Das Cupra Formentor TDI Facelift ist nicht das Ergebnis einer leichten Schmink-Kampagne, sondern ein wohlüberlegter Modernisierungsschachzug der Spanier.
Der Formentor ist bekanntlich das erste speziell für die Marke entwickelte Modell von Cupra, dem sportlichen Ableger aus dem Volkswagen-Kosmos, der 2018 als eigenständige Marke aus der Rennsport- und Performance-Tradition von SEAT herausfiletiert wurde.
Produziert wird der Formentor seit Ende 2020 im Werk Martorell (Spanien) und seitdem wächst seine Fangemeinde rasant, bis er 2025 als meistverkauftes Cupra-Modell über 104.000 Einheiten weltweit bewegte. In Deutschland sind bisher über 111.000 Exemplare neu zugelassen worden. Und man sieht es, wenn man mit offenen Augen am Straßenverkehr teilnimmt.
Was das letzte Facelift für den Formentor alles mitbrachte, hatten wir bereits beim Hybrid-Modell beleuchtet. Was beim Diesel dabei neu ist, klärt dieser Fahrbericht, zu dessen Zweck ein Formentor TDI mit 150 PS in der unschuldsbekennenden Außenfarbe „Glacial Weiß Metallic“ (kostet 810 Euro extra) unser Testgelände erreichte.
Das Wichtigste im Überblick
- Sportiver Crossover für den Alltag, da kräftig, sparsam, praktikabel und gut ausgestattet.
- Dank Facelift optisch und technisch an offenbar genau den erforderlichen Stellen aufgefrischt.
- Gute, weil auch effiziente und günstigere Alternative für Vielfahrer zum Plug-in Hybriden.
- Exterieur & Interieur
- Antrieb und Fahreigenschaften
- Ausstattung, Komfort & Technik
- Varianten und Preise
- Fazit
- Pro & Contra
- Technische Daten
Exterieur & Interieur – Evolution eines spanischen Raubfischs
Optisch hat der Formentor beim aktuellen Facelift insbesondere eine markantere Front durch die sogenannte „Sharknose“erhalten. Durch diese Haifischnase wird der Spanier quasi zum Raubfisch – mit einem selbstbewussteren Lichtspiel. Kleine Dreiecke illuminieren nun das Tagfahrlicht und bilden das neue Erkennungszeichen des Cupra.





Die optionalen Matrix-LED-Scheinwerfer gehören nicht nur zur technischen Spitze ihres Segments, sie sind so gut, dass VW’s IQ.Light durchaus neidisch werden sollte — was wirklich etwas heißen will. Mehr dazu später. Am Heck gibt’s nun das Cupra-Logo als LED-Feuer – es wird beleuchtet.

Innen gibt es ein aufgeräumtes, digitales Cockpit und ein größeres Infotainment-Display als zuvor. Serienmäßig sind Features wie Digitalanzeige und Integral-Sportsitze dabei, aber das große kreative Upgrade ist die neue HMI-Steuerung (Human Machine Interface – die computergestützte Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine), die Bedienung fühlt sich heute nochmals souveräner an als beim Ur-Formentor.





Das wird allein durch die schnellere Verfügbarkeit des Infotainmants nach dem Fahrzeugstart, aber auch durch die bessere Sprachsteuerung und der Vereinfachung der Menüstrukturen.





Im Vergleich zum Vorfacelift wirkt der Innenraum heute „fertiger“ und weniger nach halbem Technik-Experiment, was viele Besitzer als willkommene Verwandlung bezeichnen. Insgesamt vermittelt das Interieur eine wertige, funktional durchdachte Atmosphäre, bei der sich Insassen gern zurücklehnen – und zugleich nie das Gefühl entwickeln, es fehle an modernen Komfort-Basics oder cleverer digitaler Unterstützung.
Antrieb und Fahreigenschaften – Leichtes Spiel mit Leichtöl
Der bewährte 2.0 TDI mit 150 PS und wird auch nach dem Facelift serienmäßig nur mit 7-Gang-DSG kombiniert, das Schaltgetriebe wurde bereits 2023 gestrichen. Der Frontantrieb ist nun beim Diesel auch alternativlos. Will heißen: Als Allradler ist der Formentor als Diesel nicht mehr erhältlich.

Neben der Umstellung auf Euro 6e wurden auch die Leistungsdaten leicht verändert. Das maximale Drehmoment blieb zwar bei 360 Newtonmeter, doch das Spurtvermögen in der Kategorie null bis Tempo 100 verbesserte sich um drei Zehntelsekunden auf nun glatte neun Sekunden.

Das flotte Schalten des DSG gefiel im Test sehr gut und zeigte sich um Welten besser als im Vorfacelift. Denn dieses gelingt mittlerweile ohne diesen langen „Ups, was nun?“-Moment, den so mancher 7-Gang-Doppelkuppler aus dem Hause Volkswagen in der Vergangenheit vorgeführt hat.
Da das Maximum an Drehmoment bereits ab 1.600 Touren anliegt, schiebt der Selbstzünder kraftvoll an und benötigt im Alltag selten höhere Drehzahlen. Der Diesel bringt dadurch eine Gelassenheit auf die Straße, die eher an einen fluide dirigierten Tango als an ein hektisches Streetdance-Battle erinnert. Selbst in freier Wildbahn – Pardon, auf freigegebener Autobahn – macht der Spanier bis zu 205 km/h mit und lässt dadurch selten was anbrennen.


Einziger kleiner Wermutstropfen: Das Start-Stopp-System wirkt etwas arg klassisch – es hängt am üblichen Anlasser statt an einer Mild-Hybridunterstützung. Dadurch startet der Motor nach Ampelstopps manchmal wie ein verschlafener DJ, der gerade den Beat wiederfindet.
Großes Kino darf sich dagegen das Verbrauchsergebnis nennen. Im Test-Durchschnitt im Drittelmix genügten dem Turbodiesel 5,6 Liter auf 100 Kilometer – ein halber Liter mehr als Cupra angibt. Die 50 Liter Tankinhalt reichen also locker, um Deutschland Nord-Süd ohne Tankstopp zu durchqueren.

Wer es zurückhaltend angeht, kann sogar vierstellige Werte erreichen, wie unsere Sparrunde bewiesen hat. Lediglich 3,8 Liter genehmigte sich das Cupra Formentor TDI Facelift auf hochgerechnet 100 Kilometer.
Ausstattung, Komfort & Technik
Beim Cupra Formentor TDI Facelift geht die Serienausstattung wie bei allen Formentor-Versionen bereits weit über das Minimum hinaus: 3-Zonen-Klimatisierung, ein umfangreiches LED-Lichtpaket mit dynamischen Blinkern und beleuchtetem Logo hinten, ein multifunktionales Sport-Lenkrad (beheizbar, versteht sich), elektrische Fensterheber vorne und hinten, Ambientebeleuchtung, eine Willkommens-Light-Show beim Einsteigen und einen umfangreichen Satz an Ablagen und Steckdosen – inklusive 12-V und USB-C-Anschlüssen vorne und hinten, damit sämtliche Gadgets nie schlappmachen.




Serienmäßig an Bord sind außerdem Komfortfeatures wie elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, automatisch abblendender Innenspiegel, Gepäckraumbeleuchtung und eine manuelle Lenden- und Höhenverstellung für die Sitze, die in der Praxis überraschend alltagstauglich komfortabel wirkt.
Beim Thema Assistenzsysteme bietet der Formentor eine breite Range: Park-Distance-Control vorne und hinten, optional mit Rückfahrkamera, ein elektronisches Stabilitäts- und Traktionspaket, Spurhalte- und Müdigkeitsassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) sowie diverse Sensor-gesteuerte Helfer für Licht und Regen – also alles, was im täglichen Verkehr entspannter macht, statt mit Warner-Tönen zu nächtlichen Alpträumen zu beglücken.




Auch die Konnektivität kommt nicht zu kurz: Ein großzügig dimensioniertes 12,9-Zoll-Infotainment-Display verbindet sich dank Wireless- und kabelgebundener Full-Link-Schnittstellen samt WLAN problemlos mit Android Auto oder Apple CarPlay, ergänzt um Bluetooth-Freisprechfunktion und einen soliden Audio-Grundstock. Wer den Klang nicht nur als „Anwesenheit“ versteht, sollte auf das hochwertige Sennheiser-Soundsystem für 620 Euro upgraden, das im Alltag verblüffend erwachsen und satt spielt. Im Test gab es für dieses durchweg positives Feedback.
Noch mehr Lob heimste das Matrix-LED-Scheinwerferlicht ein. Dessen Ausblendfunktion erfolgte so fein aufgelöst und blitzschnell, dass es auf Augenhöhe mit beispielsweise dem IQ.Light HD-Matrixlicht von Volkswagen arbeitet. Großartig! Wer nicht selten bei Dunkelheit unterwegs ist, sollte die 1.615 Euro für das „Pure Performance Paket“ unbedingt einkalkulieren. Nicht zuletzt, weil in diesem Paket auch das adaptive Fahrwerk mit vier Fahrmodi enthalten ist.
Auch Keyless Go/Keyless Advanced ist an Bord und funktioniert größtenteils so reibungslos wie eine gut geölte Steuerkette. Lediglich das automatische Nachverriegeln nach längerem Kofferraum-Hantieren will manchmal noch ein bisschen Motivation.
Varianten und Preise des Cupra Formentor Facelift
Der Formentor wird in neun Motor- und Ausstattungslinien angeboten:
- 1.5 TSI 150 PS – Einstieg bei 41.710 Euro; serienmäßig sind hier unter anderem 18 Zoll-Räder, Privacy-Verglasung, 3-Zonen-Klimatronic, 12.9 Zoll-Infotainment mit DAB+ und Full Link (Android Auto + Apple CarPlay), Voll-LED-Scheinwerfer, drei Assistenzsysteme und sieben Airbags an Bord; diese Grundausstattung haben auch alle folgenden Formentor.
- 1.5 eTSI 150 PS – Ab 44.435 Euro gibt es diese Mild-Hybrid-Version der Einstiegsmotorisierung.
- 2.0 TDI 150 PS – Mindestens 46.333 Euro werden für den Selbstzünder fällig.
- 2.0 TSI 204 PS – Dieser Benziner besitzt Allrad und wird ab 47.630 Euro angeboten.
- 1.5 TSI e-Hybrid 204 PS – Die Plug-in Hybrid-Variante kostet mindestens 49.885 Euro.
- 2.0 TSI VZ 265 PS – Für wenigstens 51.485 Euro gibt’s den ersten VZ, der ab Werk zusätzlich mit 19-Zöller, einem adaptiven Fahrwerk mit Fahrprogrammen, Ambientelicht, elektrischer Heckklappe mit Fußgestensteuerung, Sitzheizungen vorne, Virtual Cockpit (umfangreicheres digitales Cockpit-Display) und Rückfahrkamera ausgestattet wird.
- 1.5 TSI e-Hybrid VZ 272 PS – Als stärkerer PHEV startet der Formentor ab 54.445 Euro.
- 2.0 TSI VZ 333 PS – Als zweitstärkstes Modell bietet der Crossover ab 57.635 Euro den Allradantrieb.
- 2.5 TSI VZ5 390 PS – Die Speerspitze mit dem formidablen Fünfzylinder startet bei 72.950 Euro und wartet mit 20 Zoll-Rädern, Akebono-Sportbremsen, Carbon-Details innen und außen, Sennheiser-Surround-Soundsystem, Matrix-LED-Licht, Nebelleuchten, sechs zusätzliche Assistenzsysteme und Allrad mit Torque Vectoring auf. Nur 4.000 Einheiten werden von diesem Topmodell verkauft.

Insgesamt gibt es neun Außenfarben, davon eine (Fjordblau) serienmäßig, die anderen für Preis zwischen 810 und 2.335 Euro erhältlich.
Hinzu kommen Ausstattungspakete und Optionen, die gut und gern mehrere tausend Euro extra verschlingen können. Der hier getestete Diesel kann mit rund 10.000 Euro an Optionen veredelt werden.
Fazit – Der (fast) perfekte Alltags-Formentor
Kurz gesagt: Der Formentor 2.0 TDI mit 150 PS ist ein sehr stimmiges Paket, weil ausreichend motorisiert für Alltag und Autobahn, mit stets geringem Verbrauch. Er fühlt sich agil an, schiebt bereits aus dem Drehzahlkeller ordentlich vorwärts und bringt eine Ausstattung mit, die viele Wettbewerber ins Schwitzen bringt.

Das Facelift hat ihm zudem noch mehr optische Schärfe verliehen, was zu dem sportiven Anspruch der Marke noch besser passt. Dazu kommt mehr technische Raffinesse und Feinjustierung, wodurch der Formentor in allen Belangen noch eins drauflegen konnte.
Sein Matrix-LED-Licht ist spektakulär, das DSG arbeitet endlich souverän, der Klangraum des Sennheiser-Systems kann mit manchen Premium-Setups mithalten, und Komfort/Assistenz sind auf hohem Niveau.

Wer sich ein sportlich-souveränes SUV wünscht, das auf der Straße eine gute Figur macht und dabei dem Alltag charmant entgegentritt, dann ist dieses Cupra Formentor TDI Facelift ein ernstzunehmender Kandidat mit Charakter und Kompetenz. In dieser Klasse findet jeder, der ein entsprechenden Crossover mit guter Ausstattung sucht, schwerlich Alternativen zu diesem Preis.




Text & Fotos: NewCarz
Pro & Contra
Pro:
- gekonnt geschärfte Optik
- souveräne Schaltcharakteristik des DSG
- hervorragende Matrix-LED-Scheinwerfer
- kräftiger Antrieb und niedriger Verbrauch für die Klasse
- umfangreiche Ausstattung ab Werk
Contra:
- Start-Stopp-Automatik etwas behäbig
- optionale Ausstattung treibt den Preis schnell nach oben
- Diesel-Geräuschkulisse kann im Innenraum präsent sein
Konkurrenz: VW T-Roc, Mercedes-Benz GLA, BMW X2, Audi Q3 Sportback, Skoda Karoq, Lexus UX, Mazda CX-30
Technische Daten: Cupra Formentor 2.0 TDI DSG
- Farbe: Glacial Weiß Metallic
- Fahrzeugklasse: untere Mittelklasse (Kompaktklasse) / SUV
- Länge x Breite x Höhe (m): 4,45 x 1,84 (1,99 mit Außenspiegel) x 1,52
- Radstand (mm): 2.679
- Antrieb: Reihenvierzylinder Commonrail-Turbodiesel mit DPF und SCR-Kat
- Hubraum (ccm): 1.968
- Hybridart: –
- max. Leistung: 110 kW (150 PS) bei 3.000 bis 4.200 rpm
- max. Drehmoment (Nm): 360 bei 1.600 bis 2.700 rpm
- Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsautomtik DSG
- Antriebsart: Vorderachse
- Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,1 l/100 km
- Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 5,6 l/100 km
- CO2-Emissionen (Werksangabe): 134 g/km
- Abgasnorm: Euro 6e
- Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
- Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 9,0
- max. Bodenfreiheit (mm): k.A.
- Wendekreis (m): 11,4
- Kofferraumvolumen (l): 450 bis 1.505
- Leergewicht (kg): 1.541
- Zuladung (kg): 519
- Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/1.600
- max. Stützlast (kg): 80
- max. Dachlast (kg): 75
- Tankinhalt (l): 50
- Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
- Neupreis des Testwagens: 57.887 Euro (Basispreis TDI: 46.330 Euro)

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
