Vorteil sind seine kompakten Abmessungen, wodurch er flink und wendig auch in urbanen Bereichen navigierbar bleibt. Eine gute Rundumsicht plus minimaler Totwinkel-Mankos kompensierende Kamera und Sensoren dürften jeden Trip im Ballungsgebiet zum einfachen Unterfangen entschärfen. Noch wendiger ist in diesem Metier eigentlich nur noch der Suzuki Ignis, der dabei nochmals kleiner ist als dieser Kamiq.


Skoda Kamiq schräg hinten links
Gutmütig und neutral – Das Kompakt-SUV ist ein sehr sicherer Begleiter.



Ansonsten bleibt der Skoda bis zum Grenzbereich sehr neutral und schiebt erst beim Erreichen desselbigen leicht über die Vorderräder. Er wird wie seine Geschwister T-Cross und Arona ausschließlich mit Frontantrieb angeboten. Lenkung und Bremsen arbeiten mit gutem Feedback, letztere erwiesen sich zudem als gut dosierbar und vor allem auch standfest.


Verbrauch Kompakt-SUV
Um die acht Liter ist ein erwartungsgemäßer Wert für das SUV.



Durchschnittlich ist das Verbrauchsverhalten des Skoda Kamiq. Im Drittelmix konsumierte das kleine SUV 8,1 Liter auf 100 Kilometer. Die Sparrunde absolvierte der Tscheche mit respektablen 4,9 Litern – für ein benzingetriebenes SUV ist das absolut anerkennenswert. Sportfahrer müssen mit gut neun Litern rechnen und selbst Vollgasfahrten bleiben ganz knapp über dem einstelligen Bereich.


Ausstattung, Komfort, Sicherheit des Skoda Kamiq

Als „Style“-Ausführung besaß unser Testkandidat im Vergleich zur Basis ein ganzes Plus an Ausstattungen, wovon wir die uns aufgefallenen benennen möchten.




Der Abstandstempomat ACC machte vor allem auf der Autobahn seine Aufgabe gut. Auf kurvigen Landstraßen verhinderte ein offenbar sehr spitzer Erfassungswinkel die stetige Überwachung des vorausliegenden Fahrbahnbereichs. Denn sobald in leichten Kurven der Vorausfahrende einen bestimmten Winkel verlässt, beschleunigt der Kamiq sofort, um dann beim erneuten Erfassen des Fahrzeugs vehement abzubremsen.


Assistenzsysteme Einstellung
Einfach visualisiert: Die Assistenten werden einfach über das entsprechende Feld…



Der Müdigkeitswarner verlässt sich offenbar zu stark auf den überengagierten Spurhalteassistenten, der sehr oft ohne Grund ins Geschehen eingreifen möchte. Passiert dies des Öfteren – was im Praxistest der Fall war – geht der Müdigkeitswarner von einem Aufmerksamkeitsdefizit des Piloten aus und schlägt eine Pause vor.


Lane Assist
…ausgewählt, um dann die Spezifikationen nach eigenem Wunsch zu wählen.



Das schlüssellose Zugangssystem KESSY funktionierte fehlerfrei und das automatische Anklappen der Außenspiegel kostet als Option 180 Euro, die beim überwiegenden Einsatz im urbanen Bereich als gut investiert gelten dürfen.

Der überaus praktische Türkantenschutz verhindert Lackschäden an den Türkanten bei unfreiwilligen Kontakten und erscheint hier weniger wackelig ausgeführt als in einem Ford Focus.


Türkantenschutz am Skoda
Rempler adé – Die selbstständig ausfahrenden Kantenschützer bewahren den Lack davor.



Die Sitzheizungen könnten auch die Bezeichnung Sitzkochfeld vertragen, denn analog zum Skoda Fabia heizen diese in der zweiten Stufe derart ein, dass man schnell Angst bekommt, man könnte sich den Sitzapparat verbrennen. Im Winter ist die expressartige und flächendeckende Aufheizung allerdings mit Sicherheit eine Wonne.




Das Standard-Soundsystem bietet ein recht ausgewogenes Klangspektrum, kann aber den Markensystemen der Inhouse-Konkurrenten namens Beats nicht Paroli bieten. Widmen wir uns abschließend noch den Voll-LED-Scheinwerfern des Skoda Kamiq. Diese konnten mit einem recht homogenen Lichtbild und guter Helligkeit punkten; besonders das Fernlicht gefiel durch seine hohe Reichweite.

Varianten und Preise des Skoda Kamiq

Das kleine SUV wird in fünf Ausstattungen angeboten:

  • Active heißt der Einstieg und bringt bereits Skoda-Connect, Teil-LED-Scheinwerfer, Spurhalteassistent und Frontradar mit Personenerkennung in den Kamiq – Startpreis 18.462 Euro.
  • Ambition liegt eine Stufe darüber, kostet mindestens 21.201 Euro und bietet zusätzlich Dinge, wie 16-Zoll-Leichtmetallräder, Parksensoren am Heck, einen Bergabfahrassistenten und einen Knieairbag für den Fahrer.
  • Drive 125 erhält on top eine 2-Zonen-Klimaautomatik, spezielle Aero-Räder im 16-Zoll-Format, Sitzheizung und das Infotainment Bolero zum Einstiegspreis von 22.458 Euro.
  • Style ist die zweithöchste Ausstattungsvariante, kostet ab 23.151 Euro und bietet obendrein 17-Zoll-Räder und vieles mehr.
  • Monte Carlo heißt die Topausstattung und füllt den Kamiq zusätzlich mit Sportsitzen in einer Stoff-Leder-Kombination, 18-Zoll-Rädern, Voll-LED-Scheinwerfern und einem Panoramaglasdach für mindestens 24.798 Euro.



Skoda Kamiq Active 1.5 TSI
Als „Style“ besitzt der Kamiq die zweithöchste Ausstatungsvariante.



Als Motoren stehen drei Benziner, ein Erdgasantrieb und ein Dieselmotor bereit. Als Benziner gibt es einen Dreizylinder 1.0 TSI mit 95 oder 115 PS, der 1.5 TSI leistet 150 PS und der CNG-Antrieb bringt es als 1.0 G-Tec auf 90 PS. Der 1.6 TDI liefert 115 PS. Die Motoren sind je nach Ausstattung verfügbar.


Fazit – Klein sei das SUV, wendig und smart

Neben seiner konzerninternen Konkurrenz – dem VW T-Cross und dem Seat Arona – positioniert sich der Skoda Kamiq selbstsicher und selbstbewusst eingepreist. Simply Clever befindet sich hier ebenfalls an Bord, doch die Zeiten des günstigen Pragmatikers sind vorbei. Immerhin kostet unser Kamiq damit rund 6.000 Euro mehr als ein vergleichbar ausgestatteter Hyundai Kona 4WD.

Mit rund 38.000 Euro ist der Testwagen allerdings auch nahezu voll ausgestattet, erhält den stärksten verfügbaren Motor und gibt uns – mit Ausnahme des teils unentschieden wirkenden DSGs – auch keinen wirklichen Raum für Kritik.


Skoda Kamiq auf Asphalt
In der Riege der Kompakt-SUVs macht der Kamiq eine gute Figur, muss sich nicht verstecken.



So eignet sich der Kamiq für jung wie alt, für die kleine Familie oder den Single mit kleinem SUV-Bedürfnis gleichermaßen. Sein Handling ist sicher, sein Einsatzzweck vielfältig. Die Aussage, dass ein SUV nicht in Ballungsgebiete passt, straft der Skoda Kamiq Lügen, den er tut es, kann sich dank seiner kompakten Abmessungen hier sehr gut behaupten.


Kamiq Heck
Nicht nur über Land, sondern auch in der Stadt kann der Kamiq durch seine Abmessungen gefallen.



Wir sind gespannt, wie sich der Mini-Kodiaq in Zukunft schlagen wird – gibt es doch immerhin auch in diesem Segment bereits nicht wenige Fahrzeuge – teilweise günstiger, teilweise sogar mit Allradantrieb – der zugegebenermaßen zwar so gut wie nicht benötigt, aber doch gern gekauft wird. Man hat offenbar eben gerne das, was man brauchen könnte.




Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

Konkurrenz: VW T-Cross, Seat Arona, Renault Captur, Hyundai Kona, Ford Puma, Peugeot 1008 (ab 2021)

Technische Daten: Skoda Kamiq Style 1.5 TSI

  • Farbe: Velvet Rot Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,24 x 1,79 x 1,53
  • Radstand (mm): 2.651
  • Antrieb: Vierzylinder Benzinmotor mit Turbolader und Zylinderabschaltung
  • Systemleistung: 110 kW (150 PS) bei 5.000 rpm
  • Max. Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 rpm
  • Hubraum: 1.498 ccm
  • Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG
  • Antriebsart: Front
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 6,2 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,4 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 139 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC
  • Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h (gemessen 216 km/h)
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 8,4 Sekunden
  • Wendekreis (m): 10,1
  • Leergewicht (kg): 1.277
  • Zuladung (kg): 486
  • Kofferraum (l): 400 bis 1.506
  • Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12 % (kg): 630/1.250
  • Stützlast (kg): 75
  • Dachlast (kg): 75
  • Kraftstofftank (l): 50)
  • Kraftstoffart: Superbenzin mind. 91 Oktan
  • Neupreis des Testwagens: 38.149,01 Euro (Einstiegspreis Kamiq ab 18.462 Euro)

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